Reihen der Zwischennutzer lichten sich

Die Stimmung bei den Zwischennutzern im Hafen sinkt. Jetzt ziehen sich die Betreiber eines weiteren Projekts zurück. Zudem droht auch noch eine Einsprache von Pro Natura.

Minus 1: Nach «Perron 4» zieht sich mit «Panama» ein weiteres Projekt aus der Zwischennutzung am Hafen zurück. Die rot eingefärbten Projekte warten noch auf grünes Licht. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Stimmung bei den Zwischennutzern im Hafen sinkt. Jetzt ziehen sich die Betreiber eines weiteren Projekts zurück. Zudem droht auch noch eine Einsprache von Pro Natura.

«Es ist bitter, aber wahr: Wir mussten uns aus dem Zwischennutzungsprojekt zurückziehen», sagt Franco Bezzola. Bezollas Projekt hiess «Panama». Er wollte dort zusammen mit Projektpartnerin Simone Meyer Gastronomie und Kultur zusammenführen. Bei der Eingabe des Baugesuches für ihr Projekt seien ihnen aber zwei Fehler unterlaufen.

Sie hätten eine alte Projektbroschüre eingereicht, weil diese Visualisierungen enthalten habe. «Leider enthielt diese aber auch die alten Öffnungszeiten bis morgens um 4 Uhr», während der gültige Rahmenvertrag zwischen den Zwischennutzern und den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) nur Öffnungszeiten bis um 2 Uhr morgens erlaubt. Zudem sei auch der sogenannte Aktionsboden im Baugesuch enthalten gewesen, obwohl dieser nicht bewilligungspflichtig gewesen wäre. «Dadurch ist der Eindruck entstanden, dass bei uns grössere Veranstaltungen stattfinden würden», sagt Bezzola. Der «Aktionsboden» war als offene Fläche konzipiert, für kleinere Veranstaltungen wie Yogatrainings und Geburtstagsapéros.

«Wir können uns weitere Verzögerungen nicht leisten»,
Franco Bezzola, Co-Initiant Zwischennutzungsprojekt «Panama»

Bezzola spricht von einem Missverständnis, das sich problemlos mit einem Anruf hätte beseitigen lassen. Das Bau- und Gastgewerbeinspektorat jedoch lehnte das Gesuch ab. Bezzola hätte ein neues Gesuch einreichen müssen. Doch eine weitere Verzögerung lag für ihn nicht mehr drin: «Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, noch weiter zu warten», erklärt er. Je später man anfange mit dem Betrieb, desto kürzer falle die Zeit aus, um die Investitionen amortisieren zu können. Zudem sei «Panama» auf ein grosses Netzwerk von freiwilligen Helfern angewiesen, «wir können von unseren Leuten doch nicht verlangen, dass sie sich nun womöglich noch ein weiteres Jahr frei halten müssen».

Der Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), Marc Keller, kann zum Baugesuch von «Panama» nur sagen, dass «die eingereichten Unterlagen für eine Beurteilung nicht ausgereicht haben». Das Bauinspektorat habe dieses dann standardgemäss mit entsprechenden Hinweisen versehen zurückgeschickt.

Starke Verunsicherung bei anderen Zwischennutzern

Bei den Rheinhäfen bedauert man den Rückzug von «Panama». Direktor Hans-Peter Hadorn erklärt, man habe Anstrengungen unternommen, um Bezolla und Meyer davon zu überzeugen, das Projekt doch noch zu realisieren. Aus juristischer Sicht spielt der Wegfall des Projektes jedoch für die SRH keine Rolle, erklärt Hadorn. Denn Vertragspartner der SRH für die Zwischennutzungen sei der Trägerverein «i_land» und nicht die einzelnen Projekte. Dieser Verein setzt sich aus Vertretern der einzelnen Zwischennutzungsprojekte zusammen.

Auch wenn die SRH die Bedeutung dieses Rückzugs relativiert, handelt es sich dabei um mehr als nur einen weiteren Rückschlag in der ohnehin unglücklichen Geschichte dieser Zwischennutzung auf der Klybeckinsel (siehe «Verwandte Artikel» auf der Rückseite dieses Artikels). Und langsam geht den Initianten der verschiedenen Projekte die Luft aus, wie Vertreter von «i_land» gegenüber der TagesWoche erklären. Viele sind stark verunsichert. «Der Weggang von Einzelnen betrifft bei einer so kleinen Gruppe immer alle Beteiligten», ist einer der Zwischennutzer überzeugt. Ein anderer befürchtet nun, dass sich noch weitere Projekte zurückziehen werden. Ein dritter fände es konsequent und mutig, wenn sich alle geschlossen aus diesem Projekt verabschieden würden.

