Totalpanne bei CABB: Erst nachdem ein Autofahrer das Chlor roch, kam die Polizei

Bei der Chemiefirma CABB in Pratteln haben die internen Alarmsysteme versagt. Nur durch Zufall wurden die beiden Gaslecks entdeckt.

Bei der Chemiefirma Cabb in Pratteln kommt es regelmässig zu Pannen. 

(Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

Bei der Chemiefirma CABB in Pratteln haben die internen Alarmierungssysteme versagt. Nur durch Zufall wurden die beiden Gaslecks entdeckt.

Das Chemie-Unternehmen CABB müsste sich eigentlich mit gefährlichen Substanzen auskennen. Bis vor wenigen Wochen setzte die Chemikalienproduzentin noch ein weltweit geächtetes Elektrolyse-Verfahren ein, bei welchem hochgiftiges Quecksilber verwendet wird. Dieses Verfahren sollte ab Oktober durch eine moderne Anlage ersetzt werden.

Doch nun ist es ausgerechnet bei der Inbetriebnahme dieser neuen Anlage gleich zu zwei Chemieunfällen gekommen. Einmal am vergangenen Mittwochabend und ein weiteres Mal am Donnerstagvormittag.

Alarm nur dank Privatperson

In beiden Fällen ist eine unbekannte Menge Chlorgas entwichen. Während ein Leck umgehend gefunden und geschlossen werden konnte, entdeckte man das zweite Leck erst am nächsten Tag. Sechs Personen mussten daraufhin medizinisch abgeklärt werden.

Nach Informationen der TagesWoche haben in diesen beiden jüngsten Fällen die internen Alarmmassnahmen nicht gegriffen. Beim ersten Vorfall am Mittwochabend war es ein privater Autofahrer, der zufällig auf der Autobahn beim Schwarzwaldtunnel unterwegs war, der den Alarm auslöste. Ihm war der strenge Chlorgeruch aufgefallen. Der Sprecher der Kantonspolizei, Roland Walter, bestätigt dies.

CABB gibt Gebäude frei, trotz überhöhter Gaskonzentration im Inneren.

Den zweiten Vorfall wiederum hat gemäss Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (Stawa) erst die Kantonspolizei festgestellt, als sie das Unfallgebiet begehen wollte. Die Polizisten bemerkten, dass es dort noch immer nach Chlor roch. Wie Messungen ergeben haben, ist zu diesem Zeitpunkt der Anteil des Chlorgases in der Luft um das Zweifache der sogenannten maximalen Arbeitsplatzkonzentration (MAK) erhöht gewesen. «Dies, nachdem das Gebäude durch die CABB zum Betreten frei gegeben worden war», wie die Stawa in einer Mitteilung schreibt. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Baselland (Stawa) eine Strafuntersuchung eingeleitet.

Unternehmenssprecher Ulrich Gartner will auf Anfrage von einem Versagen der internen Alarmierung nichts wissen. «CABB verfügt über eine eigene Alarmzentrale, die alle Alarme automatisch an die Industriefeuerwehr weiterleitet. Es ist geplant, diese Alarmzentrale zu erneuern und auszubauen; dazu werden derzeit die technischen Vorbereitungen geschaffen.» Zu weiteren Fragen will Gartner mit Verweis auf das laufende Verfahren der Stawa keine Auskunft geben.

Feuerwehreinsätze sind bei CABB zum Normalfall geworden. Innert zwei Wochen ist es auf dem Firmengelände zu drei Chemieunfällen gekommen. Doch schon seit 2010 häufen sich die Vorfälle beim Unternehmen, einer davon ging 2014 sogar tödlich aus.

Konversation

  1. Es ist ein Trauerspiel, dass diese Firma noch nicht per Gesetz geschlossen wurde. Was bei CABB passiert ist gemeingefährlich und sie beweisen mit einer erschreckenden Regelmässigkeit, dass ihnen Arbeitssicherheitsmassnahmen egal sind oder dass diese Firma vielleicht auf die Produktion von Zahnstocher umstellen sollte. Denn von Chemie scheint man hier keine Ahnung zu haben.

    Ich wünsche mir für die Teppichetage einen längeren Aufenthalt im Wellness Center Waaghof.

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  2. Und schon wieder wurde mein Kommentar gelöscht… Also es bleibt dabei, diese Chemiebude sollte so lange geschlossen bleiben, bis diese Leute der Firma vor Ort selber wissen was funktioniert und was nicht… was auch immer Sie sind, diese Menschen handeln verantwortungslos… Jeder kann sich nun selber ein Schimpfwort aussuchen… Damit das Niveau erhalten bleibt…

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    1. @landschäftler
      weiss jetzt nicht so genau, welches niveau Sie ansprechen …
      irgendwie will mir Ihre implizite bürgerliche mitverantwortung nicht so richtig munden, wenn privatpersonen oder die polizei die offensichtlichen gefahrenherde in einer chemischen produktionsstätte gleich selbst erschnüffeln und melden müssen.
      die chronische handänderung erscheint mir da als mögliche ursache wesentlich plausibler – um nicht zu schreiben von höherem niveau.

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