Leuchtturm am Hafen: Erkenntnis vertagt

Ab 2018 soll ein 132 Meter hoher Leuchtturm das Dreiländereck in Kleinhüningen markieren. Bei der offiziellen Präsentation des Projekts liessen die Initianten um den Hochsee-Kapitän Louis Conzett viele Fragen offen. Ungewiss bleibt unter anderem, wer das Megaprojekt bezahlen soll.

17:00 Uhr: alles ist bereit, der rote Teppich erwartet die Gäste an der Schifflände. (Bild: Daniel Faulhaber)

Ab 2018 soll ein 132 Meter hoher Leuchtturm das Dreiländereck in Kleinhüningen markieren. Bei der offiziellen Präsentation des Projekts liessen die Initianten um den Hochsee-Kapitän Louis Conzett viele Fragen offen. Ungewiss bleibt unter anderem, wer das Megaprojekt bezahlen soll.

Louis Conzett hatte in der Vergangenheit mehrfach auf diesen 10. Juni verwiesen. Eine offizielle Pressekonferenz sollte dann stattfinden, Gäste eingeladen werden, das Projekt «Leuchtturm Basel» der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Man durfte also gespannt sein.

Conzett hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen, um seiner Vision Ausdruck zu verleihen. Die geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft, sowie Pressevertreter aus der Schweiz, dem Elsass und Baden-Württemberg versammelten sich an Bord der MS Christoph Merian, die Conzetti eigens für diesen Anlass gechartert hatte.

Zur Pressekonferenz erschienen Georges A. Böhler (Präsident des Dorfvereins Kleinhüningen), Marcus Gardani (Architekt), Roger Harrisberger (Mitglied des Vereins Pro Leuchtturm Basel) und selbstverständlich Louis Conzett selbst, Kapitän zur See und Initiator des Leuchtturm-Projekts.

Nutzflächen und Glanzpunkte

Wer sich von dieser vielversprechenden Aufstellung Antwort auf die Fragen und Ungereimtheiten erhoffte, die der Leuchtturm bis anhin aufgeworfen hatte, wurde enttäuscht. Im Verlauf des Abends fiel zwar immer wieder der Begriff «Transparenz», allerdings war wenig zu erfahren, das diesem Versprechen gerecht geworden wäre.

An der Pressekonferenz referierte Gardani über die Konzeption des Turms in Anlehnung an die Fresnel-Linse. Harrisberger kommunizierte die Fakten des Baus: 110 Millionen Franken soll er kosten, seine 26 Stockwerke sich zu stolzen 125 Metern (plus 7 Meter Antenne) türmen. Neben einem Hotel sollen zwei Restaurants, Büros und Sitzungsräumlichkeiten einquartiert werden. Böhler unterstützt den Leuchtturm als Aufwertungsmassnahme: Kleinhüningen werde von der Stadt konsequent vernachlässigt, ein Leuchtturm am Dreiländereck soll der Gegend wieder etwas Glanz verleihen.

Die Mission Leuchtfeuer entfacht Zweifel

Conzett selbst sprach von einer Vision, von einer simplen Idee, die sich zu einer «Mission entwickelt» hatte. Basel brauche ein Wahrzeichen, so der Initiator, eines, das sein Leuchtfeuer über die Landesgrenzen hinweg in die Welt hinaus trägt. Ginge es nach Conzett, soll das bereits 2018 der Fall sein. 

Dafür bräuchte es bald eine Baubewilligung, doch die erhält der Verein «Pro Leuchtturm Basel» erst, wenn die fraglichen Parzellen am Dreiländereck erworben wurden. Diese gehören zur Zeit der Stadt Basel, eine Zusage steht noch aus. Doch die Initianten sind guter Dinge, «wir führen viele Gespräche, Mitte Juli soll ein generelles Baubegehren eingereicht werden», sagt Conzett. Er sagt auch, dass der Verein «Pro Leuchtturm Basel» bis dahin als Aktiengesellschaft eingetragen werden wird, und wenn erst die Zusage für einen Baustart vorliegen würde, dann endlich könnte die Frage beantwortet werden, die am brennendsten interessiert: Wer bezahlt das alles?

