Tag der Wahrheit bei der Basler Zeitung

Bei seinem ersten Auftritt vor der Belegschaft der Basler Zeitung (BaZ) gab der neue CEO Rolf Bollmann gleich einmal den Tarif durch. Der Zürcher nannte die tiefroten Geschäftszahlen, sprach von einer baldigen Schliessung der Druckerei und gab neue Gewinnziele aus. Abgesprochen ist die Strategie mit Christoph Blocher, dem «Eigentümer» der BaZ, wie Bollmann sagte.

Vor dem Aus: Die Zeitungsrotation der Basler Zeitung. Die 85 Millionen Franken teure Anlage ist 2003 montiert worden und war zumindest damals noch der Stolz der Basler Zeitung. (Bild: Dominik Plüss)

Bei seinem ersten Auftritt vor der Belegschaft der Basler Zeitung (BaZ) gab der neue CEO Rolf Bollmann gleich einmal den Tarif durch. Der Zürcher nannte die tiefroten Geschäftszahlen, sprach von einer baldigen Schliessung der Druckerei und gab neue Gewinnziele aus. Abgesprochen ist die Strategie mit Christoph Blocher, dem «Eigentümer» der BaZ, wie Bollmann sagte. Auch das eine bemerkenswerte Äusserung.

Über das Schicksal der BaZ-Druckerei ist in den vergangenen Wochen viel spekuliert worden. Offiziell galt: Eine Schliessung ist die ultima ratio – «wenn wir die Druckerei nicht rentabel machen können», wie Christoph Blocher, der starke Mann hinter dem Unternehmen, Mitte Oktober der «NZZ am Sonntag» sagte. Soweit werde es aber – wenn überhaupt – erst im nächsten Jahr kommen.

Eine Aussage, die für die rund 80 Mitarbeiter der Druckerei an der Hochbergerstrasse nach all den Spekulationen noch einigermassen beruhigend klingen musste.

Die tatsächliche Situation ist allerdings höchst alarmierend. Das Unternehmen wird das laufende Jahr offenbar mit einem Defizit von rund 12 Millionen Franken abschliessen. Die Hauptschuld an dem schlechten Ergebnis trägt die Druckerei, die nur noch zu einem Viertel ausgelastet ist. Das jedenfalls sagte Rolf Bollmann, neuer CEO der BaZ-Gruppe, am Donnerstagnachmittag bei seinem ersten Auftritt vor den Mitarbeitern an der Hochbergerstrasse und der Redaktion am Aeschenplatz, wie die TagesWoche von mehreren Quellen erfahren hat. Bollmann selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Den Mitarbeitern soll er jedenfalls gesagt haben, dass in den nächsten drei Monaten eine Lösung für die Druckerei gefunden werden müsse. Sonst werde sie geschlossen, erklärte Bollmann weiter. Wobei er offenbar keine Zweifel aufkommen liess, dass er nicht mehr mit einer Lösung rechnet. Zu gross sind dafür die Überkapazitäten in der Branche. Da müssen die 80 Mitarbeiter schon auf ein Wunder hoffen – oder sich auf die Kündigung einstellen.

Ebenfalls sparen will Bollmann beim Verlag. Wie stark, wollte oder konnte er am Donnerstag noch nicht sagen. Eine Zahl nannte er auf Nachfrage aus der Belegschaft dann aber doch noch: Im BaZ-Verlag würden rund 100 Angestellte arbeiten; der «Tages-Anzeiger», so Bollmann, komme mit einer halb so grossen Belegschaft durch. Das heisst, dass im Verlagsbereich auch nach der Streichung von 25 Stellen, welche die Schliessung der beiden Vermittlungsagenturen Keymedia und Allmedia mit sich bringen, mit weiteren Entlassungen zu rechnen ist.

«Christoph», der Eigentümer

Keine Kündigungen gibt es dagegen vorerst in der Redaktion – obwohl etwa das «St. Galler Tagblatt» oder die «Luzerner Zeitung» trotz einer deutlich kleineren Belegschaft nicht schlechter seien, wie Bollmann dem Vernehmen nach anmerkte. «Der Christoph» habe ihm aber gesagt, er solle die Finger von der Redaktion lassen.

Eine Aussage, die aufhorchen liess.

Wie bitte? Der Christoph?, wurde Bollmann gefragt.

Ja, der Christoph Blocher, antwortete Bollmann. Danach bezeichnete er den SVP-Übervater offenbar mehrfach als Eigentümer der BaZ.

In der Öffentlichkeit wird das zwar kaum mehr einen auch nur halbwegs am Thema Interessierten überraschen. Und dennnoch ist Bollmanns Aussage bemerkenswert. Nach fast zwei Jahren der Verschleierungen und Lügen, der Strohmänner und Scheinbesitzer ist Bollmann der erste hochrangige Vertreter der rechten BaZ, der in diesem Punkt die Wahrheit sagt.

