Vor geschlossenen Türen

Pressestellen haben im alltäglichen Umgang mit Journalisten eine eigene Kunstform etabliert: Die freundliche Informationsverweigerung. Das Beispiel einer Recherche zur «Bank für Internationalen Zahlungsausgleich» (BIZ).

Informationspolitik à la BIZ: «Danke für Ihre Anfrage. Sie werden gleich mit Informationen überschwemmmt.» (Bild: Hans-Jörg Walter)

Pressestellen haben im alltäglichen Umgang mit Journalisten eine eigene Kunstform etabliert: Die freundliche Informationsverweigerung. Das Beispiel einer Recherche zur «Bank für Internationalen Zahlungsausgleich» (BIZ).

Als Journalist fragt man sich gelegentlich, weshalb Presseabteilungen internationaler Konzerne überhaupt noch eine Telefonnummer auf der Webseite führen. Das Ergebnis eines Telefonats ist nämlich meist dasselbe: «Könnten Sie uns ihr Anliegen bitte nochmals in einer E-Mail zusammenfassen. Wir werden ihre Anfrage dann schnellstmöglich bearbeiten.»

Bei der «Bank für Internationalen Zahlungsausgleich» (BIZ) ist das nicht anders. Ich hacke mein Anliegen also in eine Mail: Einen Besuch vor Ort möchte ich machen und den Generalsekretär für ein Gespräch treffen. Denn genauso wie die meisten Basler habe ich keine Ahnung, wie der kupferfarbene BIZ-Turm an bester Lage am Hauptbahnhof von innen ausschaut, wer dort an was arbeitet und weshalb er im globalen Finanzgeschehen eine dermassen zentrale Rolle spielt, wie der britische Autor Adam LeBor in einem neuen Buch darlegt. Die Antwort der Pressestelle lässt nicht lange auf sich warten:

«Many thanks for your earlier telephone call and e-mail request to interview Mr Dittus and visit the BIS. On behalf of senior management I would like to thank you for your enquiry.»

Freundliche Absage

Auf soviel überschwängliche Freundlichkeit in der Einleitung kann eigentlich nur eine Absage folgen und tatsächlich:

«Unfortunately, due to heavy schedules and commitments already made during the next few weeks, as well as the holiday period, it will not be possible for Mr Dittus or other members of management to accommodate you.»

Dann wird in der Mail noch auf eine kleine Armada von Pressematerialien hingewiesen: Ein Profil der Bank, der letzte Jahresbericht, die Broschüre «This is the biz», die einen kurzen historischen Abriss bietet und eine DVD einer Ausstellung mit historischen Informationen. All dies soll das persönliche Gespräch ersetzen.

Nochmals eine freundliche Absage

Man will nachfassen und klären. Am Telefon wird mein Vorschlag freundlich ausgeschlagen, dass mich anstelle des Managements jemand von der Pressestelle durch die BIZ-Eingeweide führen könne. Man organisiere generell keine Besichtigungen und verweist mit freundlichem Nachdruck auf die letzte öffentliche Besichtigung zum 75. Jahresjubiläum. Damals hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit in einer von PR-Spezialisten durchorchestrierten Ausstellung ausgewählte Räume zu besichtigen. Das war vor acht Jahren.

Nun gut, wer vom Gegenstand seines Artikels keine Informationen erhält, recherchiert länger und tiefer, liest, was andere geschrieben haben, und versucht, Menschen zu finden, die etwas zu sagen haben. Zum Beispiel Gian Trepp, der 1993 ein Buch zur BIZ veröffentlichte und bis heute deren Geheimniskrämerei beklagt. Nach meiner Recherche fasse ich in einer E-Mail nochmals mit Fragen beim BIZ nach wie: 

  • Stimmt es, dass die BIZ dem Autor Gian Trepp bei der Recherche zu seinem Buch von 1993 keinen Einblick ins Archiv gewährte und sich später über die Freigabe der McKittrick-Akten beschwerte?
  • Was entgegnet die BIZ auf die Vorwürfe, dass die Organisation ihre Rolle im 2. Weltkrieg bis heute nicht aufgearbeitet hat?
  • Wieviele Frauen zählen die Generalversammlung und der Verwaltungsrat der BIZ?

Es folgen noch fünf weitere kritische, aber auch unkritische Fragen. Die Antwort folgt postwendend noch am selben Tag:

«Many thanks for your e-mail questions below. Several of them have been dealt with in the documents you collected earlier this week, but all other public information about the Bank’s activities is on our website in the About BIS section. In addition, tomorrow I will send you a book covering the history of the BIS.»

Statt Antworten gibts einen Wälzer

Das versprochene Buch erhalte ich umgehend. Es ist die offizielle BIZ-Geschichtsschreibung von Gianni Toniolo, Wirtschafts-Professor an der Duke University: 768 Seiten autorisierte BIZ-Geschichte; ein echtes Liebhaberstück.

