Schuld an schwachen Schülern war nicht die Eurythmie: Amt belastet Schulrat von Zwingen

Einige Wochen nach dem Eklat um die Primarschule Zwingen sieht die ganze Geschichte auf einmal etwas anders aus. Gemäss einem Bericht des Amts für Volksschulen hat vor allem der Schulrat seine Pflichten ungenügend wahrgenommen.

Der Pausenplatz ist in den Sommerferien verwaist, die Gemüter haben Zeit sich zu beruhigen.

In der Primarschule Zwingen haben die Sommerferien angefangen. Es sind seit vielen Wochen die ersten ruhigen Tage an dieser Schule. Anfang Mai ist  ein Konflikt an die Öffentlichkeit gekommen, der intern schon länger schwelte. Ein Konflikt, der nur Verlierer hinterlässt und der sich mit etwas Gelassenheit wohl hätte verhindern lassen.

Schüler nutzten den freien 1. Mai, um den Schulhof mit Plakaten vollzukleben, die es in sich hatten: «Unsere Klassenlehrerinnen haben gekündigt, weil sie von unserem Schulleiter gemobbt und beleidigt worden sind. Wir finden das sehr ungerecht und wollen, dass das sich ändert!» Wenig später titelte die «Basler Zeitung»: «Eklat an der Primarschule Zwingen» (nicht online), die «bz Basel» schrieb: «Lernstoff vernachlässigt: Steiner-Methode an Zwingener Primarschule». Was war geschehen?

Falsch bewertete Testergebnisse

Jeweils im Herbst schreiben die Fünftklässler im Laufental einen regionalen Vergleichstest, geprüft werden Deutsch und Mathe. Es handelt sich dabei nicht um einen der offiziellen Checks. Die Ergebnisse bestimmen dennoch mit, in welchen Zug der Sekundarschule ein Kind übertreten darf.

Eine Klasse an der Primarschule in Zwingen fällt bei diesem Vergleichstest im vergangenen Oktober durch besonders tiefe Noten auf. Die verantwortliche Lehrerin Marianne Lander fällt aus allen Wolken. Sie hat diese Klasse erst wenige Monate zuvor übernommen. Das ist so üblich, in Zwingen bekommen die Klassen alle zwei Jahre eine neue Lehrperson.

Offenbar wiesen diese Fünftklässler im Vergleich zu Gleichaltrigen im Laufental einen Wissensrückstand auf. Lander informiert den Schulleiter Erich Rubitschung über die besorgniserregenden Testresultate. Nichts geschieht.

Es ist dieser Moment, in dem der Konflikt zu keimen beginnt. Ab hier geht so vieles schief, dass aus einem zwar ärgerlichen, aber definitiv lösbaren, innerschulischen Problem eine medial hochgepeitschte Affäre wird, die grossen Schaden bei Schülern, Eltern und Lehrern hinterlässt.

Block-Unterricht, Gartenbau und Eurythmie

Lander findet heraus, dass ihre Vorgängerinnen die Klasse teilweise nach steinerpädagogischen Ansätzen unterrichtet haben. So wurde der Unterricht etwa in sogenannten Epochen gestaltet. Dabei konzentriert sich eine Klasse für eine bestimmte Zeit auf ein Thema, zum Beispiel Mathematik, um danach das nächste Fach zu vertiefen. Die Fächer werden also in Blöcken unterrichtet und nicht parallel.

Im Wintersemester gab es zudem eine Wochenlektion Eurythmie (eine anthroposophische «Bewegungskunst»), im Sommer eine Stunde Gartenbau. Jeweils zum Unterrichtsbeginn mussten die Kinder ausserdem einen Morgenspruch aufsagen, einen von Rudolf Steiner verfassten Text.

