Keine «Tour Vagabonde»: Streit zwischen Shift Mode und WG Klybeck eskaliert

Shift Mode verzichtet diesen Winter als Vorsichtsmassnahme auf die Durchführung des Fondueschuppens «Tour Vagabonde». Die Wohnbaugenossenschaft will daran aber nicht schuld sein.

Die «Tour Vagabonde» erfreute sich letzten Dezember grosser Beliebtheit. Diesen Winter wird sie aber nicht stattfinden.

Der Zwist zwischen Shift Mode und der Wohnbaugenossenschaft Klybeck auf dem Hafenareal geht in die nächste Runde. Shift Mode verzichtet diesen Winter als Vorsichtsmassnahme auf die Durchführung des Fondueschuppens «Tour Vagabonde». Die Wohnbaugenossenschaft will daran aber nicht schuld sein.

Der Streit des Zwischennutzungsverein Shift Mode am Klybeckquai mit der Nachbarschaft hat Folgen: Der beliebte Fondueschuppen «Tour Vagabonde» wird diesen Winter nicht am Hafen haltmachen. Shift Mode habe entschieden, Veranstaltungen für eine breite Öffentlichkeit in den Wintermonaten einzustellen, wie der Verein mitteilt.

Als Grund für den Entscheid nennt Shift Mode die schwierige Situation mit der Wohnbaugenossenschaft Klybeck (WG Klybeck). Diese wehrt sich seit Längerem mit einem Rekurs beim Appellationsgericht gegen den von Shift Mode geplanten Bau der Holzhalle. Aber nicht nur das: Im Januar 2016 reichte Shift Mode ein Gesuch für zehn Musikveranstaltungen ein: Auch dieses Vorhaben wurde von der Wohnbaugenossenschaft mit einer Einsprache blockiert. Diese wurde inzwischen zwar wieder zurückgezogen, aber nur, weil die Abteilung Lärmschutz des Amtes für Umwelt und Energie (AUE) eine Dauermessstelle zur Überwachung der Lärmimmissionen» eingerichtet hat.

Zudem sah sich der Verein in den vergangenen Monaten mit Lärmreklamationen aus der Nachbarschaft konfrontiert. Shift Mode zieht nun wegen dieser schwierigen Vorgeschichte die Reissleine und verzichtet darauf, grössere Veranstaltungen im Winter durchzuführen.

Wohnbaugenossenschaft widerspricht

Shift Mode schreibt in ihrer Mitteilung:

«Das erste Projekt, welches den Lärmbeanstandungen aus dem Quartier und der einschränkenden Gesetzgebung zum Opfer fällt, ist die Tour Vagabonde. Die Baslerinnen und Basler hatten letzten Winter innert weniger Wochen entdeckt, dass dort das beste Fondue serviert wurde und strömten auch in den garstigsten Winternächten zu Hunderten an den Hafen in die gemütliche Tour Vagabonde.»

Das Rahmenprogramm habe abendliche Konzerte, Gauklereien und kleine Theaterstücken beinhaltet. «Leider hat auch diese Bespielung zu Beanstandungen bei der Nachbarschaft geführt.»

Die WG Klybeck zeigt sich indes überrascht darüber, dass die «Tour Vagabonde» diesen Winter nicht stattfinden wird. Martin Brändle von der Genossenschaft bestreitet, jemals gegen die Veranstaltung vorgegangen zu sein. «Es ist unglaublich, was Shift Mode uns alles in die Schuhe schieben möchte. Wir haben erst nach Pfingsten mal reklamiert, weil eine Technoveranstaltung am Hafen bis 6 Uhr morgens gedauert hatte.» Die «Tour Vagabonde» fände die Wohnbaugenossenschaft eine gute Sache, weil es etwas Handgestricktes habe, sagt Brändle. Er fände es unfair, dass die Shift Mode die WG Klybeck für alles verantwortlich machen wolle. «Sie bekommen es einfach selber nicht auf die Reihe.»

Tom Brunner, Präsident von Shift Mode, bezeichnet die Ausführungen von Martin Brändle als «fadenscheinig». Die Polizei sei im Sommer zwei- oder dreimal am Hafen aufgetaucht, weil die Wohnbaugenossenschaft interveniert habe. «Laut der Verwaltung dürften im Gebäude der Tour Vagabonde aus lärmtechnischen Gründen gar keine Theaterproduktionen oder Konzerte stattfinden. Es müsste viel Geld investiert werden, dass dies dieses Jahr möglich wäre – das Risiko ist aber zu gross, wenn bereits nach kurzer Zeit eine Lärmreklamation kommen könnte von der Wohnbaugenossenschaft», so Brunner. Man sehe sich aufgrund der Erfahrungen mit der Genossenschaft in der Vergangenheit gewungen, so zu reagieren.

