Studentische Wohnträume mit einem klitzekleinen Haken – dem Preis

Wenn die Studierenden zum Semesterbeginn wieder in die Stadt strömen, ist der Andrang auf Wohnraum gross. Wir haben einige Portale für Zimmer- oder Wohnungsangebote zusammengestellt – und haben dabei eine ganz besondere Perle unter den Studentenbuden aufgespürt.

(Bild: Screenshot wg-h7.ch)

Wenn die Studierenden zum Semesterbeginn wieder in die Stadt strömen, ist der Andrang auf Wohnraum gross. Wir haben einige Portale für Zimmer- oder Wohnungsangebote zusammengestellt – und haben dabei eine ganz besondere Perle unter den Studentenbuden aufgespürt.

Am kommenden Montag, dem 14. September, startet das neue Semester an der Universität und der FHNW. Darum rotiert derzeit die Drehscheibe für Wohnraum. Junge Neuankömmlinge versuchen, auf WG-Castings ihren latenten Hang zur Unordnung zu verbergen. In den Studentenheimen sorgen die Zugezogenen für frischen Wind am Töggelikasten und Übergangslösungen für die Glücklosen (Couchsurfing) haben Konjunktur. Kurz: Derzeit ist Wohnraum in Basel so gefragt wie nie.

Neben den üblichen Portalen für Wohnungsangebote (hier gehts direkt zur Übersicht) tauchte dieser Tage ein neues Angebot auf dem Dreispitz-Areal auf. Acht Wohnplätze stünden in der WG-H7 frei, brandneu und bezugsbereit.

«So etwas gab es noch nie»

Und dieser Wohnraum hat es in sich. Ein Blick auf die Kontaktseite im Internet zeigt: Hier soll nicht einfach gewohnt, hier soll gelebt werden. «WG Maisonette-Suiten» heisst es verheissungsvoll im Titel: «So etwas gab es noch nie.» Tatsächlich: Kaum ein Student wäre bis anhin auf die Idee gekommen, seinem Kabuff den Ehrentitel «Suite» zu verleihen. Die in WGs beliebte, ironische Ausdrucksweise einmal ausser Acht gelassen.




Schöne, neue WG-Welt. Ein Blick auf den Salon der schicken WG an der Helsinki-Strasse mit Begleittext. (Bild: Screenshot wg-h7.ch)


Bei den Maisonette-Angeboten handelt es sich allerdings nicht um Ironie, sondern um süssen Ernst. Acht Suiten von prächtiger Eleganz sind zu erwerben, die Website verspricht eine «neue Wohnform von günstigem und komfortablem ‹schöner Wohnen› in Gesellschaft und Freundschaft».

«Günstiger» Wohnraum – für nur 1280 Franken im Monat

Natürlich ist es von allen Attributen vor allem das günstige Wohnen, das bei Studenten und WG-Suchenden hoch im Kurs steht. Günstig heisst in diesem Fall: 1180 Franken pro Suite und Monat zuzüglich einer Nebenkostenpauschale von 100 Franken. 1280 Franken im Monat? Ein Schnäppchen!

Der Preis scheint nicht übertrieben, wenn man sich vor Augen hält, was dafür alles zu haben ist: Die Suiten sind mit separaten Duschen, WCs und Ankleiden ausgestattet, die auf den Fotos abgebildeten Designermöbel allerdings sind leider nicht inbegriffen (Achtung: Möblierungsvorschlag). Möbliert ist dagegen das, was im Volksmund bis anhin Wohnzimmer hiess. Das ist sooo yesterday, die kommunal nutzbare Wohnfläche heisst hier Lounge und Salon.

Ein Blick auf die Lounge. Sie ist bereits möbliert und bleibt es auch nach dem Einzug. Im Gegensatz zu den Suiten, die selber eingerichtet werden müssen. (Bild: Screenshot wg-h7.ch)


Zwei Aussenterrassen nach Ost und West garantieren industriellen Sunset-Genuss. Und es spricht für den Weitblick der Macher, dass aus normalen WGs kolportierte Problemzonen in die Konzeption des Küchen- und Waschraums aufgenommen wurden. Zitat Wohnungsbeschreibung:

«In der gross ausgelegten, gemeinschaftlichen 4-fach Küche wurde für jeden Mieter ein eigener und abschliessbarer Kühlschrank vorgesehen. So werden die Diskussionen über Fächer und Einteilung obsolet und versehentliches Naschen von andern vermieden. Da jede Suite mit einer Waschmaschine/Trockner ausgestattet ist, müssen nicht komplizierte Waschpläne erstellt oder lange Wartezeiten in Kauf genommen werden.»

