Adäquate Hülle für meisterliche Arbeiten

Die Masterstudierenden des Instituts Kunst der HGK stellen ihre Diplomarbeiten erstmals in der Basler Kunsthalle aus. Ein absoluter Gewinn.

(Bild: Christian Knörr)

Die Masterstudierenden des Instituts Kunst der HGK stellen ihre Diplomarbeiten erstmals in der Basler Kunsthalle aus. Ein absoluter Gewinn.

Es sei eine «wohlüberlegte Entscheidung» gewesen, die Diplomausstellung der Master Fine Arts-Studenten der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) in der Kunsthalle Basel zu präsentieren, betonte Kunsthalle-Direktor Adam Szymczyk in der Eröffnungsrede. Basel habe mit dem Fine Arts-Master einen Topstudiengang, und dessen Abschlussarbeiten verdienten es, in einem angemessenen Rahmen gezeigt zu werden, führte Szymczyk später gegenüber der TagesWoche aus: «Und das jetzt schon, und nicht erst, wenn mit dem Umzug der HGK aufs Dreispitzareal in ein paar Jahren auch eine Konzeptänderung einhergeht.»

Dass die Arbeiten der 15 frisch diplomierten Kunstschaffenden in den altehrwürdigen Hallen ausgestellt werden und nicht wie bis anhin in der kargen Messehalle, ist ein äusserst offenbarer Glücksfall. Ein Idealfall für Kunstwerke, wenn man so will. Das professionelle Umfeld, in dem die ehemaligen Studenten ihre Abschlussarbeiten positionieren können, bedeutet ein weiteres Plus. Kuratiert wurde die Ausstellung denn auch gleich vom hauseigenen Assistenzkuratoren Fabian Schöneich.

Site-spezifische Arbeiten

Mehr als ein Student, eine Studentin hat es sich nicht nehmen lassen, Arbeiten direkt auf die Örtlichkeit zu beziehen. Das beginnt gleich im ersten Raum mit Gianin Konrad (*1979), der in seinen Arbeiten gerne das Verhältnis zwischen Raum und Betrachter hinterfragt. Nur wenig hinter der Tür hat er Spanngurte auf eine Art und Weise quer durch den Raum gezogen, dass der Besucher in der Tat eine Schwelle überwinden muss, um weiterzukommen. Rollstuhlgeeignet ist diese Arbeit nicht, doch sie macht das Eintreten auf physische Weise erlebbar.

Vorbei an den abstrakten Bilder von Matthias Huber (*1980), die einzeln besehen nur den Ausschnitt eines grossen Ganzen darstellen und an den aus alten Hundedecken zusammengenähten Kissenobjekten von Jan Kiefer (*1979), stossen wir auf ein weisses, am Boden liegendes, quaderförmiges Objekt, dessen Ausmasse exakt dem hohlen Raum zwischen diesem und dem nächsten Ausstellungsraum entsprechen. Die von Mimi von Moos (*1969) künstlich errichtete Blockade stört wie schon vorher die Installation von Gianin Konrad unsere natürliche Bewegungsrichtung.

Und auch im nächsten Raum heisst es Ausweichen. Hier liegt Lydia Wilhelms (*1975) Arbeit «Faltung» und nimmt fast den gesamten Bodenbereich ein. Sie hat sich dafür der originalen Struktur des Parkettbodens in der Kunsthalle bedient, eine fotografische Reproduktion dessen angefertigt und gleichmässig in Falten gelegt, so dass die neue Struktur jener des Bodens ähnelt, unsere Perspektive darauf aber verändert.

15 verschiedene Sprachen

Doch nicht nur site-spezifische beziehungsweise installative Arbeiten finden sich in der Kunsthalle. Die Ausstellung beweist, dass sich in ein und demselben Studiengang 15 vollständig autonome, in sich geschlossene Werke entwickeln können. Selbst innerhalb derselben Medien ist die Ausgestaltung eine jeweils ganz eigene. So steht in der Videoarbeit von Myriam Werner (*1971) das Malerische und Prozesshafte im Vordergrund, während Thomas Keller (*1970) sich intensiv mit Jack Kerouac auseinandergesetzt hat und fast dokumentarischen Charakter enthüllt.

Kasia Klimpel (*1970) und Tiziana Pagano (*1984) bedienen sich für ihre Abschlusswerke des Computers. Während erstere auf Google Maps eigene fotografische Arbeiten als Landschaftsbilder einschmuggelt, darf man letztere via Skype live in der eigenen Wohnung verfolgen. Nicht nur virtuell eintreten soll man in Sebastian Mundwilers (*1978) beleuchteten Kubus. Die sinnliche Erfahrung steht hier im Vordergrund.

Der Geruchssinn wird im hintersten Raum durch die Arbeit von Sibylle Hahner (*1966) aktiviert. Ein rechteckiger Bereich des Bodens wurde mit dem frisch geschnittenen Gras eines ebensogrossen Wiesenstücks ausgelegt. Mit der Zeit wird es trocknen, sich verfärben, den Geruch verändern – hier in den geschlossenen Räumlichkeiten jedoch anders als es in der freien Natur geschehen würde. Umrahmt wird das Wiesenstück von den Arbeiten von Karin Lehmann (*1981), Daniel Marti (*1972) und Jung-Yeun Jang Schoch (*1966).

Dass die Werke der Kunstschaffenden in diesen Räumen miteinander in einen Dialog treten können, ist ein weiterer Vorteil dieser Ausstellungssituation. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht das erste und letzte Mal gewesen sein wird, dass die HGK-Studierenden in der Kunsthalle ausstellen können. Für Adam Szymczyk zumindest liegt eine Weiterführung der Zusammenarbeit durchaus im Bereich des Wünschbaren.

  • «Transform» – Master Fine Arts-Ausstellung des Instituts Kunst, Kunsthalle Basel, bis 9. September. Geöffnet Mi, Fr 11–18, Do 11–20.30, Sa, So 11–17 Uhr.

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