Wer mit Lautsprechern Musik hört, riskiert eine Busse

Wussten Sie, dass es für das Musikhören mit Lautsprechern auf Allmend eine Bewilligung braucht? Wer diese nicht vorweisen kann, wird mit 100 Franken gebüsst – unabhängig von der Lautstärke und der Uhrzeit.

Lautsprecher auf Allmend sind verboten, ausser man hat eine Bewilligung.

(Bild: Nils Fisch )

Wussten Sie, dass es für das Musikhören mit Lautsprechern auf Allmend eine Bewilligung braucht? Wer diese nicht vorweisen kann, wird mit 100 Franken gebüsst – unabhängig von der Lautstärke und der Uhrzeit.

Für nicht wenige gehört eine kleine Lautsprecheranlage zu einem gemütlichen Aufenthalt am Rheinbord hinzu. TaWo-Leser A.R. machte vor kurzem am Unteren Rheinweg allerdings eine bizarre Beobachtung: Die Basler Polizei verteilte an einem frühen Freitagabend Ordnungsbussen in der Höhe von 100 Franken an Personen, welche Musik mit Lautsprechern hörten. «Ich sass am Rheinbord. Vor mir waren zwei Jugendliche, die mit einer kleinen Lautsprecheranlage Musik hörten. Sie wurden von der Polizei gebüsst, obwohl es überhaupt nicht laut war.» 

A.R. findet diese Aktion «irritierend», zumal die Bussen ohne Vorwarnung ausgesprochen wurden. Die Personen, die gebüsst wurden, waren richtig überrascht.» A.R. kennt mehrere Fälle von Personen, die in letzter Zeit wegen Lautsprechern gebüsst wurden – teilweise seien auch Geräte konfisziert worden. Er hegt die Vermutung, dass die Polizei neuerdings – auf Druck der Anwohnerschaft – härter gegen Lärm am Rheinbord vorgeht.

Auch Anzeige möglich

Wie viele Bussen die Polizei an diesem Abend wegen Lautsprechern ausgesprochen hat, lässt sich gemäss Polizeisprecher Andreas Knuchel derzeit nicht zurückverfolgen. Dies, weil die Verarbeitung der Ordnungsbussen bis zu mehreren Wochen dauern kann. Knuchel beruft sich aber auf ein Gesetz, das vielen wohl nicht bekannt ist:

«Das Verwenden einer stationären oder tragbaren Lautsprecheranlage auf Allmend ist gemäss Paragraph 32 des Übertretungsstrafgesetzes und gestützt auf die polizeilichen Vorschriften betreffend Lärmbekämpfung bewilligungspflichtig. Bei der Bewilligungspflicht von Lautsprechern auf Allmend handelt es sich nicht um eine neue Bestimmung. Die entsprechenden Informationen sind auf der Homepage der Kantonspolizei publiziert, so auch der Weg für eine Bewilligungsanfrage.»

Die Lautstärke spielt beim Verteilen der Bussen keine Rolle. «Auch die Tageszeit spielt keine Rolle. Lärm – auch solcher, der durch Musik verursacht wird – kann bereits vor 22 Uhr als störend empfunden und mittels Ordnungsbusse geahndet werden», sagt Knuchel. Immer wieder kommt es vor, dass Geräte konfisziert werden, oder wie Knuchel lieber ausdrückt: «Es handelt sich hier um Sicherstellungen gemäss dem Polizeigesetz des Kantons Basel-Stadt und nicht um Konfiszierungen.» Nach einer Sicherstellung können die Eigentümer ihre Geräte «in aller Regel nach einer definierten Zeitdauer in der Polizeiwache wieder abholen». Wenn ein Lautsprecher sichergestellt wird, kann auch eine Anzeige erfolgen.

Störfaktor Lautsprecher?

Knuchel bestreitet, dass die Polizei nun härter gegen Lärm am Rheinbord vorgeht: «Die Kantonspolizei geht seit Jahren gleich mit dem Thema Lautsprecher auf Allmend um. Es wäre falsch, von einer neuen Gangart zu sprechen.»

Rückmeldungen von Besuchern und der Anwohnerschaft hätten gezeigt, dass sobald das Wetter besser und wärmer wird, die Lärmbelastung am Rheinbord – aber auch an anderen Orten der Stadt – durch tragbare Lautsprecher zunehme und als stark störend empfunden werde. «Auch in den installierten Gremien, in welchen diverse Partner aus der Verwaltung und privater Interessenvertreter, Einsitz nehmen, ist die Lärmbelastung durch Lautsprecheranlagen auf der Allmend immer wieder Thema.»

Konversation

  1. Ich dachte damals in den frühen 90ern als Jugendlicher das Spiessertum sei langsam am Aussterben. Aber offensichtlich ist wieder eine neue Generation von missgünstigen Spassverderbern herangewachsen.

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  2. Es gehört zur argumentativen Trickkiste der Urban-Asozialen, Rücksicht fordernde Menschen als „Spiesser“, „Bünzli“ – oder ganz schlimm – „SVP-Wähler“ abzutun.

    Frage: Darf ich auch mal die Lanze brechen für das Rasen innerorts (so ab 140 km/h innerorts spürt man sich besser…) oder das wohlbekannte FiAZ-Fahren (ist viel hedonistischer)?
    Wie wäre es, wenn als Signal gegen das Spiessertum nicht wieder im Tram, im Kino und natürlich im Restaurant geraucht werden darf?
    Man kann ja auf den gesunden Menschenverstand bauen – und das Sich-Beschweren beim Grenzüberschreiter fördert ja die Kommunikation und Mediterranisierung Basels…

    Ich habe keine Lust, den Lärm meiner Nachbarn zu hören. Es gibt heute wirklich genug technische Möglichkeiten, jederzeit Musik zu hören – und auf besonderen Wunsch bis 35 sein Gehör zu verlieren.
    Ich stehe zu meiner Intoleranz gegenüber Musik im öffentlichen Raum.

