Kreidespray sorgt für Ärger

Ob politische Jungparteien oder Festivalveranstalter: Immer öfters werben sie im öffentlichen Raum mit Kreidespray für ihre Interessen. Legal ist das nicht, wie diese Woche auch die Veranstalter des Pärkli-Jam erfahren mussten.

Illegal: eine von fünf Kreidemarkierungen, hier zwischen Johanniterbrücke und St.Johanns-Vorstadt (Bild: Simon Jäggi)

Ob politische Jungparteien oder Festivalveranstalter: Immer öfters werben sie im öffentlichen Raum mit Kreidespray für ihre Interessen. Legal ist das nicht, wie diese Woche auch die Veranstalter des Pärkli-Jam erfahren mussten.

«Mit der Sprühkreide kannst du deine Graffitikünste auf dem Bürgersteig oder Mauern ausleben, ohne dafür Ärger zu bekommen.» So wirbt ein Vertreiber von Spraykreide im Internet für seine Produkte.

Im Glaube, nichts Verbotenes zu tun, warben auch die Veranstalter des Pärkli-Jam mit Kreidespray für ihre Veranstaltung. Im St. Johann und im Kleinbasel platzierten sie auf den Trottoirs Hinweise auf ihr Festival. Wie andere Veranstalter rechneten sie damit, dass die Kreide nach einigen Tagen wieder verschwinde.

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, denn die wenigsten Kreidesprays gehen mit dem ersten Regen ab, wie ein Blick auf die Angebote im Internet zeigt. 10 bis 15 Tage hält ein Spray durchschnittlich. Einige verschwinden nur mit Schrubben und unter Einsatz von Warmwasser.

Und so sind nach knapp zwei Wochen auch die Markierungen des Pärkli-Jam immer noch deutlich in der Stadt sichtbar, weshalb sich Anfang dieser Woche ein Mitarbeiter der Allmendverwaltung bei den Festivalveranstaltern meldete.

Bei anderen Festivals abgeschaut

«Wir hörten da zum ersten Mal, dass das Werben mit Kreidespray nicht erlaubt ist», sagt Festivalorganisator Roman Hueber. Die Organisatoren haben diese Art der Werbung bei anderen Festivals abgeschaut, «beim Imagine und beim BScene.» Man habe nicht gewusst, damit eine Straftat zu begehen. Jetzt wollen Hueber und sein Team die Hinweise in den kommenden Tagen entfernen.

Bei der Allmendverwaltung verzeichne man in letzter Zeit eine Häufung von Werbung mit Kreidespray, sagt der stellvertretende Amtsleiter Patrick Solèr. Im letzten Sommer sorgten die Jungsozialisten mit einer gesprayten Kampagne für Ärger, im Herbst warb das Clubfestival BScene unerlaubt mit Kreidespray für den Event. Die Juso musste die Reinigungskosten von rund 2’200 Franken schliesslich selber bezahlen, beim BScene blieb es bei einer Ermahnung.

Dabei seien die gesetzlichen Bestimmungen klar. «Es ist grundätzlich nicht erlaubt, ohne Bewilligung im öffentlichen Raum Reklame anzubringe», sagt Solèr.

Ein Grund dafür sei, dass die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) mit der Stadt einen exklusiven Vertrag für Werbung auf der Allmend habe. Entsprechend sei auch die APG unerfreut über Kreidewerbung im öffentlichen Raum.

Dabei sei Sprühkreide nicht grundsätzlich verboten, sagt Solèr. Strafbar macht sich nur, wer damit Reklame betreibe. «Wenn jemand nur Verzierungen anbringt, dann ist das erlaubt.»

Konversation

  1. Kreidespray? Mir scheint, als sammle Basel momentan Luxusprobleme. Es wäre an der Zeit, Staatsoberen und kommerziellen Partyveranstaltern zu zeigen, wie ein fettes „Reclaim the Streets“ in der Innenstadt aussehen könnte.

