Widerstand gegen sexistische Berichterstattung

Politiker und Feministinnen lancieren eine Petition gegen frauenfeindliche Berichterstattung. Im Fokus steht der Fall der Zuger Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin und des SVP-Kantonsrats Markus Hürlimann. Fragwürdiger Höhepunkt: Das mutmassliche Vergewaltigungsopfer ist für einen Humorpreis nominiert.

Die Jury des Arosa Humorfestivals behält sich vor, die Nominierung von Jolanda Spiess-Hegglin rückgängig zu machen. (Bild: Nils Fisch)

Politiker und Feministinnen lancieren eine Petition gegen frauenfeindliche Berichterstattung. Im Fokus steht der Fall der Zuger Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin und des SVP-Kantonsrats Markus Hürlimann. Fragwürdiger Höhepunkt: Das mutmassliche Vergewaltigungsopfer ist für einen Humorpreis nominiert.

Es wirkt wie ein geschmackloser Witz: Die Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin und der SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann sind dieses Jahr am Arosa Humorfestival für einen Preis nominiert. Sie sollen den «Schneemann» erhalten, eine Auszeichnung für Realsatire.

Die Veranstalter des Humorfestivals schrieben Mitte Januar: «Seit Tagen wird in den Medien über den Zuger Sex-Skandal berichtet – hatten die Grüne Jolanda Spiess und SVP-Mann Markus Hürlimann Sex? Waren K.o.-Tropfen im Spiel? War ein weiterer Politiker beteiligt? Fragen über Fragen, die durchaus auch zum Kopfschütteln und Schmunzeln verleiten.»

Die Geschichte war in den Boulevard-Blättern zuvor lange Zeit Thema Nummer eins. Es geht um Vergewaltigungsvorwürfe: Es ist offen, ob der SVP-Kantonsrat der Grünen Politikerin K.o.-Tropfen in ein Getränk mischte und ob an dem Abend Geschlechtsverkehr zwischen den beiden stattfand.

Begriff «Sex-Skandal» sei verharmlosend

Auf Anfrage hält die Sprecherin des Arosa Humorfestival fest, dass die Nomination nichts mit den Geschehnissen an der Landammanfeier zu tun habe, «sondern vielmehr mit den realsatirischen Medienauftritten im Nachgang».

Einigen Politikern und Aktivisten blieb bei diesem Umgang mit den Vergewaltigungsvorwürfen das Lachen im Halse stecken. Gestern lancierten prominente Persönlichkeiten sowie Aktivisten eine Petition «gegen frauenfeindliche Berichterstattung», wie die NZZ berichtet. Die Petenten monieren ein «sexistisches Weltbild» derjenigen, die unstatthaft über den Fall berichten. 

Unter den Erst-Unterzeichnern ist auch die Netzaktivistin Anne Wizorek. Sie findet Begriffe wie «Sex-Skandal» oder «Sex-Affäre» verharmlosend, «mutmassliche Vergewaltigung» sei angesichts der bekannten Fakten das richtige Wort. «Eine solche Art des Berichtens ist schlicht fahrlässig», sagt sie in Hinblick auf die Verarbeitung durch die Boulevardmedien.

Unverständnis und Empörung über die Nomination

Eine derart sexistische Berichterstattung sei nicht nur für die Beteiligten problematisch, «sondern auch für andere Menschen, denen sexualisierte Gewalt widerfahren ist». Sexuelle Übergriffe würden so noch viel seltener angezeigt, die Taten würden eine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren.

Innerhalb von zwei Tagen haben annähernd 500 Personen die Petition unterschrieben. Im Netz mischen sich Unverständnis und Empörung – insbesondere über die Nominierung des Arosa Humorfestivals.


Den Schneemann für das Jahr 2014 erhielt Geri Müller. Dass die Nomination von Spiess und Hürlimann heikel ist, hat die Festivalleitung erkannt. So behält sich die Jury vor, die Nomination allenfalls zurückzuziehen, «falls in dem Fall eine Straftat festgestellt würde.»

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