Luftanalysen weisen Giftstaub in Basel nach

Das Amt für Umwelt und Energie gab Entwarnung, Luftanalysen von Altlastenexperte Martin Forter zeigen das Gegenteil: Novartis kontaminiert mit der Steih-Sanierung in Hüningen die Umgebung mit giftigem Lindan-Abfallstaub. Zwei Grossräte fordern nun einen Baustopp.

Mit solchen Staubfallen hat der Altlastenexperte Martin Forter die Staubemission von Novartis gemessen. (Bild: Tino Bruni)

Novartis kontaminiert mit der Steih-Sanierung in Hüningen die Umgebung mit Lindan-Abfallstaub, das beim Einatmen die Gesundheit gefährdet. Während das Amt für Umwelt und Energie entwarnte, ohne die Staubmengen in der Luft zu kennen, legt der Altlastenexperte Martin Forter erstmals Messergebnisse aus Luftanalysen vor. Zwei Grossräte fordern von Novartis nun einen Baustopp.

Seit den Messergebnissen des Amts für Umwelt und Energie (AUE) vom 16. September ist bekannt: Novartis hat mit der Sanierung des STEIH-Areals in Hüningen giftigen Lindan-Abfall-Staub in die Basler Luft verfrachtet. Dies belegten sämtliche Bodenproben, die das AUE «im näheren und weiteren Umfeld des Sanierungsstandortes» entnommen hatte und in einer Medienmitteilung bekannt gab.

Da die gemessenen Bodenwerte «deutlich unter den Prüfwerten» lagen, entwarnte das AUE: Es bestehe «aufgrund einer ersten Einschätzung kein Risiko», weshalb es auch keine «konkreten Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung» brauche.

Die Messungen des AUE haben allerdings gemäss dem Altlastenexperten Martin Forter zwei Schönheitsfehler: Erstens erfolgten sie trotz mehreren Beschwerden aus der Bevölkerung über den Gestank erst, als der Experte mit Videoaufnahmen gezeigt hatte, dass die Schutzzelte über der Deponie im Wind flattern und dadurch keinen dichten Eindruck hinterlassen. Zweitens beurteilte das AUE das Risiko für die Bevölkerung nicht anhand von Luftanalysen seit Sanierungsbeginn, die gemäss Forter für die Einschätzung entscheidend wären

Erste Luftanalysen

Forter hat dieses Versäumnis jetzt zumindest teilweise nachgeholt, wie aus seiner Medienmitteilung vom Mittwoch hervorgeht. Auf seinen Verdacht hin, dass es infolge der Sanierung zu Staubemissionen komme, hat er an sechs Standorten so genannte «Staubfänger» aufgestellt und analysiert. Demnach seien bis zu 94 Mikrogramm Lindan und Lindan-Abfall-Staub von Mitte August bis Anfangs September im unteren Kleinbasel niedergegangen. Selbst bei der Mittleren Brücke entdeckte Forter den gefährlichen Staub in der Luft.

Gefährdet sieht Forter auch das Trinkwasser in den Langen Erlen: Als bis in die 1970er-Jahre der Lindan-Abfall noch in rauen Mengen offen gelagert wurde, habe der Wind den Giftstaub von Hüningen schon einmal dorthin getragen.

Was die gemessenen Mengen in der Luft im Hinblick auf die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung bedeuten, sei «schwierig» einzuschätzen, schreibt Forter, «da Inhalations-Studien weitgehend fehlen». Gegenüber Forter bestätigte der Direktor der International HCH & Pesticides Association (IHPA), John Vijgen, dass die Aufnahme des Staubs über die Lunge aus «toxikologischer Sicht gefährlich» sei und bei Sanierungsarbeiten der Austritt «sofort unterbunden werden» sollte.

Baustopp gefordert

Ein Ende der Sanierungsarbeiten fordern deshalb nun auch zwei Grossräte: Heidi Mück (Basta) und Daniel Goepfert (SP) wollen, dass Novartis die Arbeiten sofort einstellt und erst wieder aufnimmt, wenn der Konzern keine weiteren Staubaustritte garantieren kann. Mück, die selber im Kleinbasel wohnt, hat ihrem Unmut bereits am 9. September in Form einer Interpellation Ausdruck verliehen. Darin hielt sie den «Eindruck» fest, dass die Umweltbehörden Basels die «Verantwortung am liebsten weiterschieben» und niemand «der Sache ernsthaft nachgehen wollte», bis sich Forter «an die Öffentlichkeit wandte».

Martin Forter beurteilt die ganze Affäre als «Peinlichkeit». Seine Hauptkritik gilt jedoch nicht den Behörden, sondern dem Verursacher. Mehr dazu sagt der Altlastenexperte im Interview in der Printausgabe der TagesWoche vom 27. September (Sie erhalten die TagesWoche am Kiosk oder digital über die App der TagesWoche. Oder nach Hause geliefert mit einem Abo).

Konversation

  1. @Scheurer:
    Wysser hat trotzdem Recht. Was ist das den für eine Angabe. Er hat 94ug gemessen. Ja wo? Pro m²? In einem seiner Becherchen? In der Luft? Die Aussage ist einfach vollkommen wertlos.

    @Berger:
    Was ist da ins lächerliche gezogen? Desweiteren arbeite ich nicht bei Novartis. Aber das nur am Rande.
    Die Angaben die da gemacht wurden sind einfach nicht aussagekräftig. Das ist alles. Das Novartis nun erstmal pausiert ist schön, kann aber auch daran liegen, dass PR-mässig dazugelernt wurde.

