Wagenplatz auf der Erlenmatt stört Naturschützer

Die Wagenburg-Leute haben es sich inzwischen auf dem nt/Areal gemütlich gemacht. Ein Dorn im Auge ist dies Pro Natura Basel. Sie hat bei der Regierung interveniert und will, dass die Wagen sofort verschwinden.

Die Tage der Wagenburger auf dem gemütlichen nt/Areal sind gezählt. (Bild: Michael Würtenberg)

Die Wagenburg-Leute haben es sich inzwischen auf dem nt/Areal gemütlich gemacht. Ein Dorn im Auge ist dies Pro Natura Basel. Sie hat bei der Regierung interveniert und will, dass die Wagen sofort verschwinden.

Schön haben es sich die Wagenburger auf dem nt/Areal im Kleinbasel eingerichtet. Idyllisch ist es dort. Und vor allem gemütlich. Vor gut einem Monat war das noch anders. Damals war der Wagenplatz an der Freiburgerstrasse, in unmittelbarer Nähe zum Ausschaffungsgefängnis Bässlergut und zur Autobahn. So wollte es der Kanton, denn die jungen Menschen hatten ihre vier Wohnbusse zuvor während mehreren Wochen ohne Erlaubnis auf der Klybeckinsel platziert.

Aber an der düsteren Freiburgerstrasse gefiel es den Wagenburgern nicht. Ein dunkles Loch sei dies und kein Leben, fanden sie. Und so zogen sie ein paar hundert Meter weiter weg, aufs nt/Areal, wieder ohne Bewilligung. Für die Polizei ist dies kein Problem: «Wir haben keine Lärmreklamationen oder ähnliches erhalten deswegen», sagt Sprecher Klaus Mannhart.

«Ökologisch nicht vertretbar»

Ein grosses Problem hat jedoch Pro Natura Basel damit. Dass die Wagenburg nun auf dem nördlichen Erlenmatt-Areal steht, findet sie untragbar. Grund: Wertvolles Naturschutzgebiet. Das ehemalige Areal der Deutschen Bahn hat eine besondere biologische Bedeutung und wurde im Jahr 2005 zur Naturschutzzone erklärt. «Wir haben der Regierung deshalb einen Brief geschrieben und sie gebeten zu handeln», sagt Geschäftsführer Thomas Schwarze der TagesWoche. Es bestehe die Gefahr, dass der Boden kaputt gemacht werde. Für Schwarze ist der Fall klar: «Die Wagenburg muss so schnell wie möglich weg. Es ist weder zonenrechtlich noch ökologisch vertretbar, dass sie dort sind.» Er habe zwar Verständnis für das Anliegen dieser Leute, dennoch könne es nicht sein, dass die Natur dran glaube müsse. «In Basel mangelt es ebenso an Naturschutzgebieten wie an Freiflächen.»

Reklamiert wegen der Wagenburg auf der Erlenmatt, wo derzeit ein neues Stadtquartier entsteht, hat laut Olivier Wyss von der Kantons- und Stadtentwicklung auch die kantonale Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz. Man suche momentan eine Lösung, die für alle stimme, sagt er. Demnächst wird eine Sitzung mit dieser Fachstelle stattfinden. «Ich gehe davon aus, dass die Wagenburg-Leute  bleiben können, bis die Vegetationsperiode beginnt. Wir müssen aber festlegen, wo die Wagen am besten stehen sollten, damit Schäden vermieden werden können.»

Trotzdem: Die Tage der Wagenburger auf dem nt/Areal sind gezählt, denn die Vegetationsperiode beginnt im März. «Wir sind aber bereit, die Wagenburg-Leute bei der Suche nach einem Ersatzstandort zu unterstützen», sagt Wyss. Vielleicht kommt ja die Freiburgerstrasse wieder ins Spiel.

Konversation

  1. Irgendwie erinnert mich dieses Einschreiten von pro natura stark an ecopop. So können sich dann Leute als Trittbrettfahrer profilieren, denen es weniger um Natur geht als den Wagenburgbewohnern, aber am Ende sind wenigstens die Unerwünschten weg.

