Klare Regeln für Sponsoring: Geld nehmen, Unabhängigkeit behalten

Die Basler Universität regelt den Umgang mit Zuwendungen und Sponsoring neu. Mit dem Reglement, das ab sofort für alle Fakultäten gilt, reagiert der Universitätsrat auf Bedenken, dass ein leichtfertiger Umgang mit Drittmitteln die akademische Unabhängigkeit gefährden könne.

Die Universität will sich weiter von der Pharmalobby unterstützen lassen, neu aber mit einem klaren Reglement als Grundlage.

(Bild: Nils Fisch)

Die Basler Universität regelt den Umgang mit Zuwendungen und Sponsoring neu. Mit dem Reglement, das ab sofort für alle Fakultäten gilt, reagiert der Universitätsrat auf Bedenken, dass ein leichtfertiger Umgang mit Drittmitteln die akademische Unabhängigkeit gefährden könne.

Universitäten und andere Hochschulen sind zunehmend auf Drittmittel angewiesen, wenn sie sich in Lehre und Forschung vom Durchschnitt abheben möchten. Die Entgegennahme privater Zuwendungen und das Sponsoring bergen aber auch die Gefahr, dass die Interessen der Geldgeber die akademische Freiheit und Unabhängigkeit einschränken könnten.

Für viel Aufmerksamkeit sorgte zuletzt eine Recherche des Politmagazins «Rundschau» von SRF. So sollen sich Pharmakonzerne mit geheimen Verträgen für gesponserte Professuren Einfluss an Schweizer Universitäten verschafft haben. Konkret hat der Pharmalobby-Verband Interpharma, der den Basler Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie mit insgesamt rund 7 Millionen Franken finanziert, bei der Ernennung von Professor Stefan Felder mitgeredet.

Verbindliche Grundsätze

Dies soll nun künftig nicht mehr möglich sein. Das neue Reglement verpflichtet die Universität, die Herkunft der Mittel zu prüfen und die entsprechenden Verträge offenzulegen. Geldgeber dürfen auch nicht mehr in Berufungsverfahren einbezogen werden. Die Verwendung von Forschungsresultaten durch einen Sponsor ist zudem nur gestützt auf eine schriftliche Vereinbarung möglich.

Damit will die Universität sicherstellen, «dass die finanzielle Unterstützung der Universität durch private Dritte die Freiheit von Forschung und Lehre nicht beeinträchtigt», wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Gleichzeitig möchte das Reglement klare Rahmenbedingungen schaffen, um das Fundraising weiter zu fördern. Als mögliche Gegenleistungen für private Förderer sind explizit die Benennung einer Professur, die Namensnennung oder auch die Beschriftung eines Gebäudes vorgesehen.

Das neue Fundraising-Reglement wurde zusammen mit den Fakultäten erarbeitet. Es ist für alle Angehörigen und alle Organe der Universität ab sofort verbindlich und seine Grundsätze gelten auch für die mit der Universität Basel assoziierten Institute und Spitäler. 

Konversation

  1. Das Wunderwort heisst Placebo Effekt. Unser Körper verfügt über unglaublich starke Selbstheilungskräfte. Leider haben wir im Laufe der Evolution vergessen/verlernt diese zu nutzen. Ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Arzt und ein Mediksment kann da helfen. Bei anderm kann dies ein Geistheiler sein, Medidation oder der starke Glauben an eine höhere Macht (Gott). Also schlussendlich eigentlich egal solange der Patient danach gesünder ist als zuvor.

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  2. So einfach ist das nicht – nebst Geldern fliesst ja da auch Know-How und Technologie. Viele Studierende und Doktoranden können zeitweise in hochmodern ausgestatteten Laboren der Pharma arbeiten und ihre Forschung vorantreiben. Da ist es doch nur legitim wenn die Pharmafirmen auch ihren teil davon abhaben wollen. Es bringt schliesslich beiden Seiten etwas.

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    1. Das ist ein „KIleinproblem“!
      Viel wichtigere Probleme sind das Verschweigen von Negativresultaten bei Studien, die dann einfach in der Schublade verschwinden oder negiert werden.

      Es ist halt „geiler“, sagen zu können, dass man was Neues entdeckt hat, als sagen zu müssen, dass die Idee zu keinem brauchbaren Resultat geführt hat.
      (Das täte übrigens auch der Pharmaindustrie gut.)

      Manche Pillen sind in der Alltagsrealität viel weniger wirksam als in der Werbung versprochen.

      (Bei Mitteln gegen Depression sind etwa ein Drittel kaum wirksam und manche Pille ungenügend wirksam, ohne dass man dafür eine vernünftige Erklärung hat.)

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