Sechs Tricks zur Einschulung – und eine Anleitung für Ausländer

Hat es an der Schule, in die Ihr Kind kommen soll zu viele Ausländer? Ist der Schulweg lang und gefährlich? Wir sagen Ihnen, wie Ihr Kind in die bevorzugte Schule kommt.

Der Weg zur «richtigen» Schule ist beschwerlich. Aber es gibt Abkürzungen. (Bild: Hansjörg Walter)

Hat es an der Schule, in die Ihr Kind kommen soll zu viele Ausländer? Ist der Schulweg lang und gefährlich? Wir sagen Ihnen, wie Ihr Kind in die bevorzugte Schule kommt.

Die Einschulung der eigenen Kinder ist ein komplizierter Moment im Leben junger Eltern. Sie sind vielleicht bewusst in ein «schwieriges» Quartier gezogen, an den Voltaplatz, auf die Erlenmatt, ins Gundeli. Sie lassen ihre Kleinen mit den kulturell anders geprägten Nachbarkindern im Park spielen. Sie haben diesem Quartier eine Chance gegeben – und dann kommt Ende Mai die Schulzuteilung des Basler Erziehungsdepartments.

Der Kindergarten, die Primar­schule, die Sie sich für Ihr Kind gewünscht ­haben, wurde nicht berücksichtigt. Ihr Kind wird einer Bildungsanstalt zu­geteilt, die Sie besorgt fragen lässt: Kann mein Elias in einer Umgebung, in der das «Herzlich willkommen» auf der Türmatte das einzige stilfeste Deutsch ist, sein sensitives, kreatives und intellektuelles Potenzial entfalten?
Eine organisierte Elternschaft kann ihr ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, um einen Zuteilungsentscheid umzuwerfen. Sie kann auf dem politischen Weg versuchen, Druck zu machen. Der Fall Bruderholz lehrt indes, dass derartiges Vorgehen oft ergebnislos endet.

Es gibt elegantere Methoden, in die gewünschte Schule zu kommen:

1) Die Briefkastenadresse (I)
Unter den (Schweizer) Eltern in Basel kursieren seit geraumer Zeit Listen mit Adressen, die man bei den Behörden als Ort angeben kann, wo das Kind seine Freizeit vor und nach der Schule verbringt. Wählen Sie eine, die in der Nähe der gewünschten Schule liegt, und Ihre Chancen stehen gut, dass Ihr Kind dort eingeschult wird.

Die Adresse kann einem Bekannten gehören. Bombensicher sind aber nur Verwandte. Hat man eine Grossmutter im bevorzugten Quartier, führt das zu einer komfortablen Faktenlage. Die Verwaltung kann die Existenz einer Grossmutter nicht in Abrede stellen. Und wie soll sie erfahren, ob der Nachwuchs tatsächlich dort seine schulfreie Zeit verbringt?

2) Die Briefkastenadresse (II)
Haben Sie im Sinn zu heiraten und zusammenzuziehen, sollten Sie einen Wohnsitz dort lassen, wo sie wollen, dass Ihre Kleine in den Kindergarten geht. Das Schweizer Eherecht akzeptiert zwei Wohnsitze. Den Lebensmittelpunkt dürfen Sie selber bestimmen. Kontrollieren kann kaum einer, ob Sie tatsächlich dort zu Hause sind. Zur Not tut es ein einsamer Briefkasten. 

3) Das Krippen-Spiel
Noch vor der Zuteilung in den Kindergarten können Sie die Kinderkrippe in das genehme Quartier wechseln. Nach der erfolgreichen Schulzuteilung können Sie den Wechsel allenfalls wieder rückgängig machen. Doch aufgepasst: keinesfalls überstürzt zurückwechseln. Das könnte die Aufmerksamkeit der Behörden wecken, die ansonsten nicht allzu genau hinschauen. 

4) Das Mittagstisch-Karussell
Bei der Wahl des Mittagstisches, wo das Kind über Mittag sein Essen bekommt, genau gleich vorgehen wie unter 3). Praktikabler, da es einfacher ist, den Mittagstisch zu wechseln als die Krippe.