Konversation

  1. Als Patentinhaber und Gatsronomiebetreiber auf dem Areal, welche unabhängig von dem Verein Shiftmode geführt wird, habe ich keine einzige Busse oder Reklamation aufgrund von als zu Laut empfundenen Lärmemissionen erhalten, ausser von Seiten Stiftmode selbst, welche mich stets und permanent auf Einhaltung der Lärmverordnung aufmerksam machten.
    Wenn eine Gastronomie als Lärm empfundene Musik emittiert und daraufhin eine Beschwerde bei den zuständigen Behörden einreicht wird, wird diese Beschwerde polizeilich überprüft und gegebenfalls verwarnt und/oder mit einer Busse/Rapport versehen. Der Vermieter der Räumlichkeiten ist in diesem Zusammenhang irrelevant.
    In meinem Fall war die Polizei dreimal vor Ort.
    Einmal empfand sie die Musik nicht als Lärmemission, da sie sich als Regelkonform und mehr als geniessbar entpuppte.
    Beim zweiten Besuch wurde kontrolliert ob das, als wohl „zu wild“ empfundene Treiben einer 4 köpfigen Akustikband über die 22 Uhr Marke hinaus stattfindet.
    Beim dritten Besuch wurde festgestellt, dass die ungeniessbaren Lärmemissionen welche laut Anrufer vom Holzpark aus stattgefunden haben sollen, garnicht auf dem Areal, sondern von privater Hand auf der anderen Strassenseite aus stattgefunden haben. Man stelle sich nur vor was ohne Holzpark und nach Schliessung des NT-Areals für Emissionen auf dem Platz stattfinden würden…
    Wieso im Bezug auf Lärm ein Verein, der das „Zwischennutzen“ für Kultur- und Gastronomieprojekte erst ermöglicht, verantwortlich gemacht werden soll ist also schleierhaft. Der Einspruch gegen Gebäude, welche zum Lärmschutz massgeblich beitragen würden in diesem Zusammenhang sogar mehr als paradox

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    1. „..man stelle sich vor was ohne Holzpark und nach Schliessung des NT-Areals für Emissionen auf dem Platz..“ blabla!

      Das schlechteste Argument der Debatte! Wir wissen alle genau was ohne wäre!

      Ein nicht legales, selbstorganisiertes, weder direkt oder indirekt subventioniertes, auf Augenhöhe mit der Nachbarschaft kommunizierendes, politisches Freiraumprojekt!
      Das wäre auf der Brache! Und zwar verdammt erfolgreich..
      ..ja, denn die hatten es nicht nötig die Nachbarschaft einfachso-weil Mensch jetzt ja bewilligt abrocken kann-die Nachbarschaft am Wochenende mit Techno in der Nacht zu beelenden.
      Im Gegenteil,
      da wurden sich sogar noch Gedanken gemacht gemeinsam mit und für die Nachbarschaft zur Nutzung des Areals (Spielplatz, Gratis Mittagstisch etc.) und zur Zukunft des Areals-um diesem Rheinhattan-Schwachsinn eine soziale Alternative entgegensetzten zu können.

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  2. _Tom:

    Bei Telebasel sagt Martin Brändle:
    Die Regierung habe Shift Mode „…als Vizekönige eingesetzt, welche ihre privaten Ländereien irgendwelchen Unterhünden abgeben. Das ist absolut undemokratisch.“

    Dies wurde im Basler Dialekt gesagt, wer diesen kennt, weiss, was gemeint ist. Wer nicht, sei auf die Übersetzung ins Englische verwiesen: Unterhund = Underdog
    (https://de.wikipedia.org/wiki/Underdog_(Soziologie) bezeichnet einen Benachteiligten oder Schwächeren beziehungsweise jemanden, der einem anderen unterlegen ist.)

    Dies auf „…Betreiber der Tour Vagabonde als „Hunde“ bezeichnen“ zu verkürzen, kommt dem Versuch gleich, Martin Brändle der Verwendung von Nazi-Terminologie zu bezichtigen. Das ist schon ein ganz starkes Stück Demagogie von _Tom!

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  3. Was soll das, Tom?
    Solche Statements sind doch einfach nur kontraproduktiv.

