Nach dem Rauswurf kommt die Zwischennutzung

Am Burgweg 4 bis 14 sind fast alle langjährigen Bewohner ausgezogen. Die freien Wohnungen sollen nun bis Anfang 2018 zwischengenutzt werden.

Frisch geräumt und jetzt zwischengenutzt: Die umkämpfte Häuserzeile am Burgweg.

(Bild: Eleni Kougionis)

Am Burgweg 4 bis 14 sind fast alle langjährigen Bewohner ausgezogen. Die freien Wohnungen sollen nun bis Anfang 2018 zwischengenutzt werden.

Nach Ostern konnte es der Immobilienverwalterin Adimmo AG gar nicht schnell genug gehen. Sie drohte zwei Mieterinnen am Burgweg damit, ihre Wohnungen zwangsräumen zu lassen, sollten sie nicht kooperieren, sprich: ausziehen. Es war eine Eskalation des seit Jahren offen ausgetragenen Rechtsstreits zwischen den Bewohnern der Häuserzeile am Burgweg 4 bis 14 und deren Eigentümerin, der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK). Inzwischen sind bis auf drei Mietparteien sämtliche der langjährigen Bewohner ausgezogen.

Nun ist klar, weshalb die Adimmo die Häuser im Auftrag der BLPK schleunigst freiräumen sollte. Seit diesem Wochenende kursiert auf Facebook ein Aufruf:

«Wohnungen und Ateliers im beliebten Wettsteinquartier, nur wenige Gehminuten vom Rhein entfernt zur Zwischennutzung bis Ende Januar 2018 zu vergeben.»

Dahinter steht ein Zürcher Unternehmen, die Projekt Interim GmbH, gemäss Website «Spezialisten für Zwischennutzungen und Leerstandsmanagement». Das Unternehmen geriet in Zürich in die Kritik, weil seine Verträge mit den Zwischennutzern sich in einem rechtlichen Graubereich bewegen würden.

Mehr als 40 Wohnungen zu sehr günstigen Preisen – eine Dreizimmerwohnung gibt es für 450 Franken – sowie einige Mansardenzimmer und Atelierräume bietet Projekt Interim am Burgweg an. Weshalb aber mussten die langjährigen Bewohner ihre Wohnungen verlassen, wenn das Haus ohnehin bis mindestens Ende Januar 2018 weiter zum Wohnen genutzt wird?

Zwischennutzung statt Ertragsausfall

Georg Meier, Leiter Portfolio Management bei der Adimmo, bestätigt den Zusammenhang zwischen den angedrohten Zwangsräumungen und der Zwischennutzung. «Diese Wohnungen waren wie der restliche Bestand zur Freigabe vorgesehen.» Die Zwischennutzung diene nun dazu, den Ertragsausfall aufzufangen, bis das Renovationsprojekt fertig ausgearbeitet sei. «Leerstand kostet Geld», sagt Meier.

Eine Verlängerung der Zwischennutzung über Januar 2018 hinaus sei nicht vorgesehen. «Wir wollen nicht ewig so weitermachen, verlängert wird nur, wenn wir dazu gezwungen sind», sagt Meier. Sprich: Wenn bis Januar nicht alle hängigen Rechtsverfahren geklärt sind, könnten die Häuser am Burgweg noch länger zwischengenutzt werden.

Der Sprecher des Mieterverbandes Basel, Beat Leuthardt, findet einmal mehr deutliche Worte: «Das Verhalten der BLPK ist völlig inakzeptabel. Statt dass die langjährigen Bewohner länger bleiben dürfen, wird mit diesem schummrigen Unternehmen zusammengearbeitet.» Für Leuthardt ist die Zwischennutzung ein weiterer Beleg dafür, dass die BLPK den Burgweg-Bewohnern «auf Vorrat» und damit widerrechtlich gekündigt habe. Er überlege sich nun, im Grossen Rat einen Vorstoss einzureichen, um den Kanton dazu zu bringen, diese Häuserzeile aufzukaufen und den Bestand an günstigem Wohnraum zu sichern.

