«Wenn der Raum enger wird, sind die Sexarbeiterinnen die Verliererinnen»

Viky Eberhard, Leiterin von Aliena, der Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe, über die Konsequenzen der Gentrifizierung des Rotlichtviertels für die Sexarbeiterinnen.

Die Markierung als behördliches Zeichen zur Erhaltung ihres Arbeitsplatzes – Prostituierte an der Webergasse.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Viky Eberhard, Leiterin von Aliena, der Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe, über die Konsequenzen der Gentrifizierung des Rotlichtviertels für die Sexarbeiterinnen.

Frau Eberhard, das Rotlichtviertel ist im Wandel: Neue Lokale verdrängen das Milieu und seit Anfang Juli markieren grüne Linien am Boden, wo angeschafft werden darf. Wie erleben die Sexarbeiterinnen diese Veränderungen?

In der Vergangenheit gab es immer wieder Verunsicherung seitens der Sexarbeiterinnen, was die Zukunft der Toleranzzone angeht. Die Markierung wurde daher als behördliches Zeichen zur Erhaltung ihrer Arbeitsplätze verstanden. Prinzipiell stehen sie Veränderungen offen gegenüber. Nur: Wenn diese Veränderungen mit Einschränkungen für die Sexarbeiterinnen verbunden sind, der Raum für sie enger wird und sie allmählich verdrängt werden, stehen sie am Ende als Verliererinnen da.

Gleichzeitig drängen die Prostituierten ihrerseits in neue Reviere. So beklagt sich eine Coiffeuse an der Webergasse darüber, dass die Sexarbeiterinnen seit einiger Zeit vor ihrem Ladeneingang stehen und die Kunden belästigen.

Ich verstehe diese Klagen. Wir von Aliena versuchen, die Frauen zu sensibilisieren, und die meisten begreifen das dann auch. Aber man muss sehen: Früher gab es weniger Frauen, die anschafften, sie blieben länger, man kannte sich. Heute gibt es viel Wechsel und die Neuen kennen am Anfang die Regeln nicht. Daraus entstehen Konflikte.

Solche Konflikte gab es auch auf dem Trottoir vor dem «Roten Bären».

Es gab einige Spannungen zwischen den Sexarbeiterinnen und dem neuen Restaurant. Manche Frauen fühlten sich von ihrem Arbeitsplatz in der Ochsengasse verdrängt. Sie arbeiten da, und direkt daneben sitzen Leute beim Essen und starren sie an. Aber dann gab es Gespräche mit den Betreibern des «Bären» und man hat sich verständigt, wer welchen Raum in Anspruch nimmt. Das Ziel muss sein, miteinander auszukommen. Es ist eine Toleranzzone, da geht es um ein Zusammenleben.

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Aliena ist die Basler Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe. Sie gehört zum Verein Compagna Basel-Stadt.

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