Proteste mit «Panzer»: Aktivisten und Künstler demonstrieren auf dem Messeplatz

Gleich zwei Gruppierungen nutzten den Art-Freitag, um an umstrittene Polizeieinsätze der letzten beiden Jahre zu erinnern. Die einen rollten mit einem selbst gebastelten «Panzer» an, die anderen organisierten ein Frisbee-Spiel. Die Polizei blieb im Hintergrund.

FOTO: TagesWoche/STEFAN BOHRER ORT: BASEL - 19.6.2015: DEMO VOR DER ART BASEL AUF DEM MESSEPLATZ

(Bild: Stefan Bohrer)

Gleich zwei Gruppierungen nutzten den Art-Freitag, um an umstrittene Polizeieinsätze der letzten beiden Jahre zu erinnern. Die einen rollten mit einem selbst gebastelten «Panzer» an, die anderen organisierten ein Frisbee-Spiel. Die Polizei blieb im Hintergrund.

Der Art-Freitag war in den letzten beiden Jahren Anlass für Proteste, Kunstaktionen – vor allem jedoch für unverhältnismässige Polizeieinsätze. In diesem Jahr nutzten gleich zwei Gruppierungen unabhängig voneinander den Messeplatz für Aktionen.

Gegen 200 Aktivisten erinnerten rund um einen selbst gebastelten Panzer an die «Gegen-Favela», eine Party im Jahr 2013, die eine gewaltsame und viel kritisierte Reaktion der Basler Kantonspolizei nach sich gezogen hatte. Der Panzer – ein umfunktionierter Kipplader von der Baustelle – wurde gegen 16.15 Uhr aus einer nahen Liegenschaft auf den Platz vor den Messeturm gerollt. Der betagte Motor verabschiedete sich kurz vor dem Start der Aktion. Trotz Anlaufschwierigkeiten konnte das «Requisit»  auf den Messeplatz geschoben werden. Eskortiert von Velofahrern, manche davon mit Gasmasken und Soldatenhelmen, wurde der Panzer dort feierlich erwartet: «I Shot the Sheriff» von Bob Marley dröhnte aus den Boxen und Bier wurde verteilt.

Für einen kurzen Moment «spuckte» der Panzer auch eine schwarze Rauchpulverwolke. Viele der Besammelten trugen schwarze Luftballons mit heftigen Worten an die Adresse der Kunstmesse – in ihren Augen ein «Handlanger der Reichen» – mit sich: «Art Basel stooge of the rich, calls police for censorship». Hinter der Aktion steht keine spezifische Gruppe – der Ort und Zeitpunkt der Aktion sowie der «friedliche Panzer» sollen nach Aussage eines Beteiligten für sich sprechen.

Messe verzichtet auf Anzeige

Die Angelegenheit blieb bis zum Verfassen dieses Artikels fröhlich und friedlich: Kinder erkletterten den Panzer, Art-Besucher stellten sich zum Selfie und viele der Aktivisten und Besucher versammelten sich gemütlich zum Plaudern und Biertrinken rund um das merkwürdige Gefährt. Zeitweise wurden Fackeln angezündet und Einzelne stellten skandierend die Frage «Was ist Kunst?». Da die Messe nach Informationen der TagesWoche anders als 2013 auf eine Anzeige verzichtete, blieb auch die Polizeipräsenz überschaubar. 

Unmittelbar daneben übten sich Studenten, Künstler und Passanten im Frisbeespiel unter dem Titel «Dont shoot». Die Aktion der Künstlergruppe «diezelle» war im Vorfeld angekündigt worden und sollte wiederum an die von der Polizei verhinderte Performance des Vorjahres erinnern. In der Angelegenheit führt die Staatsanwaltschaft noch immer eine Strafuntersuchung gegen Verantwortliche des Einsatzes. 