Etwas Schriftliches und was zu trinken

«Von einem bekannten Schweizer Investor liegt die Zusage vor, die Kosten für die Projektierung und Realisierung des Turms zu übernehmen», sagt Conzett. Über den Namen dieses Investors wurde Stillschweigen vereinbart, auf die Nachfrage, in welcher Form diese Zusage vorliege, heisst es vage: «Es gibt etwas Schriftliches.» 

Vage Baupläne, hehre Worte und ein unbekannter Investor: Transparenz war auch schon durchsichtiger. Auf der anschliessenden Rundfahrt durften sich die Gäste mit Häppchen und Cüpli verwöhnen lassen, Conzetts Vision stiess bei den meisten auf Anklang. Das Dreiländereck sei eine Sackgasse, dort gebe es nichts und das sei schade. Warum also nicht einen Turm bauen?

Den Höhepunkt der Rundfahrt bildete ein Zwischenstopp im Hafenbecken 1. Auf einem Eisenbahnwaggon gaben dort die Sängerin Beverley Worboys und der Sänger Claudio Versace eine Ballade zum Besten, deren Refrain wie die programmatische Vertonung der Leuchtturm-Idee übers Wasser schallte: «You raise me up to more than I can be.»

Konversation

  1. Basel hat viele kleine Leuchttürme welche effizient im Hintergrund scheinen, braucht keine Protzstadt zu werden. Offenbar will man sich nicht mit kreativeren Ideen beschäftigen. Oder sind es etwa Minderwertigkeitskomplexe?

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  2. Ich habe gewisse Zweifel daran, dass es ausgerechnet „Glanz“ ist, was das Kleinbasel braucht.

    Und was soll am Münster als Basler Wahrzeichen nicht gut genug sein?

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  3. Wenn Männer ins Alter kommen, brauchen sie oft eine „Verlängerung“ für ihr bestes Stück. Ein Porsche, ein Jeep… oder gar ein Leuchtturm? Bescheidenheit war gestern.

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  4. Eine Hochseefahrt ins Ungewisse….

    Was diese Herren betreiben ist eine Art «Immobilien-Piraterie». Wir entern ein Grundstück, welches der Stadt gehört und behaupten, dass wir mit der Stadt, als Besitzerin des Areals, im Gespräch sind (leider war bei der Präsentation offensichtlich kein Vertreter von Immobilien Basel anwesend und hätte den Sachverhalt klären können). Ergo gibt es nicht im Entferntesten entsprechende Verbindlichkeiten. Mit dieser vermeintlichen Akquisition ködern wir dann potentielle Geldgeber. Da es aber offensichtlich für das Megaprojekt keinen Investor gibt, behaupten wir weiter, dass wir im Gespräch mit möglichen Top-Investoren (ein Schweizer Investor… vielleicht Moritz Suter & Co. (?) sind. Selbstverständlich wollen die Investoren für ein solches Projekt anonym bleiben. Der Schwindel wird dann extrapoliert, indem man eine eindrückliche Präsentation zelebriert und damit auch die Presse mit entsprechender Hofberichterstattung im Sack hat. Bis das Gegenteil mit handfesten Beweisen auf dem Tisch liegt, darf man hier vermutlich getrost von einem Hochstapler-Projekt reden. Wie die meisten «Leuchttürme» im Binnenland (d.h. weit ab eines Meeres, mit richtigen Schiffen und der nötigen Signalisationsoption) dürfte auch das Projekt «Leuchtturm Basel» lediglich als ein mediales Ereignis in Erinnerung bleiben und damit im virtuellen Raum als kleines Strohfeuer verglühen.

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  5. Katja Reichenstein führte durch den Abend? Die Mode-Shifterin? Gediegene Sache, das. Bedürfte das nicht einer „nüchternen Nachbetrachtung“?

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  6. Vielleicht habe ich da irgendwas nicht mitbekommen, dann tut es mir leid.

    Aber was ich nicht verstehe ist, wie kann Herr Conzett ein Konzept haben für ein Terrain, das ihm gar nicht gehört?