Als Lander mit dem zusammengetragenen Register der pädagogischen Sünden beim Schulleiter Erich Rubitschung vorstellig wird, findet sie wieder kein Gehör. Er verteidigt die Methoden gar an einem ausserordentlichen Elternabend vor den aufgebrachten Eltern. Sie befürchten nach dem Vergleichstest nämlich, dass ihre Kinder schlecht vorbereitet in die 6. Klasse wechseln, wo der Entscheid darüber fällt, in welchen Leistungszug der Sekundarschule die Schüler wechseln. Rubitschung beteuert, dass bis Ende Jahr sämtliche Wissenslücken geschlossen würden.

Derart abgekanzelt, kündet Lander ihre Stelle und wendet sich an den Lehrerverein Baselland (LVB). Der reicht beim kantonalen Amt für Volksschulen (AVS) eine Aufsichtsbeschwerde ein und ist auch sogleich mit einem pointierten Statement zur Hand. Eine Rechtsberaterin des LVB lässt sich in der «Basler Zeitung» mit der Aussage zitieren, die Rudolf-Steiner-Pädagogik sei «nicht mit der religiösen Neutralität der öffentlichen Schulen vereinbar».

Die These, dass die Lehrerinnen schuld sind, wird mit einer solchen Vehemenz wiederholt, dass sie zur Gewissheit wird.

Lander ihrerseits bemüht gegenüber «20 Minuten» ein populäres Steinerschul-Klischee: «An einer staatlichen Schule die Buchstaben des eigenen Namens zu tanzen und das Morgengebet zu sprechen, ist nicht mehr religionsneutral.» Die Präzisierung, dass es sich bei der Anthroposophie nicht um eine Religion handelt, sucht man in beiden Medienberichten vergeblich.

Damit ist der Ton vorgegeben für die weitere Diskussion, für das, was weiter geschehen wird. Der Schluss lautet: Die Lehrerinnen und ihre Steiner-Methoden sind schuld an den Lernrückständen in dieser Klasse. Diese These wird so oft und mit einer solchen Vehemenz wiederholt, dass sie zur Gewissheit wird.

Freude am Lernen

Doch es gibt Indizien, die gegen diese Lesart sprechen. Nur fliessen diese nicht in die Medienberichterstattung ein. Zudem wird suggeriert, dass sich die Eltern mehr oder weniger geschlossen gegen die steinerpädagogischen Unterrichtsmethoden wehrten.

Eine Stunde Gartenbau pro Woche. «Mein Sohn interessiert sich plötzlich brennend für Pflanzen und Biologie», sagt ein Vater.  

Dabei gibt es durchaus auch solche, die diese Methodenvielfalt zu schätzen wissen. Ein Vater sagt: «Mein Sohn hat Freude am Lernen entwickelt. Seit den Gartenbau-Stunden interessiert er sich plötzlich brennend für Pflanzen und Biologie. Er ist regelrecht aufgeblüht.» Erst Anfang Juli findet auch diese Sichtweise Eingang in die Medien, als nämlich einige Eltern von Zwingener Primarschülern einen Leserbrief verfassten, in dem sie sich explizit für die anthroposophischen Methoden aussprechen.

Weitere relativierende Informationen kommen ans Licht. So sei etwa die fünfte Klasse, die beim regionalen Vergleichstest so schlecht abgeschnitten habe, als «schwierige Klasse» bekannt gewesen, wie mehrere involvierte Eltern gegenüber der TagesWoche erzählen. Ein Vater sagt: «Die Klasse war personell sehr wacklig aufgestellt.» Häufige Lehrerwechsel sowie eine Aufteilung und spätere Wiederzusammenführung der Schüler hätten grosse Unruhe ins Klassengefüge gebracht.

Eine Mutter weist zudem darauf hin, dass es in dieser Klasse gleich mehrere Schüler habe, die sogenannt lernzielbefreit unterrichtet würden. Das heisst, diese Schüler können aufgrund ihrer individuellen Voraussetzungen nicht an denselben Leistungszielen gemessen werden wie der Rest der Klasse.

