Wohnungen in Basel werden grösser statt zahlreicher

Im vergangenen Jahr entstanden in Basel nur 370 statt der geplanten 500 Wohnungen – weil die Architekten vor allem auf Grösse setzten. So lässt sich die Wohnungsnot nicht bekämpfen.

(Bild: Nils Fisch)

Im vergangenen Jahr entstanden in Basel nur 370 statt der geplanten 500 Wohnungen – weil die Architekten vor allem auf Grösse setzten. So lässt sich die Wohnungsnot nicht bekämpfen.

Im äusseren St. Johann, zwischen Volta- und Vogesenplatz, entstand in den vergangenen zehn Jahren ein neuer Quartierteil. «Pro Volta» war eines der grössten Aufwertungsprojekte, die Basel je erlebt hat. Der Basler Stadtplaner Fritz Schumacher sprach von «einem neuen Stadtzentrum».

Mit dem Bau der Nordtangente verschwand die Autobahn unter die Erde und erlöste das Quartier vom Durchgangsverkehr. Die Stadt liess ganze Häuserzeilen abreissen und verkaufte den Boden an private Investoren.

Wochenthema Wohnungsnot

Lesen Sie mehr über den Wohnungsmangel in Basel in unserem Dossier.

Verdichtung bleibt auf der Strecke

Anstelle von günstigen und kleinräumigen Wohnungen entstanden innerhalb weniger Jahre moderne Überbauungen mit Wohnraum im oberen Preissegment. Die vielgeforderte städtische Verdichtung blieb jedoch auf der Stecke und die Einwohnerzahl ging zurück: Vor Beginn der Bauarbeiten lebten 2300 Menschen zwischen Volta- und Vogesenplatz. Heute, nachdem fast alle Wohnungen vermietet wurden, sind es noch 2000.

Das Gebiet Pro Volta ist dabei kein Einzelfall. Die Wohnungen in Basel werden immer grösser. In den letzten sechs Jahren gebaute Wohnungen waren im Schnitt 99 Quadratmeter gross – das sind 18 Quadratmeter mehr als im städtischen Durchschnitt.

Von Quartier zu Quartier variiert die Grösse der Wohnungen deutlich, wie diese Grafik zeigt.

Insgesamt entstanden letztes Jahr in Basel-Stadt 370 neue Wohnungen. Sein Ziel hat der Kanton damit verpasst. Um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten, wären mindestens 500 nötig gewesen.

Die Schlussfolgerung ist einfach: Hätten die Investoren etwas kleiner gebaut, gäbe es mehr Wohnungen und die Leerstandsquote wäre voraussichtlich weniger tief.

«Die Schwächsten trifft es am stärksten»

Patrizia Bernasconi, Grossrätin des Grünen Bündnisses und Geschäftsleiterin des Basler Mieterinnen- und Mieterverbands spricht von einem «riesigen Widerspruch». Wolle man Platz für mehr Menschen schaffen gebe es nur eins, «kleiner bauen». Doch für private Investoren seien grosszügige Wohnungen meist lukrativer.

Aus Sicht von Bernasconi liegt die Verantwortung deshalb beim Kanton. «Wenn die Behörden das Wohnraumproblem ernst nehmen, dann müssen sie mehr Einfluss nehmen». Denn wenn die Entwicklung anhält und Wohnraum weiterhin so knapp bleibe, treffe das die Schwächsten. «Kleinverdiener oder Arbeitslose, die bereits in der Vergangenheit Mühe hatten eine Wohnung zu finden.» Mögliche Massnahmen seien Baurechtsvergaben und Bebauungspläne, die mit klaren Vorgaben verknüpft seien.

Konversation

  1. @la eser; eben genau sollte es dann sein: Dass eben gerade auf dem Bruderholz, im Gellert, Genossenschaftswohnungen erstellt werden, zum Ausgleich der Bevölkerungsstruktur, und andererseits in Arbeiterquartieren besserer Wohnraum entsteht.

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  2. Wohnansprüche und Stadtentwicklung zusammenzubringen, das ist eine Aufgabe, welche die Politik als Ganzes kaum erfüllen kann. Zu unterschiedlich sind auch die Ansprüche. Ein paar Beispiele dazu: Ich stelle einfach fest, dass in den letzten paar Jahren es nicht mehr sonderbar ist dass in einer geschiedenen Familie jedes Elternteil eine 4- Zimmer Wohnung beansprucht, dass – falls die Kinder am Wochenende bei Pappi sind, sie es dort genauso grosszügig haben. Selbst links wählende Schichten betrifft dies. Eine vierköpfige Familie will ja grundsätzlich schon mal eine 5- Zimmerwohnung, damit man noch ein Zimmer fürs Büro hat. Ich möchte hier nicht eine Neiddiskussion führen, ich stelle einfach fest. Auch Leute mit Unterstützungspflichten haben teilweise 3- Zimmer Wohnungen. Und dann soll es dann am Schluss noch genug für alle Wünsche geben, plus die Zuzüger? Träumen ist geschenkt. Und @Ia eser: Gute soziale Durchmischung ist wichtig, einverstanden. Aber was ist, wenn in einem Quartier im jetzigen Zustand 68 % der Haushalte keine Steuern mehr bezahlen ? Schreit das nicht nach einer besseren Durchmischung? Ganz gleich aus welcher Schicht man stammt ? (Ich bin in Kleinhüningen aufgewachsen…)

