Reiseführer durch den Basler Islam überzeugt nur teilweise

Erstmals gelangt nun eine Übersicht über die islamischen Institutionen in den beiden Basel auf den Markt. Das Buch glänzt durch Vollständigkeit – Reflexion und Gewichtung fehlen leider fast vollständig.

(Noch) einer der ältesten islamischen Gebetsräume in Basel: die Mescid Moschee in der Kaserne. (Bild: Kurt Wyss)

Erstmals gelangt nun eine Übersicht über die islamischen Institutionen in den beiden Basel auf den Markt. Das Buch glänzt durch Vollständigkeit – Reflexion und Gewichtung fehlen leider fast vollständig.

Der Nutzen des neusten Erzeugnisses der unabhängigen Informations-Platform Inforel wechselt zwischen Schul- und Adressbuch. In enger Zusammenarbeit mit dem Dachverband Basler Muslim Kommission führen die Autoren in ihrem Büchlein «Islam in Basel-Stadt und Basel-Landschaft» durch die vielseitige Beschaffenheit islamischer Glaubenshäuser in den beiden Basel.

Wegen eines Zerwürfnisses mit den Aleviten, die sich weigerten, quasi als Anhängsel der sunnitischen Islamvereine im Buch vorzukommen, erhalten diese in naher Zukunft einen eigenen Reiseführer. Auch schiitische Institutionen kommen im Werk nicht vor – aus dem nachvollziehbaren Grund, dass die Autoren keine entsprechende Organisation ausfindig machen konnten.

Präzise Chronik

Der Islam-Führer mag nur teilweise zu überzeugen. Die grösste Qualität liegt in der Vollständigkeit und der Übersichtlichkeit in der Darstellung sämtlicher sunnitischer Glaubensgemeinden. Eine präzise Chronik stellt die Entwicklung der islamischen Vereine dar. Auch die Schilderung der nationalen und kulturellen Hintergründe ist informativ und wichtig fürs Verständnis.

«Islam in Basel-Stadt und Basel-Landschaft», Christoph Peter Baumann und Sarah Hess-Hurt, Manava Verlag, 164 Seiten.

Wo die Autoren aber über den Glauben im Alltag erzählen, offenbart sich das Manko des Kompendiums. Vorschriften werden als sakrosankt dargestellt, auf die Wiedergabe abweichender Auslegungen und Anwendungen der Regeln, was Kleidung, Beten und Ernährung betrifft, wird verzichtet. Dabei zeichnet sich die muslimische Gesellschaft in der Schweiz gerade durch ihre Heterogenität und unterschiedliche Worttreue aus.

In ihren Texten stützen sich die Autoren nicht nur auf die Angaben der Vereine; an den Beiträgen durften die Organisationen mitarbeiten, sie wurden autorisiert und korrigiert. Herausgekommen sind teilweise umfassende Kurzporträts mit Angaben über Struktur und Finanzierung der Vereine und Stiftungen, teilweise bleiben die Informationen aber auch unverbindlich und vage. 

Fehlende kritische Einordnung

Warum dem auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft umstrittenen, von Konvertiten ins Leben gerufenen Islamischen Zentralrat Schweiz derart viel Platz zugestanden wird, sich anzupreisen, bleibt das Geheimnis der Autoren. Eine kritische Einordnung der Autoren wäre hier notwendig gewesen.

Gleichwohl ist das Buch unverzichtbar für jeden, der wissen will, was im Gebetsraum um die Ecke eigentlich vor sich geht. Finanziert wurde das Werk von islamischen Stiftungen und Vereinen, von Privatpersonen und der staatlichen Stelle Integration Basel.

Konversation

  1. Das kleine Handbuch enthält die allgemein gültigen Grundaussagen zu Gebet, Ernährung,Bildung, Erziehung, Tod und Begräbnis. Einzig das Thema „Kleidung“ wurde nicht behandelt, da die Kleidung von Muslimen so vielfältig ist wie die der Nichtmuslime. Wie sich der Rezensent die Wiedergabe abweichender Auslegungen und Anwendungen der Regeln, was Kleidung, Beten und Ernährung betrifft, vorstellt, ist mir ein Rätsel. Vielleicht kann er einmal in einem Themenbeitrag auf diese angebliche Meinungs- und Regelvielfalt eingehen. Die Mitarbeitenden von inforel würden ihm bestimmt dabei „unter die Recherche-Arme“ greifen.
    Das Selbstporträt des IZRS (5 Seiten) wiederspiegelt deren Anspruch „grösste islamische Organisation der Schweiz“ zu sein. Ein Klick auf wikipedia ergänzt das Wissen: IZRS gilt als radikal-islamische Organisation und vertritt einen wahhabitisch salafistischen Islam nach saudischem Vorbild. Eine solche Einordnung entspricht nicht dem neutralen Informationsauftrag von inforel.

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    1. Das Thema Kleidung wird durchaus behandelt, namentlich im Kapitel «Der Glaube im täglichen Leben». Bei den Beschreibungen stört mich die Absolutheit, ich vermisse ich den Hinweis auf divergierende Ansichten, was der Heterogenität der Schweizer und Basler Muslime gerecht werden würde. Aber das ist nur ein kleiner Makel. Zweiteres stört mich mehr. Weil das von Ihnen kolportierte Verständnis von Neutralität tatsächlich zu Desinformation führt. Das blind übernommene Selbstbild des IZRS (beispielsweise) entspricht bestenfalls der Eigenwahrnehmung des Verbands, möglicherweise sogar nicht mal dem, sondern jenem Bild, das man gerne einer gewissen Öffentlichkeit unterbreiten möchte. Neutralität heisst für mich in diesem Kontext Ausgewogenheit, keine Partei zu ergreifen. Neutralität heisst nicht, Propaganda zu verbreiten. Oder anders gesagt: Die Maxime der Neutralität entbindet nicht von der Pflicht der Einordnung und der Reflexion.

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    2. Ein schwieriger menschenschlag, diese konvertiten … das spektrum umfasst leider auch hilflose konvertidiotinnen, bewusste konvertäter und machtgeile zentralkonverter. sie leisten den religionsgemeinschaften jedenfalls einen bärendientst.

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  2. Die sanfte Seite des Islam gefällt mir. Es ist schön, dass Informationen über den Islam in Basel erhältlich sind, für die, die es interessiert!

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