Lehrplan und Stundentafel wurden nicht eingehalten

Die fünfte Klasse hat also eine besondere Zusammensetzung, die aber bei der Beurteilung der Ergebnisse aus der Vergleichsprüfung nicht berücksichtigt wurde. Dies stellt das Amt für Volksschulen in einem Bericht fest, den es aufgrund der Aufsichtsbeschwerde des Lehrervereins erstellen liess. Dieser Bericht liegt der TagesWoche vor.

In erster Linie habe das AVS untersucht, ob der Unterricht an der Primarschule Zwingen dem offiziellen Lehrplan und der Stundentafel entspreche, erklärt Amtsleiter Beat Lüthy. «Der Bericht stellt kein Urteil dar über die Qualität des Unterrichts und ist ebenso wenig ein Angriff auf die Steinerpädagogik.» Doch sei man zum Schluss gekommen, dass in Zwingen nicht gemäss Lehrplan und Stundentafel unterrichtet wurde.

So sei es nicht zulässig, Eurythmie als fest verankerten Teil des Stundenplans zu unterrichten, da diese nicht zum Lehrplan gehöre. Die Methode des Epochenunterrichts sei zwar als eine unter vielen zulässig, nicht jedoch in der Ausprägung, wie es in Zwingen der Fall gewesen sei. Eine Lehrerin habe dort ausschliesslich in Epochen unterrichtet. Und auch am Morgenspruch stört sich das AVS: Dieses «Morgenritual mit täglich wiederholtem und immer in der gleichen Körperhaltung vorgetragenem Morgenspruch kann als religiös oder sektiererisch empfunden werden», sagt Lüthy.

Nur langsam verziehen sich die dunklen Wolken über dem Schulhaus in Zwingen.

So viel zur Bewertung der Steinerpädagogik. Sie wird vom AVS nicht prinzipiell verdammt und verbannt, wie das in vielen Medien kolportiert wurde, sondern darf im Rahmen der Methodenfreiheit punktuell durchaus in den Unterricht einfliessen.

In dem siebenseitigen und von Regierungsrätin Monika Gschwind unterschriebenen Report findet sich jedoch auch folgende Passage:

«Die BKSD (Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion) stellt fest, dass die Kinder mit individuellen Lernzielen sowie die spezielle Klassenzusammensetzung bei der Auswertung der Vergleichstests nicht berücksichtigt wurden. Wichtig erscheint, dass bei den Vergleichstests im Laufental zukünftig die verschiedenen Lernvoraussetzungen berücksichtigt werden.»

Diese eher beiläufige Bemerkung zielt direkt auf das Kernargument der Kritiker, die in der Steinerpädagogik den Grund für das schlechte Abschneiden der fünften Klasse sehen. Natürlich schneidet eine Klasse im Schnitt schlechter ab, wenn die Noten der lernzielbefreiten Schüler mit in die Gesamtbeurteilung einfliessen. Die Aufregung um die Testresultate stand am Anfang dieser Affäre – nun stellt sich nach diesem Befund des AVS die Frage, ob es überhaupt Grund gab, sich aufzuregen.

Krisenkonzept ist nicht krisensicher

Eine weitere Erkenntnis aus dem Bericht gibt Aufschluss darüber, weshalb sich eine solche Ungereimtheit zum mittleren Skandal entwickeln konnte. Das AVS untersuchte angesichts der zunehmend verhärteten Fronten zwischen Eltern, verschiedenen Lehrern, Schulleitung und Schulrat nämlich auch, inwiefern an der Primarschule Zwingen ein Krisenkonzept besteht. Ob die Führungsverantwortlichen an dieser Schule also wissen, wie Konflikte gelöst werden können, bevor sie sich zur Krise auswachsen.

Die Aufsichtsbehörde kommt zum Schluss, dass die Schulleitung und der Schulrat in diesem Punkt versagt haben. Ein Konzept zur Lösung von Konflikten habe nur in Ansätzen bestanden, namentlich dafür, wie mit Konflikten mit Eltern umgegangen werden soll. Wenig Gedanken gemacht habe man sich darüber, wie teaminterne Krisen überstanden werden können.