5) Der Abmeldetrick
Fliegen Ihre Mogeleien auf, können Sie Ihr Kind auf einer Privatschule anmelden – und dann kurz vor dem ersten Schultag wieder abmelden. Vielleicht haben Sie Glück und in der bevorzugten öffentlichen Schule ist ein Platz frei geworden.

6) Pokern
Haben Sie im Sinn, sich eine teure Wohnung in einem Quartier mit zweifelhaftem Ruf zu kaufen, können Sie bei den Behörden zur Bedingung machen, dass Ihre Kinder woanders zur Schule gehen dürfen. So soll es am Kleinbasler Rheinufer geschehen sein.

Sollte all das nichts fruchten, bleibt Ihnen nurmehr die teure Privatschule oder der Wegzug. Das wäre schade. Wir würden Sie vermissen.

Erfolgreiche Integration heisst von den Schweizern lernen. Deshalb wollen wir das gesammelte Wissen über die erfolgreichsten Tricks bei der ­Einschulung in zwei Übersetzungen gerne weitergeben.

Die besten Tricks – auf Türkisch
Çocuğunuzun okulda içinde bulunduğu sosyal karışım hoşunuza gitmiyor mu? Okul yolu uzun ve tehlikeli mi? Çocuğunuzu sizin seçtiğiniz okula yerleştirebilmeniz için önerilerimiz:
1) Seçtiğiniz okulun yakınlarında oturan bir tanıdık veya akrabanızın adresini verin. Çocuğunuzun okul dışındaki zamanının çoğunu orada geçirdiğini beyan edin. Bu yeterli olacaktır. Çocuğunuz oraya gitmek zorunda değil.
2) Aile olarak oturma yerlerinizi dağıtın. İstenilen bölgede bir posta kutusu ayarlayın ve aile bireylerinin yaşam ve birleşme noktasının orası olduğunu, bu sebepten dolayı çocuğunuzun oradaki okula gitmek zorunda olduğunu iddia edin.
3) Çocuğunuzun kreşini, okula kayıttan önce istenilen bölgedeki bir başka kreş ile değiştirin. Veya istenilen bölgeden bir «öğlen masası» (Mittagstisch) seçip, kayıt yaptırın. Ama dikkat: Hızlı değişiklikler yetkililerin dikkatini çekebilir.
4) Bunların hiçbirisi işe yaramaz ise, çocuğunuzu özel bir okula kaydettirip, ilk okul gününden hemen önce tekrar kaydını sildirin, belki bu arada istenilen okulda bir yer boşalmıştır!
5) Yeni ve pahali bir evi, örneğin Kleinbasel`de satın almak istiyorsanız, yetkili kurumlara çocuğunuzun başka bir yerde okula gidebilmesi iznini, şart olarak koşun.

 

Die besten Tricks – auf Serbokroatisch
Da li Vam se možda ne sviđa socijalna mješavina u školi koju Vaše dijete pohađa? Da li je put do škole dug i opasan? Naši prijedlozi za dodjelu u školu po Vašem izboru:
1) Odaberite adresu sa sanduka za poštu u blizini škole po vašem izboru, u mjestu gdje stanjuje neki poznanik ili rođak. Stavite da Vaše dijete tamo provodi slobodno vrijeme. To je već dovoljno. Vaše dijete se ne mora tamo nikad pojaviti.
2) Kao porodica podijelite Vaše mjesto boravka. Napravite novo sanduče za poštu u četvrti u kojoj želite. Tvrdite da je Vaše sjedište tu, i da zbog toga Vaše dijete mora pohađati upravo tu školu.
3) Prije nego Vaše dijete krene u školu promijenite vrtić u četvrt koju želite. Ali oprez, prebrzo mijenjanje može izazvati sumnju nadležnih organa.
4) Ako sve to ne koristi, prijavite Vaše dijete u privatnu školu, i zatim odjavite ga nakon prvog dana. Možda je tada jedno mjesto u željenoj školi slobodno.
5) Ako želite da kupite nov i skup stan, možda u malom Baselu, postavite ultimatum da Vaše dijete mora negdje drugo da ide u školu.

