Private Gewinne, unbezahlte Arbeit

Trotz beträchtlichem Wachstum und Professionalisierung hält das Basel Tattoo an der traditionellen Rollenaufteilung fest: Die Arbeit leisten vor allem Frewillige, der Gewinn fliesst in die Taschen weniger. Noch nicht mal die Musiker erhalten eine Gage.

Auftritt zum Nulltarif: Die Band of Flutes and Drums und das Drill Team of The Life Guards aus Dänemark unter der Leitung von Warrant Officer Morten Thuro. (Bild: GEORGIOS KEFALAS)

Trotz beträchtlichem Wachstum und Professionalisierung hält das Basel Tattoo an der traditionellen Rollenaufteilung fest: Die Arbeit leisten vor allem Frewillige, der Gewinn fliesst in die Taschen weniger. Noch nicht mal die Musiker erhalten eine Gage.

Das Basel Tattoo ist eine Mammutveranstaltung. Wenn am Samstag die siebte Ausgabe zu Ende geht, sollen nach Prognosen der Veranstalter über 500’000 Leute das Militärmusikfestival besucht haben. Dem steten Wachstum zum Trotz – 2012 beträgt das Gesamtbudget 12,5 Millionen Franken, 2010 waren es 8,5 Millionen – haben sich einige Gepflogenheiten bis heute nicht geändert.

So arbeiten die 500 Helfer des Festivals auf freiwilliger Basis. Sie erhalten als Entlöhnung für ihre Arbeit Verpflegung, T-Shirts und Tickets für die Hauptprobe. «Sie machen das aus Herzblut und Leidenschaft», sagt Marketingleiter Dominik Nyffenegger. Eine Bezahlung sei nie zur Debatte gestanden. Als besondere Anerkennung werde laut Nyffenegger ein grosses Helferfest im Herbst veranstaltet, wo die Freiwilligen bewirtet werden.

Musiker spielen ohne Gage

Auch die Musiker, die mitunter aus aller Welt anreisen, erhalten keine Gage für ihren Auftritt. Das sei so üblich an Militärmusikfestivals, sagt Nyffenegger. Das Basel Tattoo übernimmt nur Kost und Logis. Einigen Formationen wird ein Beitrag an die Reisekosten bezahlt. Trotzdem seien die Leistungen in Basel überdurchschnittlich gut. «In der Regel übernachten die Musiker in Kasernen, wir bezahlen ihnen ein Hotel», sagt Nyffenegger.

Die Kosten, die der Stadt Basel entstehen, werden laut Nyffenegger in vollem Umfang und zu den üblichen Tarifen vom Veranstalter übernommen. Der einzige Beitrag an öffentlichen Geldern der Stadt seien 15’000 Franken aus dem Lotteriefonds.

Wie hoch die Einnahmen sind, die das Festival generiert, will Nyffenegger nicht bekannt geben: «Das kommunizieren wir nicht.» 90 Prozent davon stammen aus dem Ticketverkauf. Was klar ist: Der Erlös fliesst an die private Firma von Gründer Erik Julliard, die Basel Tattoo Productions mit Sitz in Basel.

TagesWoche-Leser Christian Müller ist der interessanten Frage nachgegangen, wie hoch die Leistungen der Armee am Basel Tattoo sind, die zahlreiche Rekruten für Auf- und Abbau stellt – und was dafür abgegolten wird. Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) geht von rund 680 Diensttagen aus, die das Militär für das Tattoo aufwendet. Diese werden nicht direkt in Rechnung gestellt. Die detaillierte Antwort des VBS auf Müllers Anfrage findet sich unterhalb des Artikels in seinem Kommentar.

Zum Einsatz der Armee und den karitativen Leistungen der Basel Tattoo-Stiftung hat auch der «Sonntag» im Frühling einen Artikel publiziert.

 

Quellen


 

Artikelgeschichte

19. Juli 2012, 13.30 Uhr: Artikel aktualisiert mit neuen Informationen, die die Leistungen der Armee am Basel Tattoo betreffen. Quelle: Leser-Kommentar von Christian Müller.