«Dergestalt konnte das Konfliktkonzept nicht als Leitplanke dienen», schreibt das AVS. Und weiter:

«Eine wechselhafte Klassensituation sowie einseitige Unterrichtsformen haben die Situation verschärft. Das mangelhafte Konfliktmanagement von Schulleitung und Schulrat haben schliesslich zur Eskalation geführt.»

Das Versagen sieht das AVS denn auch hauptsächlich beim Schulrat, dem Gremium, das in letzter Instanz für die Einhaltung von Lehrplan und Stundentafel verantwortlich ist:

«Aus den Erwägungen geht hervor, dass der Schulrat der Primarschule Zwingen seine Führungs- und Aufsichtspflichten gegenüber der Schulleitung sowie den Lehrpersonen in ungenügender Weise wahrgenommen hat.»

Aufsichtsbeschwerde gegen den Schulrat

Der vom AVS scharf kritisierte Schulrat liess mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten. Mitte Juni entliess er den Schulleiter Erich Rubitschung per sofort. Warum der Schulleiter gehen musste, wenn doch das AVS den Fehler ganz klar beim Schulrat sieht, wollte im Gremium auf Anfrage niemand erklären. Der verantwortliche Schulrat, Harald Schmidlin, schlug die Möglichkeit zur Stellungnahme mit Hinweis auf das laufende Verfahren aus.

Denn neben derjenigen des Lehervereins ist noch eine weitere Aufsichtsbeschwerde beim AVS hängig, diesmal an die Adresse des Schulrates. Eltern haben in einem Brief an den Regierungsrat ihr Misstrauen gegenüber diesem Gremium geäussert. Das AVS sah sich darauf erneut gezwungen zu handeln. Ausserdem gab die Gemeinde Zwingen bei der Fachhochschule Nordwestschweiz eine externe Evaluation ihrer Primarschule in Auftrag.

Auch wenn der Schulhof in Zwingen nun ruhig daliegt, sich Kinder, Eltern und Lehrer in den Ferien am Erholen sind – ausgestanden ist der Konflikt an dieser Schule noch nicht.

Konversation

  1. Eventuell sollte man die arme Lehrerin, die bei den schlechten Noten ihrer Klasse aus allen Wolken fällt und nun voller Empörung ist, vor weiterem Kontakt mit Schülern bewahren. Ein Besen als Umgangsgegenstand ist da wesentlich unkomplizierter.
    Der Rest war damals schon „Zonenrandgebiet“ der alten Berner Herrschaft.

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  2. Über Rudolf Steiner und seine Schule lässt sich trefflich streiten.
    Ich war 9 Jahre in der Steiner-Schule, mein Sohn ist es jetzt auch. Beruflich habe ich mit der Staats-Schule direkt zu tun.
    Die Anthroposphie Steiners hat auch eine religiöse Komponente. Dies ist aber nur einer von vielen Teilen. In der Steinerschule haben die Kinder Religion, wie in der Staatsschule auch. Sie können wählen, welchen Religionsunterricht sie besuchen möchten, jenen mit oder ohne Steinersche Ansichten. Die Steiner-Schule als religiöse Instituition zu bezeichnen, ist abwegig.
    Die Lehrerinnen haben Steiner-Methoden angewendet. Dies ist an und für sich etwas Bereicherndes. Es muss aber transparent gemacht sein. Eltern, Schulleitung, Schulrat und nicht zuletzt die Kinder müssen darüber aufgeklärt werden. Eine Stunde Eurythmie statt Sport und Gartenbau als NMG-Fach ist an und für sich keine Sünde. Die Lehrerinnen nehmen den Kindern zwar etwas Mathe oder Deutsch weg, geben dafür jedoch etwas anderes. Ich finde höchstwahrscheinlich auch im Lehrplan Kompetenzen beschrieben, welchen die beiden Fächern gerecht werden. In der Momentaufnahme eines Vergleichstests kann sich dies kurzfristig jedoch resultatmässig negativ auswirken.
    Ich bin der Meinung, dass die Vergleichstests sehr wohl etwas aussagen können über die Kompetenz der Kinder, das Gelernte nicht nur in einem „normalen“, angesagten Test zu zeigen, sondern dass sie auch in der Lage sind, in einer etwas anderen Situation ihre erarbeiteten Themen aufs Blatt bringen können. Für die Lehrpersonen ist es sicher interessant, wie hier auch mal ein Kind über sich hinauswächst, welches sonst eher unscheinbar ist oder umgekehrt.
    Beide Diskussionen, über Tests oder Steiner-Methoden, finde ich sehr interessant und es gibt für mich keine absolut richtige Antwort.