    Aber so Aussagen wie: „ich musste im Hafen husten, da stimmt doch was nicht“ muss ich ja wohl hoffentlich nicht ernst nehmen…

    Desweiteren würde mich interessieren, wieso hier jeder zu wissen scheint, wie Lindan riecht?! Ich weiss es nicht.

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  2. Frage: Warum nur hat heute Abend Novartis plötzlich bekannt gegeben, dass sie die Sanierung sofort einstellt? Doch ein schlechtes Gewissen? Ihre ins lächerliche gezogene Kommentare sind da lätz am Platz. Da zeigt sich Novartis noch einsichtiger sie beide. Es ist bei euch zu vermuten, wess Brot ich ess, dess Lied ich sing, oder…

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  3. …mein Alias habe ich mir doch bewusst zugelegt und nicht glücklicherweise. Wenn Sie mit gelahrten Worten (wobei Sie wohl „gelehrte Worte“ meinten) Mühe haben, dann könnte ich ja versuchen, es allgemeinverständlicher auszudrücken. Es wird dann einfach ausführlicher, länger.

    Das mit der Voreingenommenheit ist richtig. Gegenüber Herrn Forter bin ich voreingenommen, sehe mich allerdings auch immer wieder darin bestätigt. Das wiederum ist nur aufgrund einer gewissen Professionalität möglich, wobei es sich vielleicht um eine andere handelt, als Sie meinten. Da muss ich Ihnen also wiedersprechen.

    Das mit der Dummheit ist natürlich eine Unterstellung. Primär versuche ich, Dummheiten zu vermeiden (was nicht ausschliesst, dass ich hier gelegentlich trotzdem überflüssige Kommentare absetze). Und selbstverständlich stehe ich für eine von mir begangene Dummheit gerade. Da ändert doch mein Alias nichts daran. Gruss.

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  4. … Sie machen ihrem Decknamen alle Ehre und übersehen dabei, dass
    1. Herr Forter für die Lindan-Luftfracht zu Recht Luftanalysen verlangt, währenddem die „Profis“ vom AUE Bodenproben entnahmen,
    2. Frau Mück als Politikerin und betroffene Bewohnerin in Kleinhüningen das einzig richtige tut, was in dieser Situation zu tun ist: sie denkt global und handelt lokal – dies im Gegensatz zu anderen Grossräten, die sich während den Wahlen als sauglatte Kleinhüninger gebärdeten und jetzt hasenfüssig auf Tauchstation gehen.
    3. Ihre gelahrten Worte (z. B. „validierte Analysemethode“, „Standardeinheit“) weder Professionalität noch Seriosität, sondern einzig und allein Voreingenommenheit vermitteln.
    Na ja, Sie haben sich ja glücklicherweise einen Decknamen zugelegt, so müssen Sie für ihre Dummheiten nie geradestehen!

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  5. …ist doch, dass die Novartis machen kann, was sie will, und es trotzdem immer jemandem geben wird, dem sie es nicht recht macht. Diese Erfahrung mussten schon andere machen.

    Neu ist für mich die Erkenntnis, dass es mitten in Basel eine französische Enklave gibt. Davon wusste ich bislang nichts. Ich dachte bislang, das Areal befände sich jenseits der Landesgrenze… Na dann!

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  6. Peinlich.
    Novartis saniert mitten in Basel das Industrieareal der Ugine Kuhlmann, das schon 1972 Lindan über die Stadt verteilte, mit einem undichten Zelt als Schutz, einem ungeschützten Lagerplatz und einem ungeschützten Verlad auf die Rheinschiffe. Der Global Player geht die Sanierung so tapsig an, dass er sich von einem einzelnen Mann, der nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, mit einigen Messstationen vor aller Öffentlichkeit vorführen lässt. Er stellt die Arbeiten umgehend ein – nach, aber eben nicht vor – Martin Forters Medienmitteilung. Dass sich Kleinbasler seit dem 9.6.13 über Lindan-Gestank in der Luft beklagten, hat weniger interessiert.
    Stephan Wottreng, Birsfelden

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  7. Ich war oft in August in Marina/Portland (Zwischennützung am Hafen) und ich bin auch Feinstaub allergisch. Ich habe oft husten müssen, wenn es stark gerochen hat.

    Ich musste letzte Woche bei Arzt gehen, um prüfen ob ich wieder eine Lungenentzündung entwickle. Es war nicht den Fall, aber etwas ist wahr an diese Geschichte.

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  8. Mein Ratschlag an Herrn Forter wäre, sich mit Profis zusammenzutun, die wissen, wie man korrekt eine Luftbelastung ermittelt. Zum Beispiel Arbeitshygieniker. Und vielleicht nimmt er eine Arbeitsmedizinerin dazu, welche das Messergebnis beurteilen kann.

    Sein „Messwert“ sagt uns was? Gar nichts! Und das weiss Herr Forter selber auch. Das finde ich peinlich. Aber weder Frau Mück noch Herr Goepfert wissen das. Woher auch, sie vertrauen ja auf den „Experten“.

    PS Gerne revidiere ich meine Meinung, wenn uns Herr Forter eine validierte Analysenmethode präsentiert und die Luftbelastung (angegeben in einer Standardeinheit) auf einen Grenzwert bezieht.

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