Regierung nicht interessiert an psychisch kranken Kindern in Zentrumsnähe

Die Basler Regierung erteilt dem breit abgestützten Widerstand gegen eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik am Stadtrand eine Absage. Der Regierungsrat ist nicht interessiert an psychisch kranken Kindern in Zentrumsnähe.

Wird zumindest nicht in dieser Grössenordnung so gebaut: Siegerprojekt des Wettbewerbs für eine Kinder- und Jungendpsychiatrischen Klinik. (Bild: zvg)

Die Basler Regierung erteilt dem breit abgestützten Widerstand gegen eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik am Stadtrand eine Absage. Der Regierungsrat ist nicht interessiert an psychisch kranken Kindern in Zentrumsnähe.

Erstmals äussert sich die Basler Regierung zu Wort im Streit um den neuen Standort der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik. Sie erteilt den breit abgestützten Gegnern eines Neubaus am Stadtrand auf dem Gelände der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) eine klare Absage. Die Regierung will keinen Klinikneubau auf einem zentraler gelegenen Grundstück. Jedes Areal, das in Frage käme, möchte die Regierung anders nutzen: Entweder für den Life-Science-Campus oder für Wohnraum.

«Für den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik wurden bereits (…) diverse Standorte geprüft (…). Die Beurteilung ergab, dass das UPK-Areal am besten für einen KJPK-Neubau geeignet ist», schreibt die Regierung den Kinder- und Jugendpsychiatern. Nicht in Frage kommt für die Regierung denn auch die Fläche zwischen Spital-, Schanzenstrasse und dem St. Johanns-Ring. Diese soll «zum wichtigsten Standort der zentralen Life-Sicence-Aktivitäten und den damit verbundenen exakten Wissenschaften der Universität ausgestaltet werden.» An all den anderen zentraleren Standorten, welche die Kinderpsychiater vorschlagen, will die Regierung lieber Wohnungen bauen: auf dem Felix-Platter-Areal genauso wie an der Maiengasse 7/11. Auch an der Horburgstrasse stehe auf absehbare Zeit keine geeignete Parzelle zur Verfügung, so die Regierung.

Enttäuschte Kinderpsychiater

«Kinder haben keine Lobby und bringen keine Geld», sagt die Ärztin Beatrice Göschke, die eine Online-Petition gegen den Klinikneubau am Stadtrand lancierte. Und Kurt Schürmann, Professor und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sagt im Namen seiner Berufskollegen, die Antwort der Regierung sei ernüchternd. «Die Bevölkerung hat anscheinend nichts zu sagen.» Denn seit der Kanton die öffentlichen Spitäler per 1. Januar 2012 in die Selbständigkeit entlassen hat, entscheidet allein der Verwaltungsrat der Universitären Psychiatrischen Klinik, ob und wo eine neue Klinik hin kommt. Und dieser will bis Ende Jahr entscheiden, wie Andreas Windel, Direktor der UPK gegenüber der TagesWoche bestätigte.

Der Architekturwettberwerb für einen Klini-Neubau auf dem UPK-Gelände ist zwar bereits abgeschlossen, ein Siegerprojekt gekürt, der Verwaltungsrat will aber noch einmal über die Bücher gehen. Er lässt jetzt durchrechnen, was sich die UPK überhaupt leisten kann und welche Bedürfnisse eine solche Klink abdecken müsste. Bereits jetzt ist klar, dass der geplante 30 Millionen teure Bau nicht so realisiert wird wie ursprünglich geplant.

Und solange der Verwaltungsrat nicht enschieden hat, sind auch dem Parlament die Hände gebunden wie der Präsident der Gesundheitskommission des Grossen Rats, Philippe Macherel, bestätigt. «Ich persönlich finde es auch nötig, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik in Zentrumsnähe zu liegen käme. Die Entscheidung liegt aber beim Verwaltungsrat der UPK», sagt der SP-Grossrat.

Möglicher Ausweg aus der verfahrenen Sitation

Trotzdem wären dem Vernehmen nach die Mitglieder des UPK-Verwaltungsrats froh, wenn sie sich auf einen demokratischen Entscheid abstützen könnte. Denn ohne poltische Rückendeckung könnte die UPK auf ihrem teuren Neubau sitzen bleiben, weil Psychiater und Kinderärzte keine Patienten dorthin schicken.

Doch es gäbe einen Ausweg aus der verfahrenen Situation: Wenn der UPK-Verwaltungsrat etwa beschliessen würde, dass er auf dem Areal der Maiengasse 7/11 eine solche Klinik bauen möchte. Zwar hat der Grosse Rat im Jahr 2006 beschlossen, dieses Areal für den Bau von Wohnungen freizugeben. Das Parlament könnte jetzt aber auf diesen Entscheid zurückkommen und darüber debattieren, ob diese Parzelle nicht doch für eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik umgezont werden soll. Dies käme dann einer indirekten Entscheidung des Parlaments gleich, ob auch das Parlament wie die Regierung die Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht in die Nähe des Zentrums will oder eben doch.

Konversation

  1. wovon lebt den der kinderarzt oder die kinderpsychiaterin? und kinder haben immer und überall eine lobby: ihre eltern. es ist doch schön da richtung flughafen. und weit weg vom zentrum ist es auch nicht. der flughafenbus verbindet es sogar besonders schnell mit dem zentrum und vor allem dem bahnhof.