    Wenn man noch egoistisch argumentieren will: Wie viele Leute haben einen sicheren Musikgeschmack? Wenn alle ihren Lieblings-Lärm mit 120 Dezibel spazierenführen, werden die meisten TaWo-Leser, mich eingeschlossen, die Stadt verlassen.
    Der Schuss ginge ganz gewaltig nach hinten los.
    Aber das ist das Problem bei Urban-Asozialen: Sie sind so auf sich selbst fixiert, dass sie nicht einmal realisieren, was für eine verschwindende Minderheit sie sind.
    Ich möchte den Tag nicht erleben, an dem jede/-r der 170’000 Einwohner Basels sein Lieblingstück in seiner Nähe ununterbrochen und laut abspielte.

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    1. Ob als Gehhilfe auch laufende Benzinrasenmäher mit Eigenantrieb geduldet sind? Es handelt sich dabei ja um laufenden Verkehr, die Messer kann man wegen der Gefahr ja vorher abschrauben.
      Da man damit nur gehen kann, müssten sie auch im Fussgängerereich geduldet sein.

      Ruhe gibts woanders!

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  3. Wünsche mir nun schon manchmal nichts sehnlicher als ein verregnetes WE… oder einen Wald… Gestern Abend am Rhein entlang… Müll und ‚Musik‘ aus Lautsprechern ohne Ende… eingehüllt in Kifferwolken… Aber eben der Menschenverstand… Wer hat das Patent darauf?

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  4. Einmal mehr würde auch hier eine vernünftige Dosis gesunder Menschenverstand ausreichen… auf beiden Seiten. Auf der einen vielleicht etwas leiser stellen oder bei den Grillnachbarn kurz nachfragen, ob man stört? Und auf der anderen klar gegen laute Belästigung aus irgendwelchen Quellen vorgehen- Gesetz ist Gesetz- schon wahr- aber halt bei „kleinen Fischen“ auch mal fünf gerade lassen sein…

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  5. Das mit dem gesunden Menschenverstand ist so eine Sache, eigentlich weiss ja niemand, was genau das ist. Alle beanspruchen ihn von Zeit zu Zeit als ihren Besitz, aber eben…alle!
    Es ist zwar schade, dass immer mehr Gesetze und Regeln umgesetzt werden (müssen). Aber ich sehe darin eine Chance, dass man auch seinen Raum, die gewünschte Ruhe, den Platz etc. erhält, wenn man nicht zu den Lauten, jeden Platz vereinnahmenden ZeitgenossInnen gehört.
    Zwar hier nicht Thema, hat aber mit der gleichen Arroganz Einzelner zu tun: im Zug wird man höchstens blöd angemacht, „wenns gut geht“ nur belächelt, wenn man bittet, massiv laute Handymusik (oder was als solche gelten mag) etwas zu drosseln.
    Ich wollte nie zu denen gehören, die meckern. Nur scheint mir die Grenze erreicht, alles zu ertragen scheint mir auch nicht die Lösung zu sein.
    Aber in der S-Bahn Regeln umzusetzen würde bedeuten, dort auch wieder zuständiges Personal zu haben! Dieser Appell geht an die SBB.
    Und nun wieder zurück zur Allmend….

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    1. @thea

      ruhe, gar stille, ist luxus pur – so empfind ich das.
      in meinem nächsten leben werd’ ich dann mal den blaugelben tonfresser erfinden, der allen lärm wegfrisst (und natürlich werd ich auch in aller stille saureich dabei).
      bis es soweit ist …
      ja, lärmbefrachtung ist was ganz übles – wenn die kiz mal nur ihren eigenen stumpfsinn einpfeifen … geht grad noch zur not. schlimm find ich jene, die zu ihren unmittelbaren lärmempfängern immer so laut sprechen, dass sie damit auch weitere – insbesondere mich – bedienen wollen.
      und ich HASS das.
      mich interessiert nicht im geringsten, ob jemandem des neue gleis zum ersten mal aufgefallen ist. «das dort hinten, hesch gseh?», und noch viel weniger, wenn erwachsene mit ihren kindern immer so laut sprechen (die armen kerlchen!), dass jede einzelne pädagogische massnahme – «ich hab’s dir schon vorher gesagt: vor dem essen bekommst du keine gummibärli. nein, deswegen muss du auch nicht anfangen zu weinen– ICH HAB’S DIR GENAU GESAGT – UND JETZT SEI RUHIG!» – , dass man mich quasi miterzieht … mich zum mitwisser dieser absolut einzigartigen diskussion macht.
      (und ja: ich hass das, echt!)

      «… ich hab’s genau kontrolliert: unser flug wird immer noch nicht avisiert – das gibt eine verspätung von minimal … und der anschlussflug: null chance … wenn nicht … blablübla»

      (jaja: ich mag das nicht!)

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    2. @ Chröttli:
      Das Pflänzchen bräuchte Naturschutz, da es sonst ratzekahl ausgerissen würde!

      Von wem wohl?

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  6. Wenn der gesunde Menschenverstand fehlt, braucht es Regeln, die durchgesetzt werden.

    (Und die gelten halt für alle, sonst wär’s Willkür.)

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