Wir Gottlosen

Die jüngste Generation ist die erste, die mehrheitlich ohne religiöse Erziehung aufwächst. Wird sie auch freier sein?

(Bild: Domo Löw)

Die jüngste Generation ist die erste, die mehrheitlich ohne religiöse Erziehung aufwächst. Wird sie auch freier sein?

Meine Grosstante wollte bei ihren seltenen Ausflügen, die sie aus dem Toggenburg hinausführten, an jeder Station zuerst die katholische Kirche sehen. Fehlte die Kirche, verliess sie das Dorf.

Wir besuchten sie einmal im Toggenburg. Ich erinnere mich an eine gebeugte, verhutzelte Frau in einem dunklen Kleid. In den Händen hatte sie einen Rosenkranz, an den Wänden hingen Heiligenbilder. Als ich ihr vorgestellt wurde, strich sie mir über den Kopf und murmelte: «Herrgott segne dich.» Es war das Einzige, was sie je zu mir sagte.

Die Begegnung mit meiner Grosstante war ein spiritueller Ausschlag nach oben. Meine restliche katholische Kindheit und Jugend verliefen in Sachen Religiosität eher durchschnittlich. Wir gingen an den Sonntagen häufiger zur Kirche als nicht. Erstkommunion im weissen Gewand, Rahmschnitzel und Nüdeli, Pilgerfahrten mit dem Firmunterricht nach Assisi und zu Bruder Klaus, endlich die Firmung selber, Rahmschnitzel und Nüdeli und Kuverts voller Geld.

Die Religion war ein fixer Bestandteil des Lebens, aber kein prägender. Nur vage kann ich mich an das Raunen der Verwandten erinnern, als ein Grosskind reformiert statt katholisch getauft wurde.

Heute, als Erwachsener, bin ich so weit von der Kirche entfernt, wie es nur möglich ist.

Heute, als Erwachsener, bin ich so weit von der Kirche entfernt, wie es nur möglich ist. Zu selbst­sicher waren mir die Pfarrer schon in meiner Jugendzeit, ihre Predigten liessen keinen Raum für Zweifel. Die Institution Kirche mit ihrem Papst und ihrer blutigen Geschichte: Schon als Jugendlicher war das untragbar.Dennoch bin ich nicht ausgetreten, noch immer zahle ich brav die Steuern und weiss nicht warum.

So wie ich vieles nicht weiss. Was hat die katholische Erziehung mit mir gemacht? Was schulde ich der katholischen Kirche, was schulde ich diesem Teil meines Lebens? Und dann natürlich die Gott-Sache. Als rationaler Mensch weiss ich. Als von der Kirche geprägter Mensch weiss ich nicht so recht.

Eine neue Generation ohne Gott

Innerlich gehöre ich, trotz nomineller Mitgliedschaft, zu jenem grössten Teil der Gesellschaft, der säkular lebt und für den Religion im Alltag keine Rolle mehr spielt. In Basel sind 44,8 Prozent der Bevölkerung «ohne Zugehörigkeit», die meisten sind ausgetreten. Leben wir in einer Gesellschaft der Gottlosen? Der Gottfremden?

Vor einer Woche widersprach die Religions­wis­senschaftlerin Lilo Roost im TagesWoche-Interview: «Es kann nicht die Rede davon sein, dass die Leute nicht mehr glauben. Unsere These ist die, dass mindestens die Hälfte der Ausgetretenen sich nach wie vor als Christen und Christinnen verstehen.»

Nun gut. Was immer das heissen mag. Der springende Punkt ist: Die nun heranwachsende Gene­ration wird die erste sein, die mehrheitlich ohne ­religiöse Erziehung und Bildung aufwächst. Mit Eltern, die sich bewusst von der Institution Kirche entfernt haben. Schon heute muss man sich erklären, wenn man sein Kind taufen lassen möchte. Vor 20 Jahren war es noch umgekehrt. Unsere Kinder leben in völliger Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben. Sie leben in einer Welt, in der man am Sonntag brunchen geht und nicht zur Kirche.

