Teuer, aber billig – Ivanka Trumps Modelinie

So wie ihr Vater Donald mit der Illusion wirbt, Amerika wieder gross zu machen, verkauft Ivanka mit ihrer Mode das Versprechen, einmal ein Starlet zu sein. Beides ist Fake.

Germany's Chancellor Angela Merkel, flanked by Ivanka Trump and Schaeffler CEO Klaus Rosenfeld (3rd L), participates in a roundtable with U.S. President Donald Trump and German and U.S. business leaders at the White House in Washington, U.S. March 17, 2017. REUTERS/Jonathan Ernst

(Bild: REUTERS/Jonathan Ernst)

So wie ihr Vater Donald mit der Illusion wirbt, Amerika wieder gross zu machen, verkauft Ivanka mit ihrer Mode das Versprechen, einmal ein Starlet zu sein. Beides ist Fake.

Es war schon ein kurioses Bild, das vom Treffen der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsdelegation um die Welt ging: Wie Angela Merkel neben Ivanka Trump sitzt und ihr einen misstrauischen Blick zuwirft. Der Blick, die Haltung, die Mimik sprechen Bände. Und auch der Betrachter dieser Szene fragt sich, was die Tochter von US-Präsident Donald Trump bei diesem Diplomatentreffen zu suchen hat.

Germany's Chancellor Angela Merkel, flanked by Ivanka Trump and Schaeffler CEO Klaus Rosenfeld (3rd L), participates in a roundtable with U.S. President Donald Trump and German and U.S. business leaders at the White House in Washington, U.S. March 17, 2017. REUTERS/Jonathan Ernst

Das Bild wirkt montiert, als hätte jemand die attraktive Blondine, die man mehr in der New Yorker Bussi-Bussi-Gesellschaft als auf diplomatischem Parket verorten würde, per Photoshop eingefügt. Vermutlich könnte man das auch von ihrem Vater behaupten, der bei offiziellen Terminen so deplatziert wirkt, als würde sich die Realität selbst parodieren.

Doch in welcher Rolle agiert Ivanka, die in das Meeting hineinspazierte, als wäre es ihr Wohnzimmer, und sich später ins Wochenend-Domizil nach Florida verabschiedete? Als inoffizielle First Lady? Als Markenbotschafterin der Marke Trump? Oder als Werbebotschafterin für ihr eigenes Modelabel? Dass Familienangehörige den Präsidenten begleiten, kennt man eigentlich nur aus dynastischen Sowjetrepubliken.

Wie sich Ivanka Trump das Outfit zur Arbeit vorstellt.

Die protzigen Handtaschen sehen aus, als wären sie ein Gucci-Duplikat, wie sie auf den Grabbeltischen von Schwarzmärkten verramscht werden, nur dass der Preis mit 100 Dollar aufwärts deutlich teurer ist. Man zahlt die Marke Trump. Es ist, als könnte sich der Designer zwischen H&M und Prada, zwischen Plebs und Protz nicht so recht entscheiden.

Es haben sich ja schon viele Modekritiker den Mund zerrissen über die Geschmacklosigkeit der verhätschelten Präsidententochter, die mit Papas Immobilienmilliarden einfach mal ihr Ding machen darf. In den Shitstorms schwang viel Häme mit.

Stilkritik ist häufig fruchtlos, etwa wenn versucht wird, aus den Farben von Angela Merkels Blazern küchenpsychologische Schlüsse zu ziehen – zumal darin ja gar keine politische Botschaft steckt, weil die Kanzlerin ihre Kleider nach dem Zufallsprinzip auswählt. Doch an Ivankas Mode lässt sich einiges ablesen.

FILE - In this Feb. 1, 2017 file photo, President Donald Trump and his daughter Ivanka Trump walk to board Marine One on the South Lawn of the White House in Washington. Ivanka Trump is working out of a West Wing office and will get access to classified information, though she is not technically serving as a government employee, according to an attorney for the first daughter. (AP Photo/Evan Vucci, File)

Das Online-Magazin «Buzzfeed» erblickte in ihrer Kollektion eine «Ästhetik der Ablehnung», die darin bestehe, dass sie nicht nur nichts ausdrückt, sondern gesellschaftliche Entwicklungen schlicht negiert. Die Marke «Women Who Work», die postfeministisch daherkommen soll, sei in Wirklichkeit antifeministisch, weil sie die Frau darauf reduziere, in lasziv anmutenden Kleidern Bella Figura neben dem Mann zu machen.