    Vorbild Eric Weber… echt jetzt. Aber sogar wenn es der WG Klybeck um Mediengeilheit gehen würde (was nicht so ist, was zB. Martin Brändle mit seinem Einsatz gegen Zugangsschikanenen zu eurem Areal weit ab von jeglichem Presse-Tralala gezeigt hat), warum zerrt ihr sie mit eurer Mitteilung ins Rampenlicht? Das macht doch keinen Sinn.

    Und wenn euch die Lärmdiskussion derart zusetzt, warum soll das erste Projekt, das über die Klinge springen muss, der Vagabundenturm sein (bei dem es meines Wissens nie Lärmklagen gab), und nicht die frühmorgendlichen Technosessions wegen deren es Lärmklagen gibt. Das macht doch keinen Sinn.

    Und was ist Shift mode überhaupt für ein Zwischennutzer, der derartig verzweifelt, weil während eines Sommers 2 oder 3 mal die Bullen auf der Matte stehen?

    Und was ist Shift mode für ein Veranstalter, der sein Anwohnertelefon nicht bedient, weil er gerade selbst am Mischpult damit beschäftigt ist, die Lärmstörung zu verursachen, wegen der die Leute am Anwohnertelefon niemanden erreichen?

    Und nochwas: Wenn man als normaler Veranstalter die Polizei einfach ignoriert, wenn sie wegen Lärmklagen auftauchen, dann wird beim zweiten Mal auftauchen der Stecker gezogen und man riskiert eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Wenn ich als Veranstalter in der privilegierten Situation wäre, solche Konsequenzen nicht befürchten zu müssen, würde ich mich in öffentlichen Statements über die Nachbarschaft etwas mehr zusammenreissen.

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  4. Logisch gehört der Diskurs um Lärm zu einer Belebung bzw. Zwischennutzung in dieser Grössenordnung dazu ebenso die drei-vier-mal Polizeipräsenz in dieser Saison. Drei Mal davon in der Tour Vagabonde. Fact ist jedoch, dass Euer Herr Brändle, seines Zeichen ebenfalls geübter Zwischennutzer in der ehemaligen Stadtgärtnerei, energisch beim Präsidialdepartement und dem Amt für Umwelt und Energie interveniert, warum ShiftMode keine Abmahnung bekommt. Diese Abmahnung und ein Strafbefehl bei der Staatsanwaltschaft konnte nun durch sein Engagement ausgelöst werden. Da für die Tour Vagabonde vergebens zwei Mal beim AUE eine Bewilligung für einen Theater- und Konzertbetrieb im 2016 beantrag wurde und aufgrund der gegebenen Gebäudehülle abgelehnt und als nicht bewilligbar klassifizierten, können wir uns ein solch lange andauerndes Projekt wie die Tour Vagabonde ohne Bespielungsbewilligung nicht (mehr) leisten. Dies, wie erwähnt wegen dem Effort der WG Klybeck beim zuständigen AUE und Präsidialdepartement um eine Abmahnung bzw Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Und wenn Herr Nabholz (Vorsteher AUE) in den Medien am Samstag grünes Licht für eine Bespielungs-Bewilligung geben will, werden wir spätestens nach morgen mehr Gewissheit haben.

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  5. Schon im Frühling wurde im Quartier bekannt, die Tour Vagabonde dürfe nächsten Winter am Klybeckquai nicht mehr betrieben werden, weil sein Heizungskonzept nicht den ökologischen und feuerpolizeilichen Vorgaben genüge.

    Schade, dachten viele, aber kann ja sein, so ein grosses Zelt heizen…
    Die Tour Vagabonde war im Quartier sehr beliebt, tolle Konzerte, gutes Fondue, sympathische Leute, Geräuschemissionen in Richtung Rhein. Und übrigens: im Winter sind die Fenster zu, da darf draussen eher MEHR gelärmt werden als im Sommer.

    Dass Shift Mode jetzt (erst) SO daherkommt und die Wohngenossenschaft Klybeck für diesen traurigen Entscheid verantwortlich macht, ist richtig fies, und bezeichnend für die Art, wie Shift Mode offenbar aus Prinzip die QuartierbewohnerInnen bekämpft und die Kooperation verweigert.

    Dies ist fürwahr eine „Eskalation“ (siehe Titel des Artikels), mit unlauteren Mitteln von Shift Mode vorangetrieben.

