«Zwielichtige Geschäfte» – Kryptowährungen im Visier der Finma

Bitcoin hat sich von einer obskuren Onlinewährung zum gehypten Anlageinstrument entwickelt. Damit stellen sich Fragen nach Kontrolle und Regulierung – auch bei den Behörden.

Nobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor an der Yale University Robert Shiller bezeichnet Bitcoin am WEF in Davos als die protoypische Blase.

In der Schweiz herrscht Goldgräberstimmung. Rund eine Milliarde Franken seien alleine im Jahr 2017 im Rahmen von Initial Coin Offerings (ICO) in der Schweiz investiert worden, schreibt die «NZZ am Sonntag». Bei diesen komplett unregulierten Geldsammel-Aktionen tauschen Anleger Franken, Dollar oder andere Währungen in sogenannte Coins oder Tokens um, in der Hoffnung, dass diese dereinst an Wert gewinnen werden.

Doch die angeblich Heil bringende Technologie hinter den magischen Begriffen Bitcoin und Blockchain ist alles andere als unumstritten. Die Reihe nahmhafter Kritiker ist lang: Nobelpreisträger, Nationalbanker, Investmentlegenden,  sie alle warnen vor allem vor Bitcoin, aber auch generell vor der aufgeheizten Stimmung an den Märkten.

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Robert Shiller, Autor des Standardwerkes über aufgeblähte Märkte («Irrational Exuberance»), nannte Bitcoin am World Economic Forum in Davos «mehr spekulative Blase und ansteckende Idee, als Geldanlage». Sein Kollege Joseph Stiglitz sieht in der Kryptowährung «keinerlei sinnvolle soziale Funktion» und der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, warnt davor, Bitcoin und Co. als «Währungen» zu bezeichnen. Diese seien viel zu volatil und würden kaum benutzt, um Zahlungen zu tätigen.

Die Experten mahnen, doch gleichzeitig investieren immer mehr und immer weniger informierte Menschen in Kryptowährungen. Werden in den Medien beinahe täglich neue Krypto-Millionäre abgefeiert, steigt auch bei Kleininvestoren die Angst, den Zug in die goldene Zukunft zu verpassen.

Roger Wattenhofer ist ein Blockchain-Skeptiker, glaubt aber daran, dass die Technologie auch Gutes bringen kann.

Roger Wattenhofer ist Professor für Verteilte Systeme an der ETH Zürich und hat zum Thema Blockchain ein Buch publiziert. In einem Interview hat er die Technologie letzten September als «überbewertet» bezeichnet. Inzwischen hat Wattenhofer selbst beim Schweizer Blockchain-Unternehmen Ambrosus als Berater angeheuert. Der Skeptiker scheint also selbst doch auch an die Technologie zu glauben.

Gegenüber der TagesWoche zählt er einige Schwachstellen auf, die insbesondere die Blockchain hinter Bitcoin aufweise:

«Man kann zu wenige Transaktionen auf einmal durchführen, die Bestätigung der Transaktionen dauert zu lange, Transaktionen kosten zu viel, der Energieverbrauch ist gigantisch, die Technologie lässt sich nicht einfach verbessern. Es gibt viel bessere Alternativen.»

In der Anonymität sieht Wattenhofer eine grosse Gefahr:

«Anonymität hat oft Vorteile, aber im Bereich von Kryptowährungen auch viele Nachteile. Insbesondere vermute ich, dass abgesehen von Spekulationen zwielichtige ‹Geschäftsmodelle› wie Erpressung die wichtigsten Treiber von Bitcoin sind.»

Dass hinter einer ICO nicht immer ein ausgereiftes Geschäftsmodell steckt, mussten erst unlängst die Investoren des Start-ups Tezos erfahren. Über eine Stiftung in Zug haben die Tezos-Gründer rekordmässige 232 Millionen Dollar eingenommen. Doch die Gelder sind blockiert, weil sich die Gründer zerstritten haben. In den USA drohen Sammelklagen, die Investoren wissen nicht, ob sie ihr Geld jemals wiedersehen.

Solche Episoden lassen den Ruf nach Regulierung und nach einem Schutz für Anleger laut werden. Die beiden Bundesräte Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer haben deshalb Ende Dezember eine Task Force zur Blockchain ins Leben gerufen. Diese setze sich aus Politikern, Wissenschaftlern, Unternehmern und Kapitalgebern zusammen.

Dringlichstes Ziel dieser Task Force ist es unter anderem, Rahmenbedingungen für die ICO zu definieren. Im September warnte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) vor «Scheinkryptowährungen». Die Behörde zog einen entsprechenden Anbieter aus dem Verkehr, weil dieser Millionen eingesammelt hatte, ohne über die nötige Bewilligung zu verfügen.

Auf der Warnliste

Drei Coin-Anbieter sind auf die Finma-Warnliste genommen worden. In Bezug auf elf weitere «vermutlich unerlaubte» Geschäftsmodelle führt die Finma  Abklärungen durch. Über den Verlauf dieser Abklärungen wollte die Finma auf Anfrage keine weitere Auskunft geben.

In einer zweiten Mitteilung, ebenfalls im September 2017, stellte die Finma weiter die Vermutung auf, dass einige ICO unter bestehende Finanzmarktgesetze fallen würden. Auch diesbezüglich seien Abklärungen im Gange.

Während der Krypto-Hype also auf Hochtouren läuft, beginnen die zuständigen Behörden langsam damit, sich Gedanken zu machen, was das für den Markt und die Konsumenten bedeuten könnte.

Konversation

  1. Das ist leider so: Wenn im Kanton Zug der Rausch losgeht, wird es Zeit, genauer drauf zu gucken.
    Was da so schnuckelig an einem romantischen See leigt, erwies sich früher schon als Riesenproblem, mit dem dann auch Bern unangenehm konfrontiert wurde (Geldwäsche, Schein- & Briefkastenfirmen, Steuervermeidung, wohl halt nebenbei auch Fianzierung von IS und anferen kriegerisch-terroristischen Konsorten), oft auf massiven Druck aus internationalem Bereich, auich den USA.

    Eigentlich ist es organisierte Kriminalität, oder wenigstens oft Beihilfe dazu. Geld kennt offenbar wirklich keine Moral., bzw. die damit umgehen.

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  2. Was nicht unter reiner Spekulation läuft ist wohl ein Teil Geldwäsche und/oder Verschieben resp. Verschleiern von irgendwelchen Straftaten. Zahlungen aus dubiosen Geschäften, die man nicht mit richtigem Geld abwickeln könnte, da nicht anonym genug.
    Mit dem Hype den man die letzten Wochen geschaffen hatte sprangen vermehrt Trittbrettfahrer aus, die auf das schnelle Geld hofften. Sicherlich nicht wenige dann haben jetzt einiges verloren. Was man auch nicht unterschätzen darf – Kryptowährungen sind natürlich ein ideales Mittel zur Steuerhinterziehung. Kaum einer der Krypto-Millionäre wird sein Vermögen bei der Steuererhebung angeben.

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