Statt Antworten auf meine Fragen, gibt es einen Wälzer mit dem die Kommunikationsabteilung den Journalisten endgültig erschlägt. Und dies ohne, dass ihr jemand den Vorwurf machen könnte, sie hätte die Presse nicht ausreichend mit Informationen versorgt. 

Was aus der freundlichen Informationsverweigerung der BIZ und Samuel Schlaeflis Recherchen geworden ist, lesen Sie in diesem Artikel

Konversation

  1. … die TagesWoche ist ja noch immer „Beta“. Da dürften schon noch ein paar Fehler vorhanden sein, auch wenn man bedenkt, dass selbst Oblomow ein paar Jahre brauchte.

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  2. Nicht gezielt aber doch irgendwie zu antworten, war schon immer eine Form der eleganten Informationsverweigerung. Das hängt hier aber auch davon ab, wie der Journalist weiter vorgeht. Das „Erschlagen mit Information“ öffentlich zu machen, wie hier geschehen ist schon mal ein Anfang. Nun heißt es eben, sich durch den Papierberg zu beißen und nachzufragen (wenn, natürlich rein zufällig und selbstverständlich völlig unbeabsichtgt durch den großzügig Antwortenden, doch noch etwas unklar sollte) dass sich diese und diese Frage leider nicht beantworten ließ und man daher um entsprechende Nachlieferung bittet. Die Waffe gegen die freundliche Verweigerung ist die freundliche Härtnäckigkeit. Irgendwann kommt dann typischerweise eine „Antwort“, dass angeblich schon alles gesagt wurde. Dann weiß man, woran man ist und kann einen entsprechenden Abschlussartikel verfassen.

    Ulrike Meinhof wird der Ausspruch zugeschrieben „Wir können sie nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen. Aber wir können sie zwingen, immer unverschämter zu lügen.“ Wenn dass Zitat stimmt, zeigt das leider nur: Die Dame hat sich wie auch sonst in ihrem Leben gewaltig verschätzt, wenn sie es auch gut meinte. Man kann auch den unverschämtesten Lügner nicht dazu zwingen immer unverschämter zu lügen, denn man kann ihn ja noch nicht einmal zum Antworten zwingen.

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  3. …beide schreiben ihren Nachnamen mit vier „h“: Hochhuth. Und in der Community hier tummelt sich nur einer der beiden: der Fritz.

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  4. Der erste Kommentar hier von Rolf Hochhut war vorerst auserwählt. Jetzt ist er wieder unter ferner liefen. Warum wohl?

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  5. In einer Antwort an Schäublin schrieben Sie oben über sich: ‚ich jammere GERN‘

    Ohne diese Selbsteinschätzung hätte ich mich nie und nimmer getraut Sie als Jammeri Lehrer zu betiteln.

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  6. … sec und bref. So muss der Kommentar der Zukunft sein.

    Aber wer die „Young Gods“ zu anstrengend findet, darf sich nicht wundern. Schliesslich wird von ihnen nicht jeder Kommentar von jedem Heini gewürdigt.

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  7. Ich habe mich vertippt. Ich meine natürlich @Hochhuth im obigen Beitrag.

    Nun noch zu Ihrem letzten Beitrag hier: Es menschelet halt überall. So kommt halt immer wieder persönliche Betroffenheit zutage, die manchmal schwer nachzuvollziehen ist.

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  8. Lieber Herr Holzapfel

    Und jetzt ist der oberste auserwählte Post ganz oben von mir, der eigentlich ganz nichtssagend ist. Ich sag mir einfach, die Geschmäcker sind halt verschieden.

    Und ist es nicht interessant: In ihrem Post der abgewertet wurde haben sie Aussagen von einem ?Namensvetter? von Ihnen erwähnt. Der ist mir nicht unbekannt. In meiner Jugend hat er viele Kontroversen ausgelöst mit seinem „Stellvertreter“. Er war (oder ist, ich weiss nicht ob er noch lebt) kein bequemer Zeitgenosse. Er nannte die Dinge beim Namen und redete nicht um den heissen Brei herum.
    Der Name scheint Programm zu sein. Fritz Hochhuth scheint ihm in nichts nachzustehen. Es gibt halt Menschen, die unbequeme Zeitgenossen als Jammeri disqualifizieren.
    Es ist halt schon so. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Und der Apfel hier scheint wirklich ein wenig hölzig zu sein. Da gibt es halt welche, die befürchten, sich damit die Zähne auszubeissen und sie deshalb zu disqualifizieren und verunglimpfen versuchen.

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  9. Ich glaube ich weiss wer unserer Gesellschaft langfristig mehr Schaden zufügt.

    Ich hoffe, dass meinen Enkeln ein Jammeri Lehrer wie Hochhuth erspart bleibt!

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