Was antworte ich meinem Sohn, wenn er mich nach Gott und Himmel und Hölle fragt?

Was bedeutet diese Religionsferne für die heranwachsende Generation? Wird ihr etwas fehlen? Wird sie tatsächlich freier sein? Oder ganz einfach gefragt: Was antworte ich meinem Sohn, wenn er irgendwann einmal nicht mehr das Geräusch eines Elefanten von mir hören möchte, sondern mich nach Gott und Himmel und Hölle fragt?

Mir fehlen die Gewissheiten und fixen Rituale unserer Eltern; auch wenn ich sie nicht wiederholen möchte. Wir leben nicht nur in einer freien Zeit. Wir leben auch in einer Zeit des vagen Mittelmasses.

Wie viel einfacher müssen es die Freikirchler haben! Dort, in der hartnäckig religiösen Ecke der ­Gesellschaft, herrscht reger Zulauf. Und eine klare Ordnung. Wie immer, wenn es der Masse an Orientierung fehlt, retten sich viele Menschen in die Obhut der strengen Hand, der letzten Instanz.

Die Probleme, sie bleiben aber die gleichen. Nehmen wir Thomi Jourdan, den ehemaligen Regierungsratskandidaten und aktiven Gläubigen. Er ist ein Reformierter ohne Berührungsängste mit Freikirchen, ein vierfacher Vater, der vor jedem Essen betet, er ist Teil einer Worship-Band und geht zweimal pro Woche in ein Gebetshaus.

Sein Glaube sei Teil seines Lebens, seine Wertgrundlage, sagte Jourdan kurz vor dem Wahltag in der «Basler Zeitung», «nicht mehr und nicht weniger. So wie jeder Mensch sein Denken und Handeln auf Wertvorstellungen begründet.» Diese Wertgrundlage möchte er auch seinen Kindern weitergeben, indem er ihnen Lebensprinzipien vorlebt: Selbstverantwortung, ­Eigenständigkeit, Wertschätzung, Nächstenliebe, Ehrlichkeit. «Ich bin mir aber bewusst, dass das Christentum auf diese Werte kein Monopol hat», sagt Jourdan der TagesWoche.

Kein Monopol auf ethische Werte

Ein Monopol nicht. Aber ein gewisses Vorrecht. «Meine Eltern liessen mich suchen und finden. Diese Selbstverantwortung möchte ich meinen Kindern auch geben», sagt Jourdan. Er werde sich davor hüten, die Kinder zu indoktrinieren, radikal eine Richtung vorzugeben. Sie sollen selbst ihren eigenen Weg finden. Selbstverständlich würde es ihn aber freuen, wenn seine Kinder irgendwann zu ihm sagen würden: «Papi, der Glaube, den du lebst, überzeugt mich. Es ist auch mein Glaube.»

Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel von Clara, die hier nicht unter ihrem richtigen Namen zitiert werden will, einer ehemaligen Schulfreundin. Sie wuchs in einer sehr gläubigen Familie auf, Gebet und Geschichten aus der Bibel waren Teil des ­Alltags. Die Familie hatte strenge Regeln und auch einen Begriff von Sünde. Sex vor der Heirat: undenkbar.

Clara wurde schwanger: unverheiratet. Es war kein vorsätzlicher Verstoss gegen die elterlichen und eigentlich göttlichen Regeln; es war mehr eine Anpassung des Glaubenskonzepts an die eigene Lebensrealität.
Clara ist immer noch gläubig und gibt ihren Glauben auch an ihre Kinder weiter. Sie geht regelmässig zu den Messen in die Vineyard-Kirche, aber nicht jeden Sonntag. «Zu Beginn wurden mein Mann und ich komisch angesehen, wenn wir mal fehlten. Aber das hat sich gelegt. Wir leben unsere Beziehung zu Gott nicht für die anderen. Wir leben sie für uns.»

Und für ihre Kinder. Die Beziehung zu Gott spiele in ihrer Erziehung eine wichtige Rolle, aber keine so dominante mehr wie in ihrer Kindheit. Auch den missionarischen Zug hat Clara verloren. «Du musst dein eigenes Ding mit Gott finden. Das gebe ich meinen Kindern weiter.»