 

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 11.05.12

Konversation

  1. Als Mitglieder des Schulrats OS Dreirosen haben wir in den letzten Jahren einen vertieften Einblick in die Schule und ihren Alltag erhalten. Von der Qualität der Schule, dem feinfühligen Engagement der Lehrpersonen und dem Wohlergehen der Schülerinnen und Schüler sind wir in höchstem Mass überzeugt. Darum geben wir Ihnen, liebe Eltern, gerne sechs Überlegungen mit auf den Weg, bevor Sie Ihr Kind aus dem Quartier wegbescheissen:
    1. Für die Selbständigkeit und das Selbstvertrauen Ihres Kindes ist es wünschenswert, dass es seinen Kindergarten- und Schulweg alleine machen kann.
    2. In ihrer Freizeit haben die Kinder an ihrem Wohnort die Kontakte zu Gleichaltrigen. Schade, wenn es da zum Aussenseiter wird!
    3. In Quartieren wie dem unsrigen profitieren die Kinder beispielsweise von education-Projekten und häufigerem Teamteaching. Zudem hat das Dreirosen-Schulhaus eine lange, positive Erfahrung als integrative Schule – etwas, das andern Schulen erst noch bevorsteht.
    4. Vielleicht wird es nicht immer leicht sein für Ihr Kind (aber wo ist es das schon?), garantiert wird es aber in seiner sozialen Entwicklung gefördert. Ein Plus für sein weiteres Leben.
    5. Stärkere Schülerinnen und Schüler werden durch schwächere MitschülerInnen nicht am Lernen gehindert. Im Gegenteil, beim kooperativen Lernen profitieren alle voneinander. Das zeigen wissenschaftliche Studien mehrfach.
    6. Haben Sie Ihr Kind gefragt? Ist es sein Wunsch, in einem andern Quartier den Kindergarten / die Schule zu besuchen?

    Wenn Sie also nur das Beste für Ihr Kind wollen – und das wollen wir alle, empfehlen wir die Volksschule im Quartier.

    Schulrat OS Dreirosen

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  2. Der Artikel mit seinen Tipps kommt ja leicht ironisch-humoristisch daher – und ist doch Symptom eines echten Dilemmas: Zunehmend haben Familien grosse Mühe damit, die staatliche Schulzuweisung einfach so zu akzeptieren – während in der Allgemeinheit ein starker Konsens herrscht dass das absolut nicht anders sein kann! Das zeigen die bisherigen Abstimmungsresultate in verschiedenen Kantonen zur freien Schulwahl (z.B. BL: ca. 80% nein!).

    Ganz verstehe ich das Problem wirklich nicht, aber es scheint da eine gewisse Romantisierung der Schweizer Volksschule („das wichtigste Band das unsere Gesellschaft zusammen hält“ usw.), gepaart mit Ängsten vor Veränderung vorzuliegen (insbesondere die Lehrerschaft ist im Grunde die vielen „Reformen“ langsam leid und wünscht sich vor allem Ruhe!). Dies meine ganz subjektive Quintessenz nach einigen „Interviews mit Freunden“.

    Aber eben: Ob man das nun gut heisst oder nicht – es gibt halt doch zunehmend Probleme mit dieser Starrheit! Und die „Lösungen“, die dieser Artikel aufzeigt, sind ja nicht wirklich welche: Trotz Übersetzung ins Serbische und Türkische stehen die Wege meist doch nur Schweizern aus „mittleren“ bis wohlhabenden Verhältnissen offen!

    Und ob die grundsätzlich ja nicht schlechten Schulen in der Schweiz wirklich ohne dieses Korsett vor die Hunde gehen würden wage ich zu bezweifeln – bin allerdings bisher damit wohl in einer Minderheitsposition: scheinbar brennt es noch viel zu wenig!

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  3. 1) Vertrauen Sie Ihrem Kind!
    2) Vertrauen Sie den LehrerInnen Ihres Kindes.
    3) Vertrauen Sie den MitschülerInnen Ihres Kindes.
    4) Vertrauen Sie den Eltern der MitschülerInnen Ihres Kindes.
    5) Vertrauen Sie sich selbst! Sie werden reagieren, sollte Ihr Kind leiden.
    6) Werfen Sie Ihre Befürchtungen über Bord und entspannen Sie sich!
    Ich bitte die Redaktion freundlich, diesen Kommentar ebenfalls auf Türkisch und Serbokroatisch sowie die übrigen 27 Sprachen, die von den MitschülerInnen meiner Kinder gesprochen werden, übersetzen zu lassen.

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