Schlecht gewartete BVB-Trams machen die eigenen Schienen kaputt

Alarmstimmung bei den BVB: Die Verkehrsbetriebe mussten feststellen, dass sich die Schäden an den Schienen häufen. Schuld sind schlecht eingestellte Räder bei der gesamten Tramflotte. Jetzt geht es mit Hochdruck an die Sanierung der rund 100 Züge.

Im September 2017 wurden sie neu eingesetzt, jetzt sind sie bereits wieder schadhaft: Die Tramgeleise am Steinenberg werden nicht so lange halten, wie geplant.

BVB-Direktor Erich Lagler fühlt sich nicht richtig wohl in seiner Haut: «Ich bin selber entsetzt über die Situation», sagte er an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Flankiert vom Leiter Infrastruktur, Bruno Stehrenberger, und dem Interimsleiter Technik, Ludwig Näf, musste er einmal mehr schlechte Nachrichten verkünden. «Wir haben in den vergangenen Wochen auf dem gesamten Schienennetz auffällig hohe Abnützungen festgestellt – und das unabhängig vom Alter der Schienen und von den Tramtypen, die sie befahren.»

Betroffen ist auch die Strecke am Steinenberg, die erst im September 2017 umfassend saniert worden ist. Infrastrukturleiter Stehrenberger sprach von einem höchst ärgerlichen Umstand: «Wir haben seit 2017 60 Millionen Franken in die Sanierung des Netzes gesteckt und bereits jetzt mussten wir wieder Schäden zur Kenntnis nehmen.»

«Instandhaltungsstau»

Besonders unangenehm dürfte sein, dass die BVB selber Schuld trage. Verantwortlich für die gehäuften Schäden sind nämlich die Trams, die auf den Schienen verkehren – Tramzüge, die ungenügend gewartet wurden. Konkret geht es um schlecht eingestellte oder ausgerichtete Räder, welche die Schienen abwetzen, erklärte Näf.

Wie es zu diesem «Instandhaltungsstau» bei der gesamten Tramflotte gekommen ist, konnten oder wollten die Verantwortlichen nicht erklären. «Wir haben eine Taskforce eingesetzt, die sich, verstärkt mit externen Experten, intensiv mit der Angelegenheit befasst», sagte Lagler.

Eines aber wissen die Verantwortlichen: Offensichtlich wurden die Intervalle zwischen den regelmässig notwendigen Wartungsarbeiten an den Rädern verlängert. Und dies, ohne dass die Geschäftsleitung und das Bundesamt für Verkehr ins Bild gesetzt worden seien. Als «völlig inakzeptabel» bezeichnete Lagler diesen Vorgang. «Wir wissen aber noch nicht, wo genau die Verantwortung liegt.»

Retten, was zu retten ist

Die BVB müssen nun mit Hochdruck retten, was noch zu retten ist. Im Zweischichtbetrieb mit Wochenend- und Feiertagsarbeit wird die gesamte Fahrzeugflotte saniert. Bis Ende nächster Woche sind die 15 Züge mit den schlimmsten Schäden dran, bis Ende September sollen dann alle Räder wieder richtig, das heisst parallel rollen. Für diese Arbeit nehmen die BVB Hilfe von der BLT und von Bernmobil in Anspruch.

Wie viel die Behebung der Schäden kosten wird, konnten die Verantwortlichen noch nicht sagen. Es dürfte aber nicht wenig sein und langfristige Folgen haben. Stehrenberger sagte, dass sich durch die Abnützung die Lebensdauer der frisch eingesetzten Schienen verkürzt habe.

Langsamer über Weichen

Als Sofortmassnahme müssen nun alle Trams bei Kreuzungen und Weichen ihre Geschwindigkeit auf maximal 15 Kilometer pro Stunde drosseln. Auf den Betrieb beziehungsweise Fahrplan habe dies aber keinen Einfluss. Die Verantwortlichen betonten überdies, dass die Sicherheit der Fahrgäste stets gewahrt gewesen sei.

Etwas zerknirscht musste Lagler schliesslich zugeben, dass die BLT offensichtlich sorgfältiger mit ihrer Flotte umgeht. «Auf den Strecken, die vor allem von BLT-Zügen befahren werden, haben wir weniger Schäden feststellen müssen», sagte er.

Konversation

  1. Technisch stellt sich die Frage, wenn zwei Eisenteile sich begegnen, dass wohl das härtere Eisenteil obsiegt und das andere abschleift, abfeil oder abfräst….
    Könnte es sinnvoll sein, die Schienen grundsätzlich härter als die Räder zu machen, da Räder eigentlich zum Verbrauchsmaterial gehören?
    Die kann man auch schneller ersetzen als die verschliffenen Schienen aus dem Beton herauszumeisseln.

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  2. Vielleicht einfach in eine schienenlose Strassenbahn investieren, wie das auch im chinesischen Zhuzhou gemacht wird. Da könnte sich Basel einen respektablen Standortvorteil verschaffen.

    Mich erstaunt immer wieder wie wenig die Leute hier in Europa über den technologischen Fortschritt Bescheid wissen.

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  3. Mir ist immer noch schleierhaft, warum die BVB keine Trolleybusse einsetzen wollen. „Umweltfreundlich“, leise, kostengünstiger; keine Gleiserneuerung nach einem Jahr. Auch das Projekt „Gare de Saint-Louis“ wäre m.E. viel günstiger ausgefallen mit Trolleybusse.

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