Kunstmesse Scope steht vor dem Aus in Basel

Der Zwischennutzungsverein Shift Mode hat den Vertrag mit Scope nicht verlängert. Die Kunstmesse sucht nach einem neuen Standort ausserhalb des Hafens – und schliesst auch einen Wegzug aus Basel nicht aus.

Vertrag nicht verlängert: Die Kunstmesse Scope und ihre zuletzt 70 Aussteller brauchen einen neuen Standort. Im Bild das 2014 auf der Scope ausgestellte Werk «Le Cri 4/8» des Franzosen Mauro Corda.

(Bild: Keystone)

Der Zwischennutzungsverein Shift Mode hat den Vertrag mit Scope nicht verlängert. Die Kunstmesse sucht nach einem neuen Standort ausserhalb des Hafens – und schliesst auch einen Wegzug aus Basel nicht aus.

Die Situation war mühsam für alle. Auf dem Migrolareal hätte es Platz genug für viele verschiedene Zwischennutzungsprojekte, doch jedes Frühjahr wurde die Brache vom unansehnlichen Zelt der Scope in Beschlag genommen. Damit war eine vernünftige Bespielung der Fläche nicht möglich. Doch auch die Kunstmesse selbst war nicht zufrieden, war doch das Riesenzelt keine besonders attraktive Heimat für teure Kunst.

Scope hat den Mietvertrag für diesen Standort noch mit der Stadt ausgehandelt, der Zwischennutzungsverein Shift Mode hat ihn als neuer Hausherr übernommen. Doch dieser Vertrag ist jetzt ausgelaufen, erneuern wollen ihn die Zwischennutzer nicht. Damit steht die Scope zum wiederholten Male ohne Standort da.

Blockierte die Entwicklung auf der Brache: Die Zwischennutzer Shift Mode wollen das Zelt der Scope nicht mehr.

Blockierte die Entwicklung auf der Brache: Die Zwischennutzer Shift Mode wollen das Zelt der Scope nicht mehr. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Tom Brunner, Präsident von Shift Mode, bestätigt auf Anfrage, dass der Vertrag mit der Scope nicht verlängert wurde. «Das riesige Zelt hat das gesamte Areal und die Entwicklung blockiert. Wir konnten diese Fläche nicht weiter freihalten.» Der öffentliche Druck sei zu hoch geworden, sagt Brunner. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der Vertrag mit dem Zelt so nicht fortgeführt werde.

«Falls wir jedoch die Holzhallen rechtzeitig bauen können, darf die Scope jederzeit von den neuen Räumen Gebrauch machen.» Doch der Bau dieser Hallen ist höchst ungewiss, zurzeit ist dagegen immer noch ein Rekurs der Wohngenossenschaft Klybeck hängig.

Komplizierte Zusammenarbeit

Bis dahin können die Zwischennutzer von Shift Mode immerhin damit beginnen, die verschiedenen Flächen rund um den künftigen Hallen-Perimeter zu bespielen. «Nach den Initial-Projekten, die hauptsächlich aus dem Bereich Gastronomie stammen, kommen jetzt die ersten alternativen, sozio-kulturellen Projekte auf das Areal», sagt Brunner.

Vor kaum lösbaren Schwierigkeiten stehen die Betreiber der Kunstmesse Scope. Schon seit längerer Zeit sucht man nach einem Ersatzstandort. Laut Sprecher Patrick Tschan konnte bislang keiner gefunden werden. Die Zusammenarbeit mit Shiftmode sei kompliziert gewesen, so Tschan: «Unglücklich darüber, dass wir nicht mehr im Hafen sind, bin ich nicht.»

Ende September falle die Entscheidung, wie und wo es weitergeht. Auch ein Wegzug aus Basel steht laut Tschan zur Diskussion. 

Konversation

  1. Vielleicht ist dies der erste, in eine vernünftige & kreative Zukunft weisende, Entscheid. Ein Befreiungsschlag. Ja, schickt die Kunstmesse Scoop endlich in die Wüste! Hinter den Scoop-Leuten stecken ein paar grossartige Hochstapler, welche auch die Shiftmode-Leute lange genug an der Nase herumgeführt haben. Man hat Geld für die Holzhallen versprochen und sich als Mäzen in Szene gesetzt. Jetzt ist fertig lustig mit diesem Theater.
    Unverständlich ist auf diesem Hintergrund, dass die Stadt die Scoop-Veranstalter über Jahre quer durch die Stadt hofiert hat. Man hat das Hafenareal exlusiv für den eher kläglichen Scoop-Auftritt geräumt und die Wagenleute mit Polizeieinsatz zurückgedrängt, nur um ein paar eingeflogenen Kunstfuzzis einen Auftritt mit Hafenambiente zu gewähren. Schräg bei der Sache ist, dass das Präsidialdepartement, unter dem persönlichen Einsatz des Stadtpräsidenten, dem Freiraumprojekt den Scoop-Auftritt auf’s Auge gedrückt hat und es jetzt die Shiftmode-Leute sind, welche die Kohlen aus dem Feuer holen mussten. Probleme zu lösen scheint nicht das Kerngeschäft des Präsidialdepartementes zu sein….

    Allerdings: Der Abgang von Scoop wird einen gröberen Schaden hinterlassen. Jetzt sind die Holzhallen für Ausstellungen vermutlich obsolet und das Projekt muss überarbeitet werden. Zudem fällt ein solventer Mieter und damit jährliche Mieteinnahmen von rund 60’000 Franken weg. Damit ist die Ausgangslage neu. Vermutlich darf man der Wohngenossenschaft Klybeck im Nachhinein dankbar sein, dass es zu dieser bereinigenden Verzögerung gekommen ist. Vielleicht ist es sinnvoller jetzt alles etwas kleiner und weniger grossartig zu denken. Endlich das Quartier, die spezifischen Anliegen der NachbarInnen zu berücksichtigen und die Wagenleute in einer adäquaten Form einzubeziehen und sich auf die lokale Szene abzustützen.

    Es wird dem Projekt nicht schaden, wenn es auf die lokale Grösse & Stärke zurückgeworfen wird. Vergesst die Kunstfuzzis!

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    1. Klingt nicht grad clever: Eine Zwischennutzung auf einer Brache ist bekanntlich ziemlich aufwändig zu realisieren. Jetzt, wo niemand mehr dafür zahlt, wird es nicht lange gehen, bis man den Staat anruft, er solle gefälligst Hallen bereit stellen, damit von Mitte Okt. bis Mitte April dort am Klybeckquai nicht tote Hose ist…Aber solange man sich gegenseitig ins Bein schiesst dort unten und mehr verhindert wird wie entsteht, wird daraus kaum etwas, welches uns noch einige Jahre freuen wird.

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    2. @meury
      adoch 😉

      früh scheitern? (einer Ihrer klugen gedanken)

      gibt’s leider noch nicht – vor der jetzt aktuellen situation (konflikt-status) hätten die akteure JEDEN lösungsanbieter totgeprügelt und zwar so ziemlich allseitig.
      bleibt: die idee, ein projekt an den tropf zu hängen, ist sehr fragwürdig (wer auch immer den dann bedienen sollte …).
      «exit» für planungsgrössen?

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  2. da war doch mal eine räumung wegen ein paar parkplätzen für diese scope
    die ufergroteske schreibt ihr nächstes trauriges kapitel

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  3. Schutt, Schotter, Geröll, und wie immer geht es um: Kies.

    Warum wurde dieses Gelände nicht einfach luxusüberbaut? Dann hätten wir alle eine Ruhe und dürften uns endlich einem anderen Thema zuwenden.

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