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    1. Danke für Ihren interessanten Beitrag, Herr Ott.

      Bei den Vergleichsprüfungen bin ich anderer Meinung. Wie gut jemand bei einem Test abschneidet, hängt davon ab, was in diesem Test abgefragt wird und wie es abgefragt wird. Gut schneidet ab, wer möglichst viel von dem Abgefragten eben erst durchgenommen hat und wer die Art der Aufgabenstellung schon geübt hat.

      Um das Wissen, Können, die Kompetenzen oder was auch immer in einem bestimmten Fachbereich zu eruieren, sind unzählige Varianten möglich. Vielfalt eben. Es gibt nicht nur einen richtigen Weg zur Bildung. Es kann immer nur ganz wenig von dem, was wichtig ist, geprüft werden. Die Test-Resultate hängen von ganz vielen Faktoren ab, sie sagen deshalb wenig darüber aus, was jemand wirklich kann. Im besten Fall sind die Resultate zufällig, im (leider häufigen) schlimmsten Fall wird der Unterricht auf die Prüfungen ausgerichtet.

      Interessant zu diskutieren wäre: Warum will man eigentlich unbedingt wissen, wie „gut“ oder „schlecht“ ein Schüler ist? Jede simplifizierende Antwort (Punktzahl, Noten) ist blöd. In Ihrer Argumentation: Wenn Sie sich nicht auf Tests verlassen, dann merken Sie im Schulalltag schnell genug, dass das von Ihnen angeführte Kind eben etwas manchmal besser versteht oder kann oder ausdrückt, manchmal weniger. Dafür brauchen Sie doch die Vergleichstests nicht. Und jedes Kind birgt ungeahnte Fähigkeiten, die man nur in Ausnahmefällen sieht. Ohne Tests kann eine Lehrkraft den Schüler besser begreifen, weil sie wirklich hinschauen muss, statt sich auf zufällige Messresultate zu verlassen.

      Ich glaube, dass unser Schulsystem voll von Ideologie steckt, und dass der Vermessungswahn sicher mehr Unheil anrichtet als ein bisschen Steinreiche Spiritualität. Wir benötigen gegenüber Noten und Tests wieder den Blick des Kindes, das entdeckt: Der Kaiser hat ja gar keine neuen Kleider, er ist ja nackt.

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    2. Ein Drittel der 5. Klasse wurde nicht von den kritisierten Lehrerinnen unterrichtet. Diese Schüler und Schülerinnen haben im Vergleichstest Laufental nicht besser abgeschnitten. Trotzdem hat die Fünftklasslehrerin die Schwächen der Klasse vollumfänglich diesen beiden Kolleginnen zugeschrieben.

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  3. Danke der TagesWoche für diesen Beitrag. Er kann die Zwingener Geschichte zwar nicht ungeschehen machen, stellt aber doch Wesentliches erstmals klar und – wie ich meine – in ein richtiges Licht. Viele Verantwortungsträger*innen – und dazu zähle ich auch die Medien – erscheinen dabei als mehr oder weniger total überfordert: Eltern, der Schulrat, der Baselbieter Lehrerverein, das Baselbieter Amt für Volksschulen, die Baselbieter Bildungsdirektion und – last, not least – auch die bz.
    Ergänzend zu den zutreffend Hinweisen der Herren Bonjour, Meury und „Joggeli“ möchte ich noch auf einen Punkt kommen, der mir aus der Berichterstattung von Beginn an – und auch auch schon wiederholt bei andern Geschichten aus dem Baselbieter Bildungswesen – aufgefallen ist: Es mangelt massiv an der Kompetenz zum Umgang mit Vielfalt. Es ist menschlich und professionell sehr anspruchsvoll, mit Vielfalt kreativ und konstruktiv zu leben. Vielfalt ist eine Tatsache und nicht verhandelbar. Sie besteht immer und überall. Gute Schulen sehen Vielfalt als Reichtum und als Chance.

