Kultwerk #41: Der kleine Hobbit

J. R. R. Tolkiens abenteuerliche Geschichte regt auch nach 75 Jahren unsere Fantasie an.

Bilbo Beutlin und die Zwerge verhandeln über einen abenteuerlichen Vertrag. (Bild: Warner Bros/James Fisher)

J. R. R. Tolkiens abenteuerliche Geschichte regt auch nach 75 Jahren unsere Fantasie an.

Peter Jacksons Verfilmungen des Epos «Der Herr der Ringe» spielten insgesamt fast drei Milliarden US-Dollar ein und entfachten vor rund zehn Jahren eine Fantasy-Manie, vergleichbar mit jener rund um «Harry Potter». Diesen Dezember kommt die Verfilmung der Vorgeschichte ins Kino, pünktlich zum 75-Jahr-Jubiläum des Buches «Der kleine Hobbit». Die 1937 erstmals erschienene Geschichte konzipierte Tolkien in Stil und Erzählweise für seine Kinder.

Die Geschichte handelt vom Hobbit Bilbo Beutlin, einem «Halbling», der ein geruhsames und wohlhabendes Leben im idyllischen Auenland führt, bis ihn der Zauberer Gandalf und 13 Zwerge unverhofft besuchen und in ein Abenteuer ziehen, das so gar nicht nach seinem Geschmack ist: Es gilt das Land Mittelerde zu durchqueren, um einen Schatz zurückzuerobern, den der Drache Smaug den Zwergen gestohlen hat.

Widerwillig schliesst sich Bilbo der Reisegesellschaft an und erlebt auf seiner Wanderung allerlei Abenteuer. In einem Wäldchen werden er und die Zwerge beinahe von Trollen zu Sülze zerquetscht, in Bruchtal lernt Bilbo den Elben Elrond kennen, und im Nebelgebirge wird die Gemeinschaft von garstigen Kobolden, sogenannten Orks, gefangen genommen. Ihnen gelingt die Flucht, und Bilbo findet dabei in den dunklen Gängen des Gebirges einen unsichtbar machenden, magischen Ring, den die dort hausende Kreatur Gollum kurz zuvor verloren hat. Nach einer langen und beschwerlichen Reise gelangt die Gesellschaft zum Einsamen Berg, um den todbringenden Drachen Smaug herauszufordern.

Mit 100 Millionen verkauften Exemplaren rangiert «Der kleine Hobbit» auf Platz 15 der meistverkauften Bücher. Zweimal schon wurde das Buch als Zeichentrickfilm adaptiert, die Sowjetunion produzierte in den 1980ern eine Realverfilmung. Später entstanden deutsche Hörbücher, Comics und Videospiele. Peter Jackson bringt nun den «Hobbit», wie zuvor schon «The Lord of the Rings», in drei Teilen heraus. Doch was dort logisch erschien – schliesslich ist die «Ringe»-Vorlage auch in drei Bücher gegliedert – lässt beim «Hobbit» Skepsis aufkommen, umfasst das Buch gerade mal 332 Seiten.

Wie soll dieser kurze Stoff in drei Streifen verpackt werden, ohne Langatmigkeit zu erzeugen? Regisseur Peter Jackson fügte einige Nebenschauplätze aus Tolkiens «Herr der Ringe» in die Filme ein, um die kinderfreundliche Handlung des «kleinen Hobbits» für Erwachsene spannender zu gestalten. Ob Jackson damit wieder ins Schwarze trifft, ist ungewiss, war doch gerade die Werktreue der «Lord of the Rings»-Filme ein wichtiger Grund für deren Erfolg.

In dieser Rubrik stellen wir jeweils ein Kultwerk vor, das in keiner Sammlung fehlen sollte.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 17.08.12

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