82 Viertausender an einem Abend: Bergsteiger Ueli Steck kommt mit starker Show nach Basel

Der Schweizer Bergsteiger Ueli Steck ist wieder unterwegs. Diesmal nicht mit dem Gesicht zur Wand aus Fels und Eis, sondern mit dem Rücken zur (Lein)-Wand: Mit den Themen Annapurna-Südwand und 82 Viertausender ist er auf Vortrags-Tournee.

Arête du Diable (Teufelsgrat), Mont Blanc du Tacul, Montblanc Gebiet, Frankreich (Climber Ueli Steck)

(Bild: Robert Boesch)

Der Schweizer Bergsteiger Ueli Steck ist wieder unterwegs. Diesmal nicht mit dem Gesicht zur Wand aus Fels und Eis, sondern mit dem Rücken zur (Lein)-Wand: Mit den Themen Annapurna-Südwand und 82 Viertausender ist er auf Vortrags-Tournee.

Vorweg ein schönes Zahlenpaar: 28 und 82. Und gleich hinterher die Feststellung, dass man einem Athleten wie dem Alpinisten Ueli Steck mit Zahlen nicht gerecht werden kann.  

So bleibt denn dieses 28:82 auch nur eine kürzeste Inhaltsangabe für das, was der 39-Jährige in seiner derzeit laufenden Multimediaschau präsentiert: Er reflektiert noch einmal seine Solo-Durchsteigung der Annapurna-Südwand, für die er nur gerade 28 Stunden benötigte. Und danach schwärmt er von seiner aussergewöhnlichen Alpenreise im Sommer 2015, als er alle 82 Viertausender der Alpen bestieg, innerhalb von nur gerade zwei Monaten, und dabei auf alle Fortbewegungsmittel verzichtete ausser auf sein Velo und seine beiden schnellen Beine.

28 Stunden Annapurna

In Ueli Stecks Bergsteiger-Biografie liegen die beiden Themen eigentlich ziemlich weit auseinander: Mit der Annapurna-Wand hatte er sich viele Jahre lang auseinandergesetzt, die Viertausender-am-Stück kamen eher wie ein spontanes (aber auch gut geplantes) Projekt daher. Und letztlich kamen sich die beiden Unternehmen doch wieder sehr nahe. Die Annapurna-Begehung war im internationalen Massstab Stecks meistbeachtete Tour, die Besteigung aller 82 Viertausender der Alpen war für ihn persönlich «eine der coolsten Reisen», die er je gemacht habe.

Etwas weniger wert ist ihm die Tatsache, dass er seit November 2015 wieder die schnellste Zeit innehat für die Durchsteigung der Eigernordwand auf der Heckmair-Route (2:22, zuvor Daniel Arnold 2:28); als sehr befriedigend hingegen habe er empfunden, wie gut «zwäg» er dabei war: Sein Maximal-Puls bei der Begehung Mitte November 2015 habe nur 165 betragen, bei seinem früheren Rekord im Jahr 2008 dagegen 190. Und vor allem habe er es genossen, diese Wand auch noch bei seiner 42. Begehung zu mögen. Fazit seiner Phase als Tempo-Alpinist: Vieles richtig gemacht, die Form eher verbessert, und weit davon entfernt, das Vergnügen zu verlieren.

Ueli Stecks Auseinandersetzung mit der Annapurna, jenem Achttausender, der 1950 als erster der 14 bestiegen worden war, begann in der Stube, mit der Lektüre eines Buchs. Zwei Franzosen hatten versucht, eine neue Linie durch die Annapurna-Südwand zu finden. Steck blieb an der Linie hängen, und die Annapurna hätte auch Stecks erster Achttausender werden sollen – durch eben diese direkte, logische Route. 2006 rekognoszierte er erstmals die Wand, 2007 stieg er ein, kam aber nicht weit. Schon im unteren Wandteil wurde er von einem Stein getroffen, stürzte rund 200 Meter tief ab, blieb aber, von Prellungen und einem Schock abgesehen, unverletzt.

Ein sonderbares Zusammentreffen zweier Ereignisse: In einer rund vier Kilometer breiten Wand trifft ein einzelner Stein einen einzelnen Helm – und einen Sturz beinah unverletzt zu überstehen, ist ebenso aussergewöhnlich.

