Kürzungen bei der Kinderbetreuung sorgen für rote Köpfe

Der Allschwiler Einwohnerrat hat dem neuen Subventionsmodell für Tagesheime zugestimmt. Die Änderung sorgte im Vorfeld für Kritik: Besorgte Eltern reichten daher eine Petition ein.

Sauer wegen den Plänen des Allschwiler Gemeinderats: Gross und Klein protestierten am Mittwoch gegen das neue Subventionsmodell bei der Kinderbetreuung. Dabei wurde eine Petition eingereicht, was aber ein paar Stunden später beim Einwohnerrat wenig Gehör fand.

(Bild: Michel Schultheiss)

Der Allschwiler Einwohnerrat hat am Mittwoch dem neuen Subventionsmodell für Tagesheime zugestimmt. Die Änderung sorgte im Vorfeld für Kritik: Besorgte Eltern reichten daher eine Petition ein. Sie befürchten eine Belastung für arbeitende Eltern mit schmalem Bugdet.

Die Stimmung vor dem Gemeindehaus war am Mittwochnachmittag ziemlich geladen. «Warum wird nun auf dem Rücken der Kinder gespart?», fragte ein verärgerter Familienvater in die Runde.

Mit dieser Frage war er nicht allein: Rund 400 Unterschriften brachten die Kritiker der neuen Regelung des Gemeinderats zur familienergänzenden Kinderbetreuung (FEB) zusammen. Mit Protestplakaten in den Händen überreichten Eltern, Kinder und Tagesmütter die Petition an den Gemeinderat Thomas Pfaff (SP).

Für die Kritiker war es bereits zu spät: Wenige Stunden danach nahm der Allschwiler Einwohnerrat das neue Reglement für Tagesfamilien und Kindertagesstätten mit grossem Mehr an. Die Ansprüche auf Subventionen werden darin neu berechnet. Obschon Thomas Pfaff zu Beginn der Einwohnerratssitzung über die Petition informierte, blieb der Effekt bescheiden: «Die Grundsätze des neuen Reglements waren nicht bestritten», sagt Pfaff. Eingefügt wurde aber ein Passus, dass der Gemeinderat bei Bedarf die Kosten anpassen könne. «Dies bietet die Möglichkeit, der Kritik nachzugehen», sagt Pfaff.

Angst vor der Benachteiligung von Geringverdienern

Trotzdem wollten die Kritiker auch kurz vor der Einwohnerratssitzung nicht einfach die Flinte ins Korn werfen und taten vor der Einwohnerratssitzung ihren Unmut kund. Der Grund: Statt 11.20 Franken werden künftig nur noch acht Franken pro Stunde für die familienergänzende Betreuung von Kindergartenkindern und Primarschülern bezahlt. Den Rest müssten die Eltern selber berappen.

Die Leiterin eines Tagesheims, die nicht genannt werden möchte, befürchtet nun, dass sie Leute entlassen und Gruppen zusammenlegen muss: «Nur noch diejenigen, die das aus der eigenen Tasche bezahlen können, werden sich das leisten.» Sie selbst kenne mehrere Fälle, bei denen das nicht möglich sei, und vermutet, dass auch Geringverdienende bis zu 500 Franken pro Monat und Kind hinblättern müssten: «Einige Eltern müssen nun aufhören zu arbeiten.»

«Selbst Daniel Vasella hätte Subventionen bekommen»

Thomas Pfaff stellt jedoch klar, dass es eben gerade eine Forderung des Einwohnerrats an den Gemeinderat gewesen sei, ein «kosteneffizientes» Modell statt eines nach dem Giesskannenprinzip vorzulegen. Beim Reglement über familienergänzende Kinderbetreuung werden die Subventionen nach Einkommen abgestuft. Bis zu einem massgebenden Einkommen von 58’000 Franken werden hundert Prozent der Subventionen ausgerichtet. Danach reduziert sich der Subventionssatz linear. Bei mehr als 128’000 im Jahr versiegt der Anspruch.

Nach Ansicht von Pfaff ist dieses Modell fair: «Wir waren bisher sehr grosszügig», sagt Thomas Pfaff. «Selbst Daniel Vasella hätte Subventionen bekommen, wenn er in Allschwil wohnen würde.» Nach seinen Berechnungen habe man mit dem alten Modell einfach Geld aus dem Fenster geworfen. Mit der Neuerung dagegen werde Leuten mit schmalem Budget weiterhin fast alles bezahlt. «Ausgenommen sind die Essenskosten – doch die halten wir für zumutbar», sagt Pfaff.

Der besagte Vater kann darüber nur den Kopf schütteln: «Muss ich also von meiner Arbeit in Zürich über Mittag nach Hause, um für mein Kind zu kochen?» Eine alleinerziehende Mutter, die 50 Prozent arbeitet, ist ebenfalls besorgt darüber, dass ausgerechnet bei den Mahlzeiten gespart werde: «Die Qualität im Kita wird dadurch sinken.»

  

Konversation

  1. Der Gemeinderat und die Parteien, die in Allschwil das Sagen und damit die Verantwortung haben, bringen bei der Tagesbetreuung weder fachlich noch menschlich
    etwas mit Kopf, Herz und Hand zustande. Allschwil surft nach dem Baselbieter Demokratieprinzip der schmerzkonservativ herrschenden Mehrheit von einem Schlammassel zum nächsten.

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