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  2. Zugeben, es tönt fundamental, was die Naturschützer dort sagen. Das Problem ist eher, dass der Mensch die Natur so stört, dass sie aus den Fugen geraten kann. Und täglich verschwinden einmalige Pflanzen und Tiere, wahrscheinlich unwiderbringlich. Also sind solche Freiflächen schon wichtig. Auch wichtig sind Freiflächen für Wagenburgen. Was tun? Auf jeden Fall nicht zwei Anliegen gegeneinander auspielen.

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  3. Einerseits ist das nördliche Erlenmatt-Areal ein ökologisch äusserst wertvoller Standort, aus den Gründen, welche andere Kommentatoren bereits erwähnt haben: Solche brachliegenden Landschaften bieten nicht nur spezifischen – und daher oft auch seltenen – Arten Unterschlupf, sie kommen auch weniger anspruchsvollen Arten zugute, welche unter dem zunehmenden Habitat-Schwund leiden.
    Andererseits sollten in diesem Fall nicht nur die Habitat-Ansprüche der Tier- und Pflanzenarten berücksichtigt werden, sondern auch die der Menschen, welche sich dort niederlassen möchten.

    In dieser Sachlage wäre mit Kommunikation, Vertrauen und gegenseitigem Respekt zwischen den betroffenen Protagonisten viel erbracht: Es ist bereits mehrfach erfolgreich erprobt worden, bei Landnutzungs-Konflikten die Bewohner in die Bewirtschaftung des Landes miteinzubeziehen. Indem man die Bewohner über Schutzwürdigkeit und Schutzmassnahmen informiert und ihnen einen Teil dieser Massnahmen – seien es nun direkte Schutzmassnahmen oder nachhaltige Bewirtschaftung – zuteilt, gewährt man ihnen auch einen Teil der Verantwortung über das Gebiet und dessen Pflanzen- und Tierwelt. So entwickeln sich die „Zerstörer“ eines Gebietes rasch zu dessen Beschützer, was nicht nur den Konflikt entschärft, sondern auch zur Erhaltung und Entwicklung eines schutzwürdigen Gebietes beiträgt.

    Insofern wäre es sicher nicht verkehrt, mit den Bewohnern der Wagenburg das Gespräch zu suchen, und ihnen – sozusagen als Miete für ihr Bleiberecht – einen Teil der Instandhaltungsmassnahmen zuzuweisen.
    So wären mit einer Klappe zwei Fliegen erledigt: Die Bewohner der Wagenburg hätten ein neues Zuhause, und die Naturschutzzone würde nachhaltig bewirtschaftet und bliebe erhalten.

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  4. Unter dem Strich ist es eine Frage des gegenseitigen Respekts. Der sogenannt zivilisierte Mensch muss sich immer wieder bewusst machen, dass er nur MIT der Natur leben kann, nicht GEGEN sie.
    Vor diesem Hintergrund müssen sich die Wagenburgler selbstverständlich die Frage gefallen lassen, mit welchem Recht sie sich die Freiheit herausnehmen, ausgerechnet in einer der am dichtest besiedelten Regionen eines der wenigen unbebauten Stücke „Natur“ für sich zu beanspruchen. Auch wenn es ödes Brachland ist, so ist es doch (aus Sicht der Natur) ein Stück Widerstand gegen Beton und Teer, gegen das Schliessen der letzten Baulücken.
    Umgekehrt müssen aber auch wir sesshafte Hausbewohner uns die Frage stellen, warum wir nicht genügend Toleranz aufbringen, um einer Handvoll Menschen die Verwirklichung ihres Traums zu ermöglichen. Geht es den vermeintlichen Naturschützern wirklich um dieses Stückchen Flora, buchstäblich am Ende der Welt, umgeben von Autobahn, Eisenbahn, Beton und Lärm? Ich werde den Gedanken nicht los, dass hier auch eine Art Neid am Werk sein könnte, nämlich auf den Mut der Wagenburgler, sich aus unserer Konsum- und Wohlstandsgesellschaft einfach auszuklinken. Sie zeigen uns: es geht auch mit weniger. So werden die Wagen zum Beispiel CO2-neutral mit Holz beheizt, im Gegensatz zur Mehrheit der Stadtwohnungen. Der ökologische Fussabdruck der Wagenburgler ist also vermutlich besser als der von manchem „institutionalisierten“ Naturschützer. Wir müssen aufpassen, dass wir Menschen nicht fortjagen, nur weil sie anders leben (wollen) als wir.