Im Jahr danach begab sich Steck erneut an die Wand, diesmal mit Simon Anthamatten. Aber sie brachen ihren eigenen Versuch ab, um zwei auf einer anderen Route in Not geratenen Alpinisten zu helfen; den einen konnten sie aus einer Höhe von 7400 Metern retten, der andere verstarb in Stecks Anwesenheit.

Die aussergewöhnlich dramatischen Ereignisse dämpften vorerst Stecks Obsession für diese Wand; 2013 aber wagte er einen neuen Versuch. Natürlich nicht, ohne sich auf aussergewöhnliche Weise vorzubereiten: Er überkletterte den Peuterey-Grat am Montblanc, den längsten hochalpinen Grat der Alpen – rund 5500 Höhenmeter im Auf- und gegen 4000 im Abstieg in schwierigem, kombiniertem Gelände, «Laufzeit»: 16 Stunden. Wie ihm danach die Durchsteigung «seiner» Annapurnawand in nur 28 Stunden gelang, davon berichtet er – und verhehlt nicht, dabei ziemlich viel riskiert zu haben.

82 Alpen-Viertausender

Stecks Projekt im Sommer 2015 war, verglichen mit der Annapurna – bei aller Seriosität in Vorbereitung und Durchführung – schon fast so etwas wie ein alpinistisches Vergnügungsreislein. In den Alpen hatten ihn bisher Routen viel mehr interessiert als Gipfel. Diesmal aber hatte er es auf Gipfel abgesehen, und zwar auf eben jene Punkte, die sozusagen offiziell als Viertausender gelten. 82 davon gibt es in Italien, Frankreich und der Schweiz. Die Idee hatten schon andere gehabt und auch verwirklicht.

In diesem zweiten Teil des Abends berichtet Steck von Leuten, die ihn begleiteten, berichtet vom Nebenprodukt, das für ihn abgefallen ist, nämlich dem neu entdeckten Vergnügen des Velofahrens. Er streut Zahlen ein wie 1700 (= Kilometer, die er zu Fuss und per Velo zurückgelegt hat), 117’000 (= Höhenmeter insgesamt), 1 (= falsches Tal, in das er sich vor seinem letzten Gipfel verlaufen hat!), oder 18 (= maximale Anzahl Viertausender an einem Tag/Monterosa-Gruppe). Und er tut dies auf überaus witzige, bisweilen selbstironische Art und zeigt, dass er sich längst nicht nur dort gut zurechtfindet und wohlfühlt, wo es steil auf- und abwärts geht und ihm niemand zusieht, sondern auch dann, wenn er auf ebener Bühne vor Hunderten von Zuschauern steht.
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Himalaya und Alpen. Multimediaschau von Ueli Steck. Montag, 29. Februar, 19.30 Uhr, Volkshaus Basel. Donnerstag, 10. März, 19.30 Uhr, Hotel Engel, Liestal.

Ueli Stecks dritte Tournee 
Gegen 25000 Besucher hatten 2008 Ueli Stecks erste Tournee «Der Alleingänger» besucht; seine zweite Show «Speed» war 2011 gar so erfolgreich, dass sich Steck und seine Agentur Explora entschlossen, im folgenden Jahr eine überarbeitete und erweiterte Nach-Tournee anzuhängen. Rund 110 Abende hat Explora bisher für Steck schon organisiert und auch für die seit dem 11. Februar in der Westschweiz angelaufene dritte Schau mit den Schwerpunkten Annapurna-Südwand und 82 Viertausender ist das Interesse derart gross, dass in Bern, Thun und Zürich für März bereits zusätzliche Abende vorgesehen sind. Unter all den Fotografen und Referenten, die mit Explora zusammenarbeiten, ist Ueli Steck zweifellos einer der Stars. Andy Hutter, Mitbegründer und Geschäftsführer der Agentur, nennt Steck einen ausgesprochen authentischen Referenten, schätzt seine Seriosität in der Vorbereitung und seine Lockerheit im Auftritt sowie natürlich die Tatsache, dass Steck jeweils neue Geschichten präsentieren kann.

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