Universität Basel streicht ein Dutzend Professuren

Nun liegen die Sparmassnahmen der Universität Basel auf dem Tisch: 13 Professuren werden ganz gestrichen oder abgewertet. Besonders hart trifft es Mediziner und Geisteswissenschaftler. Verschont vom Sparbefehl bleiben bloss die Ökonomen. 

Weniger Köpfe, weniger Lehre, «weniger Qualität»: Die Uni Basel wird zurückgestutzt.

Lange hatte sich die Leitung der Uni Basel bedeckt gehalten, nun schafft sie Transparenz und gibt die detaillierten Sparmassnahmen für die kommenden drei Jahre bekannt. Sämtliche Fakultäten bis auf jene der Wirtschaftswissenschaftler trifft es hart.

Zuvor hatten sich bereits Parlamentarier der beiden Basler Halbkantone besorgt über die Entwicklung an der Uni Basel gezeigt. Der Jahresbericht der gemeinsamen Uni-Kommission ist in ungewöhnlich alarmiertem Ton verfasst. «Die Einsparungen im Bereich Lehre und Forschung wirken sich direkt und negativ aus», stellen die Parlamentarier fest.

Sie sprechen von «einschneidenden Massnahmen» und fordern die beiden Regierungen auf, die Mittel ab 2021 wieder zu erhöhen. Die Universität brauche eine Finanzierung, «die es der Universität erlaubt, sich als erstklassige Volluniversität und volkswirtschaftlich bedeutende Institution unserer Region weiterhin positiv zu entwickeln».

Doch zunächst muss die Universität Basel die von der Baselbieter Politik durchgesetzten Einsparungen verarbeiten:

Medizin

Die Medizinische Fakultät muss bis 2021 2,8 Millionen Franken jährlich einsparen. Das entspricht einer Reduktion von 2,3 Prozent.

Dafür werden fünf Professuren in den Fachgebieten Anatomie, Reproduktionsmedizin, Entzündungs- und Infektionspathologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Physiologie nicht mehr besetzt. Darüber hinaus streicht die Fakultät Forschungsgelder der Zahnmediziner.

Naturwissenschaften

Die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät muss ihr Budget bis 2021 um 2,3 Millionen Franken erleichtern, was einer Reduktion von 2,4 Prozent entspricht.

Die Naturwissenschaftler streichen eine vakante Professur in Geowissenschaften. Dazu werden am Biozentrum knapp sieben Assistierenden-Stellen gestrichen und in mehreren Departementen Personal-und Betriebsmittel gekürzt.

Ökonomie

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät bleibt von den Sparmassnahmen weitgehend verschont. Sie muss bloss 70’000 Franken einsparen, was 0,7 Prozent des Budgets ausmacht.

Als Grund für die Sonderbehandlung nennt die Uni-Leitung das schlechte Betreuungsverhältnis und wegfallende Drittmittel ab 2019. Einzig eine Verwaltungsstelle wird nicht mehr besetzt.

Psychologie

Die Fakultät für Psychologie muss bis 2021 jährlich 330’000 Franken einsparen, was einer Budgetkürzung von 3,2 Prozent entspricht. Das Sparziel erreichen die Psychologen, indem sie eine Professur im Bereich Klinische Psychologie und Neurowissenschaften nicht mehr besetzen.

Bereits publik wurden die Einsparungen bei den Theologen, Juristen und Geisteswissenschaftlern. Namhafte Kürzungen erleidet von diesen Fakultäten letztere: Die Philosophisch-Historische Fakultät streicht zwei Fächer ganz und wertet vier Professuren ab.

https://tageswoche.ch/politik/sparplaene-an-der-universitaet-basel-all-das-faellt-weg/

Darüber hinaus reduziert die Universität den Immobilienfonds, mit dem Neubauprojekte finanziert werden, um 16 Millionen Franken. Alles in allem betragen die Einsparungen damit 80 Millionen Franken in den kommenden drei Jahren.

Die Universitätsleitung stellt sich offen gegen weitere Sparwünsche. Man interpretiere die aktuelle Entwicklung als Übergangsphase. Künftig «sollte die Universität Basel wieder eine Chance erhalten, in strategisch wichtigen Bereichen investieren zu können, damit sie ihren Platz unter den besten Universitäten der Welt weiterhin behaupten kann».

Ob die Politik in Liestal und Basel dieser Forderung nachkommt, entscheidet sich im Herbst 2019. Dann soll die «Strategie 2030» vorliegen und muss der nächste Leistungsauftrag von den Parlamenten verabschiedet werden.

Konversation

  1. Abbau in der Bildung bedeutet stets Abbau in die Zukunft. Wir sind stolz auf unsere Universität und möchten auch stolz bleiben.
    Wir unterstützen BL über 5 Jahre mit jährlich 20 Mio Franken, die sollten sinnvoller in die Universität investiert werden, eben in die Bildung, in Lehre und Forschung.

