Adieu Schwarzwaldallee!

Fertig «Schwarzi»: Nach sechs Jahren ist Schluss mit dem beliebten Offspace am Voltaplatz.

Schliesst bald für immer seine bunten Tore: Der Offspace «Schwarzwaldallee» am Voltaplatz.

Fertig «Schwarzi»: Nach sechs Jahren ist Schluss mit dem beliebten Offspace am Voltaplatz.

Ein bisschen traurig ist es schon. Karin Borer steht vor der kleinen Küchenablage hinter dem Ausstellungsraum und drückt Kaffee durch die French Press, während sie von der Schwarzwaldallee erzählt. Entstanden zwischen ein paar Freunden im Jahr 2011 auf dem damaligen n/t Areal, ist die liebevoll genannte «Schwarzi» heute kaum noch aus der Basler Kulturlandschaft wegzudenken.

Und doch sei es an der Zeit, mit dem Projekt aufzuhören. «Wir hatten eine gute Zeit und überlassen den Raum einem neuen Projekt.»

Gemeint ist das Kollektiv «Bikini Space», das sich nach der Schliessung der Schwarzwaldallee am selben Ort in der alten Post am Voltaplatz niederlassen wird. Das Kollektiv wird hier bis zum Abriss des Gebäudes tun, was auch schon die Schwarzwaldallee hervorragend zu tun wusste: Ausstellungen lokaler, nationaler und internationaler Künstler, Talks und Veranstaltungen. Auf Ende Juni 2018 müssen sie dann endgültig raus – oder so steht es zumindest im Baugesuch der Stadt.

Langes Bleiberecht

«Bei uns wurde der Termin aber etliche Male verschoben», schaltet sich Bianca Pedrina ein. Die Künstlerin ist nebst Borer (und Daniel Kurth und Lorenz Wiederkehr, die heute gerade nicht vor Ort sind) ein weiteres Mitglied des Vereinsvorstands. «Am Anfang hiess es, wir könnten gerade mal ein Jahr hier am Voltaplatz bleiben. Nun sinds mittlerweile schon vier.» 

Als Abschlussgeschenk stellen die vier Betreiber bei ihrer letzten Ausstellung gleich selber aus. Borer, Pedrina und Kurth zeigen eigene Werke, Wiederkehr schreibt einen Textbeitrag. Ein schöner Abschluss, findet Borer. «So können wir uns persönlich von den Räumen verabschieden.» Räume, in denen sie jeden Winkel kennen. Borer hat eine Rampentreppe aus Holz und Eisengittern gebaut, die mitten im Raum steht – und nirgends hinführt. Rampen sind Funktionsobjekte, die man für ganz spezifische Dinge braucht – von denen aber hier nichts zu sehen ist: Nach der obersten Stufe erwartet einen lediglich eine etwas unheimliche Maske aus Kokosfasern, drapiert auf einem alten Becken für giftige Flüssigkeiten.



Ganz so wirds an der Abschiedsausstellung nicht aussehen, aber fast.

Ganz so wirds an der Abschiedsausstellung nicht aussehen, aber fast.

Wie eine Imkermaske sieht sie aus, und diese thront auf der kleinen Fläche wie eine Schreinfigur. Oder eine Opfergabe? Ist beides möglich. Abwesenheit, Schutz, Anbetung, Opferung – passt alles gut in diese letzten Tage am Voltaplatz. 

Weiter hinten liegt eine grosse Matte mit Terrazzo-Aufdruck. Fussbodenbelag. Er gehört zu Bianca Pedrina und ist ein bisschen störrisch. Sie will ihn noch an der Säule hochziehen, danach dürfe er aber machen, was er wolle. Dazu kommen Aufnahmen der Schwarzwaldallee von aussen, über die Bilder von Neubauten gelegt sind, silbern, glasig, hart. Eine abstrakte Neuankündigung – oder vielleicht gar eine dunkle Verheissung? Wahrnehmung und Wahrheit: auch das passt gut zur «Schwarzi». 

Widerliche Amerikaner, flackernde Lichter

Der letzte im ausstellenden Bunde ist Daniel Kurth. Er zeigt eine Art Image-Video eines zwielichtigen Amerikaners im Privatjet. «Ich zeige euch jetzt, wie ihr binnen kürzester Zeit und ohne viel Aufwand reich werden könnt!» Ziemlich widerlich. Auch von Kurth stammen die kleinen Lichter, die schon jetzt im ganzen Raum rumflackern. Kleine Lampen aus Silikon, in der Form von Flammen, mit Batterien betreiben. Ein bisschen wie die Flammen künstlicher Grabkerzen. Und ein bisschen wie tickende Bomben. 

Opfer, Reliquien, falsche Böden, Gräber, Bomben. Ein aufregender Abschied steht bevor.

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Letzte Ausstellung in der «Schwarzwaldallee», Vernissage 27. Mai, ab 19 Uhr.

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