Was der Olympiasong Anna Rossinelli bringt

«Shine In The Light» läuft am Schweizer Fernsehen in Dauerrotation: Die SRF-Sportübertragungen aus Sotschi werden mit dem Song von Anna Rossinelli und Band untermalt. Werden die Basler dadurch reich? Eine kleine Spielerei mit Schätzzahlen.

Mit dem Olympia-Song in aller Ohren: das Basler Trio Georg Dillier, Anna Rossinelli und Manuel Meisel (v.l.n.r.).

«Shine In The Light» läuft am Schweizer Fernsehen in Dauerrotation: Die SRF-Sportübertragungen aus Sotschi werden mit dem Song von Anna Rossinelli und Band untermalt. Werden die Basler dadurch reich? Eine kleine Spielerei mit Schätzzahlen und Richtwerten.

Seit Tagen klingt das Lied in unseren Ohren «on and on and on», denn kaum eine Stunde vergeht, ohne dass «Shine In The Light» in der Dauerolympiasendung des Schweizer Fernsehens gespielt wird. Das Stück von Anna Rossinelli bildet den offiziellen Begleitsong zur Berichterstattung von SRF Sport.

Wie kam es dazu? «Im Vorfeld der Winterspiele haben verschiedene Künstler und Produzenten ungefragt Titel eingereicht», sagt SRF-Pressesprecherin Andrea Wenger auf Anfrage. «Auch das Management von Anna Rossinelli ist auf SRF zugekommen und hat einen unverbindlichen Vorschlag gemacht.» Die SRF-Abteilung «Gestaltung & Marketing» kam bei der Auswahl zum Schluss, dass Rossinellis Lied die Kritierien am überzeugendsten erfülle: So spiele der Bezug zum Event, aber auch die Ohrwurm-Qualität eine wichtige Rolle. «Die Melodie muss eingängig und auch in kurzen dreisekündigen Adaptionen aufmerksamkeitsstark sein», erläutert Wenger.

Produziert wurde das Stück von Hitmill, mit dem das SRF eine enge Symbiose pflegt (andere nennen es Filz). Denn der öffentlich-rechtliche Sender kooperiert auch bei Sendungen wie «The Voice Of Switzerland» oder «Cover Me» eng mit der Zürcher Popfabrik. Geniesst diese in diesem Fall eine Vorzugsbehandlung in Leutschenbach? «Der Vorschlag für die Produktionsfirma kam vom Management der Künstlerin», erklärt Wenger knapp, «Anna Rossinelli arbeitet seit längerer Zeit mit Hitmill zusammen.»

Entschädigt werden Anna Rossinelli und ihre Bandkumpels Georg Dillier und Manuel Meisel vom SRF nicht direkt. Sprich: Der Jingle wurde nicht eingekauft. Dennoch darf sich die Band über einen Zustupf freuen, dank der Urheberrechts- und Interpretengesellschaften. Auf Tantiemen freuen darf sich auch Hitmill-Produzent Georg Schlunegger. Er hat dem Stück einen Eurodance-Beat untergejubelt, sodass man meinen könnte, Kylie Minogue nehme am ESC teil – wäre da nicht Rossinellis Stimme, die ein tieferes, ausdrucksstärkeres Timbre hat als die Australierin. Schlunegger wird auch als Co-Komponist aufgeführt.

Für ein 10-Sekunden-Jingle gibts maximal einen Franken

Wieviel Geld spült eine solche Dauerrotation in die Kassen? Das haben wir die Suisa gefragt, die in der Schweiz für die Tantiemen von Komponisten und Arrangeuren besorgt ist. Das Schweizer Fernsehen überweist der Suisa in diesem Jahr knapp 15 Millionen Franken für Urheberrechtsentschädigungen. Die Suisa deckt damit ihre eigenen Kosten – und schüttet den Urhebern Geld aus. Erklingt Rossinellis Jingle auf SRF Sport, wird das erfasst. Als Richtwert könne man von 10 Rappen pro Sekunde ausgehen, teilt die Suisa mit. Sprich: Wird Rossinellis Lied 20 Sekunden lang am TV als akustisches Signet verwendet, landen zwei Franken im Kässeli der vier Urheber, was wiederum aufgeteilt wird. Wer welchen Prozentanteil an der Komposition hält, ist nicht öffentlich. Wir gehen der Einfachheit halber mal von je einem Viertel aus, was bei 20 Sekunden 50 Rappen pro Person ausmachen würde.

