Zum Tod des Basler Künstlers Heiri Strub

Er engagierte sich für den Kommunismus, liebte die Fasnacht und wollte mit seinem Pinsel von Dingen erzählen, die ihn beeindruckten. Am 22. April 2014 ist der Basler Maler Heinrich Strub im Alter von 97 Jahren gestorben.

Der Basler Künstler Heiri Strub hinterlässt ein vielseitiges Werk.

Er engagierte sich für den Kommunismus, liebte die Fasnacht und wollte mit seinem Pinsel von Dingen erzählen, die ihn beeindruckten. Am 22. April 2014 ist der Basler Maler Heinrich Strub im Alter von 97 Jahren gestorben.

Laubflecken im Gesicht, ein nicht zu bändigender Haarwirbel, lispelnd und schwer zu erziehen, so beschrieb sich Heiri Strub als Kind, und fügte gleich hinzu: Und dann sei doch noch etwas aus ihm geworden.

Ein Satz, wie ihn nur Heiri sagen konnte. Und wer ihn kannte, hört dabei sein Lachen. Fast ein ganzes Jahrhundert war Heiri Strub unterwegs, ungebrochen kämpferisch, mit wachem Geist und offen für die Welt, die ihn umgab. 

Politisch engagiert

1916 wird Heiri Strub in Riehen geboren. Er wächst in einem politisch engagierten Elternhaus und in einer politisch bewegten Zeit auf. Als 17-Jähriger schliesst er sich einer Jugendgruppe gegen Krieg und Faschismus an, 1937 tritt er der Kommunistischen Partei bei. Bereits damals interessiert sich Heiri Strub ebenso für die Politik wie für die Kunst, und so besucht er ab 1939 die Grafik- und Malfachklasse an der Kunstgewerbeschule Basel. Unterbrochen von Einsätzen im Aktivdienst, beendet er die Ausbildung vorzeitig und arbeitet als Setzer, Grafiker und Linolschneider.

1943 heiratet Heiri Strub Lotti Arnold, 77 Jahre lang werden die beiden in regem Austausch zusammen sein. Nach Kriegsende arbeitet Heiri Strub erst als selbstständiger Grafiker, Tierzeichner und Buchillustrator und schafft in seinem stadtbekannten Atelier Nase unzählige Larvenmodelle für die Basler Fasnacht.

Von Ostberlin zurück nach Basel

1950 kommt Tochter Olga auf die Welt. Mit seinem witzig-frechen und äusserst unkonventionell illustrierten Kinderbuch «Das Walross und die Veilchen», das 1951 erscheint, erregt Heiri Strub Aufsehen bis nach Berlin. Gerne zitierte Heiri Bertolt Brecht, der bei harzigen Theaterproben jeweils gesagt haben soll: «Was sollte das Walross tun? Am besten einmal darüber schlafen.»

Mit Beginn des Kalten Krieges wird es für die Familie Strub eng in der Schweiz. Wegen seines politischen Engagements gerät Heiri Strub zunehmend unter Druck, als freischaffender Grafiker findet er kaum mehr Aufträge. 1957 emigriert die Familie nach Ostberlin, wo Heiri Strub vor allem als Buchillustrator wirkt.

Anfang der 1970er-Jahre kehren Lotti und Heiri Strub nach Basel zurück. Strub arbeitet als Journalist und Kunstkritiker. Mit 65 Jahren tritt er in den Ruhestand, was für den umtriebigen Heiri nichts anderes bedeutet, als dass er sich endlich ganz seiner Malerei widmen kann.

Heiri Strubs Werk

Thematisch wie auch stilistisch lässt sich Heiri Strubs Schaffen keiner Richtung zuordnen. Er greift zum Pinsel, wenn er erzählen möchte, was ihn beeindruckt. In der Vielfalt seines Œuvres widerspiegelt sich sein Interesse an der Welt. Klassische Porträts, Landschaften in satten Farben und stille Naturbetrachtungen stehen neben grotesken Alltagssequenzen aus dem Leben der Arbeitenden. Und nicht selten finden sich in seinen gesellschaftskritischen Bildern kühne Perspektiven und irritierende Farbgebungen, die sich zuweilen im Fantastischen verlieren. Motiv und Anstoss indes bleibt für Heiri Strub die Realität, er will verständlich sein und sich durch seine Bilder mitteilen.

Fast genau ein Jahr nach Lottis Tod ist nun auch Heiri am 22. April gegangen. Es bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der bis zuletzt unbeirrt seinen Weg gegangen ist.


» Bilder von Heiri Strub sind in Basel noch bis zum 11. Mai 2014 im Sudhaus ausgestellt, zudem in Bern in der ArchivArte Galerie vom 8. bis 31. Mai 2014. Das Datum für eine Erinnerungsfeier wird später bekannt gegeben.
» Corina Lanfranchi ist freischaffende Journalistin und Autorin. Über Heiri Strub hat sie eine Biografie geschrieben: «Unberirt. Heiri Strub – ein Leben zwischen Kunst und Politik» ist 2008 im Christoph Merian Verlag erschienen.

Artikelgeschichte

2.5.14, 10:30: Todesdatum von Heiri Strub korrigiert: Er starb am 22. April, nicht am 23.

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