Der Kunst-Dozent Enrique Fontanilles von «diezelle» zieht eine positive Bilanz zu diesem spielerischen und friedlich verlaufenden halbstündigen Anlass: «Es ist toll, wie die Leute mitgespielt haben – es war ein wertvoller Moment.» Von der Aktion mit dem Panzer gleich nebenan wusste er nicht, doch habe er geahnt, dass etwas kommen wird.

 Video: Jonas Grieder

Konversation

  1. Das Frisbeespiel ist mir sympathisch: Es verbindet, ein gibt Bewegung, es macht keinen Lärm und bedrängt niemanden.
    „WAS IST KUNST?“ Ein Blechpanzer bestimmt nicht…

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  2. die zelle ist schlicht peinlich. die andere aktion mit dem „panzer“ wirkte halbgar und unkoordiniert. „komm wir stellen uns für die pressefotografen mal mit 2 pyros hin. die brennen zwar keine 30 sekunden, aber dann gibt es wenigstens ein bild.“ zum glück hat sich niemand provzieren lassen. so blieb es, was es auch war: eigentlich nebensächlich und egal.

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  3. „Da die Messe nach Informationen der TagesWoche anders als 2013 auf eine Anzeige verzichtete…“

    Natürlich – wie auch, wenn es für die Messe KEINE Rechtsgrundlage für eine Anzeige gegen die beiden diesjährigen Aktionen gibt?

    „Der Art-Freitag war in den letzten beiden Jahren Anlass für Proteste, Kunstaktionen – vor allem für unverhältnismässige Polizeieinsätze.“

    Ä-hämm… was nun? – FÜR oder GEGEN unverhältnismässige Polizeieinsätze?

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  4. Wieso unverhältnismässiger Polizeieinsatz ? War die Demo damals bewilligt ? Zuviele Demos der Linken fanden bereis statt bei denen fremdes Eigentum besprayt oder beschädigt wurde. Manchmal scheint mir Hauptsache Demo – egal ob gegen WEF, Frontex oder sonst was.

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    1. Jaja ist schon klar, lieber ein Mann-ager der 100Mio. veruntreut..der macht nichts schmutzig.
      Andererseits was kriecht ihr Rechten auch immer in Arsch der Mächtigen die ja konsequenterweise, euch Bütel nur auslachen?

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  5. Ebenfalls danke TAWO, toll das ihr euch mit dem Inhalt der Aktion auseinander setzt.
    Die BAZ im Gegenzug hat einen unglaublich peinlichen, diffamierenden und vor allem mit Unwahrheiten gespickten Artikel veröffentlicht: „Spiel mit Frisbee und Pappschützenpanzer“.

    So etwas ist schlechter Journalismus, ist schlichtweg Fehlinformation (Siehe: das kleine Indiz im Titel -„PAPPSCHÜTZENPANZER“-; der Panzer war komplett verschweisst, also wenn schon ein Stahl oder BLECHSCHÜTZENPANZER.)
    Hätte sich dieser Hobby-Medienschaffede auch nur in die Nähe des Panzers gewagt oder zumindest mit irgendjemandem vor Ort gesprochen wäre ihm zumindest diese Peinlichkeit erspart geblieben.

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  6. Danke TAWO, umgehender Artikel bei aktuellen Ereignissen. Es stimmt mich nachdenklich, wieso damals die Polizei, wie in einem Entwicklung- bzw. Schwellenland, so hart vorgehen konnte – Pappteller in einem solchen Ausmass zu diskreditieren. Ich frage mich, war es der Fehler vom Baschi D. ( Name der Redaktion bekannt) oder des Polizeikommandanten, oder war es nur ein frustrierter Entscheid von einem Polizei-Wachtmeister?
    Ich fand diese Polizeiaktion enorm surreal, unverhältnissmässig und unbedacht – was wiederum als Kunst betrachtet werden könnte….
    PS: Ich war dort, hab diese schädliche, schwarze Wolke vom Panzer eingeatmet 🙂

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