«Aber die Ehe gilt fürs Leben!» – «Nicht nach meiner Erfahrung»

Besser hat man Jane Austen im Kino nie erlebt: «Love & Friendship» klingt nach romantischem Kitschfilm, ist aber tatsächlich eine bissige Komödie.

Lady Susan (r.) ist die Königin der Intrigantinnen – ihre amerikanische Freundin assistiert.

(Bild: ©Frenetic Films)

Besser hat man Jane Austen im Kino nie erlebt: «Love & Friendship» klingt nach romantischem Kitschfilm, ist aber tatsächlich eine bissige Komödie.

Lady Susan Vernon, man vergebe mir, ist eine manipulative Bitch. Ihr schändliches Tun macht selbst vor der eigenen Tochter nicht halt: Soll sie doch einen naiven Langweiler heiraten – schliesslich hat er Geld, mehr braucht frau nicht. Denn wieso soll man sich um den Ehemann scheren und ums Unglücklich-Verheiratetsein, wenn man doch auch einfach einen Liebhaber haben kann?

Lady Susan, verwitwet, hat selbstredend einen solchen. Dass er verheiratet ist, ist natürlich nebensächlich, schliesslich ist seine Frau ein doofes Kind, das nichts versteht, weder vom Leben noch von der Liebe.

Ehen, so Lady Susans Überzeugung, müssen sowieso nicht ein Leben lang dauern. Gott bewahre! Und am besten taugen alte Ehemänner, ist das gemeinsame Leben dann doch nur noch von kurzer Dauer. Oder ganz junge – die kann man noch erziehen.

Lady Susan hat das nicht mehr nötig. Sie kümmert sich am liebsten um sich selbst und handelt nur in ihrem eigenen Interesse.

Lady Susan lebt nicht im 21. Jahrhundert, nein. Mit bodenlangem geschürzten Rock und ausladenden Hüten bewegt sie sich durch Englands Gesellschaft am Ende des 18. Jahrhunderts. Und für jene Zeit und jenen Ort sind ihre Ansichten ein wenig zu modern – man befindet sich ja nicht in Amerika, dem sittenlosen.

 

Einen derartigen Plot, mit scharfzüngigen, bissigen Dialogen, konnte damals nur eine verfassen: Jane Austen. Er beruht auf einer ihrer komischen Briefgeschichten, die die Autorin im Teenageralter zu Papier brachte und gern der Familie zum Amüsement vorlas. Und der sie den Titel «Lady Susan» verpasste.

Der britische Regisseur Whit Stillman hat sich den Inhalt dieser Kurzgeschichte geschnappt und einen Film unter dem Titel einer anderen gedreht: «Love and Freindship» (sic), allerdings hat er den Schreibfehler ausgemerzt.

Die Hauptrolle spielt eine grandiose Kate Beckinsale. Man ist sich nicht sicher, ob man die Lady hassen oder lieben soll. Sie sagt, was sie denkt – zwar nicht immer den Leuten direkt ins Gesicht, weil nach ein bisschen Etiquette verlangte die Zeit ja doch.

Die Gesellschaft um Lady Susan mag nicht viel zu lachen gehabt haben, umso mehr können wir es tun: Es ist ein wahrlich wunderbares Vergnügen, den Irrungen und Wirrungen im Liebesleben der angesehenen Herr- und Ladyschaften zuzusehen.

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«Love & Friendship» läuft ab dem 29.12. in den Basler Kinos.

Konversation

  1. „Freindship“ ist mitnichten ein Schreibfehler, sondern die zu Austens Zeit übliche Schreibweise dieses Wortes.
    I remain, sweet freinds, your most humble and aff.cte servant, Miss St.John

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