Konversation

  1. Es gibt nichts anzuzweifeln.

    Jedenfalls nicht durch mich. Als ich in Ihrem Kommentar las, dass der Veranstalter des Tattoos zwar für die Leistungen des Schweizer Militärs nichts bezahlen muss, aber Geld für karitative Zwecke bereitstellt, war ich neugierig was das wohl sein könnte? Etwa einen Zuschuss an den ebenfalls in der Kaserne „beheimateten“ Spielestrich? Oder für sonst eine der nicht gerade mit Geld gesegneten Institutionen auf dem Areal? Die Antwort, „für das Militärmusikwesen“ kann schon irritieren, denn was wird am Tattoo überwiegend Geboten? Militärmusik. Und das „Basel Tattoo“ ist ohne Zweifel Teil des weltweiten „Militärmusikwesens“.

    Was ich jedoch nicht gemacht habe ist, den Veranstaltungsverantwortlichen unterstellt, die für karitative Zwecke zur Verfügung gestellten Gelder quasi in die eigene „Kasse“ fliessen zu lassen. Mit keinem Satz! Denn diese sind – mehr als Gedankenspielerei – ganz bewusst in der Möglichkeitsform abgefasst.

    Und es gibt auch (fast) nichts zu „nörgeln“. Zumindest nicht was mich angeht.

    Ich bin zwar nicht für’s Tattoo, auch nicht (mehr) für die Fasnacht (weil zu alt) und nicht für den FCB (Fussball hat mich generell nie interessiert. Möglicherweise ist das eine Art „Gendefekt“ bei mir.) Ich bin aber auch nicht dagegen. Nochmals: Auch nicht dagegen! Denn all dies ist auch mir schlussendlich egal.

    Aber ich bin ebenfalls für die Buvetten, bin für das Sudhaus, für’s Imfluss, für das Stadttheater, für die Basler „Riviera“, wie für die Arbeit die Herr Beyeler geleistet hat. Beeindruckt und nicht etwa neidisch, bin ich auch vom Mäzenatentum verschiedener alter Basler Familien, wie etwa die Oeris, ja auch Frau Gigi Oeri, oder Maja Oeri, die den Burghof in Basel gekauft und der Stadt Basel für einen Erweiterungsbau des Kunstmuseums einfach geschenkt hat. Grossartig fand ich auch und finde ihn immer noch, den „Kampfeinsatz“, um wieder ins Kleinbasel und in die Nähe des Tattoos zu kommen, von Herrn Walter Brack von der Christoph Merian Stiftung. Dank ihrer wie seiner Hilfe konnte die Neugestaltung eines bemerkenswerten Stücks Kleinbasel realisiert werden: die „Claramatte“ Und zwar zu Wohle aller, die den Park benutzen wollen. Und erst noch ohne Eintrittsgebühren.

    So, zum Schluss noch etwas „Persönliches“: bis Anhin war ich der Ansicht, dass ein Smiley mit Augenzwinkern, etwa dieses 😉 bedeutet, dass man das vorher oder nachher Geschriebene, nicht allzu ernst nehmen sollte. Seit wann hat sich das geändert?
    MfG René Reinhard

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Ich finde schon, dass die Bevölkerung Anrecht hat auf Transparenz der Finanzen, zumal hier Gelder der Steuerzahler wie auch z.B. des Lotteriefonds in erheblichem Masse eingesetzt werden.
    Was mir aber am wenigsten in den Kopf will, ist, dass unter dieser hier genannten „Charity“ lediglich Militärmusik gefördert wird. Das ist eine Freizeitbeschäftigung wie viele andere auch! Was hat das mit der ursprünglichen Unterstützung von benachteiligten und/oder minderbemittelten Menschen zu tun?

