Nach 27 Jahren muss die Condomeria schliessen

Sie ist eine Institution. Jeder in Basel kennt die Condomeria. Doch bald gibts am Rheinsprung keine Kondome und Pastapenisse mehr.

Sie gehört an den Rheinsprung wie das Münster auf die Pfalz.

(Bild: Nils Fisch)

Sie ist eine Institution. Jeder in Basel kennt die Condomeria. Doch bald gibts am Rheinsprung keine Kondome und Pastapenisse mehr.

Wer nach Basel kommt, lernt die Condomeria am Rheinsprung schnell kennen. Sie ist eine Institution, eine Sehenswürdigkeit fast, zu der man auswärtige Besucher gern hinführt – oder zumindest daran vorbei, auf dem Weg hinauf zur Pfalz. Und fast jede, die hier wohnt, hat mindestens einmal die berühmten Nudeln in Penisform gesehen – ein gern verschenkter Scherzartikel aus der Condomeria.

Seit 27 Jahren verkauft das Lädeli am Rheinsprung Kondome oder Sexspielzeug und berät zu allen Fragen der Sexualität. Doch jetzt hängt dieses Schild im Schaufenster: «Ende Juni schliesst die Basler Condomeria.» Geschäftsführerin Erika Knoll bestätigt: «Das Geschäft läuft nicht mehr, wir können es nicht mehr halten.» 

Der Rolls-Royce unter den Kondomen

Schuld sind die üblichen Verdächtigen: Das Internet, der tiefe Euro, günstige Grossverteiler. Spezielle Artikel, die es früher nur in der Condomeria gab, bekommt man heute auch in der Migros oder im Coop, etwa Kondome ohne Latex. «Natürlich nicht so gute», sagt Knoll. «Den Rolls-Royce unter den Nicht-Latex-Kondomen kriegt man nur bei uns, der ist dehnbar und nimmt Körperwärme an.»

Erika Knoll ist traurig. «Ich hänge sehr an der Condomeria.» Ganz Schluss ist für sie aber nicht, sie führt auch eine Filiale im Niederdorf in Zürich und diese bleibt offen: «Auch in Zürich läuft das Geschäft schlechter als früher, aber besser als in Basel.»

Konversation

  1. Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber das Verschwinden der Condomeria aus der historischen Altstadt erlebe ich in mehrerer Hinsicht als Gewinn. Einerseits empfinde ich den Verzicht auf Penis fokussierte Auslagen und Utensilien als Aufwertung der historischen Substanz des Rheinsprungs und anderseits erscheint mir ein Ladengeschäft für Kondome als Anachronismus und erinnert mich stark an Zeiten der Kolle-Filme und der Tabuthemenliteratur im Bravo Heftchen.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. Schade, Niggi, hast du das „andererseits“ noch gebracht. Sonst wäre es eine echt gelungene Trollerei gewesen.

      „den Verzicht auf penisfokussierte Auslagen und Utensilien als Aufwertung der historischen Substanz des Rheinsprungs“

      Ich hätte es nicht besser formulieren können. Genial! Gratuliere!

      Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. „Naturalamb Condome werden aus dem Darm von neuseeländischen Lämmern (ähnlich dem menschlichen Blinddarm), hergestellt.
    Sie sind aufgrund der natürlichen Struktur des Materials nicht zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten geeignet. Der Hersteller empfiehlt sie ausdrücklich nur für monogame Paare zur Empfängnisverhütung“.

    Mmhhäääää……

    Condomeria.ch

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Liebe Leserinnen und Leser, herzlichen Dank für die Kommentare, die wir sehr schätzen. Wir heissen auch Humor vollkommen, aber mit Anstand. Sie verzeihen mir hoffentlich, dass ich die Kommentare zum Verkehr mit oder ohne Verhütung in und ausserhalb der Prostitution deshalb verberge. Dieses Thema hat durchaus seine Berechtigung, aber gerade in solch sensiblen Gebieten ist Respekt gegenüber dem Anderen, ob Frau oder Mann, wichtig. Wenn Sie die Kommentare entsprechend anpassen, schalten wir Ihre geschätzten Beiträge gerne wieder auf. Vielen Dank!

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. Die Liste der „üblichen Verdächtigen“ ist unvollständig. Normalerweise taucht doch bei einem geschlossenen Laden reflexartig auch der Name des Baudirektors Hampe Wessels als Schuldiger auf. Vermutlich gibt der Verhütungsshop auf, weil man nicht mit dem Auto den Rheinsprung rauf und runter fahren kann und weil die Parkplätze auf dem Münsterplatz aufgehoben wurden. Für Fussgänger sind die Kondome zu schwer und nur umständlich zu transportieren.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. Sie können sich hier schon lustig machen über Hans Peter Wessels. Es ist aber nicht lustig, sondern infam. Hans Peter Wessels ist glücklich verheiratet und braucht keine Kondome. Wegen ihm hätte die Condomeria nie gegründet werden müssen. Entsprechend kann er auch an ihrer Schliessung nicht schuld sein. Ein bisschen mehr zu überlegen, bevor man einen Kondomentar abschickt, würde Ihnen gut anstehen.

      Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel