Und plötzlich ist sie omnipräsent

Von links bis rechts haben sie gepoltert, die Politiker. Zu wenig Uniformierte seien in der Stadt zu sehen, hiess es. Und jetzt, plötzlich, sind sie überall, die Polizisten in Blau – so zumindest der subjektive Eindruck in der Innenstadt.

Wie hier am Kleinbasler Rheinufer ist die Polizei derzeit mit dem Infomobil in den Quartieren unterwegs. (Bild: Martina Rutschmann)

Von links bis rechts haben sie gepoltert, die Politiker. Zu wenig Uniformierte seien in der Stadt zu sehen, hiess es. Und jetzt, plötzlich, sind sie überall, die Polizisten in Blau – so zumindest der subjektive Eindruck in der Innenstadt.

Es fällt kaum auf, das blaue Infomobil der Basler Polizei. Seit Anfang Monat und noch eine Woche lang fährt es durch die Quartiere, hält jeweils einen Morgen oder Nachmittag hier und dort. Manchmal ist es sogar gut getarnt, wenn es so dasteht, zwischen den Bäumen, so still und klein. Und die beiden Polizisten davorstehen am Tischchen und warten auf «Kundschaft». Am Kleinbasler Rheinufer auf der Höhe Wettsteinbrücke etwa ging es am Mittwoch ziemlich ruhig zu rund ums Infomobil, was auch kein Wunder war, denn so viele Menschen halten sich dort an einem Nachmittag unter der Woche auch nicht auf.

Umso freundlicher waren die Polizisten zu jedem, der das Wort an sie richtete. Das ursprüngliche Thema «Einbruchprävention» schien allerdings nicht im Zentrum der Gespräche zu liegen und auch die Flyer blieben liegen. Es ging eher darum, auch mal einfach mit Polizisten plaudern zu können, was auch Polizeisprecher Martin Schütz sinngemäss bestätigt: «Die Leute scheinen schon interessiert – nicht allein an kriminalpräventiven, sondern allgemein an polizeilichen Themen», sagt er. Dennoch: Den schwarzweissen «Mässmogge» der Basler Polizei und einen «117»-Schlüsselanhänger nahmen die Passanten gern als Geschenk entgegen.

Bhaltis von der Polizei: Damit die Notrufnummer ganz sicher nicht vergessen geht

Bhaltis von der Polizei: Damit die Notrufnummer ganz sicher nicht vergessen geht (Bild: Hans-Jörg Walter)

 

Goepfert zufriedener, Frehner nicht

Das Infomobil ist eine Sache. Die generelle Präsenz uniformierter Polizisten eine andere. Wir erinnern uns: SP-Grossrat Daniel Goepfert forderte als erster Linker in einem Interview in der TagesWoche mehr uniformierte Polizisten – und traf damit den Nerv einer Partei, die sonst praktisch nie auf derselben Linie politisiert wie die Sozialdemokraten: der SVP. Grossrat Sebastian Frehner und mit ihm die gesamte Partei wollten schon lang erreichen, dass die Polizei mehr Uniformierte auf die Strasse schickt.

Und jetzt? Sieht es plötzlich so aus, als hätten die Forderungen der Politiker sowie die öffentliche Diskussion rund ums Thema Wirkung gezeigt. Beobachtungen des TagesWoche-Teams jedenfalls zeigen, dass mehr Polizisten unterwegs sind als noch vor ein paar Wochen: Von zwei Polizeiautos, die sich nachmittags regelmässig in der Gerbergasse kreuzen ist da die Rede. Von etlichen Uniformierten zu Fuss in der Freien Strasse. Von einem «grossen Polizeiaufgebot» samstags rund um den Barfi. Von «in kurzen Abständen patroullierenden Polizeiautos am Rheinbord». Und und und.

Die Beobachtungen der TagesWoche decken sich mit denen von Daniel Goepfert. Auf die Frage, ob auch er den Eindruck habe, die Polizeipräsenz sei grösser geworden, antwortet der sonst nicht sehr wortkarge SPler: «Ja.» Er sei «zufriedener» mit der Situatuion. Anders klingt es bei Sebastian Frehner. «Es ist mir nicht aufgefallen», sagt er, «dass es mehr Polizisten hat.» Und wenn es doch so sei, wäre das begrüssenswert, ändere aber nichts an der «hundsjämmerlichen Sicherheitslage».

Polizei hält sich mit Infos bedeckt

Nun stellt sich die Frage: Wie ist es wirklich? Und auf diese Frage gibt es keine befriedigende Antwort von Seiten derer, die es wissen müssen. Polizeisprecher Martin Schütz bestätigt nicht, dass explizit mehr Mitarbeiter auf die Strasse geschickt werden, sondern sagt nur: «Im Sommer sind an den Brennpunkten immer mehr Leute unterwegs.» Die Lage werde täglich neu beurteilt. Möglicherweise seien die Passanten auf das Thema «sensibilisiert». Und: Die zwölf neuen Polizisten, die noch in diesem Jahr eingestellt werden sollen, seien noch nicht alle an ihren Posten, man mache mit dem jetzigen Bestand das Möglichste.

Und dieses Möglichste, so scheint es, beinhaltet mehr Polizeipräsenz in der Innenstadt. Wie es in den Quartieren aussieht, ist ein anderes Thema. Dort jedenfalls wurden – zumindest vom TagesWoche-Team – keine Veränderungen festgestellt.

 

Was ist Ihr Eindruck? Hat die Polizeipräsenz zugenommen? Und wenn ja, wo? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit.

Quellen

Konversation

  1. Man stelle sich doch mal 2 Städte vor. Stadt A Du kommst am Bahnhof an, gehst zur Innenstadt, trinkst einen Kaffee, erledigst Deine Einkäufe, fährst abends wieder nach Hause. Du siehst ca. alle 90 Minuten eine Polizeipatrouille, den ganzen Tag geschah nichts aussergewöhnliches Nun zu Stadt B: wieder kommst Du am Bahnhof an. überall wiederbewaffnete voll ausgerüstete Polizei, dies auch in der Innenstadt. Du unternimmst das gleiche wie in der Stadt A. es passiert auch in Stadt B nichts aussergewöhnliches. in welcher Stadt fühlst Du dich sicherer. ich zumindest garantiert in Stadt A

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (3)

Nächster Artikel