Zukunft des Sommercasino bleibt ungewiss

Das Sommercasino ist in seiner Existenz bedroht, denn die Subventionen sollen massiv gekürzt werden. Das letzte Wort hat jedoch der Grosse Rat.

Existenzieller Schnitt: Die Subventionen für das Basler Sommercasino sollen 2016 von 650’000 auf 400’000 Franken gekürzt werden. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Das Sommercasino ist in seiner Existenz bedroht, denn die Subventionen sollen massiv gekürzt werden. Das letzte Wort hat jedoch der Grosse Rat.

Es ist ein geschickter Coup: Der Präsident der Jugendarbeit Basel (Juar), Christian Platz, hat in seinem Frühjahrs-Newsletter eigentlich nichts Neues geschrieben. Das Sommercasino (Soca) steckt in der Klemme, nachdem das Erziehungsdepartement angekündigt hat, die Subventionen substanziell zu kürzen. Statt 650’000 Franken soll es künftig nur noch 400’000 Franken geben.

Das Thema wurde reihum aufgegriffen. Die «bz Basel» zeigte auf, wohin die weggesparten Staatsgelder fliessen und in der «Basler Zeitung» durften sich am Donnerstag prominente Vertreter der Basler Szene an ihre schönsten Soca-Momente erinnern (online nicht verfügbar). Bei «20 Minuten» drohte Juar-Geschäftsleiterin Elsbeth Meier Mühlemann gar mit einer Schliessung der einstigen Jugendkultur-Instanz: «Werden die Kürzungen vollzogen, wird es das Sommercasino im nächsten Jahr nicht mehr geben.» Schliesslich meldeten sich auf Facebook ehemalige Angestellte des Soca zu Wort, teilweise in hämischem Ton.

Kaum in Schwung, droht das Ende

Aber bereits vor den angedrohten Subventionskürzungen hatte sich das Soca in eine missliche Lage manövriert, wie wir im Herbst geschrieben haben. Während Jahren unterhielt das Soca einen ruinösen Konzertbetrieb. Statt lokaler Jugendkultur fanden in den schwarz gestrichenen Räumen Konzerte hochdotierter, internationaler Rock- und Punkbands statt. Mit den Besucherzahlen verhielt es sich umgekehrt zu den Kosten, immer weniger Menschen fanden den Weg ins Soca.

Nun ist seit einigen Monaten ein neues Konzept in Kraft und ein neues Leitungsteam in der Verantwortung. Bereits will die Juar eine Verbesserung der Besucherzahlen festgestellt haben, wie Platz in seinem Newsletter schreibt. Diesen Aufschwung droht nun die Subventionskürzung abzuwürgen. Das letzte Wort hat jedoch der Grosse Rat, der Ende 2015 über die Subventionen beraten wird.

Konversation

  1. Das Sommercasino ist seit Jahren in den Schlagzeilen. Ein rentabler Betrieb scheint offensichtlich schwierig zu sein. Vielleicht auch nicht wirklich nötig…..

    Was dem aussenstehenden Beobachter auffällt: Rund um das Sommercasino haben sich Jugendexperten festgekrallt, welche in die Jahre gekommen sind.
    Mit Expertisen & Gutachten verdienen diese Ewig-Jugendlichen, mittlerweile gutes Geld und bekommen die Sache trotzdem nicht geregelt.

    Vielleicht müsste man die Jungend und die aktuellen BesucherInnen und eigentlichen Benutzer des Sommercasinos miteinbeziehen. Oder radikaler: Ihnen das Sommercasino übergeben. Quasi «back to the roots»: Ein Experimentierfeld für Jugendkultur. Für Jungendliche und von Jugendlichen.

    Ich habe nicht autonomes Jugendzentrum gesagt, aber der verhätschelte und überorganisierte Jugendkultur-Event-Konzert-Betrieb scheint nicht zu funktionieren. Also: Weniger Pseudo-Expertentum und keine alten Knacker, welche immer noch in kurzen Hosen rumrennen und sich wichtig gebärden, sondern ein schlichtes: Gebt den jugendlichen BenutzerInnen das Sommercasino wieder als Treffpunkt zurück und versteht das Sommercasino als partizipatives Freiraum-Projekt.

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  2. hmmm. Basler Kulturförderung…

    Kunstverein: 855 000 CHF
    Archäologische Bodenforschung: 4,27 Mio CHF
    Antikenmuseum: 5,37 Mio CHF
    Kunstmuseum: 13,6 Mio CHF
    Fondation Beyeler: 1,96 Mio CHF
    Sinfonierorchester: 14,5 Mio CHF
    Theater Basel: 33,9 Mio CHF

    Aber hey, wenn wir sparen wollen, dann tun wir das bei den Jugendkultur.
    Denn in so einem Antikenmuseum ist das Geld sicher besser investiert als in die Jugend.
    Ausserdem können wir dann im Sommer wieder rumschimpfen, dass die Jugend Botellons veranstaltet und danach für ein Schweinegeld der Abfall entsorgt werden muss. Verdammte Jugend! Immer nur völlig verantwortungsloses und kurzfristiges Denken. Die sollten mal lernen, dass ihr Verhalten langfristige Konsequenzen nach sich zieht!

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    1. wie unfair, herr kurmann,

      die archäologische bodenforschung und das antikenmuseum dienen doch nur dem einen heeren ziel:

      suche & würdigung der spurlos entschwundenen jugendkultur …

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    2. Lebenserinnerung:

      1993, die beste Band der Welt spielt anlässlich ihrer ersten Tour nach 6 Jahren im hoffnungslos überfüllten SoCa. Fliegen bekamen Platzangst. 2 Stunden kollektiver Wahnsinn. 40 Songs. 10 kg abgenommen.

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  3. Was macht dann eigentlich Tobit mit seiner Zeit? Muss er doch noch Regierungsrat werden?

    Ich sehe ihn im «Präsidialdepartement». Er, mit seiner Erfahrung.

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  4. Vielleicht etwas besser recherchieren zum Programm des Soca (http://www.sommercasino.ch/). Würden im Soca noch regelmässig hochdotierte, internationale Rock- oder Punkbands logieren, wäre ich noch regelmässig da. Der Betrieb hat sich im musikalischen Bereich sehr stark dem Mainstream oder, was sehr gut ist: den Jugendbedürfnissen als Spielort für Slams und Bandbattles, angepasst; bei dieser Entwicklung geht es natürlich nicht, sich eine Nische zu schaffen, egal, ob mit heimischen oder auswärtigen Bands. Wieso Techno oder House anbieten, wenn man die Garage oder den Nordstern hat?
    Ausserdem kann man professionellen Musikbetrieb gern vergleichen mit Erasmus oder Profi-Fussball: Die auswärtigen Bands bringen die Möglichkeit für neue Ideen, Austausch, Kontakte in der Musikszene, weil ja meistens auch noch eine regionale Band spielt; und wie langweilig wäre der FCB, wenn man nicht ein paar Fussballer vom internationalen Markt hätte?
    Lösungen wären eventuell eine sinnvolle Ausrichtung des Programms, die nicht gleichzieht mit dem Rest der Angebote am gleichen Tag, damit es Sinn macht, ins Soca zu gehen, weil es was anderes ist. Sinnvoll wäre auch die Überlegung, die Bierpreise zu senken, weil die – ich glaube – sieben Franken pro Bier dazu führen, dass man als junger Mensch mit knappem Geldbeutel das eigene Bier mitbringt und das schlägt auf den Umsatz.

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