Bei Clara war die Grundlage für die erfolgreiche Transformation des Glaubens von einer Generation zur nächsten der bedingungslose Glaube an den einen Gott. Und das ist genau das Problem der fast 45 Prozent in unserer Gesellschaft, die sich «nicht zugehörig» fühlen. Sie glauben vielleicht an irgendetwas, aber es fehlt ihnen die Überzeugung.

Der Weg der Atheisten

Die Überzeugung der Frommen ist auch auf der gegenüberliegenden Seite zu finden: bei den Atheisten, dem bewussten Widerstand gegen die Institu­tion Kirche, ihrem Fantasieprodukt namens Gott und ihren moralischen Regeln, die sie selber nicht einzuhalten vermögen. Obwohl wir in einer durch und durch säkularisierten Welt leben, sind die aktiven Atheisten ebenfalls eine Minderheit. Sie leben ihren Nichtglauben so bewusst wie die Frommen ihren Glauben.

Nehmen wir Maria, eine ehemalige Arbeits­kollegin. Sie stammt aus einem erzkatholischen Elternhaus in der Innerschweiz und verzweifelte schon als Kind an der Widersprüchlichkeit der Glaubensvermittler: «Die moralischen Werte, die sie predigen, werden ja so oft von ihnen selber nicht eingehalten. Oder entsprechen nicht den eigenen Werten. Die Unterdrückung der Frauen, Frauen als Menschen zweiter Klasse oder die Sexualität – was für Christen wie für Moslems gilt: Das ist doch für viele der Grund gewesen, sich von der Religion abzuwenden.»

Widerstand von innen

Als Maria ihrer Tochter im Kindergarten erklären musste, warum sie «nichts» seien, weder katholisch noch reformiert, da versuchte sie ihr zu erklären, warum sie mit so vielem nicht einverstanden sei, was die Kirche predige. Dass das Blütteln beispielsweise eine Sünde sei. «Die Kleine riss entsetzt die Augen auf und sagte: ‹Ui nein, aber Jesus zieht sich doch sicher auch aus, wenn er schwitzt!›»

Maria ist «nicht zugehörig», aber sie ist beileibe nicht orientierungslos. Sie sagt: «Ich und viele andere sind vielleicht moralischer als manche Gläubige.»

Eine solche Überzeugung muss nicht unbedingt in totale Ablehnung der Institution münden. Sie kann auch Widerstand von innen bedeuten, die Rettung von gewissen Werten in unsere materielle Gesellschaft. Die Politologin Regula Stämpfli zum Beispiel sagte in einer Radiosendung kürzlich, dass sie ihre Kinder absichtlich in den Religions- und nicht in den Ethikunterricht schicken würde. «Man kann nur kritisieren, was man auch kennt», sagte Stämpfli, und in einem hingeworfenen Nebensatz ergänzte sie: «Das Einzige, was ich meinen Kindern mitgeben möchte, ist Liebe.»

Wie kann mein Sohn Antworten von jemandem erwarten, der auch nur Fragen hat?

Auf Nachfrage konkretisiert die Politologin: «Meinen Kindern habe ich den Sinn für das Grössere vermittelt, indem wir griechische Mythen, die Sagen anderer Länder und auch Bibelgeschichten erzählt, diskutiert, transformiert haben. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die meisten Menschen meinen, Kinder seien Gefässe, die einfach nur abgefüllt werden müssen. Das ist ein völlig verqueres Menschenbild.» Sie habe sich nie überlegt, welche Werte sie ihren Kindern vermitteln möchte oder welche Wahrheiten. «Ich habe sie einfach vorgelebt und den Kindern immer die Freiheit gegeben, ihren eigenen Standpunkt und ihre eigenen Fragen zu entwickeln.»