    Danke lukas schweizer für den twitter-Link. Da möchte man gleich wissen, welche Altlasten nach der Euro08 noch auf der Stadt lasten. Die Organisatoren des Pärkli-Jam wären da schon mal die richtigen Vorbilder. Zeichen setzen… 😉

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  2. BVB bringt jetzt Aussenwerbung an und versperrt die Fotosicht nach draussen. Wenn die nur auch soviel Kreativität an den Tag legen, die Chauffeure mit 8mm Vierkantschlüssel im Kampf gegen das Saunaklima bestücken würden.

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  3. DAS wäre interessant zu wissen, wie viel die APG der Stadt zahlt.

    Gleichwohl: Die Stadt hat eine Verantwortung wahrzunehmen.

    Bsp Joel Thüring: Die Stadt lässt sich von ihm, der es sich leisten kann, seine Propaganda im Wahlkampf zu verbreiten, bezahlen. Easy Jet hat das Budget, nicht aber der Modellbauer beim Spalentor. Christian Müller und das F.U.K. haben es auch nicht.

    Die Stadt als Kassier einer Zweiklassengesellschaft!

    Und die Verwaltung, die für alle arbeiten sollte, arbeitet daher nur für das Kapital, als Zudiener.

    Und nicht nur das: Die BVB macht bei diesem Spiel mit mobiler Werbefläche munter mit.

    WAS lässt sich effektiv mit den wenigen Prozenten, die für das Recht, öffentliches Gut mit Werbung (Allmend, BVB) zu bespielen, verdienen, damit es die Belästigung rechtfertigt?

    Wenn ich mein Haus verlasse, sehe ich, da frontal dreiflächig über die Strasse an einer Allmendmauer montiert, als erstes die APG Verschmutzung. Ist Wahljahr, muss ich mich schlimmstenfalls, gezwungenermassen und das ist passiert, mit den schwarzen SVP Schuhen, konfrontieren lassen. Oder mit den Klimasündern von Easy Jet.

    ICH WILL DAS NICHT!!!!

    und KEIN Betrag rechtfertigt diese staatliche, nur dem Interesse einzelner dienenden Einflussnahme.

    Es sind keine Millionen, die die Stadt mit der APG verdient.

    Aber die APG verdient dank der Stadt Millionen!

    Auf Kosten meiner Lebensqualität!

    (Was den Streit um den Steg am Grossbasler Rheinufer irgendwie, in Anbetracht möglicher Gemäuerverunstaltungen durch Sprayer, ad absurdum führt!)

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  4. Der Mehrwert für dich als Bürger (ob Mehrwert hier der passende Begriff ist bezweifle ich Mal) ist schlicht und einfach das Geld, das die APG dafür an die Stadt bezahlt, die damit einen Teil ihrer Aufgaben finanziert.

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  5. wird sich hier noch zu Wort melden, um von den Staatsorganen ein konsequentes Durchgreifen gegen diese subversiven Schmierereien zu fordern.

    „Kreide fressen“: Ja! „Kreide sprayen“: Nein!

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  6. Und wie genau profitiere ich von der APG Werbung auf der Allmend?

    Immer mehr Werbung verstellt und beeinträchtigt die Sicht.

    Ja warum genau muss ich alle 50 Meter mit Werbung für Easy Jet, gegen Depressionen, die neueste Migros-Abzocke-Aktion, dem Gesicht von Joel Thüring oder dergleichen belästigt werden?

    Wo genau ist da der Mehrwert für mich?

    Warum masst es sich die Stadt an, mich mit Werbung, die sowieso überall im Alltag (Zeitung, Fernsehen, Radio, Bahnhof, Post, Stadion usw.) allgegenwärtig ist, zusätzlich belästigen?

    Und dann hat die APG auch noch ein staatlich geschütztes Monopol!!!!

    Das sie proaktiv durchsetzt!

    Und wer sich handfest gegen diese Verschmutzung wehrt, muss juristische Konsequenzen befürchten!

    Mehrwert für den Bürger? Wo?

    GEGEN WERBUNG AUF DER ALLMEND!

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