So sah der erste Bahnhof der Schweiz aus

1845 wurde in Basel der erste Bahnhof auf Schweizer Boden eingeweiht. Damit begann auch hier das Eisenbahn-Zeitalter mit Volldampf – mit einschneidenden Veränderungen im Stadtbild, wie eine Ausstellung im Museum Kleines Klingental deutlich macht.

Erster französischer Bahnhof in Basel, 1844/45. Ansicht von der Strassenseite. (Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, Eisenbahn D 1.2.)

Basel ist seit jeher ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und von zentraler Bedeutung in der Schweizer Eisenbahngeschichte. Dank der Compagnie du chemin de fer de Strasbourg à Bâle erhielt die Stadt Anschluss an das entstehende französische Bahnnetz.

Die französische Bahngesellschaft richtete 1844 zunächst vor dem St.-Johann-Bollwerk einen provisorischen Bahnhof ein. Im folgenden Jahr konnte dann auf dem Schällenmätteli der erste Bahnhof auf Schweizer Boden eingeweiht werden.

Damals standen die Basler Stadtmauern noch. Damit die Bahn in die Stadt fahren konnte, hatte man eigens ein Eisenbahntor bauen müssen, das geschlossen werden konnte. Zudem gab es vor der Toreinfahrt eine Holzbrücke, die man im Kriegsfall leicht hätte abfackeln können, womit dem Feind der Zugang zum Tor erschwert worden wäre. Der Entwurf des Eisenbahntors stammte vom Basler Architekten Melchior Berri (1801–1854).

«Eisenbahn Thor der Station zu Basel» – Kolorierter Plan des Architekten Melchior Berr, 1844.
«Eisenbahn Thor der Station zu Basel» – Kolorierter Plan des Architekten Melchior Berr, 1844. (Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, PLA A 2,30)

Es ging nicht lange, da wurden in Basel weitere Bahnhöfe gebaut. 1854 nahm die Schweizerische Centralbahn an der Ecke Lange Gasse/Engelgasse den Betrieb auf, 1855 entstand ein erster deutscher Bahnhof in Basel.

Die Eisenbahn verändert Basel

Nachdem die Schweizerische Centralbahn so richtig in Fahrt gekommen war, baute die Gesellschaft 1860 am Ort des heutigen Bahnhofs SBB einen neuen Bahnhof, der auch einen französischen Teil erhielt. Damit konnte man fortan von der einen auf die andere Bahn umsteigen, ohne die halbe Stadt zu Fuss oder in der Kutsche durchqueren zu müssen.

Ansicht des ersten französischen Bahnhofs in Basel, bezeichnet «G.L. 1847». Blick vom nordwestlich gelegenen, von Melchior berri entworfenen Eisenbahntor in der Stadtmauer auf die Bahnhofsanlage. In der Mode des Spädbiedermeier gkleidete Basler und Baslerinnen verfolgen den Betrieb des neuen Verkehrsmittels.
Ansicht des ersten französischen Bahnhofs in Basel, bezeichnet «G.L. 1847». Blick vom nordwestlich gelegenen, von Melchior Berri entworfenen Eisenbahntor in der Stadtmauer auf die Bahnhofsanlage. In der Mode des Spätbiedermeier gekleidete Basler und Baslerinnen verfolgen den Betrieb des neuen Verkehrsmittels. (Bild: © HMB – Historisches Museum Basel, Inv. 1934.504., Foto: Natascha Jansen)

Die von Eduard Besler mit Liebe zum Detail kuratierte Ausstellung «Mit Volldampf nach Basel – Der erste Schweizer Bahnhof verändert die Stadt» zeichnet in mehreren Räumen die Eroberung Basels durch das neue Verkehrsmittel nach. Das Spektrum der Exponate reicht von Dokumenten aus dem Staatsarchiv über Gemälde bis zu diversen Modellen. Zu Letzteren zählen ein viereinhalb Meter langes Modell des Centralbahnhofs von 1860 mit der Lokomotive «The Rocket», die 1829 den Durchbruch der dampfbetriebenen Eisenbahn bewirkte.

Centralbahnhof Basel der Schweierzischen Centralbahn und der Französischen Ostbahn, Modell des Aufnahmegebäudes mit Nebengebäuden, der beiden Einsteigehallen, der Güterverwaltung und eines Teils der Güterhallen im Massstab 1:100, gebaut 2012-2015 von Dominic Buttliger und Elfi Weider, Schwyz.
Centralbahnhof Basel der Schweizerischen Centralbahn und der Französischen Ostbahn, Modell des Aufnahmegebäudes mit Nebengebäuden, der beiden Einsteigehallen, der Güterverwaltung und eines Teils der Güterhallen im Massstab 1:100, gebaut 2012–2015 von Dominic Buttliger und Elfi Weider, Schwyz. (Bild: © Dominic Buttliger, Elfi Weider)

Gegliedert ist die Ausstellung in die Stationen «England – Wiege der Eisenbahn», «Die Eisenbahn fährt vor die Tore Basels», «Stadtmauer und erster Bahnhof 1845», «Menschen und Eisenbahn», «Centralbahnhof 1860» sowie «Eisenbahn und Stadtentwicklung».

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Museum Kleines Klingental, Unterer Rheinweg 26, Basel
Öffnungszeiten: Mi und Sa 14–17, So 10–17 Uhr
Die Ausstellung dauert bis 27. September 2015

Konversation

  1. Liest man Kommentare bei der Konkurrenz zum Thema Verkehr, kann man sich durchaus vorstellen, dass einige nur all zu gerne wieder Tore und Stadtmauern errichten würden – vor allem in Richtugn Norden und Westen.

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