Zusammen – und doch sehr individuell

Diese Vorkehrungen tragen dem Umstand Rechnung, dass das Studieren nicht mehr das ist, was es mal war. In Zeiten des Bachelor- und Masterdiktats kann ein Studium ganz schön stressen, da will man zu Hause einfach mal abschalten. Gut, dass es hier Raum hat für «individuelles Relaxen», auch individuelles Essen im Falle eines Besuchs für WG-Mitbewohner ist dank der zwei Esstische für je acht Personen problemlos möglich.

In der vierfach-Küche steht für jede Bewohnerin und jeden Bewohner ein separater, abschliessbarer Kühlschrank parat. Fremdnaschen ist damit passé. (Bild: Screenshot wg-h7.ch)


Der Sturm auf die Suiten dürfte in den kommenden Tagen und Wochen gross sein. Hätte die Sache (neben dem Preis) nicht einen klitzekleinen Haken: Neben dem Bewerbungsformular kann nämlich noch ein weiteres Dokument heruntergeladen werden: die Hausordnung. Und die war bis vor Kurzem noch nicht fertig. «Folgt», hiess es knapp hinter dem Link. Damit wurde eine Bewerbung zum Sprung ins kalte Wasser – wer will schon einen Vertrag unterschreiben, dessen Konditionen erst hinterher feststehen?

» (Mittlerweile ist die Hausordnung aufgeschaltet und kann hier eingesehen werden.)

Doch wer nichts wagt, der nicht gewinnt. Bei nur acht freien Wohnungen musste dieser Spruch zum Credo aller Interessenten werden, fehlende Hausordnung hin oder her. Allzu kompliziert konnte die schon nicht werden. Den Salon wischen, die Sektflaschen rausbringen. Normale WG-Pflichten eben.

Die Übersicht für alle Zuspätgekommenen

Wer trotz des eigentlich unwiderstehlichen Angebots keinen Platz in der WG an der Helsinki-Strasse ergattern kann, der kann sich auf folgenden Portalen umsehen:

Marktplatz.Unibas: DIE Plattform für Studierende. Hier sind weniger ganze Wohnungen als einzelne WG-Plätze ausgeschrieben. Auch WG-Neugründungen werden hier lanciert. Kontaktfreudige Neuankömmlinge sind hier gut beraten. 

WoVe: Die Studentische Wohnvermittlung mietet Wohnungen oder ganze Häuser, um sie unter günstigen Konditionen an Studierende weiterzuvermieten. Die Hotline ist zu Stosszeiten chronisch überlastet – hartnäckig bleiben!

WGZimmer.ch: Hier stehen nur wenige Kriterien zur Einschränkung der Suche zur Auswahl, was die Suche nach einem passenden Angebot verlängern kann. Dafür sind die Angebote zahlreich und vielfältig, besonders geeignet ist die Plattform für Suchende mit kleinerem Budget.

Comparis.ch: Diese Plattform ist zwar nicht nur auf Wohnungen spezialisiert, dennoch verfügt der Internet-Vergleichsdienst über ein solides Angebot an Immobilien in allen Preisklassen. Die Übersicht geht der Plattform etwas ab, dafür lässt sich die Suchmaske präzise an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Immoscout24: Im Niedrigpreissegment gibt es hier auf den ersten Blick wenig Angebote. Wer aber auf Marktplatz.Unibas gleich sieben Mitbewohner für eine WG-Gründung gefunden hat, kann sich hier nach einem Haus umsehen.

Newhome.ch: Die Plattform unterliegt der Verantwortung einer Bankgruppe. Übersichtliche Angebote mit ausführlichen Beschreibungen. Bebilderung manchmal mangelhaft.

Wohnung frei in Basel und Wohnungssuche Basel können auf Facebook abonniert werden. Der automatische Newsfeed hält einen via Pinwand über neue Angebote auf dem Laufenden.

Konversation

  1. Was für ein cooles Angebot! Die Hausordnung scheint nun auch online zu sein. Auf den ersten Blick birgt sie keine Überraschungen. Habe gleich mal Kontakt aufgenommen.

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