«Organisieren liegt mir im Blut»

Ernst Mutschler ist Gründer des «Em Bebbi sy Jazz» und ein Basler Urgestein. Am Freitagabend findet das Jazz-Happening zum letzten Mal unter seiner Leitung statt. Nach dreissig Jahren als Obmann tritt der umtriebige Organisator zurück.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Ernst Mutschler ist Gründer des «Em Bebbi sy Jazz» und ein Basler Urgestein. Am Freitagabend findet das Jazz-Happening zum letzten Mal unter seiner Leitung statt. Nach dreissig Jahren als Obmann tritt der umtriebige Organisator zurück.

Wer Ernst Mutschler nach dem Grund für seinen Abgang fragt, landet bei seiner Frau. Er habe ihr bereits den Rücktritt auf das zwanzigste Jubiläum angekündigt, dann auf das fünfundzwanzigste. Wenn er jetzt nicht Wort halte, sei seine Glaubwürdigkeit in Gefahr. Mutschler treibt gerne seine Scherze. Und sollte der einundsiebzigjährige Festivalgründer müde sein, lässt er sich davon zumindest nichts anmerken.

Alle paar Minuten klingelt eines seiner beiden Telefone. Einige Tage vor seinem letzten «Em Bebbi sy Jazz» stapeln sich Dankesbriefe an die Sponsoren und Festivalplakate in seinem Büro. Die verteilt er zu einem grossen Teil selber, an seinem Festivalfahrrad hat er dafür einen grossen Korb befestigt. Wenn nötig, fährt er damit wie zuletzt bis nach Birsfelden.

Das Bad in der Menge

Das Festival ist für Mutschler eine Herzensangelegenheit. Unter seiner Leitung wuchs der zu Beginn beschauliche Jazzabend rund um das Hotel Basel zu einer der grössten Freilichtveranstaltungen der Innenstadt heran. Aus acht Spielorten wurden 31 und aus hundert Musikern 530. Für die dreissigste Ausgabe werden am Freitagabend gegen 70’000 Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt strömen.

Auf dem Höhepunkt hat sich Mutschler entschieden, die Veranstaltung aus den Händen zu geben und sich zu verabschieden. Noch steckt er mitten in den Vorbereitungen. Doch die nahende Derniere rückt merkbar näher. «Das wird kein gewöhnlicher Abend, das spüre ich.»

«Der Dank der Besucher ist der grösste Lohn.»

Er freut sich auf ein letztes Bad in der Menge. Das grösste sei  der Abend selber, wenn die Leute auf einen zukommen und «Danke» sagen. Das sei für ihn jeweils der grösste Lohn für seine Arbeit. Denn Geld verdiente er mit seinem jahrelangen Engagement keines. Auch mit seinen 71 Jahren steht Mutschler immer noch in der Mitte der Gesellschaft, ist Mitglied im Bankrat der Basler Kantonalbank, Vizepräsident vom Kleinbasler Bluesfest und vertritt die FDP im Grossen Rat.

Weitere Rücktritte habe er vorerst keine geplant. Als Grossrat sei das aber seine letzte Legislatur. Mit dem Abschied vom «Em Bebbi sy Jazz» fällt bereits ein grosser Arbeitsaufwand weg. Jährlich habe er rund 500 Stunden für das Jazz-Spektakel gearbeitet. «Jetzt ist der richtige Moment gekommen um zu gehen», sagt Mutschler.

Ärger über Bewilligungsdschungel

Wie es mit «Em Bebbi sy Jazz» ohne ihn weitergeht ist ungewiss. «Ich hoffe die Veranstaltung besteht noch lange. Aber das lassen wir offen.» Damit die Jubiläums- nicht auch zur Abschiedsveranstaltung wird, ist Peter Eichenberger in die Bresche gesprungen. Der bisherige Musikchef des Festivals (und Direktor des Claraspitals) übernimmt für die 31. Ausgabe auch das Amt des Obmanns. Eine Koordinationsstelle soll die Arbeit des neuen Leiters etwas erleichtern.

Für die Zukunft sieht Mutschler vorallem eine Bedrohung für den Anlass: Die zunehmend kompliziertere Kantonsbürokratie. Alles müsse man jedes Jahr neu eingeben und die Auflagen würden von Jahr zu Jahr strenger. Als er vor dreissig Jahren das erste Bebbi-Jazz organisiert hatte, sei das alles noch viel unkomplizierter gewesen. «Ich hoffe die Bürokratie nimmt nicht so überhand, dass alle Motivation verloren geht.»

Neben einem gewissen Wehmut freut sich Mutschler auch auf die kommende Zeit. Er hofft, mehr Zeit zu finden für grössere Reisen. «Und ein bisschen mehr zu Hause sein, das sollte auch noch ein Ziel sein.»

Konversation

  1. Als Bebbi-Jazz-Fan und Mitarbeiter in der Staine-Festbeiz am Noodlebärg gratuliere ich Ernst Mutschler zu seinem phänomenalen Erfolg und drücke Nachfolger Peter Eichenberger die Daumen, dass es so weiter geht.
    Conrad Engler

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