    (Der Modus, in dem da gedacht und gehandelt wird, erschliesst sich anscheinend halt doch am besten, wenn im Vereinsnamen das „f“ weggelassen wird…)

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  6. Spannend dass dies hier mal auf den Tisch kommt. Es ist offensichtlich, dass die WG Klybeck nur eigennützig agiert. Denn es geht keineswegs um Lärm, fehlende Bewilligungen oder eine Fehde mit dem Verein. Wir mögen uns persönlich ja eigentlich, sonst würden wir uns ja nicht so intensiv miteinander beschäftigen 😉 Es geht der WG Klybeck primär nur darum, die Verwaltung mit Einsprachen und Medienpräsenzen zu beschäftigen, um auf sich aufmerksam zu machen. Dies nach dem Vorbild von Querschläger Eric Weber im Grossen Rat Basel-Stadt. Man wisse zum oben genannten Thema, dass 2007 die Abteilung Lärmschutz des AUE (Amt für Umwelt und Energie) wegen des Rangierlärms eine 4,5m hohe Lärmschutzwand bauen lassen wollte, um die Lärmbelastung durch die Hafenbahn im Quartier einzudämmen. Dieses Vorhaben wurde von der WG Klybeck mit einer Einsprache blockiert und abgewendet. Begründung: Die Weite, die das Gleisfeld Richtung Sonnenuntergang bietet, ginge verloren. Doch bis heute ist die WG Klybeck regelmässig beim zuständigen AUE vorstellig und beklagt sich über den Lärm der Hafenbahn. Auch 2014 bemühte sich ShiftMode vergebens für einen Lärmgeschützten Raum auf dem Holzpark Klybeck, um genau die heute entstandene Lärmdiskussion der WG Klybeck und dem Quartier zu unterbinden. Auch gegen dieses Vorhaben wird bis heute durch die WG Klybeck ein Prozess geführt. Im Januar 2016 reichte ShiftMode erneut ein Baugesuch für einen Bespielungsplan für den Sommer 2016 ein. Auch gegen dieses Vorhaben wurde durch die WG Klybeck Einsprache und Rekurs erhoben. Die Erfahrungen der letzten Monaten mit der WG Klybeck führt ShiftMode letztendlich dazu, das Thema einer Lärmschutzwand wie im Jahre 2007 erneut auf den Tisch zu bringen und mittels Baugesuch bewilligen zu lassen. Sollte hier ebenfalls eine Einsprache eingelegt werden, könnte die Diskussion um das Thema Lärm erneut spannend werden. Und noch zum Abschluss: Besten Dank Herr Brändle, dass Sie uns in der gestrigen Telebasel-Sendung zu erhabenen Könige benennen und die Ihnen so zusprechenden Zwischennutzer und Betreiber der Tour Vagabonde als „Hunde“ bezeichnen. Wir schätzen Sie jedenfalls einfach als „Mensch“.

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  7. ..pff, was für eine Aussage, fast schon Verleumdung möchte Mensch meinen..

    Leute die sich für soziale Forderungen einsetzten (wie z.B. für ein schön nachbarschaftliches Zusammenleben einsetzten-dazu gehört auch z.B. das Betroffene mit-entscheiden können ob sie jetzt Technosound bis früh morgens aushalten können/wollen oder nicht) sind keine Extremisten (oder was ist daran für Sie „Extrem?“)

    Ihre untenstehende Sandkasten- Konflikttheorie kann erst recht niemensch ernst nehmen!

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  8. Jop. Danke für die Zusammenfassung! Um genau das geht es hier!
    ..Und sicherlich nicht um die Nachbarschaft die „stört“.

    (Sorry, ..zu doof um das „alternative Verwirklichen“ und eine rücksichtsvolle Nachbarschaft zu vereinen..
    – wer sich selbst gegen die Anwohner*innen, statt mit ihnen verwirklicht, hat den DIY-Gedanken nicht verstanden-
    aber erkannt, dass sich besagte Nische wunderbar verkaufen lässt!)

    Diese Unternehmer*innen von Shitmode werden immer frecher!

    -siehe Fakten im Kommentar von Daniel Kurmann.

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  9. @seiler

    hm, das partizipative ist bekanntlich nie wirklich bis ins präsidium vorgedrungen – weder im führungsstil noch bezüglich allfälliger gleichstellungen.
    das war quasi nicht zu haben, hoch auf dem gelben wagen, leute.
    fazit: unter keinen umständen eine wachablösung durch den nächstbesten top-down-spezialisten samt kadavergehorsam & zero-toleranz.

    für basel:
    mehr repräsentative kompetenz

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