«Ivankas Mutter, Ivana, war ein perfekt feminines Exemplar – ein slawisches Barbie-Model, das gut in Donalds Armen aussah», schreibt die Autorin Anne Helen Petersen. «Ivanka ist die upgedatete Version: Barbie 2.0, eine Gattung Frau, die Männer gern heiraten und vögeln, die andere Frauen aber auch nicht befremdet.» Ivanka macht Mode für die Superfrau. Aber ist Trump überhaupt eine Marke?

So wie ihr Vater Donald mit der Illusion wirbt, Amerika wieder gross zu machen, verkauft Ivanka mit ihrer Mode das Versprechen, einmal ein Starlet zu sein und in die Welt der Reichen und Schönen aufzusteigen. Das ist freilich eine Chimäre, die auch der feinste Stoff nicht bemänteln kann.

Ivankas Mode ist billig nicht im materiellen, sondern im ästhetischen Sinn. Der Trumpismus zeichnet sich in seiner Verachtung für die hohe Kunst der Rhetorik und der stilistischen Feinheiten aus. Und doch beherrscht Ivanka wie ihr Vater die Kunst, billig zu sein, sich mit armseligen Botschaften durch die Welt zu schlagen. Die Mode ändert sich. Die Menschen leider nicht.

Konversation

  1. Die Trump Familie, wie sie millonenfach existiert, einfach mit weniger Geld, aber weltweit, und in allen Varianten. Sie bilden einen Teil des Mittelstandes, wo Schein wichtiger ist, als sein! Sie ist auf dem Vormarsch und übernimmt schleichend die Seele der Aufrichtigen!

    Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Plastik Kitsch sich im weissen Haus breit macht, und dass Dieter Bohlen eines Tages Kanzler wird.

    Es wird mir schlecht, wenn ich sehe, was Donald bereits alles zerstört hat. America First heisst auch, den ganzen Tag Hamburger mit Ketchup.Wohin kann daa noch führen?

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    1. @sergio
      der aprilscherz als dauerbrenner …
      ja, leider ödet die trumpfamily schon zümpftig an (ist seine frau wirklich über eine mauer geflüchtet, harrharr)
      das meiste kennen wir zudem schon von den anderen families – vieles von den feuersteins, manches von den simpsons (nur fehlt leider die musikalisch talentierte tochter wie bei der kelly family) aber immer wieder gerne: die addam’s family.

      (wir haben das prinzip soweit erkannt)

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  2. Die kommunistisch aufgewachsene Merkel mit ihren an Mao-Uniformen erinnernden Einheits-Hosen-Anzügen ist auch nicht gerade eine modische Offenbarung; oder will sie etwa der ganzen Welt – und nicht nur Texas – zeigen, dass die geschmacklosen Deutschen wieder etwas darstellen ?

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    1. @fischer, g.
      bisher galt die unausgesprochene regel, dass das, was aus den kleidern rausschaut, einen nicht unwesentlichen bestandteil eines politischen treffens ausmache – und ich mein’ jetzt nicht die präsidialen grabscherlis.
      stimmt, mittlerweile bin ich auch erleichtert, dass vom präsi wenigstens der rumpf jeweils verdeckt bleibt (womit ist mir soweit recht egal – wie bei angie auch).
      hab einfach die hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, es ginge auch um den gepflegten austausch von gedanken (so vom kopf her).
      man kann’s aber schon grundsätzlich anzweifeln (by-the-way: wo stecken eigentlich die haustiere bei diesen trump’schen familienanlässen? die wellensittiche&goldfische?) – darüber hirnen aktuell grad die ganzen betreuer.
      (ivanka plant schinz einen whitehouse-petshop mit handgestrickten mützchen für pekinesen & pokoreaner)

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    2. Ah ja, jetzt seh ichs auch. Ein lustiger Aprilscherz ! Parkett mit nur einem t geschrieben; natürlich auch der lobende, anti-rassistische Verweis auf die slawische Herkunft ihrer Mutter, man will ja nicht deutschtümelnd rüberkommen.

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  3. Ich hatte gehofft, dass die Tageswoche sich nicht zu stark herumTRUMPelt. – Nun doch. Als Aprilscherz OK, aber bitte verschont uns mit mehr…!

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