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  4. „Die Präzisierung, das es sich bei der Anthroposophie nicht um eine Religion handelt…“
    Interessantes Statement, welches hier so nonchalant als ein „weiss doch jeder“-Fakt hingestellt wird – darüber gibt es durchaus geteilte Meinungen, wie auch einige Kommentare zeigen.

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  5. Ein sinnvoller Artikel von Matthias Oppliger zur Skandalisierung der Ereignisse an der Primarschule Zwingen. Endlich wird der regionale Vergleichstest im Laufental in Frage gestellt und darauf hingewiesen, wie folgenreich hier versagte. – Schade ist, dass auch hier auf ungeklärte Unterstellungen Bezug genommen wird, wie wenn es sich um objektive Tatsachen handeln würde.
    „Lander finder heraus …“, als ob eine Klassenlehrperson eine Stelle antreten könnte, ohne sich über die Klasse und den Unterricht in der Zeit vorher zu informieren. „Lander findet wieder kein Gehör …“ Wie soll eine Schulleitung dem Gehör geben, wenn eine Lehrerin pädagogische Methoden ihrer Kolleginnen verhindern will? „Derart abgekanzelt, kündet Lander…“ würde in meiner Lessrt heissen: Weil Frau Lander ihren Willen nicht durchsetzen konnte …
    Es ist doch so wichtig, bei umstrittenen Themen möglichst wenig Ungeklärtes als Tatsache zu übernehmen. Dass die bz hier unterirdisch schlechten Journalismus betrieben hat, wird dort offenbar keine Konsequenzen haben, dagegen bei den Betroffenen in Zwingen leider schwerwiegende Folgen.

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  6. @Daenny

    In diesem Fall stimmt es definitiv nicht: Die Medien sind nicht einfach die Überbringer & Aufklärer, sondern sie haben in diesem Fall den Konflikt inszeniert. Häppchenweise und unreflektiert. Abgestützt im Wesentlichen auf anonymisierte Informationen. Gespickt mit Schlagworten und Unterstellungen. Harmlos und fair war die Berichterstattung (ich habe sie verfolgt) zu keinem Zeitpunkt. Der BaZ hat man solche skandalisierenden Berichterstattungen vorgeworfen. Die Basellandschaftliche Zeitung ist offensichtlich auf diesen Zug aufgesprungen. Ein schlechtes Omen!

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    1. Im Gegensatz zur BaZ hat die bz die Beteiligten von Beginn weg und wiederholt um eine Stellungnahme gebeten!

      05.05. „Der angeschossene Schulleiter Erich Rubitschung war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.“

      14.05. „Schulrat Harald Schmidlin wollte zum Elternabend, der vergangene Woche stattfand, gegenüber der bz keine Stellung nehmen.“ und „Rubitschung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.“

      etc.

      Wenn die Betroffenen wiederholt ihre Sichtweise nicht darlegen wollen, sind sie selber Schuld und müssen sich nicht wundern, wenn dahinter mehr vermutet und entsprechend recherchiert wird.

      Korrigenda: Anthroposophie ist höchstens in den Augen der Kirche eine Sekte. Nüchtern betrachtet ist es eine Mischung aus esoterischem Humbug und sich wissenschaftlich gebender Scharlatanerie.

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    2. Offensichtlich sind Sie der bz wacker auf den Leim gekrochen? Haben Sie in Erwägung gezogen, dass der Schulleiter sich gar nicht öffentlich äussern durfte? Und haben Sie bedacht, dass es bei dieser Geschichte gar nicht um die Anthroposophie, sondern vor allem um Macht geht?