Offizieller Besitzer ist der Tessiner Unternehmer Tito Tettamanti, der die Gruppe vor einem Jahr zum zweiten Mal übernahm – mit der eigens dafür ge­grün­de­ten Zu­ger Me­dien­viel­falt Hol­ding. Damals behauptete Tetta­man­ti noch, Blochers ein­zi­ge Funk­tion bei der BaZ Hol­ding bestehe da­rin, die im Druck­be­reich an­fal­len­den Sa­nie­rungs­kos­ten «in un­be­grenz­ter Hö­he» zu übernehmen. Mit der Zei­tung ha­be Blo­cher nichts mehr zu tun.

Im Widerspruch dazu lässt sich Bollmann nun aber offenbar direkt von Blocher instruieren. Mit der Holding habe er selbst nichts zu tun, wie Bollmann vor den Redaktorinnen und Redaktoren sagte.

Dabei erhielt er offenbar den Auftrag, die BaZ weiter als eigenständige Zeitung zu führen, mit anderen Verlagen – im Vordergrund steht der «Tagesanzeiger» – aber Kooperationen einzugehen, etwa im Bereich der Abonnentenverwaltung. Und zwangsläufig wohl auch der Druckerei.

Weitere Erwartung an Bollmann: Deutlich bessere Geschäftsergebnisse – sechs Millionen Franken Gewinn pro Jahr.

 

Davidoff zieht bei der BaZ ein

Im Verlagshaus der Basler Zeitung gibt es dem Vernehmen nach noch einigen freien Platz – und mit den geplanten Umstrukturierungen wird es wohl noch mehr werden. Dafür hat die Basler Zeitung nun aber auch einen neuen Mieter gefunden: Die Oettinger Davidoff Group wird an der Hochbergerstrasse einziehen – und dort bleiben, solange der Firmensitz an der Nauenstrasse renoviert wird.

 

Konversation

  1. „Ein Produkt nur nach dem Gusto des Produzenten herzustellen und gegen die Bedürfnisse der Abnehmer kann niemals zum Erfolg führen – egal wie viele Mitarbeiter man entlässt!“(Cornelis Bockemühl hier in der TW)

    Genau so ist es.
    „Ist“ bedeutet für mich, dass der Markt eben auch dort funktioniert, wo Ideologen – die zwar in seinem Namen Ideologie betreiben – übersehen, dass „Markt“ keine Interpretationsangelegenheit, sondern schlicht eine allgemeine Lebensgrundlage darstellt.
    Der Markt besteht aus Angebot und Nachfrage.
    Nachfrage!

    Blocher und Co. – dazu gehören im konkreten Fall der fallierenden BaZ auch Leute wie Tettamanti oder Suter oder jemand wie Leutenegger, welcher sich in deren Kunstlicht räkelt, weil er meint, es sei die ewige Sonne, die da leuchte – bilden sich ein, alleinseligmachende Marktbestimmer zu sein. Irgendwann versteigen sie sich in Unfehlbarkeitspositionen und machen auf Papst. Sie übersehen den Nachfrageteil des Marktes, weil sie sich einbilden, den Markt mit ihren Produkten quasi monoton beherrschen zu können. Die Ideologie von Blocher und Co. besteht seit langer Zeit in einer Anbetung des Finanzkapitalismus namens Sharholder Value. Tettamanti verkörpert diesen Typus dieses mehr oder weniger inhaltsleeren Rednitejägers geradezu paradigmatisch genau: Kurstreiberei an Börsen, Kauf, „Sanierung“, was meistens mit der Aushöhlung von eingekauften Unternehmen geschieht, mit Massenentlassungen usw., und dann wird verkauft, werden real erwirtschaftete Gewinne in den Orkus der globalisierten Spekulation eingebracht.
    Blocher hat sich teilweise auch so benommen, aber er ist von einer anderen Unternehmerphilosophie geprägt: Seine EMS-Chemie ist ein reales Unternehmen, ohne Zweifel. Da wird produziert und es wird der reale Markt für diese produzierte Ware beobachtet.
    Dass er aber seit Jahren ein zweites Standbein gepflegt hat, ist eigentlich auch bekannt. Es trägt unter anderem den Namen „Pharmavision“. Während Tettamanti – einst kurze Zeit CVP-Regierungsrat im Kanton Tessin, der wegen eines Steuerskandals nach nur 2 Jahren Regierungstätigkeit zurücktreten musste – sich seine Macherhände nicht mit Marktbeobachtung, mit Nachfrageforschung, mit sinnvoller Produkteentwicklung und dergleichen realer Wirtschaftstätigkeit mehr schmutzig macht, also den Spekulanten von der Sorte des an sich lieber anonym bleibenden Renditejägers abgibt, ist Blocher für die Seinen so etwas wie ein Papst. Er verkörpert – diesbezüglich einem Berlusconi oder auch einem Haider sehr verwandt – den „Führer“, der zu allem und jedem die einzige Wahrheit besitzt und verkündet.

