Warum Basel zu den Gewinnern gehört

Während der Tourismus schweizweit schrumpft, hat Basel einen zehnjährigen Aufschwung hinter sich. Und es scheint so weiter zu gehen.

Die Anzahl Logiernächte hat in Basel über die letzten 10 Jahre hinweg stark zugenommen. (Bild: Hansjörg Walter)

Während der Tourismus schweizweit schrumpft, hat Basel einen zehnjährigen Aufschwung hinter sich. Und es scheint so weiter zu gehen.

Letztes Jahr haben so wenig Touristen in der Schweiz genächtigt wie letztmals 2005. Der Schweizer Tourismus steckt seit Jahren in einem Loch. Die Gäste fehlen in den klassischen Ferienorten wie im Engadin, Wallis oder Berner Oberland. Ganz anders in den Städten: Im Gegensatz zum landesweiten Trend wächst dort der Tourismus. Eine der grossen Gewinnerstädte ist Basel.

Hier hat der Tourismus-Aufschwung vor zehn Jahren eingesetzt, heisst es im Jahresbericht 2012 vom Statistischen Amts des Kantons. Gegenüber dem Krisenjahr des Schweizer Tourismus von 2005 hat Basel 240’000 Logiernächte dazugewonnen. Das entspricht einem Plus von 42 Prozent. Zum Vergleich: Zürich legte gegenüber 2005 um über 550’000 Logiernächte zu (+25%), Luzern um rund 280’000 (+33 Prozent). Basel weist insgesamt das drittbeste Ergebnis innerhalb der Schweiz auf.

Für Basel ist 2012 das siebte Rekordjahr in Folge. Für dieses positive Ergebnis sind nicht nur die vielen Geschäftsreisenden verantwortlich, die das Hauptklientel des Basler Tourismus ausmachen. Die Nachfrage nach Unterkünften in Basel wächst im Inland wie auch im Ausland – trotz starkem Franken und Euro-Schwäche.

Schlüsselfaktor Infrastruktur

Was diese Gäste vor allem nach Basel lockt, wird im Jahresbericht rasch deutlich: Kaum ein Monat, in dem kein grosser Event zu finden ist, der für «sehr gute» bis «beste» Zahlen sorgt: Art, Basel World, Fasnacht, Muba, Tattoo, Swiss Indoors, AVO Sessions, Weihnachtsmarkt – solche Events machen Basel über das ganze Jahr hinweg immer wieder zu einem Publikumsmagnet. Sind sie der Grund, warum immer mehr Gäste in Basel logieren?

Der Marketing-Chef von Basel Tourismus, Christoph Bosshardt, relativiert diesen Eindruck: «Die Veranstalter haben sicher einen guten Job gemacht, um ihre Events immer erfolgreicher zu gestalten und zu vermarkten», sagt er. Neben Events wie die Swiss Indoors, die in den letzten Jahren ein neues Level erreicht und dadurch noch mehr Besucher angelockt hätten, würden sich auch jüngere Grossveranstaltungen wie das Basel Tattoo in den Tourismus-Statistiken bemerkmar machen. Doch einen fast grösseren Einfluss auf die Anzahl Logiernächte in Basel habe die städtische Hotelinfrastruktur, sagt Bosshardt. Die Basler Hotellerie habe ihr Angebot vergrössert, wodurch noch mehr Messe- und Event-Besucher in Basel logieren können statt ausserhalb.

Mehr Hotelzimmer bedeuten aber auch neben den saisonalen Spitzen mehr Logiernächte, sagt Bosshardt. Immerhin seien die Hotelbetreiber auch unter dem Jahr bestrebt, ihre Zimmer mit möglichst vielen Gästen zu füllen. Weiter habe sich die Basler Verkehrsinfrastruktur in den letzten Jahren verbessert. Da wäre die Billigfluglinie Easyjet, die seit 2005 über den EuroAirport mehr internationale Gäste nach Basel bringt. Und ebenso die neue und schnellere TGV-Anbindung Basel-Paris.

Professionalisiertes Marketing

Dass vermeintlich zugkräftige Events automatisch viele Gäste mit sich bringen, wäre ein Trugschluss. «Als 1998 die Eishockey-WM in Basel stattgefunden hat, schien niemand davon zu wissen», erinnert sich Bosshart. Die erhofften Gäste seien ausgeblieben, weil viel zu wenig ins Marketing investiert worden sei. Diese Flop-WM sei «ein Weckruf für die Stadt» gewesen, mehr aus solchen Grossanlässen zu machen. Es war die Geburtsstunde für das Standortmarketing Basel. Auch Basel Tourismus habe sich seither von einem «klassischen Verkehrsverein» zu einer «modernen Marketing-Organisation» entwickelt. 

Im Vergleich zu damals hat sich in der Vermarktung viel getan. Bosshardt zeigt sich zufrieden: «Es hat sich eine gute Zusammenarbeit zwischen den Veranstaltern, Sponsoren, Standortmarketing und Basel Tourismus eingestellt». Die Stadt verfügt zudem mittlerweile über ein klares Markenprofil, was der «Schlüssel zum Erfolg im Marketing» zählt, wie Touristiker gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagten (online nicht verfügbar). Im Freizeitbereich bewirbt sich Basel längst als «Kulturstadt», im Bereich Business neurdings mit «Kongressstadt der kurzen Wege».

Zuversichtlich in die Zukunft

Offenbar hat das Marketing in Basel die letzten Jahre sehr gut gefruchtet. Wobei: Messbar sind die Bemühungen nicht. Die Statistik verrät nicht einmal, ob es sich bei den Gästen jeweils um Freizeit- oder Geschäftsreisende handelt. Wenn Basel Tourismus Übernachtungen am Wochenende eher den Freizeit-Touristen zuweist, kann die statistische Entwicklung lediglich als Indiz interpretiert werden, ob die Marketing-Bemühungen fruchten.

Danach gefragt, bleibt Bosshardt eher vage: «Die Indizien sind positiv. Aber im Wochenend-Tourismus haben wir sicher noch grosses Potenzial.» Insgesamt blickt Bosshardt aber zuversichtlich in die Zukunft: «Durch den neuen Messebeau, den Erweiterungsbau des Kunstmuseums und die konjunkturelle Erholung erwarten wir für die nächsten Jahre einen weiteren Entwicklungssprung.»

Quellen

Schweiz am Sonntag, Nr. 29, 21. Juli 2013

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