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  7. Danke der TagesWoche für diese Richtigstellungen.

    Bildungspolitisch macht dieses Desaster vor allem etwas deutlich: Solche Vergleichstests schaffen mehr Probleme als Lösungen. Sie werden grotesk überbewertet. Wenn man genau ist, kann man feststellen: Solche Prüfungen können nur feststellen, ob ein Schüler oder eine Schülerin diese Prüfung besteht oder nicht. Über die Frage, was die SchülerInnen gelernt haben, wie sinnvoll das ist, wie gut sie auf die nächsten Schulstufen vorbereitet sind, haben solche Vergleichstests keine Aussagekraft. Alle möchten gerne Zahlen haben, um nicht über Pädagogik nachdenken zu müssen – aber leider ist die Wirklichkeit nicht so simpel. Die Vermesserei von SchülerInnen ist Unsinn, aber bequem.

    Der Einzige, der richtig reagiert hat, nämlich der Schulleiter, wird fristlos entlassen. Er hat offenbar einen offenen, weitsichtigen Geist: Man kann in der Pädagogik auf viele verschiedene Arten sinnvolle Resultate erzielen. Er hat sich gegen jede Simplifizierung gewehrt. Nicht so die neue Lehrerin der Klasse, die offenbar meint, nur sie wisse, wie man richtig unterrichtet, nicht so die Verantwortlichen im AVS: Statt die Komplexität von Pädagogik und Bildungsarbeit auszuhalten, sucht man irgendein Detail, an das man sich klammern kann (hier die Stundentafel), gibt dann zwar zu, dass das nichts aussagt über die Qualität des Lernens und des Unterrichts, aber man hat ein Detail gefunden, mit dem man dann irgendjemand anderem die Schuld zuschieben kann. Eine solche Bildungsbürokratie ist verheerend!

    Es ist auch zu simpel, die Schuld jetzt dem Schulrat zuzuschieben. Natürlich hat der saublöd gehandelt, als er die Schuld einfach an den Schulleiter weitergeleitet hat. Aber er bekam ganz offensichtlich auch keine Unterstützung und keine Rückendeckung durch die Bildungsdirektion. Diese gefällt sich darin, immer neue Reglemente zu verfassen und jetzt offenbar von Schulräten zu verlangen, dass sie ein Konflikt-Konzept ausarbeiten müssten, auf Vorrat, ausformuliert für die Schublade. Man kann den Unsinn mit Papieren, Reglementen, Konzepten auch auf die Spitze treiben, wenn man von der komplexen Wirklichkeit überfordert ist und sich vor der Verantwortung drücken will.

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  8. Am Anfang steht ganz klar der Schulleiter. Er hätte Frau Lander richtig darüber aufklären müssen, dass in ihrer Klasse, mit den lernzielbefreiten Schülern, absichtlich ein massives Leistungsgefälle vorhanden ist. Wer, wenn nicht er, hätte es wissen müssen. Erst durch seine Unterlassung ist es zum Eklat gekommen. Somit ist seine Kündigung durchaus gerechtfertigt. Dass es eine fristlose war, ist aber übertrieben und wird hoffentlich von einem Richter (finanziell) korrigiert.

    Die Medien anzuprangern, ist billig. Sie sind nur die Überbringer der Nachrichten. Wenn sonstwo beim Staat versucht wird, etwas unter den Teppich zu kehren, das die Medien dann publik machen, werden sie als vierte Gewalt und Wächter der Demokratie gepriesen.

    Anthroposophie ist keine Religion, sondern eine Sekte.