Dabei sträubt sich Stämpfli nicht per se gegen die Inhalte der Kirche. Aus atheistischer Sicht sei der Abschied von den fundamentalistischen Kirchen ein Fortschritt. «Aus menschlich-philosophischer Sicht ginge es darum, einige Werte, welche in der Kirche wenigstens rhetorisch beschworen werden, auch in unserer materialistischen Gesellschaft zu bewahren.»

Religion als Selbstbedienungsladen

Dieser letzte Punkt führt uns geradewegs zum letzten Ausweg. Zur Philosophie, in ihrer simpelsten und populärsten Form. Also zu einem Bestseller-Autor wie Alain de Botton. Der Sohn eines Schweizer Bankiers hat diesen Frühling ein Buch mit dem Titel «Religion for Atheists» herausgegeben (bisher nur auf Englisch). Ein Bestseller und Aufreger: Atheisten werfen ihm vor, Religion auf eine subversive Art wieder salonfähig machen zu wollen. Fromme beklagen die Selbstbedienungsmentalität, mit der de Botton durch die Weltreligionen marodiert und sich genau das herauspickt, was seinen Zwecken dient.

De Botton macht in seinem Buch beides: Er will Atheisten und Religion miteinander versöhnen. Die säkulare Welt habe viel zu grosse Berührungsängste mit allem, was auch nur im Entferntesten an Glauben, Religion oder gar Institution erinnere. Und das sei falsch. Es gebe viele religiöse Konzepte, die die säkulare Gesellschaft befruchten würden.

Das Konzept der Gemeinschaft etwa, der Vergebung, der Freundschaft, der Moral. Es sei eine Schande, dass die Kirche all diese im Grunde wunderbaren Rituale für sich alleine haben möchte. Bei Weihnachten, da habe es schon im Sinne der Atheisten geklappt: «Vieles von dem, was das Beste an Weihnachten ist, hat nichts mehr mit der Geburt von Christus zu tun.»

Schlau, anregend – aber sehr utopisch

Einen der tröstendsten Sätze schreibt der Philosoph ganz zu Beginn seines Buches: «Obwohl es anregend sein kann, über die Existenz von Gott zu streiten, ist das nicht der Kern des Problems. Es geht vielmehr darum, was jemand tun soll, wenn er entschieden hat, dass Gott offensichtlich nicht existiert.» Von da aus geht de Botton weiter. Er schlägt Restaurants vor, in denen man sich mit Fremden über existenzielle Fragen unterhalten kann. Allgemeine Tage der Vergebung, das Konzept der Gelassenheit in der Gegenwart des unendlichen Alls und so weiter und so fort.

Das ist alles sehr anregend und schlau. Aber auch sehr utopisch. Die Weisheit des Glaubens gehöre uns allen, schreibt de Botton zum Schluss, «die Religionen sind zu nützlich, zu effizient und zu intelligent, um sie den Religiösen alleine zu überlassen.» Ein monströser Satz, der eine einfache Frage offen lässt: Wie soll das denn gehen, bitteschön?

Nach unserer religiösen Spurensuche haben wir also:

Die Freikirchler mit ihren Gewissheiten.
Die Atheisten mit ihrem aktiven Widerstand.
Den Denker, der sich aus den Religionen bedient.
Und die grosse Masse der Orientierungslosen, die genau so schlau ist wie zuvor.

Wie soll man einem Kind etwas weitergeben, das man für sich selber nicht genau formuliert hat, nicht genau formulieren kann? Wie kann mein Sohn Antworten von jemandem erwarten, der auch nur Fragen hat? Und das betrifft ja beileibe nicht nur die Religion. Mein Gott!

Noch bleibt glücklicherweise etwas Zeit. Die Elefantengeräusche, die kann ich wirklich gut.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 02.08.13

Konversation

  1. Weil sie mit dem Bewusstsein aufgewachsen sind, dass die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Demoratie, sowie die Menschenrechte gegen Religion erkämpf werden mussten!