Konversation

  1. In den 80ern konnte man an vielen Häusern in Basel lesen: Spekulanten raus! Der Burgweg wird zur Spekulantenstrasse. Es lebe der wildgewordene Kapitalismus. Von einer rot-grünen Regierung wäre zu erwarten, dass sie nun interveniert, nachdem sie mit den exhorbitant teuren Wohnungen in der Überbauung des Kinderspitals überhaupt erst im Quartier den ersten Stein dazu gelegt hat, dass nun alle meinen, ganz viel Rendite aus den Mietwohnungen holen zu können. Die Rochetürme mit den zahlreichen Wochenaufenthaltern und Schwerverdienern tun den Rest dazu. Richtig der Vorstoss. Basel-Stadt soll den Burgweg aufkaufen und wieder gut machen, was sie seit einigen Jahren stadtentwicklerisch verbrochen hat in unserer Stadt. Es braucht schon lange andere Wohnprojekte für Basel. Und etwas Mut würde unserer kleinlauten Regierung gut anstehen, auch gegenüber der Pharma und wildgewordenen Renditemaximierern.

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    1. Die BLPK wollte nicht verkaufen! Es gab durchaus gute Kaufangebote auch von Trägern des gemeinnützigen Wohnungsbaus.Trotz angenommener Bodeninitiative ist da auch für die rot-grüne Regierung leider nichts zu machen.

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  2. Wieder ein Puzzlestein mehr, der langsam deutlich macht, dass die ganze Säule 2 in der Schweiz (und Pensionskassen in den meisten anderen Ländern auch) nichts anderes als ein Pyramidenspiel ist.
    Da nun das Spiel mit den Zinsen (also aus Scheisse Gold zu machen) langsam dem Versuch weichen muss, Scheisse anhand der Farbe sortieren zu wollen, kommt die ganze Perversion dieses Rentensystems zum Vorschein.
    Die meisten Leute, die aus diesen Wohnungen geschmissen worden sind, zahlen damit *den* Zins zurück, der ihnen versprochen worden ist, als sie (erzwungenermassen) Geld für ihre Pension eingezahlt haben.
    Es ist sozusagen die erste Generation, für die dieses Pyramidenspiel geplatzt ist. Es ist nicht anzunehmen, dass es den folgenden Generation besser gehen wird. Ich jedenfalls rechne schon lange nicht mehr damit, dass ich mit 65 in Pension werde gehen können.

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  3. Einfach zum Kotzen.
    Ich erwarte von einer Pensionskasse, die sich die Organisation von Menschen im Alter auf die Fahne geschrieben hat, eigentlich etwas anderes.
    Echt eine Schande.
    Genau so eine Schande, was sich in der Mattenstrasse anbahnt mit der Vinzenzgemeinschaft. Mieter sollen raus, damit auf der Reniditeebene gebaut werden kann, jedoch liegt noch keine Baubewilligung vor.
    Traurig

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  4. Kanton Basel-Landschaft/Regierungsrat/Vorlage an den Landrat/betr. Jahresbericht 2001 der Basellandschaftlichen Pensionskasse/vom 16. Juli 2002:

    «3.2. Immobilien

    3.2.1.

    Teilverkauf Immobilien an Allreal

    Der Bereich «Immobilien» ist strategisch neu ausgerichtet worden. Dies ist in einem ersten Schritt über den Verkauf eines Teils des Portefeuilles an die Allreal geschehen. Im gleichen Zug hat die BLPK Anteile an der Allreal erworben und damit ein gut diversifiziertes Schweizer Immobilienportefeuille erhalten.

    3.2.2.

    Gründung Adimmo

    Gleichzeitig hat die BLPK die Adimmo AG gegründet und darin den früheren Immobiliendienstleistungsbereich der Atag Ernst & Young, Basel, sowie der Mitarbeitenden des Immobilienbereichs der BLPK integriert. Damit ist die Grundlage für ein professionelles Immobilienportfolio-Management geschaffen worden.

    3.2.3.

    Verlagerung der Aktivitäten zu Adimmo

    Mit der Auslagerung der Aktivitäten im Immobilienbereich ist eine Professionalisierung der Prozesse angestrebt worden, welche sowohl Verbesserungen im qualitativen wie auch im quantitativen Bereich zur Folge hat. Durch die Konzentration der Immobilienverwaltung haben Verbesserungen erzielt werden können, welche mit der alten Organisation nicht haben realisiert werden können.

    Mit einem professionellen Immobilien-Portfolio-Management ist eine klare Verbesserung der Renditen anvisiert worden.»

    Heute kann man feststellen: Ziel erreicht.

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