Kinder zeigen Migranten die Stadt

Am Freitag führten Schülerinnen und Schüler der Orientierungsschule interessierte Migranten durch Basel. Die Kinder machten auf kostengünstige Freizeitangebote aufmerksam – mit Erfolg.

Nach einem aufregendem Nachmittag geht es von der Dreirosenbrücke zur Tramstation zurück ins Gundeli. (Bild: Cédric Russo)

Am Freitag führten Schülerinnen und Schüler der Orientierungsschule interessierte Migranten durch Basel. Die Kinder machten auf kostengünstige Freizeitangebote aufmerksam. Trotz Regen nahmen rund 20 Personen an dem Rundgang teil.

Die Schülerinnen und Schüler der OS Kaltbrunnen im Alter zwischen zehn und dreizehn Jahren haben sich was ganz besonderes als Projekt ausgedacht: Sie zeigten Migranten Basel von seiner schönsten und kostengünstigen Seite. Auf der Route quer durch die Stadt standen Freizeitangebote wie Parks, Bibliotheken oder Jugendtreffpunkte. Unter der Führung der Kinder und einer Aufsichtsperson machten sich die Interessierten auf, ihren neuen Aufenthaltsort zu erkunden.

Rund 20 Leute verschiedener Nationalitäten waren am Freitag zum Migrationszentrum im Gundeli gekommen. Sie wurden nach Sprachen aufgeteilt und einem von vier Teams der Klasse zugewiesen. Die Kinder hatten sich lange auf die Führung vorbereitet, lernten ein Fremdsprachenvokabular und erkundeten vorab die geeignetsten Orte zur Besichtigung. «Die Projektidee wurde von den Kindern mit viel Begeisterung umgesetzt», sagte Klassenlehrerin Christine Kamasa. Unterstützt wurde das einmalige Projekt von INTAKE, der Abteilung Migration der Sozialhilfe Basel-Stadt.

Die ersten müssen aufgeben

Eine Gruppe erkundete unter der Leitung von Christine Kamasa das St. Johann und das Kleinbasel. Ausgerüstet mit einem Stadtplan und einer Wegbeschreibung, ging es für die OS-Schüler Caroline, Béla, Dennis, Nadine, Milena und ihre zwei Begleiterinnen aus Äthiopien mit ihren Kindern bei strömenden Regen los. Es war kein gemütliches Schlendern, sondern ein eiliges Gehen an diesem Nachmittag. Keine guten Vorraussetzungen für eine Tour durch Basel, wie sich bereits am Bahnhof zeigte. Ein Kind quengelte und heulte. All die Beruhigungsversuche der Mutter nützten nichts, so dass sie die Tour widerwillig abbrechen musste.

Obwohl die Gruppe nunmehr auf Mama Senait* und ihre vierjährige Tochter Ayana* geschrumpft war, setzte sie unbeirrt ihre Tour fort. Mit dem Tram ging es zum Kannenfeldpark. Nach Verweilen war allerdings niemandem zumute, denn es regnete in Strömen. Also ging es weiter zur nächsten Station: der Bibliothek Jukibu an der Elsässerstrasse. Selbstsicher und ausgerüstet mit einem in Cellophan eingeschweissten Stadplan führten die Kinder der OS die Erkundungsgruppe durchs St. Johann ans Ziel.

Mit der Fähre ins Kleinbasel

In der interkulturellen Bibliothek war es warm und trocken. Die beste Gelegenheit um einen Moment zu entspannen und in den Bücherregalen zu schmöckern. Senait war begeistert vom Angebot der Bibliothek. Sie hatte seit Monaten nichts in ihrer Heimatsprache Amharish gelesen, nun blätterte sie sogar in einem Kinderbuch für ihre Tochter. Ein Erfolg für die OS-Schulklasse, denn die Äthiopierin nutzte das neuendeckte Angebot noch am selben Tag: Sie meldete sich bei der Jukibu an und lieh das Buch für ihre Tochter aus.

Zurück im Regen ging es mit der Fähre über den Rhein ins Kleinbasel – zum Freizeitzentrum unter der Dreirosenbrücke. In der Freizeithalle können Kinder gratis oder für einen kleinen Geldbetrag herumtollen, Trampolin springen und «töggeln», während die Eltern im angrenzenden Bistro Kaffee trinken. Leider war das Freizeitzentrum beim Besuch der OS mit ihren Begleiterinnen geschlossen, eine Mitarbeiterin liess die Gruppe zur Besichtigung aber trotzdem hinein. Damit Senait und Ayana bei ihrem nächsten Besuch nicht vor verschlossenen Türen stehen, erhielten sie Prospekte mit Angebot und Öffnungszeiten überreicht.

Alle sind nass und hungrig

Kurz nach 16 Uhr war Schluss: Die Führung war zwar bis 16.15 Uhr geplant, die Besichtigung weiterer Stationen fiel aber ins Wasser. Was auch gut war so: Ayana war vom vielen Laufen schon ziemlich müde, ausserdem waren alle Teilnehmer vom Regen durchnässt und hungrig. Die Kinder der OS störte der vorzeitige Abbruch der Führung nicht. «Wir haben bewusst mehr Besichtigungspunkte geplant als zeitlich machbar sind. Besser zu viel planen, als unverhofft zu wenig haben», sagte Dennis (10).

Mit dem Tram ging es zurück zum Ausgangspunkt im Gundeli-Quartier. Es ist nicht zu leugnen, dass der anhaltende Regen den Ausflug etwas getrübt hat. Doch Senait und Ayana schienen trotzdem froh zu sein, an dieser Besichtigung Basels teilgenommen zu haben. Senait sagte: «Jetzt weiss ich mehr über Basel und seine Freizeitangebote, die ich mit meiner Tochter in Zukunft nutzen möchte.»

*Namen geändert

Konversation

  1. Ich verstehe den Zusammenhang zwischen den obigen Kommentaren und dem Zeitungsartikel jetzt nicht wirklich. Wie wäre es mit mehr Sachlichkeit und gründlicherem Durchlesen der Wortwahl (Meinstream, Zuvielgarage)? Oder wäre das dann wieder linker Mainstream, wenn man eine schriftliche Meinung gegenliest?
    So oder so ist es doch gut, dass sich junge Menschen für die Integration einsetzen. Und ich bin sicher, dass man so ein Projekt auch für Expats machen könnte. Ob sie dieses Angebot dann annehmen und/oder Zeit dafür finden, das ist dann in deren Entscheidungsbereich.

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