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  3. Also mit dieser Leerstandsquote von Wünschen zu schreiben, die der Markt halt in ein Angebot umformt ist Stuss!
    Wie auch immer gelöst, ob mit Genossenschaften oder anderweitig staatlich subventioniertem Wohnraum für Wenigverdiener, kann man eine Soziale Durchmischung auch bei Wohnungsnot aufrechterhalten. Und dass sollte unser aller Ziel sein, egal in welcher „Schicht“ man zuhause ist. Siehe englische oder Pariser Vorstädte…

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  4. @ Ruf und Weber (Bezüglich Otto): Natürlich wollen die meisten eine möglichst grosse Wohnung für ihr Budget. Allerdings wolle sicher alle einfach mal eine Wohnung. Wenn nun der Leerstand so klein ist, können die Invetoren das Angebot ganz einfach nach eigenem Vorteil bestimmen und die Nachfragenden müssen halt nehmen was es gibt. So hat man dann vielleicht am Ende ein paar Quadratmeter mehr in der Wohnung und dass ist ja eigentlich noch schön, dafür muss man halt auf die Winterferien in Adelboden verzichten. „Aber weisst du in der Wohnung sind wir das ganze Jahr und die Sportferien sind doch eigentlich e nur Stress. “ Soviel zu Otto.
    Ach Scheisse Fritzli konnte sich die Sportferien ja so wie so nie leisten, aber der findet sicher was in einer alten 70er-Jahre-Überbaung in Kaiseraugst,… oder so…

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  5. @Meury: Otto hat einen deutlich höheren Lohn als den Mindestlohn. Otto entspricht dem Normal- nicht dem Geringverdiener. Das letzterer kein 150m2 Loft sondern ein bezahlbares Dach über dem Kopf sucht ist klar und auch sicher ein Schwachpunkt der jetzigen Situation, wenn er dies nicht mehr findet. Aber er ist eben trotzallem nicht „Otto Durchschnitt“ und Wohnungen sollten für alle nicht nur für Geringverdiener gebaut werden. Und Otto wünschen sich, und hat Ruf halt eben recht, eben immer grössere Wohnungen – und dies ist, ob gut oder schlecht, ein Fakt und nicht die Schuld der Investoren oder Architekten.
    Denn jeder versucht im Rahmen seines Budgets halt eine möglichst schöne und grosse Bleibe zu kaufen/mieten, oder leben sie freiwillig auf 20m2? Und je mehr grosse Wohnungen es gibt, desto günstiger werden diese im Vergleich…. das Problem ist dass dies auf Kosten der kleinen noch viel günstigeren Wohnungen geschieht welche „Fritzli Habnichtviel“ sich leisten könnte. Von „Klaus Schwimmimgeld“ müssen wir gar nicht erst sprechen, der kann sich eh alles leisten.

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  6. @meury

    haben Sie sich ein mandat ergattert 😉

    nicht der kunde hat sich dringlichst iphone, jacuzzi oder kalaschnikov gewünscht – jemand hat’s erfunden und produziert, den wunsch genial suggeriert und verkauft’s nun prächtigstens.
    das weiss der politiker/klientel-bewirtschafter ganz genau.

    alle wünschen sich mittlerweile mehr raum, mehr umschwung, freie sicht auf die alpen, parkplatz und autobahnanschluss direkt vor der bude – wer von denen hat für die fusion gestimmt, die triregio?
    die ganze argu beisst sich in den schwanz.

    zudem verfügt der freie markt mit seiner nobelkundschaft so wie’s aussieht über 27 liturgisch geprüfte verkaufsbegleiter seitens des präsidialdepartements: reicht doch, oder?

    den boden der spekulation entziehen!

    ps: wenn pro neugeschaffene wohneinheit zb eine satte jährliche prämie winkt – hui wie schnell rechnet der investor nach: wieviele einheiten bring ich da in meine liegenschaft rein? Und wie schnell wird anschliessend behauptet, der kunde wünsche sich nun mal wohn-schuhschachteln …

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  7. Bei aller Polemik sei doch angemerkt, dass das BFS noch im 2007 von einer rückläufigen Anzahl Haushalte für Basel-Stadt ausging. Die Planung für „Pro Volta“ geht wohl noch deutlich weiter zurück – die Anfänge liegen wohl noch im letzten Jahrhundert. Aufgrund der damaligen Planzahlen war wohl die Strategie richtig. Wenn wir also heute nach mehr Wohnraum schreien, dann sollten wir uns dabei auch mit den Szenarien auseinander setzen, wie dann in 10 Jahren, wenn der neue Wohnraum zur Verfügung steht, die Nachrage aussieht…

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  8. @s chröttli

    Mandat, klar doch!