    In der Kombination von Tettamanti und Blocher ergibt sich ein Macherprofil, welches alles, was der eigenen „Meinung“ unpassend erscheint, ausblendet. Vermutlich hat Blocher wirklich angenommen, er könne der Regio Basiliensis seine SVP-Allüren quasi aufzwingen, indem er das einstige regionale Fast-Monopolprintmedium hintenherum kauft und Herrn Somm als Erzieher der regionalen Zeitungsleser einsetzt. Unterschätzt haben Blocher und seine servilen Diener die Adressaten seiner Bekehrungsmission. Die wollen in grosser, wirtschaftlich gesehen für die BaZ offensichtlich bedrohlichen Zahl den Somm-Sermon nicht schlucken. Für Tettamanti war das sofort ein Grund, auszusteigen. Er sah bald ein, das seine Renditevorhaben weder durch Holdingkonstruktionen noch durch jemanden wie Herrn Somm erfüllt werden können.

    Der langen Rede kurzer Sinn:
    Blocher ist halt doch nicht der unfehlbare Papst.
    Somm ist zwar ein Kardinal, wohl so etwas wie der Präfekt der Inquisition von Blochers Gnaden. Aber wie im realen (katholischen) Leben verlieren sich seine Wirkungsmöglichkeiten, seine ex cathedra-Verkündigungen des rechten Glaubens samt einem ausgeprägten Hang zur unterschweligen Hetze gegen Nicht- oder Andersgläubige in den realen Zeitläuften.
    Oder, um auf die Bemerkung von Herrn Bockmühle zurückzukommen:
    Der Markt ist keine Ideologie, sondern eine alltägliche Tauschangelegenheit.

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  2. „Christoph“, der grosse Verfechter der Marktwirtschaft, sollte auf diesem Feld vielleicht mal ein wenig Nachhilfeunterricht nehmen: „Markt“ funktioniert nur zwischen Anbieter und Abnehmer!

    Ein Produkt nur nach dem Gusto des Produzenten herzustellen und gegen die Bedürfnisse der Abnehmer kann niemals zum Erfolg führen – egal wie viele Mitarbeiter man entlässt!

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  3. WAS ist daran jetzt Neu ? Dass die BAZ dem „Christoph gehört“! ??
    Hab ich das Ihnen von der Tageswoche nicht schon vor einem Jahr in folgender Weise „gesteckt“ als ich im Vorfeld um ein Exemplar der Ersten Tageswoche Ausgabe bat- (und NICHT zugestellt bekam)…

    „Tettamanti, Blocher, Somm- mache Atheischte fromm
    -un Moritz Suter sone gruus- war gar nit Herr im eigne Huus“

    Jetzt ist halt Herr Tettamanti nicht Herr im Hause- der Blocher macht eh
    was ER will- getreu der Devise- Es ist mir egal- was UNTER mir Gesetz ist!

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  4. Blocher ist Besitzer der Liegenschaft, reduziert die BAZ auf 2,5 Mitarbeiter, schliesst die Druckerei, reduziert die Seitenanzahl auf 3,5 Seiten pro Tag, verkleinert das Format auf eine halbte Tageswochen- Grösse, viertelt drei achtel des verbleibenden Verlustes. Wenn dann niemand mehr die BAZ kauft, kann er daraus eine SVP-interne Bibel machen, und diese der aufgelösten Partei hinterherwerfen, bis sie dank eines Zehntels des Gewichtes der Luft hinwegschwebt.

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  5. Die Grossrats- und Regierungsratswahlen sind gelaufen, da in Basel die meisten Leute brieflich stimmen. Was für ein Zufall, dass genau an diesem Tag die Stellen-Streichung bekanntgegeben wird. Der BaZ-Eigentümer wusste, dass das seiner Partei im Wahlkampf schaden würde. Also setzt er den neuen CEO exakt auf den Termin ein, an dem die Wahlen vorbei sind.

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  6. die Auflage zu steigern, dann könnte doch „Christoph“ dafür sorgen, das die $VP Schweiz ihre Mitglieder darauf verpflichtet, ihre Meinung aus der abonnierten BaZ zu beziehen.

    Dazu noch die „Schweizerzeit“ hier drucken und sämtliche Plakate und Flyer der Mutterpartei, schon wäre die Druckerei zu 110 Prozent ausgelastet. Wenn dann endlich „Christoph“ Mörgeli sich des BaZ-Archivs annähme, hätten wir hier sogar einen vollkommen unverstellten Blick auf die Vergangenheit.

    Gutes Gelingen, wird schon klappen.

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  7. des sind doch alles L, es ist nur schade dass wieder die Angestellten wieder ihre Arbeit verlieren , aber das ist doch diesen SVPler HUNDEWURST, wenn nur die Kasse stimmt.

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