Heisst das jetzt, dass Anna Rossinelli reich wird? Die SRG führt zwar Buch über jede Sekunde Musik, bis diese aber abgerechnet ist – auch mit der Suisa – wird es noch Monate dauern. Wir können daher nur sehr grob schätzen, in welcher Grössenordnung sich die Entlöhnung bewegen wird. Eine kleine Zahlenspielerei zur Veranschaulichung: Nehmen wir an, «Shine In The Light» wird auf SRF zwei bis zum Ende von Olympia insgesamt 5 Stunden, also 18’000 Sekunden lang als akustisches Signet verwendet. Dann kommen wir auf einen Richtwertertrag von 1800 Franken, der am Ende unter den vier Urhebern aufgeteilt wird.

Airplay-Tantiemen: Degressives System

Tatsächlich aber wird der Ertrag noch tiefer liegen, denn das Tantiemen-System verläuft degressiv, ab der 53. Ausstrahlung des Jingles wird nur noch ein Zwanzigstel des ursprünglichen Werts ausgezahlt. Diese Degression gilt übrigens auch für Radiosendungen. Als DRS SRF3 Anna Rossinellis Olympia-Song zum ersten Mal spielte, wurden für den 3-Minuten-Track noch 7.50 Franken ausgeschüttet. Jetzt, gegen Ende von Olympia, nach Dutzenden Airplays, ist es nur noch ein Bruchteil davon.

Wir merken: Reich wird die Band nicht, obschon ihr Lied dank SRF Sport in aller Ohren ist. Immerhin kann sich das Basler Trio noch über ein zweites Kässeli freuen: Swissperform heisst eine Verwertungsgesellschaft, die sich um Vergütungen für Interpreten und Produzenten kümmert. «Man kann davon ausgehen, dass rund ein Drittel des Betrags, den die Band als Urheber erhält, zusätzlich für die Performance abgegolten wird», sagt der Basler Poto Wegener, Geschäftsführer der Swissperform. So kämen wir also bei unserem Beispiel auf insgesamt 2500 Franken, die Anna Rossinelli vom Schweizer Fernsehen erhalten würde. Immerhin.

Weitaus stärker wiegt aber die Werbung, die ihr durch die Dauerrotation auf sicher ist: Der Song stieg mittlerweile in die Schweizer Hitparade ein (Platz 4) und wird von immer mehr Radiosendern gespielt. Was der Popularität nur zuträglich ist und der Promotion ihres Albums «Marylou 2» dienen soll, das – natürlich kein Zufall – just vor dem Olympia-Start erschienen ist. Gefreut hat sich die Band sicher auch über die Einladung nach Sotschi, wo sie im «House of Switzerland» ein Ständli geben durfte – worüber wiederum der «Blick» – mit dem ebenfalls eng kooperiert wird – berichtete.

Wieviel am Ende der Spiele für die Musiker effektiv rausschauen wird, werden wir nicht erfahren. Die Zahlen sind nicht öffentlich. Sicher ist aber schon heute, dass Rossinelli als Urheberin mehr Geld verdienen wird als mit ihrem Beitrag am Eurovision Song Contest. Denn «In Love For A While» wurde zwar zweimal via TV in den ganzen Eurovision-Raum hinausgetragen – doch war sie in diesem Fall nur Interpretin. Melodie und Text stammten aus der Feder ihres Entdeckers, David Klein.

Konversation

  1. Das ist typisch schweizerisch. Da wird jetzt ausgerechnet, wieviel das der Band eingebracht haben könnte. Das ist kleinkariert und der TaWo nicht würdig. Der Song ist gut, die Band super. Ich hoffe, dass sie mit ihrer Kunst ein sehr gutes Einkommen erzielen. Sie haben es verdient.

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    1. Lieber Herr Burkhardt, Sie machen mir (und gleich auch noch der gesamten TagesWoche) den Vorwurf, dass ich recherchiert habe, was eigentlich für die Band rausschaut bei einem solchen Engagement. Okay. In meinem Umfeld wurde ich von Bekannten gerade ebendies gefragt: Werden die jetzt reich? Ermöglicht ihnen das ein Leben ohne Sorgen, wie der Mietzins bezahlt wird? Das würde man ja jeder Band in diesem Land wünschen. Doch dem ist eben nicht so. Wenn ich bei jeder Musikberichterstattung auf Details wie diese hier eingehen würde, könnte ich Ihren Vorwurf akzeptieren. Wenn man aber – für einmal – Mechanismen in dieser Branche aufzeigt und einige Zahlenspiele dazu, dafür aber mit einem Kommentar wie Ihrem kritisiert wird, finde ich das recht kleinkariert. Oder war Ihnen zuvor bewusst, wie die – in Zeiten sinkender Albumverkäufe die immer wichtiger werdenden – Urheberrechte evaluiert werden? Selbstverständlich respektiere ich Ihre Meinung, dass Sie diesen Artikel unnötig finden. Aber eben: Ich finde, man darf auch mal Zusammenhänge aufzeigen, die über «Song gut, Band super» hinausgehen.
      Mit freundlichem Gruss, Marc Krebs

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