Polizei räumt besetztes Haus beim Brausebad

Die Basler Polizei beendet die Besetzung an der Türkheimerstrasse 711. Die Räumung ist laut Polizeisprecher Martin Schütz friedlich verlaufen.

Die Besetzer an der Türkheimerstrasse 71 mussten am Montagmittag ihre Sachen packen.

(Bild: Renato Beck)

Die Basler Polizei beendet die Besetzung an der Türkheimerstrasse 71. Die Räumung ist laut Polizeisprecher Martin Schütz friedlich verlaufen.

Von Polizeiautos umkreist wurde das besetzte Haus an der Türkheimerstrasse 71 beim Brausebad bereits am vergangenen Freitag. Der mutmassliche Eigentümer hatte den Besetzern am Donnerstag ein Ultimatum gestellt, die Liegenschaft per Freitag 17 Uhr zu verlassen. Diese hielten das Haus seit einer Woche besetzt.

Am Montagmittag standen nun gut drei Dutzend Polizisten in Vollmontur vor der Tür, um die Räumung durchzuführen. Sie platzten damit mitten in den Mittagstisch, den die Besetzer jeweils durchführten.

Die Räumung hat gemäss Polizeisprecher Martin Schütz um 13.20 Uhr begonnen und sei friedlich verlaufen. Die anwesenden Besetzer, 16 Personen, hätten unter Aufsicht ihre Sachen gepackt und sich dabei «kooperativ gezeigt», so Schütz. Man habe deren Personalien aufgenommen. Festgenommen wurde niemand.

Zugemauert und überwacht

Danach mauerte eine Baufirma sämtliche Türen und Fenster zu. Ein Sicherheitsdienst löste die Polizei ab, um das Haus bis auf Weiteres zu überwachen. Ob den Besetzern strafrechtliche Konsequenzen drohen, ist noch offen.

Der Plan der Besetzer wäre es gewesen, eine Quartieroase einzurichten und ohne kommerzielle Absichten Aktivitäten anzubieten. Dies hatte in der Nachbarschaft durchaus Anklang gefunden. Nachbarn halfen etwa da aus, als die IWB dem Haus Wasserzufuhr und Strom gekappt hatten. Und auch der geplante Neubau war vielen ein Dorn im Auge.

» Zur Vorgeschichte: Unerwünschte Quartieroase

Das nun geräumte Haus zählt zu einer Parzelle mit weiteren Liegenschaften, die bereits letzte Woche zugemauert wurden. Trotzdem waren zwischenzeitlich auch diese Gebäude von einer Gruppierung besetzt, die sich Kollektiva Pirata nennt. Die Häuser an der Türkheimerstrasse sollen durch einen Wohnblock mit 19 Mietwohnungen ersetzt werden. Gegen die Ende Dezember erteilte Baugenehmigung laufen derzeit Rekursverfahren.

Eine Stellungnahme der Besetzer liegt mittlerweile auch vor. Vorgetragen von Bop, der Sockenpuppe, die bereits bei Telebasel einen grossen Auftritt hatte.

Konversation

  1. @chroettli: Es gibt eigentlich nur 3 Varianten warum Mehrfamilienhäuser entstehen: Menschen schliessen sich in einer Genossenschaft zusammen und bauen Häuser welche sie selber bewohnen. Der Staat finanziert die Häuser selber. Oder Private(Menschen/Firmen= bauen zusammen oder alleine Häuser, damit andere Menschen darin wohnen können. Genossenschaften können sich nicht alle leisten, aber an sich ist das eine gute und soziale Idee und wird ja auch gefördert. Hat aber auch so seine Grenzen und auch Nachteile. Der Staat ist für mich in keinster Weise eine akzeptable Lösung, da ich dies nicht als Aufgabe des Staates erachte (mit Ausnahme von Obdachlosen ein dach über dem Kopf zu geben). Bleibt noch die letzte Variante Private. Ausser es handelt sich dabei um vermögende Philanthropen wird jeder nur dann ein Haus bauen wenn er daran etwas verdient.
    Aber zwischen etwas verdienen und abzocken gibt es einen gewaltigen auch rechtlichen Unterschied!

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  2. welche jämmerlich verkrachte existenz endet eigentlich als immo-spekulant xy-ungelöst?

    «wenn ich gross bin, möchte ich mal ganz viel häuser zumauern – und extrem abzocken dabei, judihui!»

