Tödliche Eiswüste

Der Schriftsteller Jost auf der Maur erzählt die Geschichte des Baslers Xavier Mertz, der auf einer Antarktis-Expedition vor gut hundert Jahren verunglückte. Parallel zur Buchvernissage eröffnet das Naturhistorische Museum Basel am Freitag eine Fotoausstellung.

(Bild: zVg vom Staatsarchiv Basel)

Der Schriftsteller Jost auf der Maur erzählt die Geschichte des Baslers Xavier Mertz, der auf einer Antarktis-Expedition vor gut hundert Jahren verunglückte. Parallel zur Buchvernissage eröffnet das Naturhistorische Museum Basel am Freitag eine Fotoausstellung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts reiste der Basler Xavier Mertz als erster Schweizer in die Antarktis. Der noch grösstenteils unentdeckte Kontinent zog damals Abenteurer aus aller Welt an, doch Mertz war unter ihnen ein Exot. Wie die «Basler Zeitung» schreibt, sei er unter Australiern, Neuseeländern und Engländern durch sein holpriges Englisch aufgefallen. Mit seinem optimistischen, fleissigen Charakter habe er die Leute aber schnell von sich überzeugen können.

Der genaue Beweggrund des Schweizers für die Expedition ist bis heute ungewiss. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, war gut ausgebildet, und dabei, sich ein herrschaftliches Leben aufzubauen.

Mertz war sportlich und fleissig – aber doch kein Fachmann

War es das Abenteuer, das ihn in die Eiswüste lockte? Oder der Wunsch, mit dem Vater zu brechen, mit dem es nicht immer einfach war? Mertz war der «Schneeexperte» auf der Expedition, als Schweizer Meister im Skifahren kannte er sich bestens aus. Trotz dieses Wissens hob sich Mertz nicht nur durch seine Herkunft von den anderen ab, sondern auch durch seinen Beruf. Die meisten anderen waren Wissenschaftler, Funker oder Mechaniker. Im Vergleich zu ihnen war Mertz ein Amateur – ein sehr sportlicher und fleissiger zwar, aber doch kein Fachmann. Er war für die Betreuung der Schlittenhunde zuständig, obwohl es dafür besser ausgebildete Männer gegeben hätte.

War dieses Unwissen einer der Gründe, weshalb Mertz nie nach Basel zurückkehrte sondern in der Antarktis den Tod fand? Dieser und anderen Fragen ging der Schriftsteller Jost Auf der Maur gut hundert Jahre nach dem tragischen Ausgang der Antarktis-Expedition auf den Grund. Auf knapp 200 Seiten erzählt der Schweizer Autor die Geschichte des jungen Abenteurers aus gutem Hause, den die Eiswüste für immer behielt. Diesen Freitag, 29.11., findet die Buchvernissage statt, parallel dazu eröffnet das Naturhistorische Museum Basel eine Fotoausstellung. Die Eröffnungsveranstaltung ist um 18.30 im Naturhistorischen Museum. Das Buch wird vom Echtzeit-Verlag herausgegeben.

Die historische Reportage von Auf der Maur stützt sich auf eine Kopie des Tagebuchs von Mertz – das Original ist verschollen, die Schreibmaschinen-Abschrift stammt von anonymer Hand. Auszüge und Anekdoten aus dem Tagebuch bettet Auf der Maur in einen historischen, gesellschaftlichen Kontext ein. Der Geograf und Historiker Martin Riggenbach aus Sissach verfasste einen dazugehörigen Bildband mit Fotos von Xavier Mertz selbst und von seinem Kollegen, dem Berufsfotografen Frank Hurley. Die Bilder hat das Staatsarchiv Basel zur Verfügung gestellt.

Eine Auswahl dieser Fotos wird bis im März 2014 auch im Naturhistorischen Museums gezeigt. Basil Thüring, Leiter der Abteilung Geowissenschaften des Museums, organisiert die Ausstellung. Es werden 29 Vergrösserungen und etwa 50 Originalbilder im Kleinformat ausgestellt. Zudem werden drei Originalbriefe zu sehen sein, die Mertz seiner Familie zu Beginn der Expedition geschrieben hatte.

Mertz habe in der ganzen Schweiz für Furore gesorgt

Die Sonderausstellung zum Thema sei sehr spontan entstanden, sagt Thüring. Er sei «aufgesprungen», als das Buch bereits in Planung war: «Als wir vom Buch und den interessanten Fotos aus dem Staatsarchiv erfuhren, beschlossen wir kurzerhand, etwas Begleitendes zu machen.»

Was die Besucherzahlen angeht, ist das Naturhistorische Museum zuversichtlich. «Es ist eine sehr berührende Geschichte, die bestimmt viele Leute anziehen wird.» Positiv werde sich bestimmt auch die Herkunft des verschollenen Mertz auf die Besucherzahlen auswirken. «Für die Basler spielt es sicher eine Rolle, dass er aus Basel ist», sagt Thüring, «er ist aber nicht nur deshalb interessant – Mertz hat in der ganzen Schweiz für Furore gesorgt.»

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«Xavier Mertz – Verschollen in der Antarktis». Naturhistorisches Museum, Basel. Buchvernissage Freitag, 29. November 2013, 18.30 Uhr. Ausstellung bis 30. März 2014.

Konversation

  1. Thomas Alva Edison war für seinen Job auch nicht wirklich ausgebildet.

    Nach heutigen Massstäben dürfte er für DPD oder den Baslerstab arbeiten.

    Merke: Es gibt heute keine Abenteurer mehr, weil es keine anerkannte Ausbildung für Abenteuer gibt. Kommt vielleicht noch.

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