Pädagogisch verbrämter Promi-Talk

Die Jugendarbeit Basel liess Prominenz aus Sport und Musik über die Träume heutiger Jugendlicher diskutieren. Die Angesprochenen waren nicht zugegen. Viel verpasst haben sie nicht.

Die Mehrzahl der Zuschauer am «Promi-Talk für Jugendliche und Erwachsene» hatte einen Bart. Das gleiche gilt für die Diskussion. (Bild: Bearbeitung: Hans-Jörg Walter)

Die Jugendarbeit Basel liess Prominenz aus Sport und Musik über die Träume heutiger Jugendlicher diskutieren. Die Angesprochenen waren nicht zugegen. Viel verpasst haben sie nicht.

Was ist bloss dran an Grundsatzdiskussionen, dass sie fast immer im Austausch von Allgemeinplätzen und Poesiebuchsprüchlein enden? Angesichts der ganz grossen Themen, der fundamentalen Fragen verfällt man offenbar leicht in eine argumentative Verzweiflung, aus der die Aneinanderreihung von Banalitäten der bequemste Ausweg zu sein scheint.

Unter dem Titel «Alles für den grossen Traum» hat die Jugendarbeit Basel (Juar, vormals Basler Freizeitaktion) am Montagabend zum Promi-Talk geladen. Ehemalige Fussballprofis diskutierten mit Musikern und Juar-Vertretern. Sie diskutierten darüber, wovon Junge heute träumen. Darüber wie es ist, seinen Traumberuf ausüben zu können und darüber was das Scheitern mit Erfolg zu tun hat.

Eine Diskussion über Jugendliche ohne Jugendliche

Promis ziehen immer, die Sitzreihen sind gut besetzt. Von den jungen Leuten über deren Träume an diesem Abend diskutiert werden soll, haben sich jedoch nur wenige (sehr wenige, drei um genau zu sein) eingefunden. Der Flyer mit einem in ein Superheldenpijama gekleideten kleinen Jungen wirkte auf die Angesprochenen wohl mässig attraktiv.

An den Stehtischen, hinter den Mikrofonen, stehen die Publikumsmagnete. Stellvertretend für die Träume der Jungen sind Gäste aus zwei Gebieten eingeladen worden: Sport und Musik. Der Fussball ist gut vertreten, Beni Huggel und Massimo Ceccaroni. Beide kümmern sich heute um den Nachwuchs des FC Basel. Der Trainer des SC Freiburg, Christian Streich war fünfzehn Jahre für die Betreuung der Junioren seines Vereins zuständig. Dazu ein junger (der einzige junge Diskussionsteilnehmer) Skater, Christoph Rediger. Die personifizierte Schnittstelle zur Musik ist die ehemalige Boxerin und heutige Sängerin Bettina Schelker. Zusammen mit dem Basler Rap-Pionier Black Tiger steht sie für die vermeintlich glamourösen Karrieren in der Musikbranche.

Selbstverständlich kann man nicht über die Jugend diskutieren, ohne dass auch Pädagogen zu Worte kommen. Die Juar-Mitarbeiterin Ines Hugle und Sandro Penta, im Basler Erziehungsdepartement für die Förderung junger Leistungssportler zuständig, bringen diese Warte in das Gespräch mit ein. Geleitet wird die Diskussionsrunde von den beiden TagesWoche-Redaktoren Tara Hill und Florian Raz.

«Die Jungen sollten wieder mehr träumen.»

Beni Huggel wird gefragt, ob es überhaupt toll sei, seinen Traumberuf auszuüben. Natürlich, sagt dieser erwartungsgemäss: «Ich habe immer schon ständig Fussball gespielt, umso besser konnte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen.» Ähnlich erging es Bettina Schelker, sie habe einfach Musik machen wollen, «so einfach ist das». Um Geld sei es ihr nie gegangen, viel habe sie davon ohnehin nie gehabt. Black Tiger nickt und lächelt wissend in sich hinein.

Die Juar-Vertreterin Hugle weiss hingegen: «Viele Junge, die ich treffe, sind unglaublich pragmatisch». Sie wünscht sich, die Jugend würde wieder mehr träumen, wäre weniger desillusioniert. Von erfrischendem Pragmatismus ist an diesem Abend Massimo Ceccaroni, er musste schon so manchem jungen, hoffnungsvollen Nachwuchskicker eben jene Hoffnung auf eine Profikarriere nehmen. «Im Fussball ist kein Platz für Pädagogik, die Realität auf dem Platz ist härter.» Das Leid, welches er so einem Jugendlichen zufüge, sei kleiner als das Leid, das der FCB mit schlechten Nachwuchsspielern haben würde.

Wenig Pointiertes, viel Wiederholungen

Rediger, der junge Skater – wie um die These von Hugle zu bestätigen – ist dann auch der erste, der abgeklärt vom «Business» spricht. Dieses «Skatebusiness» sei eben in der Schweiz besonders klein, Platz für neue Talente gebe es nur wenig. Bei so wenig Aussichten auf Erfolg sei es eben gerade wichtig, sich die Leidenschaft zu bewahren. Womit sich der argumentative Kreis auch bereits wieder geschlossen hat.

Eine wirkliche Diskussion entsteht nicht; zu gross die Zahl der Gäste, zu grundsätzlich das behandelte Thema, zu oberflächlich die Aussagen. Gerne hätte man einer kleineren Runde zugehört, Black Tiger beispielsweise, Ceccaroni und Huggel, Streich allenfalls. Sie alle sagten interessante Dinge, waren pointiert und hätten unzählige Anekdoten zum besten geben können. Mit diesem (mutmasslich spannenderen) Hin und Her hätten sie vielleicht sogar zu einer klareren Aussage gefunden. Eine Aussage die vielleicht nicht pädagogisch verbrämt und durch Allgemeinplätze verwässert worden wäre. Symptomatisch ist das letzte Publikumsvotum: «Wenn ich mich hier so umsehe, wäre eine Gesprächsrunde mit Erziehungstipps für Eltern angebrachter gewesen».

Konversation

  1. den teilnehmenden und der organisation natürlich vorwerfen, sich primär profilieren zu wollen.

    das kann man dem verfasser dieses (ebenso) profanen verrisses sowie gewissen kommentarschreibern allerdings auch.

    witzig übrigens, dass die moderation mit keinem wort erwähnt wird 😉

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  2. gegenseitig, warum sie so tüchtig waren und es geschafft haben, und, natürlich, woran die Jugend krankt. So gnädig ist das Vergessenwollen.

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