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  5. liebe pro natura

    das kann doch bitte nicht euer ernst sein!
    als langjähriges pro natura-mitglied und naturschutzgebiet-pfleger bin ich entsetzt über euer mitmachen beim vertreiben von menschen, die sich eine nische, ein biotop suchen.
    das wagenbürglein macht die natur auf der erlenmatt ganz bestimmt nicht kaputt. viel eher die überbauungen, das sind doch ganz andere dimensionen

    wenns dabei bleibt, bleibt mir wohl leider nur ein austritt!

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  6. Ganz abgesehen von der (politischen) Frage, ob diese Wagenburg auf dem NT-Areal geduldet werden soll oder nicht:
    Das Argument, sie sei „ökologisch nicht vertretbar“, entspringt offensichtlich einer fundamentalistischen Einfalt.
    Noch bis vor einigen Jahren fuhren dort Güterzüge durch. Dann kamen die Mountain-Biker. Es handelt sich um eine Brache, die niemals von Dauer sein wird. Und die paar Wagen zerstören gar nichts.
    Das soll sich mal jedermann (und jedefrau) vor Ort anschauen: Gleich neben der Autobahnausfahrt beim Wiesenkreisel.
    Wenn Thomas Schwarze von „Pro Natura“ und die „kantonale Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz“ keine anderen Probleme haben, dann sind sie offensichtlich unterbeschäftigt. Oder überbezahlt. Oder überflüssig. Oder alles zusammen.
    Geht’s eigentlich noch?

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  7. Da gab es doch vor Jahren in Bern die Zafaraianer, die wollten auch nicht so leben wie die Mehrheit. Die bauten sich Bretterbuden und hatten auch viel Auseinandersetzungen mit den Behörden. Irgendwann bekamen sie dann doch, hoffentlich erinnere ich mich recht, ein Bleiberecht.

    Ich habe gerade im Moment im Internet nachgeschaut. Unter dem Begriff „Zaffaraya“ findet man Einiges.
    Ihre homepage ist: http://www.zaffaraya.ch
    Offenbar sind sie da gerade an der seite umbauen und ist deswegen im Moment nicht zugänglich.

    Ich will mal schauen, ob ich die Menschen von der Wagenburg finde, damit ich ihnen das mitteilen kann. Eine Vernetzung von Menschen mit dem Bedürfnis nach ähnlicher alternativer Lebensweise wäre wohl sicher nicht schlecht, um sich auszutauschen.
    Und für die Basler Behörden wäre es sicher auch nicht schlecht zu wissen, dass auch andernorts in der Schweiz solche Bedürfnisse herrschen.

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  8. Bravo Naturschützer ihr unbezahlten Advokaten der Pflanzen.
    Welche undendliche Verschmutzung und Beleidigung für das geübte Auge eines jeden aufrechten Naturschützers diese „Wagenburger“ doch darstellen.
    Die Blumen werden es euch in Ewigkeit danken.

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  9. Es erscheint auf den ersten Blick paradox, dass dieses öde Land beim ehemaligen Güterbahnhof ein Naturschutzgebiet sein soll, das es zu bewahren gilt. Was wächst denn dort schon?

    Genau das ist das Problem. Es wachsen dort eben Pflanzen, welche diesen kargen Boden brauchen, welche in üppigeren Pflanzengesellschaften keine Chance haben, weil sie zu langsam wachsen und zu viel Licht brauchen. Durch die Kargheit des Bodens ist es ein ständiger Überlebenskampf um die wenigen Ressourcen, den dieser bieten kann. Hier ist jede Verletzung der dünnen Vegetationsschicht lebensbedrohlich.

    Es ist schön, dass es in der Stadt Basel noch Räume gibt, in denen Pflanzen und Tiere ein Zuhause finden, die anderswo ums Überleben kämpfen. Damit das weiter so bleibt, müssen die wenigen Gebiete, in denen sie vorkommen, geschützt werden – auch wenn es auf den ersten Blick nichts Schützenswertes zu sehen gibt. Naturschutz findet nicht nur in entfernten Gegenden statt, sondern in erster Linie vor der eigenen Haustüre.

    Zum Schluss: ich habe Verständnis für die Wagenburgbewohner, auch ich möchte nicht mitten im Verkehr an einem dunklen Ort wohnen. Aber es muss ein anderer Platz gefunden werden.

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