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Das NSel TATTOO ist eine prächtige Sache, die mit Herzblut und Können von Erik Julliard und seinen Mitarbeitern jedes Jahr neu auf die Beine gestellt wird. Bis vor zwei Jahren durfte auch ich als freiwillige Helferin am TATTOO mitwirken. Ich hatte dabei nicht einen Augenblick das Gefühl ‚unterbezahlt‘ oder gar ‚ausgenutzt‘ zu werden! Ein Helfer tut dies FREIWILLIG und wird dafür reichlich entschädigt. Dass nun Erik Julliard mit dieser Veranstaltung Geld verdient sei ihm doch gegönnt. Er unterhält ein Büro und ein Ladengeschäft mit fest angestellten Mitarbeitern, welche am Ende des Monats ihr Salär erhalten. Er unternimmt Reisen um sich mit den Bands, die das Basel TATTOO besuchen, zu besprechen. Spricht man mit den Mitgliedern der Bands so hört man überall, dass sie stolz darauf sind am Basel Tattoo teilzunehmen und dass sie hier verwöhnt werden! Das TATTOO hat zudem erhebliche Nebenkosten, die jedes Jahr anstehen. Unter diese ‚Nebenkosten‘ fällt auch das sog. Helferfest, wo alle 500! Freiwilligen zu einem fürstlichen Nachtessen und Darbietungen erster Güte eingeladen werden! Unter all diesen Aspekten gönne ich Erik Julliard jeden Franken den er verdient. Er verdient ihn zu Recht!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. Für die Leistungen der Schweizer Armee an Basel Tattoo müssen die Veranstalter nichts bezahlen. Indirekt aber schon: 80000 Franken müssen für karitative Zwecke aufgewendet werden. (Förderung des Militärmusikwesens).

    Ich fange bald an, Xylophon zu spielen, und ich habe ein Gesuch eingereicht, im Landsturm zu einer Militärmusik umgeteilt zu werden. Leider habe ich bis jetzt keine Antwort erhalten, auch Ueli Maurer sagt, er hätte Grippen, und könne im Moment nicht antworten.

    Eric Juliard will mir ein Dahrlehen für die Anschaffung des Xylophons geben, jedoch zu einem sehr hohen an den Libor gebundenen Zinssatz, rückzahlbar nur mit Eurobonds. Leider hat aber Frau Merkel noch kein grünes Licht zu die Eurobonds gegeben, sodass ich weiterhin in einer Abwartestellung bin, und hoffe, dass sich endlich eine europäische Lösung zu meinem Problem finden lässt.

    Aber erhlich gesagt, angesichts nicht so bald anstehenden Fasnacht, während welcher ich in den Ski-Urlaub fahren werde, befürchte ich, dass das Sujet sich bis dann selbst lächerlich gemacht haben wird.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  5. Ouh, freier Herr Walter, das tut mir leid! Jetzt habe ich Ihren Kommentar ernst genommen und wollte schon mit Tiraden gegen Sie losziehen, bis ich mich wieder erinnert habe, dass schon vor einem halben Jahr die Verschnuufer satirisch in’s selbe Horn geblasen haben:
    „Alli fir Aine und är fyr sich!…
    …Als gschiggte Gschäftsmaa wo-n-är isch,
    zieht är au Partner iiber e Tisch.
    Är gniesst mit em charmante Lache,
    dass d Lyt fir iin der Duubel mache.“
    In diesem Sinne: Duetmersorry!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  6. hier mal den link lesen:

    http://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/basel-tattoo-zahlt-80000-franken-fuer-karitative-zwecke-124403341

    Sie können das natürlich auch anzweifeln.

    Aber mir ist es schlussendlich egal. Ich bin für’s Tatoo, für’s Imfluss, für die Buvetten, für die Fasnacht, für den FCB, für’s Sudhaus und Volkshaus, für’s Stadttheater, für Basel Riviera.. etc.