Einsprache von Pro Natura droht

Lediglich die Macher der «Landestelle» (ein Gastronomiebetrieb aus mehreren kleinen Holzhütten) sind noch zuversichtlich, dass sie demnächst loslegen können, wie Klaus Bernhard gegenüber der TagesWoche versichert. «Es sind noch zwei, drei technische Fragen offen. Ich bin aber optimistisch, dass wir dafür Lösungen finden können.» Allerdings droht auch ihm Ungemach: Pro Natura fordert nämlich Kompensationsflächen, weil der Gleisbereich im Hafen als besonders schützenswert gelte.

Thomas Schwarze, Geschäftsführer von Pro Natura Basel, erklärt auf Anfrage, er habe zwar die Pläne der «Landestelle» noch nicht näher geprüft, eine Einsprache will er aber nicht ausschliessen. «Bei dem Gelände handelt es sich um ein schützenswertes Trockenbiotop», erklärt er. Lebensraum, der wegen der Zwischennutzungen wegfalle, müsse ausgeglichen werden. Entweder durch neu geschaffene Fläche oder durch die Aufwertung bereits bestehender Fläche mittels «biotopischer Pflege».

Konversation

  1. 1. pro natura ist nur noch peinlich. aber das kennen wir ja bezüglich nt/wagenplatz

    2. liebe zwischennutzer_innen: nutzt doch irgendwie eigenständig mal zwischen. macht mehr spass und ist ganz klar erfolgreicher!

    3. der wagenplatz hat ein schönes neues zuhause gefunden. hoffen wir, es bleibt so

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  2. Pro Natura kann sich ja mal überlegen, welchen Imageschaden die Novartis mit ihrer Einsprache verursacht. Im Gegensatz zur Chemie kann sich das ein NPO wohl kaum leisten.

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  3. Das Kreativpotential der Stadtentwicklung zum Thema Zwischennutzung hat beinahe den Nullpunkt erreicht!

    Schade, 
    denn angefangen hat alles auf dem fruchtbaren, innovativen Boden der 90er Jahre. 

    Kurzgeschichte Zwischennutzung:
    Basel hat seit den 90er Jahren international mit dem Konzept „Zwischennutzung“ zum Thema Stadtentwicklung Geschichte geschrieben!
    Unzählige Projekte wurden erfolgreich und direkt umgesetzt, mit grossem Engagement aus der „alternativen“ Kultur. 
    Koordinatoren und MitinitiantInnen haben diese Projekte erfolgreich umgesetzt. (Schlotterbeck, Bell, Kiosk AG, NT-areal u.a.).
    Aus diesem Nährboden entstanden Folgeprojekte wie der Werkraum Warteck, die Mitte. Andere Projekte wie das Gundeldingefeld und das Walzwerk folgten diesen Grundideen.

    All diese Projekte wurden NICHT von der Stadtentwicklung initiiert.

    Möglicherweise ist es wohl doch besser, wenn die Stadtentwicklung einfach nur ein Budget bereitstellt für solche Projekte und diese nicht selbst entwickelt. 
    Zwischennutzung kommt aus dem Nährboden unser Stadt.Und braucht dann PolitikerInnen und eine Stadtentwicklung, die diese ermöglichen und substanziell unterstützen.

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  4. Merke:

    Kultur kommt eben nicht «von oben» (lese: aus Verwaltungen, kantonalen Wettbewerben und dergleichen), sondern von unten. Alles andere ist Wunschdenken.

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  5. Da werden durch exzessive Regelungen und Evaluationen Projekte verhindert, die dieser Stadt bloss gut tun würden. Das geht so weit, bis dem Wort „Freiraum“ seine Existenzberechtigung entsagt wird.

    Das kostet Basel viel kreatives Potential. Den Steuerzahler reuen ausserdem die Kosten für diesen trägen, ineffizienten und verhindernden Verwaltungsapparat.

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  6. Da wird vor 1 1/2 Jahren von der Regierung vollmundig zur Zwischennutzung aufgerufen und jetzt wo es langsam das 2. Mal (!) Sommer wird, stehen die jungen Leute vor einem Scherbenhaufen und werden scheinbar alleine gelassen. Offensichtlich sind die Projektverantwortlichen in der Verwaltung nicht fähig, innerhalb der Verwaltung die Projekte zu koordinieren, Hürden abzubauen und Türen zu öffnen. Traurig!

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