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  2. Für die Rettung der UBS musste jede Schweizerin und jeder Schweizer fast 10’000CHF zur Verfügung stellen und als Dank dürfen wir jetzt an der Uni sparen…
    Hätten die lieber die Wirtschaftswissenschaften ganz gestrichen und den Rest gelassen^^

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    1. Bei der Rettung der UBS bekam jeder Schweizer aber später nicht nur die 10’000 CHF zurück sondern sogar mehr…
      Der Vergleich ist mittlerweile dermassen abgedroschen und zudem falsch, dass man ihn endlich begraben kann!

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    2. Neee!
      Die 68 Milliarden, wenn die nicht in einer Nacht vom Bundesrat genehmigt worden wären, sähe es heute hier wohl so aus wie in Griechenland. Danach wären sicher für ein oder zwei Monate die Bancomaten stillgestanden.
      Auch heute ist das Restrisiko der beiden Grossbanken sozial durchaus mit dem Gau eines AKW Mühleberg oder Fessenheim zu vergleichen: Füpr die Schweiz viel zu hoch.

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    3. Genau Super Gau ist ja nach ein paar Jahren ausgestanden. Verursacht auch nur ein paar Mia…
      Wenn man das Risiko und die Entsorgung bei AKWs einkalkulieren würde, wäre der strom so teuer dass jeder seine energie selber herstellen würde…
      Die einzige echte Gemeinsamkeit ist, dass es wohl auch so eine lukrative branche ist, welche sich auf kosten der gesellschaft bereichert.

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  3. Beim letzten Artikel zum Thema mahnte ein Kommentator an, bei der Beurteilung des Abbaus auch den massiven Ausbau der Universität in den letzten 20 Jahren in Betracht zu ziehen. Das geschieht nun wieder nicht. Der Abbau ist schwer zu beurteilen, wenn die Grössenordnungen der Universität und ihre Veränderungen nicht transparent gemacht werden.

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  4. Also einen Professor sollte man denn schon wieder neu anstellen: Spezialgebiet Wegsparen, Beihilfe zur allgemeinen Verblödung, Vollrationalisieren, „Gsunde Mänschevertsand“ statt differenziertes Nachdenken, vielleicht auch Superspezialgebiet Verallgemeinerung, „Hämmer früener aunid bruucht“
    … und im Nebenfach Sonderkenntnisse in Stammtischlebensform und natürlich differenzierte Bierkenntnisse mit entsprechend nachgewiesenen Erfahrungen und Publikationen darüber.

    Wieso mir jetzt auch gerade der Name „Blocher“ da einfällt?

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  5. Wenn ich richtig gezählt habe sind das 10 Professuren welche wegfallen. Wenn man den Tageswocheartikeln zu diesem Thema gefolgt ist konnte man den Eindruck bekommen UniBas geht unter… 10 von 374 Profs., das ist gerade einmal 1/4% weniger Lehrleistung an der Uni! Höchste Zeit das Jammern einzustellen!

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    1. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, die Sie da betreiben.
      Ein ganz allgemeines Beispiel, nicht konkret auf die wirkliche Situation gemünzt: Was nützen 20 Geschichtsprofessuren, wenn die einzige Mittelalterprofessur gestrichen wird?

      Klar, es ist nicht die ganze Uni in Gefahr. Aber es garantiert ja auch niemand, dass diese Spardruck nicht weiter besteht. Dann sind es dann plötzlich 5% oder 10% ausbleibende Forschung. Und dann ist eine Volluni in Gefahr.

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    2. @Bodinus: da haben Sie ein Stück weit natürlich recht, aber wenn man die Fächer anschaut muss man die Anzahl jener die wegfallen korrekter Weise mit der Gesamtzahl pro Institut und Departement anschauen. Dann sollte man auch anschauen und überprüfen welche Fächer notwendig und zentral und welche nur „nice to have“ sind. Ich kann nur für meinen Fachbereich sprechen, da wurden in den letzten 15 Jahren aus einem Fach deren 4 und entsprechend auch die Anzahl Professuren erhöht – das kann es ja auch nicht sein!

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    3. nunja, ist Anatomie im medizinischen Studiengang „nice to have“? darüber lässt sich wohl streiten…

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    4. …ob die Universität sich dann auch der Novartis hinterher in Richtung Indien verkrümeln könnte?

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    5. Wenn auf einem Kruezfahrtschiff 2% des besseren Teils der Besatzung von Bord geht, springen Sie bitte sofort hinterher!

      Da passiert hinterher irgendwas, weshalb die 2% es vorzogen, von Bord zu gehen….

      Spätestens mit den Ratten müssen Sie dann sowieso von Bord!

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