Zwölf gewinnt – ein Fussballmagazin feiert Jubiläum

Nie um eine kreative Idee verlegen – damit hat sich das Magazin «Zwölf» in der Schweizer Fussball-Publizistik seinen Stand erarbeitet. Nun ist «Zwölf» zehn geworden und wundert sich immer mal wieder darüber, warum ausgerechnet in der Fussballstadt Basel die Verbreitung zu wünschen übrig lässt.

Zwölf, Fussballmagazin

Nie um eine kreative Idee verlegen – damit hat sich das Magazin «Zwölf» in der Schweizer Fussball-Publizistik seinen Stand erarbeitet. Nun ist «Zwölf» zehn geworden und wundert sich immer mal wieder darüber, warum ausgerechnet in der Fussballstadt Basel die Verbreitung zu wünschen übrig lässt.

Wenn in «Zwölf» über Fussball geschrieben wird, dann geht es nicht einfach um Punkte und Tabellen. Und wenn die Macher von «Zwölf» feiern, knallen nicht bloss die (Kronen-)Korken. Dann wird geredet, gelacht und hingebungsvoll debattiert über Fussball. Das Zehn-Jahre-Jubiläum eines Magazins als sinngebende Zusammenkunft.

So war es vergangenen Freitag im Hinterhof der Badenerstrasse 849 in Altstetten, fern von Zürichs schicken Boulevards, in alten, zwischengenutzten Gewerberäumen, wo die kleine Redaktion ihr Zuhause hat. Auf der improvisierten Bühne: Gian-Andri Casutt, der erzählte, wie einst in Bern der Verein für Fussballkultur gegründet wurde mit dem Ziel, was Vernünftiges über Fussball zu Papier zu bringen.

Der Primus inter Pares der Redaktion ist Martin «Mämä» Sykora, ein studierter Publizist, zu dessen Talenten nicht nur das Schreiben gehört, sondern auch das Reden. Den Jubiläumsabend, bei dem 200 Sympathisanten vorbeischauten, schmückte Hakan Yakin mit seiner Anwesenheit und einem unterhaltsamen Talk mit dem Chefredaktor:

» Hakan Yakin: «Ich denke halt schneller als die anderen» – das Schriftstück zum Jubiläumstalk

Die Jubiläumsausgabe ist ein schönes Beispiel für den Geist, mit dem die «Zwölf»-Macher unterwegs sind. Eine Mischung aus Interviews (Blerim Dzemaili: «Mein Ende in der Nati wäre kein Weltuntergang») und Hintergründen (Milos Malenovic – «Der gewiefteste Spielerberater der Schweiz»). Dazu Kolumnen, zum Beispiel regelmässig von Satiriker Gabriel Vetter oder dem Gelegenheitstäter Josef Zindel.

Schmuckstück ist ein Besuch mit Hakan Yakin im Zürcher Kunsthaus, vom Fotografen schön in Szene gesetzt und vom Autor einfühlsam aufgeschrieben. Einmal abgesehen von Bonmots, wenn sich Yakin nach dem Preis für ein Gemälde erkundigt: «180 Millionen? Mit oder ohne Rahmen?» – es ist eines der lesenswertesten Porträts über den begnadeten Zehner. Und erfüllt damit die Sehnsucht, die einst die Gründerväter von «Zwölf», eine Gruppe von Bündner Fussballfreunden, angetrieben hat: schöne Geschichten erzählt zu bekommen.

Zur respektierten Stimme gemausert

Im täglichen Grundrauschen, der den Fussball begleitet, ist «Zwölf» im zweimonatigen Rhythmus zu einer, wie es die NZZ in ihrem Jubiläumsgruss formuliert, «respektablen und respektierten Stimme geworden».

So sass am Freitag neben Fan- und Clubvertretern aus Bern und Zürich auch der SFL-Sprecher Philippe Guggisberg auf dem Podium, um über ein heisses Thema zu diskutieren: die Modusreform der beiden Profiligen. Eine Konsultativabstimmung im Publikum ergab am Ende eine Aufstockung von zehn auf zwölf Clubs in der Super League, was Sykora dankbar kommentierte: «Zwölf gewinnt!»

Und das in einem Markt, der von Fernsehbildern und Onlineportalen bestimmt wird und in dem immer noch ordentlich ausgestattete Sportredaktionen der Tageszeitungen eigentlich wenige Fragen offen lassen.

Dennoch spürt «Zwölf» immer wieder Preziosen auf. Etwa auf «Schweizer Reisen», einer Serie, in der kleine Fussballvereine und ihre Geschichte vorgestellt werden. In der aktuellen Ausgabe die des Migrantenclubs SCI Esperia und seines «chly huere Schiissplatz», dem «San Siro von Bern».

Weil kein Fussballfreund ganz ohne Zahlen und Statistiken auskommt, gräbt «Zwölf» auch in dieser Hinsicht immer wieder interessantes bis abseitiges Material aus. Verdient gemacht hat sich das Heft erst unlängst mit einem Datenstück, das den vieldiskutierten «Basel-Bonus» entmystifiziert. Und in Zusammenarbeit mit der Liga und dem SRF wird demnächst eine Datenbank online gestellt, in der jeder lückenlos sämtliche Telegramme der Nationalliga A von 1930 bis heute nachvollziehen kann.

In Basel rätselhafterweise dünn verbreitet

Mit den Jahren ist der qualitative Anspruch an die Texte gestiegen, das Lohn- und Honorarbudget ist bescheiden geblieben und mit Sascha Török hat Sykora einen kongenialen Gestalter dazugewonnen. Knapp 11’000 Exemplare lässt «Zwölf» pro Ausgabe drucken, und 4800 Abonnenten werden sechs Mal im Jahr beliefert. Seine Leser hat das Magazin in der ganzen Deutschschweiz. Am schlechtesten verbreitet ist es aber ausgerechnet in der Fussballhauptstadt Basel: «Das ist rätselhaft für uns», sagt Sykora. 

» «Es liegt noch viel drin» – Mämä Sykora im Interview mit der «Werbewoche» zur Ausgabe Nummer 50 von «Zwölf» im Jahr 2015

Dabei hat einst Basel(-Land) eine Geburtshelfer-Rolle übernommen: Thomas Beugger, Sportamtsleiter in Liestal, hat die Gründerväter 2007 auf die Fördermöglichkeit durch den Lotteriefonds aufmerksam gemacht. Mit 10’000 Franken aus diesem Topf wurden die ersten drei Ausgaben finanziert. Der Rest ist eine kleine Erfolgsgeschichte eines Nischenprodukts, das man erfinden müsste, wenn es nun nicht schon seit zehn Jahren fröhlich seinen Platz im Zeitschriftenregal finden würde.

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«Zwölf – Fussballgeschichten aus der Schweiz» | Das Heftarchiv

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