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  2. Da haben wir es doch einfacher, wenn wir unsere Regierung nicht mehr wollen,
    können wir diese noch in diesem Monat abschaffen und brauchen da zu nicht einmal so faule Argumente wie die Regierung im Falle der Jugendpsychiatrischen Klinik anwendet.
    Wir müssen nur ein Paar Kreuzchen an den richtigen Stellen machen, und schon ist das Problem gelöst.

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  3. Es ist natürlich wesentlich sinnvoller ein Untersuchungsgefängnis mitten in der Stadt (Waaghof) zu bauen als eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik. Zumal die Ausbrecher von dort viel harmloser sind…

    Aber keine Sorge: Die Stücki wird in naher Zukunft frei für solche Projekte.

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  4. „Würde man heute das Universitätspital / UKBB total neu konzipieren, würde es wohl auch an den Stadtrand gesetzt.“ Sie haben Recht. Nur die Gründe sind heute andere als damals. Oder etwa doch nicht, wie das Beispiel zeigt?

    Und dass das Areal der PUK heute „hervorragend erschlossen“ ist, hat weniger mit ihrem „Anbinden an das Leben in der Stadt“ zu tun, sondern ist, krass gesagt, mehr aus Notwenigkeit, als aus Begeisterung geschehen. Zum Beispiel auf Grund des Flughafens Euro-Airport, wenn man den und zwar von der Stadt aus „erschlossen“ hätte, müssten die „Flugis“, wenn auch winzigere, immer noch auf dem Rasen des „Sternenfeldes“ rum hoppeln. Die ganzen Quartiere, Kannenfeld, St.Johann, Hegenheim, „mussten hervorragend“ erschlossen werden.

    Kommt hinzu, dass ich von keiner psychiatrische Klinik weiss, die direkt als einen Ort „mitten in der Stadt“ konzipiert und dann auch dort gebaut wurde. „Hasenbühl bei Liestal“? „Konigsfelden AG“? „Burghölzli ZH“? „Münsingen BE“? „Waldau BE? usw. usf. Warum? Aus Platzmangel? Heute vielleicht, aber auch damals?

    Zum Schluss noch einen Hinweis auf etwas lesenswertes zum Thema: „An den Rändern der Städte“ Hrg. Hartmut Häusermann, Martin Kronauser, Walter Siebel.

    Wenn es Sie interessiert, leihe ich Ihnen das Buch gerne aus. Ich könnte es z.B. auf der TW-Redaktion, zu Ihrer Verfügung abgeben.

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  5. „Die Regierung sei nicht interessiert“ und „die Bevölkerung hat nichts zu sagen“: Zwei Sätze, die Resignation ausdrücken. Ich würde aber sagen: Erst recht kämpfen wir weiter! Matieu Klee hat eine mögliche Richtung angegeben: der Grossrat könnte das Areal der Maiengasse für eine KInder- und Jugendpsychiatrische Klinik umzonen! Wir können solche wichtige Entscheide doch nicht einem nicht demokratisch gewählten Verwaltungsrat der UPK überlassen? Ich möchte mich auch noch zu den Kommentaren vor mir äussern, weil ich meine, es liegen Missverständnisse vor. Unser Anliegen (der freischaffenden Kinder- und Jugendpsychiater) ist einerseits eine gesellschaftliche Integration der Kinderpsychiatrie, die an der Flughafenstrasse nicht gegeben ist. Es geht nicht um die Erreichbarkeit mit Bus Nr. 50, sondern eher um die Nähe zu Orten, wo Menschen wohnen und leben, wie dies z.B. an der Alemannengasse und der Röschenzerstrasse (wo die Kinderpsychiatrie u.a. jetzt ist) gegeben ist. Andererseits haben wir Mühe mit der Nähe zur Erwachsenenpsychiatrie, die das Missverständnis bestätigen würde, Patienten der Kinderpsychiatrie werden automatisch Patienten der Erwachsenenpsychiatrie, was interessanterweise gar nicht der Fall ist.

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  6. Wird hier von Mathieu Klee ein künstliches Problem herbeigezerrt? Warum müssen noch mehr Kliniken in die Innenstadt? Das Areal der PUK ist hervorragend erschlossen, sowohl für den ÖV, wie auch für den Privatverkehr inkl. Autobahnanschluss. Besucher wie Patienten müssen sich nicht durch das Innenstadt-Verkehjrschaos quälen. Würde man heute das Universitätspital / UKBB total neu konzipieren, würde es wohl auch an den Stadtrand gesetzt.

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    1. Lieber Phli Boesiger
      Vielen Dank für Ihre Kritik. Sie können mir schon vorwerfen, dass ich ein Problem herbeirede. Nur geht es bei diesem Thema gar nicht um mich oder meine Meinung, sondern darum, dass ein Grossteil der Ärtzeschaft und der Kinder- und Jugendpsychiater sich gegen diesen Standort wehrt. Wie auch immer Sie deren Argumente beurteilen: Die UPK kann es sich schlicht nicht leisten, sich über diese hinweg zu setzen. Schliesslich sind es genau diese Zusteller, die darüber entscheiden, wohin sie allfällige Patienten schicken. Und deshalb ist es alles andere als ein künstliches Problem.

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  7. Und immer wieder staune ich über die Wahrnehmung der Basler über ihre Stadt. Ist der Morgartenring am Stadtrand? Ist es der Dreispitz oder die UPK? Eigentlich nur, wenn man immer noch in den engen Stadtgrenzen denkt – ansonsten eben nicht. Das Längi-Quartier in Pratteln/Augst oder Pfeffingen sind die eigentlichen Stadtränder!! Mit diesem engen Denken wird das aber nie etwas mit einer Kantonsfusion!

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