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  9. Wie kann es sein, dass ein normaler Schulkonflikt derart eskaliert und während Wochen in der Presse breitgetreten wird? Warum gelangt eine schulinterne Angelegenheit überhaupt an die Öffentlichkeit? Gibt es dafür ein öffentliches Interesse, ausser der offensichtlichen Lust an der Skandalisierung einer Bagatelle? Die Basellandschaftliche Zeitung darf für einmal für sich in Anspruch nehmen, dass sie diesen Konflikt über Wochen aktiv und unredlich bewirtschaftet hat. Zahlreiche Artikel haben den Konflikt eskalieren lassen. Die verantwortlichen Protagonisten, namentlich der Schulrat, haben keine Schritte zur Deeskalation unternommen. Man hat es zugelassen, dass denunzierende Aussagen von verschiedenen Seiten ein eigentliches Kesseltreiben in Gang gebracht haben. Dabei hat sich die bz grossmehrheitlich auf anonyme Elternaussagen abgestützt. Intern hat man dem betroffenen Schulleiter einen Maulkorb verpasst. Er konnte sich zu keinem Zeitpunkt öffentlich erklären. Der Schulrat, als vermittelndes Gremium, wäre gefordert gewesen, aber man ging auf Tauchstation, hat, wie üblich, das laufende Verfahren für das Stillhalten vorgeschoben, während die Presse freudig jede kolportierende Aussage von betroffenen Lehrerinnen zu einem neuen Hetzartikel verarbeitet durfte. Der Schulleiter hatte zu keinem Zeitpunkt eine Chance. Er war öffentlich bereits verurteilt.

    Das Ende es Trauerspiels war kurz vor der Sommerpause die Kündigung des Schulleiters. Fristlos. Damit versuchte das Amt für Volksschulen und der Schulrat Stärke zu markieren. Eine Kündigung aus der Machtposition heraus sollte Klärung verschaffen. Dabei bleibt vieles unklar.

    In jedem Fall verloren haben die SchülerInnen. Sie sind in höchstem Masse verunsichert worden und müssen weiterhin in eine destabilisierte Schule gehen. Verunsichert sind aber auch die Eltern, welche durch diesen Konflikt gespalten wurden. Geklärt werden konnte ebenfalls nicht, was Methodenvielfalt heisst und mit welchen Methoden zukünftige LehrerInnen arbeiten müssen/dürfen/sollen. Die Rolle des Schulrates war eine jämmerliche. Er hat versagt, bleibt aber offensichtlich im Amt. Versagt hat auch das Amt für Volksschulen. Es wäre nötig, nicht nur die SchülerInnen mit Vergleichstest auf Herz und Nieren (Deutsch und Mathe) zu prüfen, sondern die involvierten Gremien auf ihre Konfliktresistenz und Kommunikationsfähigkeit zu checken. Ich bin mir sicher, dass in diesem Bereich enormer Nachholbedarf besteht.

    Zu guter Letzt: Es wird eine Frage für die Juristen sein, aber ich bin mir sicher, dass einem Schulleiter wegen der vorliegenden »Verfehlungen«, oder «Unterlassungen«, nicht fristlos gekündigt werden kann. Ich sehe keinen Ansatz für ein deliktisches Verhalten. Mit einer sorgfältigen Untersuchung und einer allfälligen Rüge wäre man vielleicht weitergekommen.
    Offensichtlich: Bei diesem Konflikt haben alle verloren. Aber! Die Presse (und federführend die bz) hatte ihre Story.

    Zur Erinnerung: Auslöser des Konfliktes waren die schlechten Leistungen der SchülerInnen bei einem Vergleichstest in Deutsch und Mathe. Offensichtlich zwei unumstössliche Schlüsselkompetenzen! Die entsprechenden Resultate wurden (ohne weiterführenden Informationen) dramatisiert, aber nie erklärt.

    PS.: Der Schulkonflikt erinnert an die berühmte Handschlag-Verweigerung in Therwil vor zwei Jahren. Auch dort hat das Amt für Volksschulen Baselland ganz offensichtlich versagt und den Konflikt zu einer staatstragenden Überlebensübung auflaufen lassen. Auch damals, eine Meisterleistung in Deeskalation und Konfliktmanagement. Vielleicht müsste man die Chefetage gelegentlich genauer unter die Lupe nehmen und den Involvierten Nachhilfestunden anbieten.

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