    Die Nörgeler, die das kulturelle und breitgefächerte Angebot in Basel bekämpfen, die finden immer was! (puhhh ich weine, der Hr. Juliard hat ja vielleicht zu viel verdient… puhh, weine, Träne, weine.. ). Zum Glück gibt es in Basel Leute, die nicht so mikrig denken, und immer eifersüchtig sind, weil einer mal etwas verdeint, und die einen offenen Horizont haben, und die Vielfalt schätzen.

    Danke an jeden Mezän, danke an jeden Kulturförderer, danke an Beyeler, and Herzog und De Meuron, etc etc..

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  7. Schämt euch allesamt ihr Nörgeler und Bünzli, die ihr auch jeden noch so kleinen oder grossen Erfolg eines Schweizers missgönnen tut!!!
    Zuerst die Tattooverhinderer vom Club ‚heb sorg zum glaibasel‘ mit ihrem Gejammer, dass der Rasen nicht benutzbar ist während des Tattoo und nun noch diejenigen, die gegen einen Geldgenerator und gegen die Schweizerarmee ‚bashen‘! Ach und nicht zu vergessen die ‚Kasernenöffner‘ von Basel.
    Lasst mich folgendes festhalten:
    – die Helfer sind alle FREIWILLIG dabei
    – lieber sehe ich meine Steuergelder vom VBS für das Tattoo ‚verschwenden‘ als fürs sinnlose Herumsitzen oder chäpsele der ADA
    – der Rasen der Kaserne ist nicht heilig und soll auch vom Tattoo genutzt werden, denn ein schöner Spielplatz ist gleich um die Ecke, welcher dann genutzt werden kann
    – was in der Vergangenheit schönes zerstört wurde (auch nur eine ‚kleine Öffnung‘) kann man unter ‚Verschwundenes Basel‘ sehen – die Kaserne also bitte so stehen lassen!
    Noch eine kleine Milchmädchenrechnung, was an Geld für ALLE generiert wird: 120’000 Besucher im Total, davon 10% mit einer Hotelübernachtung. Die kostet im Mittel ca. 150.– dazu noch Essen und Souvenirs etc. für 100.–. Dann noch die restlichen 118’800 Zuschauer, welche auch noch 50.– für Essen, Anreise etc. pro Kopf liegen lassen. Macht etwa lächerliche 6 Millionen Franken für die Stadt und das Umland, welche NICHT in das Basel Tattoo fliessen. Ach ja: Steuern muss jeder aus dem Umfeld der Tattoo ja auch noch zahlen.
    Auf jetzt ihr Nörgeler und Bünzli: macht es ebenso und sichert uns Gäste, Steuern und sonstige Einkünfte, bevor ihr wieder das weltweit zweitgrösste Tattoo in den Dreck zieht!!!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  8. Das sind SCHEINFASNÄCHTLER, die solche Ferse dichten. Links unterwandert! Man sieht leider nicht hinter die Larven, sonst könnte man ihnen wenigstens ein paar kritische Email schicken, wenn Sie wissen was ich meine.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  9. Das wäre dann wie ein Wasser-Speicherkraftwerk.
    Durch das Wasser, das aus dem Speichersee herunterfliesst, wird Elektrizität erzeugt. Damit der Speichersee wieder gefüllt werden kann, wird mit vorher erzeugten Energie wieder Wasser hochgepumpt, um dann wieder hinunterzufliessen, zwecks Energiegewinnung…., usw.
    Ein eigentliches Perpetuum mobile!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  10. Mir scheint, dass Sie entweder etwas nicht verstehen, oder aber bezüglich cleverer „Abrechnungen“ nicht allzu versiert sind:

    Sie schreiben: „Für die Leistungen der Schweizer Armee an Basel Tattoo müssen die Veranstalter nichts bezahlen. Indirekt aber schon: 80000 Franken müssen für karitative Zwecke aufgewendet werden. (Förderung des Militärmusikwesens).“

    „Förderung des Militärmusikwesens“? Also des Tattoos? Möglicherweise fliesst da, ausser dem Rhein, gar nichts oder wenn doch, kommt es unter Umständen wieder zurück. Quasi Flussaufwärts.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel