Zu viel Polizeibesuch: Das «Podium» macht Schluss

Genug von Razzien und Rambazamba: Sacha Roche schliesst das Kleinbasler Lokal «Podium» und sucht nun ruhigere Gefilde für Basels Nachtschwärmer.

Sacha Roche ist die Lust am Kampf vergangen: «Für mich ist klar, dass die Behörden zusammenspannen, um mich zu bodigen.»

(Bild: Olivier Joliat)

Genug von Razzien und Rambazamba: Sacha Roche schliesst das Kleinbasler Lokal «Podium» und sucht nun ruhigere Gefilde für Basels Nachtschwärmer.

Wegen des Lokals «Podium» muss die Polizei nicht mehr an die Amerbachstrasse ausrücken. Der letzte Hafen für viele Kleinbasler Nachtschwärmer ist geschlossen. «Soll es nicht sein, so soll es nicht sein», beschreibt Betreiber Sacha Roche seine Gemütslage und sortiert weiter Nützliches aus dem Strandgut.

Pingpong-Tisch und Töggelikasten, die Herzstücke des Spielkellers für Spätsportler, wurden als Erstes evakuiert. Nun türmen sich vor allem Müllsäcke. In den zwei Jahren Betrieb wurde einiges angeschwemmt, auch an Geschichten von Besuchern.

Zu den Stammgästen gehörte zeitweise auch die Polizei. Immer wieder wollte sie Roche einer Straftat überführen. Vergangenen Sommer etwa fanden gleich zwei Razzien innerhalb von zwei Monaten statt.

Ärger ohne Ende

Die Polizei sah im «Podium» einen kommerziellen Betrieb, während Roche sich als privaten Club profilieren wollte. Er wusste, dass er in einer Grauzone agierte, hatte er doch davor mit dem «Freiraum», dem «Zwischenlager» oder dem «Archiv» immer wieder Zwischennutzungen gefunden, die nicht in der offiziellen Stadtplanung verzeichnet waren. Roche findet: «Eine Stadt braucht Nischen für subversive Kultur. Diese Grenzbereiche auszuloten, ist nicht illegal.»

Zu einer offiziellen Strafanzeige wegen des «Podiums» kam es gemäss Roche nie. Nach der letzten Razzia Ende Januar hatte Roche dennoch genug der Scherereien. «An die 20 Polizisten kamen gleich zur Türöffnung, wollten mir aber keinen Grund nennen», sagt er.

Als Roche am Tag danach auf dem Posten nachfragte, wurde er auch nicht schlauer. «Gemäss Auskunft der Polizei war der Einsatz gar nicht verzeichnet.» (Die Polizei bestätigte den Einsatz auf Anfrage der TagesWoche. Sie konnte aber keine Gründe nennen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.)

Nach dem Aufräumen im «Podium» will sich Sacha Roche die Behörden vornehmen.

Dem Lachen zum Trotz: Abgeschlossen ist die Sache für Roche noch nicht. «Ist hier fertig geputzt, will ich Klarheit bei den Behörden schaffen.» Gegebenenfalls wolle er die Polizei für ihr Vorgehen belangen, um damit womöglich bessere Voraussetzungen für künftige Projekte dieser Art zu schaffen.

Neues Projekt geplant

Denn klar hat die gewiefte Nischennase schon eine neue Möglichkeit aufgespürt. Deutlich kleiner zwar, doch mit genug Platz für Pingpong-Tisch und Töggelikasten. «Eigentlich suche ich ja nur einen unkommerziellen Ort, wo man sich auch zu später Stunde gesellig zu Spiel, Spass und Kultur treffen kann.» Ein Jugendhaus für Erwachsene sozusagen.

Konkretes zu seinem jüngsten Projekt will Roche noch nicht öffentlich machen. Bis er aufgeräumt hat. Was aber bereits klar ist: Bevor er an einem neuen Ort offiziell loslegt, wird er sich um die nötigen Bewilligungen kümmern: «Ich habe Bock auf etwas ruhigere Gewässer. Meinen Anteil an Rebellion für die Subkultur dieser Stadt habe ich glaub geleistet. Zumindest vorerst.»

Konversation

  1. Ja, die TW-Journalisten lieben solche geschichten. Sie spannen mit einem eingebildeten Rebell zusammen um über die Polizei zu lästern. Immer diese Schweizer, die gegen „das System“ ankämpfen und sich als Rebellen für „Subkultur“ und alternative Freiräume sehen. Gibt es in Basel auch noch normale Schweizer, die sich nicht mit Hass gegen den „Bullenstaat“ profilieren, sondern einfach zusammen mit dem Rest der Gesellschaft etwas aufbauen und beitragen möchte? Ich kenne genug Ausländer, die sympathischer und vernünftiger sind als diese linksextremistischen Schweizer, die gegen ihre eigene Identität ankämpfen.

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  2. Zum Glück hat das Podium geschlossen. Ich wohne in der Nachbarschaft. Der Lärm durch Menschengruppen in der zweiten Nachhälfte bis in den frühen Morgen war rücksichtslos. Zum Glück hat Polizei diese Rücksichtslosigkeit eingedämmt. Dass das Podium als Betrieb gut sein kann, bezweifle ich nicht, aber nur, wenn es die Spielregeln des städtischen Zusammenlebens achtet.

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    1. Ist ihnen klar, dass die Amerbachstrasse im unteren Teil Lärmschutzzone 3 ist? Gleichgestellt also wie die Feldbergstrasse z.B.
      Das heißt ein offizieller nächtlicher Betrieb müsste dort zwangsläufig bewilligt werden.

      Wer also Anspruch auf ländliche oder rein Wohnquartier mässige Verhältnisse erhebt, sollte zuerst überprüfen in welcher Zone er sich Eibe Wohnung mietet.

      Ich hoffe es kommt dort bald wieder eine offizielle Disco rein wie vor der Luxussituation Kindertheater und zeigt gewissen Leuten auf, dass sie nunmal in einer Gastozone einer Grossstadt wohnen.
      Wo umziehen durchaus erlaubt ist.

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    2. Was für eine eingebildete Antwort von Sacha R. Als Neuzuzüger oder Geringverdiener in Basel sucht man sich die nächstbeste, günstige Wohnung und geht nicht noch in den Akten nachschauen, in was für einer Zone sich diese befindet. Wirklich voll dreckig eingebildet dieser Sacha R, null Verständnis für den Rest der Basler Bevölkerung, hauptsache ICH ICH ICH.

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  3. Grenzbereiche ausloten sei eine Bereicherung ? Einen Gastronomiebetrieb unterhalten ohne Bewilligungen also. Nur wenn es um alternative Fahrdienste wie Uber geht steht die TaWo Welt Kopf.

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  4. Das die Polizei nicht sagen will, um was es geht, habe ich auch schon erlebt. Wirklich eine Respektlosigkeit sondergleichen, welche aber genau zu unserer Polizei passt…

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