    Ich meine ja auch, dass man dort, wo jetzt der Spiegelhof steht, endlich etwas Schönes, vor allem aber etwas Nützliches hin bauen sollte: Ein Hallenbad mit 100-Meter Becken. (Im Garderobentrakt hätte auch ein Waschraum Platz, wo Baschi dann seine Wäsche waschen könnte…).
    Und dort, wo jetzt das Präsidialdepartement haust, stellen wir eine von Rem Koolhaas entworfene Kinderkrippe hin, dort , wo die Stadtbildkommission grösstenteils unfassbaren Unsinn labert, soll zukünftig Sondermüll verbrannt werden und das Erziehungsdepartement an der Leimenstrasse müsste dringend durch irgend etwas ERNST zu nehmendes ersetzt werden, wo nicht dauernd eine untaugliche Reform nach der anderen statt findet. Einen Friedhof?

    etc…etc…

    Kurz: Was ist eigentlich, wenn die Stadt das Gelände am Dreiländereck gar nicht verkaufen will? Warum sollen die ein so tolles, zukunftsträchtiges Areal verscherbeln? Ich bin dagegen.
    Der Fall erinnert an die Initiative um eine neue Joggeli-Halle, die von irgendwelchen Genies vor ein paar Jahren auf dem Gelände der Firma Beton Christen geplant wurde, obwohl Christen das Land gar nicht verkaufen wollte…

    Nun also hofft Herr Conzett wohl, dass er einfach genug Cüpli- und Medien-Hype veranstalten müsse um Druck auf die Regierung aus zu üben, dem Verkauf zu zustimmen.
    Aber Achtung: Katja Reichenstein allein, das it-Girl der Basler Veranstaltungsszene, macht noch keinen Frühling am Hafenbecken. Die steht ja schliesslich für jeden hin: UBS, CS etc…etc…

    Übrigens: Die Firma Hilton, die Conzett zuletzt noch als mögliche Partnerin genannt hatte, hat kürzlich in der BaZ dementiert ein Interesse zu haben. Ja, ein Hotel da draussen, das ist Guggus. Da müsste erst mal Rheinhattan gebaut werden.

    Bi nit dr Schorsch vom Haafebeggi zwei
    doch my dunggt`s dr Conzett sygg allei.
    Sauglattismus bringt ihn au nit wyyter
    und die Planigg schynt mr zymmlig schytter.

    Dä Turm isch au nit bsunders prächtigg:
    Obe dick und unde schmaal.
    Ästhetisch isch das Ding ohmächtig
    und statisch ischs kataschtrophal.

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    1. Nicht böse gemeint, aber ja, Sie haben was nicht mitbekommen.
      Gemäss Synthesebericht 2013 ist die Neubebauung des Dreiländerecks im Entwicklungsschritt 4 (von 7, beim Schritt 7 ist Rheinhattan komplett) geplant. Entwicklungsschritt 2 ist mehr oder weniger abgeschlossen, zumindest ein Projekt vom Schritt 3 sollen nach gegenwärtigen Aussagen nächstes Jahr abgeschlossen sein. Die Rheininsel soll am Nord-und Südende von ca. 100 m hohen Hochhäusern „verankert“ werden. Also gemäss Zeitplan und Ausmassen wie auch Gestaltung (wo keine Glasfassade nach Möglichkeit weisse Farbe als gemeinsames Erkennungsmerkmal) voll im Rahmen der derzeitigen Planung der Stadtentwickler.
      Ich hoffe jedoch auch, dass es sich hier um das unkoordinierte Vorpreschen eines Einzelnen handelt und von der Regierung nicht ernsthaft erwogen wird.
      Es scheinen aber schon Gespräche mit der Stadt stattgefunden zu haben. Da die Verwaltung die entsprechende Begleitgruppe in diesem Fall hätte informieren müssen und das nicht getan hat, das macht mich aber doch stutzig. Denn bis jetzt ist der nicht-Einbeziehung der Bevölkerung ein sicheres Anzeichen dafür, dass es wieder mal einen Schritt vorwärts geht. (siehe ExMigrol Areal)
      Mal sehen, was die feinen Damen und Herren diesmal aus dem Hut zaubern.

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  7. Mit dem Schwarzwaldmeer liegen Sie gar nicht so falsch, jb. Eingedenk der Tatsache, dass sich unter uns ein tektonisches Grabensystem befindet, das langsam aber sicher auseinanderdriftet, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Schwarzwaldmeer Realität werden wird. OK, die wenigsten von uns werden das mitbekommen, weil es noch ein paar Millionen Jährchen dauern wird…

    NB: natürlich driften die tektonischen Platten auseinander und der Graben verbreitet sich. Dies nur als Info für die möglichen Besserwisser unter den Kommentarschreiberlingen.

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