    Und weil es in der Welt viel wichtigeres gibt, als einer alten Männerbund-Mythologie nachzuhängen!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Inhaltlich gehe ich mit Ihren Erörterungen zu Humanismus und aufklärung vollkommen d Accord… Was aber noch Anzufügen wäre ist. dass „Humanismus“ als wegbereiter des „Age of Enligthment“ ums mal Anglophon zu sagen Geistesgeschichtlich UNDENKBAR ist ohne die vorangegangene 2Epoche“ der Scholastik- eine also eine INNER-Kirchliche , INNER-„christliche“ Tradition des in Frage stellens und nicht Automatisch für wahr haltens- – ohne Irgendjemanden Äergern oder Beleidigen zu wollen merke ich an dass eine SOLCHE Tradition im Islam bis heute nicht zustande kam!- derjenige deraber noch VOR allen Christlichen Scholastikern wie Anselm von Canterbury, Albertus Magnus oder thomas von Aquin kam war- ein Jude- Moses Maimonides mit namen- Autor des „Führers der Unschlüssigen“ ein Werk auf das sich in der folge die O.G. Scholastiker sehr gern bezogen- über viele Verschlungenen Weg kann alos sogar aus eine Glaubensgemeinschaft heraus (der ich schon lange nicht mehr angehöre) Aufklärung und Erleuchtung für die Menschheit erwachsen und auch die „Erben“ der Scholastik, sprich die Großen Humanisten wie etwa Erasmus waren ja alles andere als „Gottlos“- man kann über diesen Großen Gelehrten der im Basler Münster seine letzte Ruhestätte fand, sagen was man will- Atheist war DER nicht !

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Entwerfen Sie doch eine Bibel für Hunde oder, falls Sie ungeduldig sind, eine für Schimpansen. Ma gucken wie lange es geht bis die lesen und danach verstehen können. 🙂 Spass bei Seite, ich wollte nur sagen dass man nicht von einem Glauben in den andern flüchten sollte. Man sollte sich nicht unterdrücken lassen, aber auch nicht unterdrücken… so in etwa. Einfach etwas tolerant sein.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. Von einem Gott, der für mich wert wäre an ihn zu glauben, würde ich erwarten, dass er eine Bibel entwirft, die nicht erst nach 2000 Jahren vom Menschen richtig verstanden wird.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  5. Humanismus und Aufklärung sind wohl die Antwort und die Vernetzung, welche über alle Religionen und Haltungen gelegt werden können.
    Am Inhalt des Humanismus und der Aufklärung können sich diejenigen richten, die an keinen Gott glauben, sowie diejenigen, die religiöse Gesetze auf unsere Zeit umlegen wollen. Es ist einzig schwierig für diejenigen, die an den traditionellen Werten der einzelnen Religionen festhalten, und für Zölibat, gegen Abtreibung, Beschneidungen etc. einstehen. Auch diejenigen dürfen natürlich an ihre Überzeugung glauben, aber ob sie der Gegenwart damit gerecht werden, bleibt deren ihr Problem.
    Wir Älteren mussten oder müssen immer noch die Auseinandersetzung mit dem Glauben mit einem schlechten Gewissen bezahlen. Unseren Kindern, welchen wir die humanistische und differenzierte Lebensidee vermittelt haben, werden diese Bürde bereits weitestgehend abgelegt haben, oder es zumindest leichter haben, als wir. Humanismus wird in Zukunft der einzige Weg sein, wenn wir auf einer stetig „kleineren“ Erde, die begrenzten Ressourcen gerecht verteilen wollen. Religionen werden nicht weiterhelfen, die Probleme der Zukunft zu lösen. Im Gegenteil: es wird erforderlich sein, sich einen Schritt von den Religionen zu entfernen, und die Probleme ohne rechthaberische Gottesauslegungen gemeinsam anzugehen.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  6. …hitchens die Lichter aufgehen! 🙂 Es ist ja Nobelpreisverdächtig Gräueltaten und Misstände im Namen der Religion aufzuzählen. Wow! Mindestens so witzig finde ich die Tatsache, dass gewisse Atheisten mindestens so fanatisch sind wie ihre (Nicht-?)Brüder im Geiste… Gewisse Atheisten halten sich für so erleuchtet, dass sie mitleidig oder geekelt auf die armen, dummen Gläubigen, welche nicht raffen können, dass es Gott nicht gibt, herabblicken. Wie friedlich wäre die Welt doch ohne sie? Solche Gedanken waren in einem anderen Kontext die Keimzelle des Wahns mancher Schlächter. Und ja, die Keimzelle der Aufklärung sind die christlichen Werte, das darf man getrost so sagen. Eigentlich war die Aufklärung das konsequente zu Ende denken der Thesen des Nazoräers. Mit der Umsetzung happerts allerdings wegen unserer Natur. 🙂