    (ja aber logo: dagegen läuft der mieterverband zurecht sturm – die meisten wollen immer noch hier wohnen, nicht nur absahnen)

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  3. Liebe Leserinnen und Leser
    Genau so wie wir sie unter dem Thema Besetzung an der Türkheimerstrasse lesen dürfen, wünschen wir uns die Diskussionen in den Kommentarspalten: offen, engagiert, konstruktiv und sachlich.
    Das soll auch mal gesagt sein.
    Ein herzliches Dankeschön seitens der Redaktion.
    Weiter so.

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  4. @Stucki: ja Genossenschaften sind eine veritable Möglichkeit, aber es will eben auch nicht jeder Mieter Genossenschaftsmitglied werden und es Bedarf auch eines gewissen Kapitals. Gut verglichen mit ein paar Freunden ein MFH zu bauen ist es weniger. Aber grundsätzlich steht es ja jedem frei eine Genossenschaft zu gründen, Land zu erwerben und zu bauen. Genossenschaften sind ja letztlich nichts anderes als gemeinschaftlicher Eigenheim-Bau.

    Ich gebe Ihnen natürlich auch recht, dass die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt gepaart mit der Tiefzinspolitik unschöne Blüten in Sachen Spekulation treibt. Und ja Pensionskassen und dergleichen mischlen da ganz gewaltig mit.

    In unserer geliebten Stadt ist halt die Tatsache, dass diese höchstens noch in die Vertikale wachsen kann, einer der treibenden Motoren. Dazu kommt wie auch bereits mehrfach beschrieben die gestiegene Lebensqualität in BS welche wieder vermehrt Leute anzieht. Je mehr Leute in BS leben wollen, desto knäpper wird der Wohnraum, das war übrigens Ende letzten Jahrhunderts mit der Stadtflucht genau umgekehrt. Umso mehr sind wir in BS darauf angewiesen, unabhängig von Spekulation und dort wo sinnvoll, bestehende Bauten durch neuere, auch ökologischere, mit grösserer Kapazität zu ersetzen. Starre Feindbilder werden dabei weder der komplexen Situation gerecht noch führen sie zu praktikablen Lösungen.

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  5. Ups der Finger wr zu schnell…

    Ja dem ist leider so, auch die Pensionskassen spielen(müssen) mit.
    Nichtsdestotrotz gibt es kaum Spielregeln mit denen man die private Abzockerei stoppen könnte ausser dadurch dass man eben den Genossenschaften mehr Raum bietet oder dass der Staat sich engagiert.

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  6. also dass der Mieterverband sich einmischt und sagt das sei ein NO GO weil es an Wohnraum fehle ist EIN Unding. Ich als privater Hausbesitzer würde mich auch gegen eine Besetzung und was daraus werden kann wehren. Eine Frist zur Räumung wurde gesetzt und nicht befolgt, blieb also nur der Weg den Steuerzahler (der sich hier in nachstehenden Aesserungen damit einverstanden erklärt???) zur Kasse zu bitten und eine Zwangsräumung durchzuführen. Es soll ja aus 3 Liegenschaften eine gemacht werden das ist doch in Ordnun dann wird sicher auch wieder Wohnraum zur Verfügung stehen. Hier EINEN Hausbesitzer für die Misere der Stadt verantwortlich zu machen ist unfair und auch dumm

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  7. @Weber
    Die beste von Ihnen erwähnte Variante ist bestimmt die Genossenschaftsvariante.
    Warum wehren Sie sich so gegen die Variante des Staates?
    Der Staat sind ja wir die Bürger.
    Was spricht so sehr dagegen?
    Die dritte Variante war lange Zeit eine akzeptable Variante, solange der Mensch noch ein eigermassen soziales Gewissen hatte.
    Leider hat sich das in den letzten Jahrzehnten gewandelt und die Wohnungen sind zum Objekt der masslossen Breicherung verkommen, zum Spielball der Spekulanten.
    Wir erleben gerade in der jetzigen Zeit x Beispiele in Basel, die dies demonstrieren.
    Sie werden zurecht einwenden, dass auch der Staat mit seinen pensionskassen mitmischt.

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  8. Zwischennutzungen sind auch heikel, man denke nur an die Versicherungsfrage (Haftpflicht) bei Unfällen oder halt die Tatsache des Mieterschutzes, sprich dass Kündigungen immer wieder hinausgezögert werden (Härtefälle). Sinnvoll wäre Bauprojekte nicht unnötig zu verzögern – es gibt da zahlreiche Beispiele bei denen 1 Querulant reicht um enorme Mehrkosten zu generieren. Meist gibt es keine sachlichen Begründungen, es spielt auf emotionaler Basis.

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