Regen, Regen, nichts als Regen

Diesen Sommer schüttet es wie aus Kübeln. Die meisten Leuten haben die Nase voll von diesem Mistwetter. Doch manche scheinen die nassen Umstände zu erfreuen.

Kein Badiwetter, viel Platz im Bachgraben. (Bild: Nils Fisch)

Diesen Sommer schüttet es wie aus Kübeln. Die meisten Leuten haben die Nase voll von diesem Mistwetter. Doch manche scheinen die nassen Umstände zu erfreuen.

Das Wetter spielt schon seit Jahren verrückt. Doch daran gewöhnen können wir uns nicht. Wenn der Winter kälter ist als das Herz von Englands ehemaliger Premierministerin Margaret Thatcher und der Sommer uns böswillig im Regen stehen lässt, fällt es uns schwer, den Klimawandel gelassen hinzunehmen. Seit Wochen regnet es in Basel Hunde und Katzen, mit gerade genügend Sonnenschein-Unterbrüchen, um drohende Depressionen zu verhindern. Hagelstürme verursachten beträchtliche Sachschäden in der Nordschweiz, besonders im Raum Zürich, Blitze erschlugen Menschen und Überschwemmungen haben in der Nacht auf heute das Obere Baselbiet heimgesucht.

Die Revierzentrale Basel meldete heute morgen, dass der Rhein den Wasserpegelstand 1 erreicht habe. Dies sei zwar noch nicht bedrohlich, doch ab Pegelstand 2 werde die Schiffsfahrt auf dem Rhein blockiert. Informationen zu Pegelprognosen in den nächsten Tagen wollte das Amt nicht herausgeben.

Freibäder stehen im Regen

Vom schlechten Wetter am meisten betroffen sind natürlich die Freibäder. Eric Hardman, Leiter der Sportanlagen, darunter fallen die Gartenbäder St. Jakob, Bachgraben und Eglisee, sagt dazu: «Zur Zeit verbuchen wir wegen des schlechten Wetters 20 bis 30 Prozent weniger Besucher. Wir sind zwar zuversichtlich, dass es bald schöner wird, aber ein Spitzenjahr werden wir garantiert nicht mehr erreichen.»

Die Robi-Spiel-Aktionen hingegen scheinen die Wolkenbrüche nicht sehr zu stören: «Die Kinder spielen auch gerne im Regen», erklärt Andreas Hanslin, Geschäftsleiter der Robi-Spiel-Aktionen, «unser Tagesprogramm verändert sich wegen des Wetters kaum. Klar kann man nicht ins Freibad, wenn es regnet, aber dann gehen wir halt ins Hallenbad.»

Bei Museen und Pizza-Kurieren herrscht Sonnenschein

Der guten Stimmung keinen Abbruch tut der anhaltende Regen bei den Museen. Die meisten können einen leichten Anstieg der Besucherzahlen verzeichnen. Auch die Pizza-und-Film-Kuriere sehen keinen Grund sich zu beklagen: «Kurzfristig gesehen, schreiben wir wegen des schlechten Wetters gute Verkaufszahlen», sagt Oliver Galli, Geschäftsführer des Pizza Blitz Basel, «auf lange Sicht gleicht sich der Umsatz jedoch wieder aus.»

Doch den Bürger als Privatperson interessiert Verlust und Gewinn mancher Geschäfte herzlich wenig. Ihn ärgert der dauernde Regen, der viele Sommeraktivitäten den Bach runtergehen lässt, und fragt sich, wann das Wetter endlich aufhört, verrückt zu spielen.

Karl Gutbrod von Meteoblue präzisiert jedoch zunächst: «Von Verrücktspielen kann keine Rede sein. Zwar waren die letzten Monate regnerischer als sonst, aber wir liegen noch an der oberen Grenze des jährlichen Mittels.» Der derzeitige Niederschlag komme uns unter anderem deshalb so lange vor, weil die Monate April und Mai letzten Jahres die trockensten der Geschichte waren. Und einen Silberstreif am Horizont hat Gutbrod auch noch in petto: «Die nächsten Tage werden zwar noch wechselhaft bleiben, doch dann nimmt der Niederschlag ab und führt uns zurück zur sommerlichen Normalität.»

Konversation

  1. Warum gibt es die ganzen Klimakonferenzen? Etwa, weil es Spass macht, sich ein wenig über das Wetter zu unterhalten und danach irgendeine halbgare Absichtserklärung zu veröffentlichen? Während wir darüber streiten, ob das seltsame Wetter nun auf den Klimawandel zurückzuführen ist oder nicht, brennen andernorts immer häufiger die Wälder, Wüsten dehnen sich aus, Inselgruppen versinken im Meer, dessen Pegel wegen schmelzender Polkappen steigt, Tornados treten häufiger und auch in bisher nicht betroffenen Gegenden auf… Und bei uns kann man den Gletschern beim Schwinden zusehen. Ein Wärmerekordjahr jagt das andere. So, und während der eine Teil der Ursachen/Folgen mess- und beweisbar ist, wage ich hier jetzt eine laienhafte Behauptung: Ja, die kaum mehr voneinander abzugrenzenden Jahreszeiten, der zu häufig trübe oder wolkenverhangene Himmel, der kaum mehr liegenbleibende Schnee und die seltsamen und manchmal hartnäckigen Grosswetterlagen sind bereits spürbare Folgen der Klimaerwärmung (welche Meeresströmungen und Windsysteme tiefgreifend verändert und mehr Verdunstung verursacht). Da können gewisse Leute noch lange von normalen Erscheinungen sprechen. Leider sehe ich die Gefahr, dass sich die Menschen in dieser Hinsicht wie Frösche im sich aufheizenden Wasser verhalten: Schön wechselwarm sitzenbleiben und sich so lange an die steigende Temperatur gewöhnen, bis alles aus ist.

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