25 Jahre Lux.-Noise

Vor einem Vierteljahrhundert gründete Michael Hediger ein Schweizer Plattenlabel. Ein Grund zum Feiern.

25 Jahre Rock ’n’ Roll: Michael Hediger. (Bild: Illustration: Gössi)

Vor einem Vierteljahrhundert gründete Michael Hediger ein Schweizer Plattenlabel. Ein Grund zum Feiern.

Er ist ein Idealist, wie es hierzulande nur wenige gibt: Michael Hediger, genannt Hede, ist ein wandelndes Anekdotenlexikon in Sachen Rock ’n’ Roll, ja, die personifizierte Definition dieser Lebenshaltung.

Unzählige Musiker hat der umtriebige Schlagzeuger (etwa bei Dogs Bollocks), Tontechniker (etwa im Hirscheneck), ­Manager (etwa für Lunazone) und Labelbetreiber (Lux.-Noise) kommen und gehen sehen. Hat zur Kenntnis genommen, dass Weggefährten mit der Zeit ihre Jeans­jacken gegen Jacketts, ihre Schlagzeug- gegen SUV-Schlüssel und Choppers gegen Buggys eingetauscht haben.

Er aber bleibt dem Rock ’n’ Roll treu, völlig im Bewusstsein, dass daraus nie ein Eigenheim resultieren wird. Ein Idealist, der aus harten Chords und Rhythmen Kraft schöpft, in seinem signifikanten Aargauer Dialekt ­unverblümt von «Scherben» spricht – und damit Platten meint, die ihn glücklich ­machen, solange man sie nicht zerbricht.

Zuerst ein Kassettli

Das erste Album, das Hede selber ­verantwortete, war ein Kassettli. Er war ­19 Jahre jung und half dem Bruder, dessen Band Modern Man Modern bekannter zu machen. Kurz darauf lernte er Reto Caduff kennen, gemeinsam veröffentlichten sie einen Sampling-Sampler (MC) auf dem neu gegründeten Label Lux.-Noise. Dabei entdeckten sie die vielversprechende Gymnasiasten-Band Touch El Arab, brachten deren Maxi-Single «Muhammar» raus. Und rieben sich staunend die Augen, als François Mürner das Lied auf DRS 3 rauf und runter spielte, es die Charts raufkletterte und die Verkäufe die Marke von 20 000 Exemplaren überschritten.

Ihr kleines Label war auf einmal in aller ­Ohren, irritiert und neidisch schauten die grossen Plattenfirmen von Zürich nach Aarau. Caduff ging bald eigene Wege, ­Hediger pflegte das Label auf eigene Faust weiter, feierte mit Baby Jails «Tubel ­Trophy» den zweiten Grosserfolg, investierte das Geld in Liebhaber-Projekte und bespielte eine Nische aus Leidenschaft.

Wiedervereinigung zum Jubiläum

Eine Leidenschaft, die manchmal auch Leiden schuf. «Nach dem zehnten Album stand ich auf einmal mit 25 000 Franken in der Kreide», erinnert er sich bei Kaffee und Zigarette. Aufgegeben hat er aber nie. Vor zwei Jahren trommelte er, der vor ­15 Jahren den alternativen Untergrund der Stadt Basel zu seiner Wahlheimat machte, die Musikerkollegen Melchior Quitt und Baschi Hausmann zusammen, zwecks Umwandlung von der Ich-AG in eine «kollektive Selbsthilfegruppe», wie er scherzend anmerkt.

Seither ist die Buchhaltung bei Lux.-Noise wieder im Lot, nimmt die Anzahl Veröffentlichungen wieder zu.
25 Jahre Nische in einem schwierigen Markt: Das soll gefeiert werden. Weshalb sich bereits aufgelöste Bands für einmal wiedervereinen und mit Künstlern des ­aktuellen Repertoires die Bühne teilen. Ein Luxus, den man sich gönnen sollte.

Lux.-Noise – die Jubiläumskonzerte:

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 09.11.12

Konversation

Nächster Artikel