    Ich habe gedacht, da die ganzen Ämter bei den Wohnungsfragen offensichtlich aussenvor sind und dazu nichts Essentielles zu sagen haben, muss man zumindest die Adressaten ins Spiel bringen. Also: Immobilien Basel-Stadt und Kantons- und Stadtentwicklung wären für’s Thema die richtigen Sparringspartner. Vielleicht hat die Tagswoche vergessen diese Stelle in den Diskurs zu involvieren, oder die Damen und Herren sind schon in den Skiferien. Zumindest bei der Stadtentwicklung weiss man, dass der Chef sich jetzt mit der national wichtigen Fragen der Ausbreitung der Hanf-Indoor-Anlagen beschäftigt (quasi: Back to the roots…) und die Restcrew wird sich mit den offenen Fragen, um die zukünftige Freiraumentwicklung und Finanzierung der ART-Dependance an der Uferstrasse beschäftigen. Die Wohnungsknappheit ist leider ein marginales und eher lokales Phänomen, das ist eine Schuhnummer zu klein für Kessler…..

    Offensichtlich – es ist in einem Blog vorgeschlagen worden – kann man die Wohnungsnot auch mit einem neuen Rechnungsschlüssel lösen. Devise: Wer lange rechnet generiert vielleicht noch ein paar Restwohnungen, oder löst die Wohnungsnot generell.

    Wir bleiben in der Zwischenzeit also dabei: Der Boden darf a) nicht verscherbelt werden und b) muss der Spekulation entzogen werden. Zudem: Die Wohnungsnot kann man nicht mit dem Markt bekämpfen, sondern nur mit der Politik. Also müssen entsprechende Initiativen ergriffen werden.

    Anregung: Es gibt noch ein paar weitere Immobilienbesitzer, welche zum Thema befragt werden könnten. Die Kirchen sind auch bei uns ziemlich gut im Immobiliengeschäft integriert. Von Deutschland kennen wir jetzt die ersten Zahlen: Das Erzbistum Köln besitzt Wertschriften und Immobilien im Wert von 3.35 Milliarden Euro. Anmerkung: Papst Franziskus ist gegen den „Fetischismus des Geldes“. Er geißelt sogar den «Götzendienst am Reichtum». Also liebe Glaubensbrüder macht auf das Tor und lasst die Schäflein in euren Immobilien Wohnung nehmen…

    Man könnte auch einer der grösseren Immobilienbesitzer in unsere Stadt, die Christoph Merian Stiftung, zur Wohnungsnot befragen. Was hält die Stiftung von der Wohnungsnot? Und was unternimmt sie dagegen? Oder handelt man hier standesgemäss und orientiert sich eher an der Mittel- und Oberschicht?
    Die CMS hat doch genügend Kohle & Land, um hier vorbildhaft ein paar Projekte im Bereich des sozialen Wohnungsbaus zu lancieren. Quasi Pilotprojekte, um in ihrer üblichen Vorbildfunktion zu zeigen, was möglich ist….
    Die offiziellen Ämter scheinen diesen Fragen gegenüber eher paralysiert zu sein.

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    1. @meury

      😉
      für den unbedarften citoyen bleibt’s zumindest gewöhnungsbedürftig, dass ein engagierter einzelkämpfer wie Sie zum nulltarif jene inhaltlichen ingredienzen nachschiebt, die vermutlich auf den entsprechenden homepages stehen …
      fraglich einfach, ob die chef-etage diese aufschlussreichen profile je befragt hat … «steht ja alles da – so what»
      tipp: für reden und interviews kann man ja gewisse passagen auswendig lernen.

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  9. @Karl Linder: Ich bin vollkommen einverstanden mit Ihnen. Auch wenn viele Kleinhüninger dagegen sind, denke ich wird diesem Quartier die bevorstehende Aufwertung nicht schaden. Sondern im Sinne einer besseren Durchmischung eher helfen. Aber diese Aufwertung ist bereits kräftig im Gang und wird in den nächsten Jahrzehnten auch sicher nicht stoppen siehe Hafenstadt, evtl. Rheinhattan, usw. Während so alle Quartiere ähnlich wie Kleinhüningen mit rasantem Tempo aufgewertet werden (z.B. Matthäus), oder bereits tüchtig aufgewertet wurden (St. Johann). Werden z.B. im Neubad, Gellert oder auf dem Bruderholz wohl kaum zusätzliche Wohnungen im billigen Preissegment erstellt werden…

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