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  7. Lieber Herr Loser,

    Die von Ihnen genannten „christlichen Werte“ sind mehrheitlich die Werte der Aufklärung und des Humanismus. Sie können also ohne Probleme Ihr Kind auch ohne die Religion und vielleicht sogar besser moralisch erziehen! Problem gelöst!

    Alain de Botton bedient sich bei den Religionen und pickt nur heraus, was ihm gefällt? Genau das tun die Gläubigen doch selbst. Welcher Christ glaubt heutzutage schon noch, dass die Frau das Eigentum des Mannes ist, oder dass Sklavenhaltung erlaubt sein sollte?

    Ich empfehle bei Zweifeln gern das Buch „Der Herr ist kein Hirte“ von Christopher Hitchens. Da gehen einem so einige Lichter auf.

    Grüsse
    Euphorie

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  8. Es ist genau so, wie Sie es sagen: Ich weiss es (noch) nicht. Deshalb aber an eine nicht falsifizierbare göttliche Ordnung zu glauben, ist für mich keine Lösung. Da bin ich lieber unwissend und glücklich.

    Meine Moral und Ethik ist natürlich, wie die ganze abendländische Kultur, sehr stark von christlichen Werten durchdrungen. Dies hat aber nichts mit Glauben zu tun, sondern mit der Regelung des Zwischenmenschlichen Zusammenlebens.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  9. … Merkwürdig- SIE sind also der Ansicht „die Luft,ein Stein, ein Ozean seien per se „Sinnlos? Nun -DAS nenne ich eine schwerverdauliche Idee !
    nur weil Sie oder ich nicht auf anhieb der Sinnhaftigkeit von Irgendetwas teilhaftig werden, heisst das noch lange nicht dass diese „rätselhafte Sache“ an sich Sinnlos sei, wer sind Sie- wer bin ich, dass wir dies wüssten oder zum Urteil darüber berufen wären ??
    Und wenn Sie schon pingeligst den Gebrauch des Wortes „Glauben“ bemängeln – dann lassen Sie sich bitte von einem Partout Religiösen wie mir sagen, dass Ausgerechnet ein Partout Atheist wie Friedrich Nietzsche (Jawohl ausgerechnet DER – ebenfalls einer der in Basel gewirkt hat- nicht wahr?) folgendes Wundervolle Wort darüber geprägt hat :
    „Der Gläubige- ist das genaue Gegenteil des Religiösen“
    (und umgekehrt!)…
    Wissen sie was ? Nietzsche hat Recht ! und in diesem Sinne bin ich gerade NICHT „gläubig“- aber eben Religiös !
    ein schönes Wochenende noch allen Kleingläubigen !

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  10. Das Wort „glauben“ sagt eigentlich schon alles. Wozu glauben, wenn man auch wissen kann? Glauben bringt mich nicht voran, es kann mir nichts erklären, da es ja per definition nicht beweisbar sein muss.

    Wenn ich schon Gedankenexperimente zum Sinn oder Unsinn des Lebens machen will, dann halte ich mich dabei lieber an (natur)wissenschaftlich belegbare Theorien. Aufgrund einer davon, die auf der Evolutionstheorie basiert, ist das Leben als solches höchstwahrscheinlich völlig sinnfrei, respektive hat den selben Sinn, wie die Luft, ein Stein oder der Ozean. Eine wahrlich schwer verdauliche Idee.

    Da dies aber noch reine Spekulationen sind und der wissenschaftlichen Abklärung harren, geniessen wir doch unterdessen einfach unser Leben.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel